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Renata Camaro

deutsche Malerin, Grafikerin und Textilkünstlerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Renata Camaro, geborene Renate Gentner, (* 10. August 1934 in Herrenberg; † 6. November 2009 in Berlin) war eine deutsche Malerin, Grafikerin und Textilkünstlerin.

Leben und Ausbildung

Grabstätte

Renata Camaro wuchs als zehntes von elf Kindern in einem protestantisch geprägten Elternhaus in Herrenberg auf. Nach dem Abitur verließ sie 1955 ihre Heimatstadt und studierte von 1955 bis 1957 Druckgestaltung an der Textilingenieurschule Krefeld bei Elisabeth Kadow und Georg Muche. Die Ausbildung war von bauhausnahen Prinzipien geprägt. Ihr Studium schloss sie mit Auszeichnung ab.[1][2] 1956 erhielt sie ein Reisestipendium für Paris, 1958 folgte ein weiteres Stipendium für die Provence und Aragón. Im selben Jahr zog sie nach West-Berlin und nahm das Studium der Freien Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Berlin auf. Dort studierte sie Malerei bei Alexander Camaro und Kunstgeschichte bei Will Grohmann. 1959 wurde sie Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes.[1][2]

1962 erhielt Renata Camaro ein Reisestipendium für die USA und Mexiko. In diesem Zusammenhang zeigte sie ihre erste Einzelausstellung in New York. Während der Reise erlitt sie in Mexiko einen schweren Autounfall, der ihr Leben und ihr künstlerisches Arbeiten nachhaltig prägte. 1962/63 war sie Meisterschülerin von Alexander Camaro.[1] [2] 1964 unternahm sie eine weitere Studienreise nach Mystras, Delphi und Delos. 1966 heiratete sie Alexander Camaro. Von 1966 bis 1992 arbeitete sie unterstützend an dessen Werkstattarbeiten, Auftragsarbeiten und Graphikeditionen mit. Ab 1972 lebte und arbeitete sie in Berlin und Kampen auf Sylt. 2009 gründete sie die Alexander und Renata Camaro Stiftung. Renata Camaro starb 2009 in Berlin[1] und wurde auf dem Waldfriedhof Zehlendorf beigesetzt.

Werk

Renata Camaros frühe Arbeiten sind geprägt von ihrer Ausbildung im Bereich der Textilgestaltung. Strenge Ordnungsprinzipien, Rhythmus, Wiederholung und ein ausgeprägtes Gespür für Farbklänge bestimmen diese Phase. Bereits Ende der 1950er Jahre beginnt sie jedoch, die textile Ordnung von Kette und Schuss zugunsten einer freieren, auf die Fläche gesetzten Malerei aufzulösen.

Ein Wendepunkt in Renata Camaros Leben und Werk ist der Autounfall von 1962. In der Folge zog sie sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück und verfolgte ihren künstlerischen Weg abseits des etablierten Kunstbetriebs. Sie signierte ihre Werke fortan mit „renata“ (lat. = die Wiedergeborene), als Ausdruck von Wiedergeburt.

In den 1960er- und 1970er-Jahren entwickelte sie eine eigenständige Bildsprache, in der Farbe und Materie selbst zum Gegenstand wurden. Abstraktion und Gegenständlichkeit stehen dabei nicht im Widerspruch, sondern ergänzen sich.[2][1] Seit den 1970er-Jahren setzte sich Renata Camaro intensiv mit Fragen weiblicher Identität auseinander. In Serien wie Mänaden waren da thematisierte sie Rollenbilder, Selbstverständnis und das Verhältnis von Frau und künstlerischer Autonomie. Mythologische Figuren dienten ihr dabei als Projektionsflächen für eigene Erfahrungen.

Parallel dazu entstanden Werke mit expliziten literarischen Bezügen. Sie setzte sich mit Autorinnen wie Virginia Woolf, Unica Zürn und Christa Wolf auseinander, deren Texte und Lebenswege sie als geistige Verwandtschaften verstand. Diese Auseinandersetzung fand Ausdruck in Werktiteln, Widmungen und textlichen Fragmenten innerhalb ihrer Arbeiten.

In den 1980er-Jahren gewann die Beschäftigung mit Zen-Buddhismus und meditativen Praktiken an Bedeutung. Die sogenannten Zen-Bilder zeichnen sich durch Reduktion, Stille und Konzentration aus. Farbe, Form und Material werden hier zu Mitteln der Sammlung und inneren Ordnung.

In den frühen 1980er-Jahren entstand mit der Serie Die Vision[3] eine Phase außergewöhnlicher Produktivität, die von spontaner, gestischer Malerei geprägt war. In den späten Jahren kehrte Renata Camaro verstärkt zu ruhigen, nicht-figurativen Bildformen zurück. Bis zu ihrem Lebensende arbeitete sie an Bildern, die als Abschiedsbilder von der gemeinsamen Zeit mit Alexander Camaro verstanden werden können.[2]

Ausstellungen (Auswahl)

  • 1962: New York, Goethe House
  • 1962: San Francisco, Gallery Rebecca Smith
  • 1962: London, Studio Abe Jaffe
  • 1965: Sylt, Kunstschau der Spielbank Westerland
  • 1972: Berlin, Galerie am Parkhaus
  • 1977: Sylt, Kunstschau der Spielbank Westerland
  • 1981: Ahlen, Fritz-Winter-Haus
  • 1985: Düsseldorf, Galerie Mühlenbusch
  • 1986: Berlin, Galerie Bremer
  • 1988: Freiburg, galerie pro arte
  • 1990: Düsseldorf, Galerie Mühlenbusch
  • 1991: Bonn, Galerie Brigitte Wagner
  • 2013: Berlin, Alexander und Renata Camaro Stiftung

Alexander und Renata Camaro Stiftung

Die 2009 von Renata Camaro gegründete Alexander und Renata Camaro Stiftung verwaltet das Werk des Künstlerpaars. Der Öffentlichkeit wird es durch Publikationen und Ausstellungen im „Camaro Haus“ sowie Ausstellungsbeteiligungen an anderen Orten zugänglich gemacht. Zudem fördert die Stiftung zeitgenössische Malerei, Tanz, Literatur, Film und Musik in Anknüpfung an Alexander Camaros vielseitiges Schaffen.[2]

Bibliographie

  • Introversion: Blickpunkte zeitgenössischer Kunst in Deutschland. Hommage an die empfindsamsten Außernseiter deutsch-deutscher Kunst. Katalog anläßlich der gleichnamigen Ausstellung von 1991 in Berlin, Konrad-Adenauer-Stiftung, Erfurt, Galerie im Hause Dacheröden und Leipzig, Oper, S. 63–72.
  • Staatliche Kunsthalle Berlin (Hrsg.), Bericht 1985. 3 Jahre Ankäufe des Senats, Berlin 1985.

Einzelnachweise

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