Remembering Weather Report
Musikalbum der Miroslav Vitouš Group mit Michel Portal
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Remembering Weather Report ist ein Musikalbum der Miroslav Vitouš Group mit Michel Portal. Die im Herbst 2006 und Frühjahr 2007 in den Universal Syncopations Studios im norditalienischen Clavesana entstandenen Aufnahmen erschienen am 5. Juni 2009 auf ECM Records.
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Format(e)
CD, Download
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| Studioalbum von Miroslav Vitouš Group mit Michel Portal | ||||
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Format(e) |
CD, Download | |||
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Titel (Anzahl) |
6 | |||
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47:45 | ||||
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Besetzung |
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Manfred Eicher, Miroslav Vitouš | ||||
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Studio(s) |
Universal Syncopations Studios | |||
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Hintergrund
Der Bassist Miroslav Vitouš war einer der Gründer von Weather Report und prägte bis 1973 deren frühen Mix aus rätselhaften, frei fließenden Kompositionen und hochkarätigen Improvisationen, in denen alle Instrumente gleichberechtigt waren. Diese Phase würdigt Miroslav Vitouš auf Remembering Weather Report mit einer rein akustischen Band.[1]
Vitouš nahm das Album einem Kernquartett auf, bestehend aus dem italienischen Trompeter Franco Ambrosetti, dem Tenorsaxophonisten Gary Campbell und dem Schlagzeuger Gerald Cleaver – die beiden Letztgenannten waren bereits bei Vitouš‘ mit dem Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichneten Album „Universal Syncopations II“ (ECM, 2007) beteiligt – sowie Michel Portal als Gastmusiker an der Bassklarinette auf drei Stücken.
„Variations on Wayne Shorter“ nimmt die Komposition „Nefertiti“ von Vitouš’ ehemaligem Bandkollegen Wayne Shorter und verwendet deren Phrasen sparsam, wodurch Thom Jurek (Allmusic) zufolge ein neues improvisatorisches und lyrisches Thema entsteht. „Variations on Lonely Woman“ greift auf Ornette Colemans Komposition Lonely Woman zurück und verwendet auch das Largo aus der 9. Sinfonie von Antonín Dvořák. Auch sein Stück „When Dvorak Meets Miles“ ist eine sehr freie Anspielung auf die Motive des ersteren Komponisten, adaptiert an Miles Davis’ rhythmisch versiertere, offene Spielweisen. Hinzu kommt eine Duo-Improvisation mit dem Titel „Surfing with Michel“ mit Michel Portal sowie eine neue Komposition von Vitouš mit dem Titel „Semina“, die laut Vitouš den „edleren Bestrebungen von Joe Zawinul“ gewidmet sei.[2]
Titelliste
- Miroslav Vitouš Group /W Michel Portal: Remembering Weather Report (ECM Records – ECM 2073, ECM Records – 178 8137)[3]
- Variations on W. Shorter 5:13
- Variations on Lonely Woman (Ornette Coleman) 7:27
- Semina (In Three Parts) 13:31
- Surfing with Michel 5:48
- When Dvořák Meets Miles 10:57
- Blues Report 4:48
Wenn nicht anders vermerkt, stammen die Kompositionen von Miroslav Vitouš.
Rezeption
Thom Jurek verlieh dem Album in Allmusic vier Sterne und schrieb, Miroslav Vitouš sei Gründungsmitglied und Bassist von Weather Report gewesen, einer Band, die sich bis zu ihrem Ende weit von ihren Wurzeln entfernt hatte. Doch gerade diese musikalische Grundlage habe Vitouš hier auf seinem Tribut interessiert – an jenen musikalischen, freiheitsliebenden und egalitären Geist, der auf ihrem Debütalbum von 1971 und I Sing the Body Electric so eindrücklich zum Ausdruck gekommen sei. Vitouš habe sich nach seiner Rückkehr zu ECM im Jahr 2003 daran gemacht, nicht nur die ursprüngliche Vision wiederzuentdecken, die ihn während seiner Zeit bei Weather Report leitete, sondern sie auch einzufordern – eine Einsicht, die sich in der Musik dieses Albums widerspiegelt. Dieses Album erinnere daran, dass die damals entdeckte Spielweise auf eine zukünftige, noch nicht vollständig verwirklichte Musikrichtung hingewiesen habe. Dies sei ein exzellentes Album. so das Resümee Jureks; „der Beweis dafür, dass moderner Jazz, der Improvisation als direkte Folge der Form anerkennt und sie sogar weiter beflügelt, ein Paradebeispiel für einen modernen Jazz ist, in dem noch immer alles möglich ist.“[4]

Oberflächlich betrachtet habe Remembering Weather Report wenig mit der Fusion-Supergroup gemein, die der tschechische Bassist Miroslav Vitouš Anfang der 1970er-Jahre zusammen mit Keyboarder Joe Zawinul und Saxophonist Wayne Shorter gegründet hatte, bevor er kurz vor dem großen kommerziellen Erfolg abrupt aus der Gruppe entfernt wurde, meint John Kelman, der das Album in All About Jazz rezensierte. Weather Report war eine ausgesprochen elektrische Band; Vitouš' Band hingegen sei dezidiert akustisch und ähnle musikalisch kaum den frühen Alben, darunter dem bemerkenswerten, selbstbetiteltes Debütalbum von 1971 und dem Nachfolger I Sing the Body Electric von 1972. Doch hinter der Oberfläche würde sich ein unerschrockener Geist verbergen, der mehr als nur direkte Hommagen darstellt. Weather Reports frühes Motto „Jeder spielt Solo, niemand spielt Solo“ sei ein demokratisches Diktum gewesen, das absolute Gleichberechtigung und Unabhängigkeit betonte. Keine konventionelle Rhythmusgruppe – zumindest in den Anfangsjahren – und genau das sei die eigentliche Verbindung zwischen den beiden Bands, die fast 40 Jahre trennen. Vitous habe ein wahrhaft gleichberechtigtes Ensemble zusammengestellt, auch wenn seine kraftvolle Stimme, insbesondere am Bogen, oft das Gesamtbild dominiere. Vitous mit seinem unverwechselbaren, virtuosen Spiel und seinem lyrischen Bogenstrich, der dem des schwedischen Bassisten Anders Jormin in nichts nachstehe, habe noch nie so unverwechselbar und so gut geklungen. Remembering Weather Report sei ein Album, das die ursprüngliche Prämisse von Weather Report aufgreife und sie fest in den Kontext des 21. Jahrhunderts einbette, geprägt von temperamentvoller, zeitgenössischer Improvisation und empathischem Zusammenspiel.[5]
Vitouš würde – nunmehr rein akustisch – an sein Album Infinite Search und an die erste Weather-Report-Ausgabe anknüpfen, meinte Thomas Fitterling in Rondo. Das Themenmaterial werde von Vitouš‘ Quintett zuweilen mit spröder Klarheit auf seine Entwicklungsmöglichkeiten hin seziert. Die Ergebnisse seien dabei überwiegend – wie im Falle von Wayne Shorters „Nefertiti“ – faszinierend. Der Ornette-Coleman-Klassiker „Lonely Woman“ dagegen sperre sich mit seiner monolithischen Tektonik erfolgreich gegen dieses Verfahren. Das würde aber der Überzeugungskraft von Vitouš’ Statement nicht wirklich einen Abbruch tun.[6]