Renate Dillmann
deutsche Journalistin und Sachbuchautorin
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Renate Dillmann (früher Renate Paeschke; * 1954[1]) ist eine deutsche Journalistin und Sachbuchautorin.
Nach eigenen Angaben studierte Dillmann Politikwissenschaft, Geschichte und Soziologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und legte dort 1979 das 1. Staatsexamen ab, das 2. Staatsexamen folgte 1984 in Dortmund. 1989 wurde sie an der Fernuniversität in Hagen promoviert. Bisherige Tätigkeiten waren: Lehrerin, wissenschaftliche Mitarbeiterin, freie Journalistin, Lehrbeauftragte und Vertretungsprofessorin.[2]
2009 veröffentlichte Renate Dillmann das Buch „China. Ein Lehrstück über alten und neuen Imperialismus, einen sozialistischen Gegenentwurf und seine Fehler, die Geburt einer kapitalistischen Gesellschaft, den Aufstieg einer neuen Großmacht“, in dem die jüngere Geschichte der Volksrepublik von den Opiumkriegen an untersucht wird. 2021 erschien eine erweiterte Neuauflage. Dillmann vertritt in der mit umfangreichem Material unterlegten Schrift die These, dass zwischen der sozialistischen Etappe der Volksrepublik (1949 bis 1978) und der jetzigen „kapitalistischen“ ein Zusammenhang besteht, der im besonderen nationalen Standpunkt der chinesischen Kommunistischen Partei liegt („Kommunismus und Nation“).[3] Im Unterschied zu vielen anderen China-Autoren kritisiert Dillmann sowohl die sozialistische wie die kapitalistische Volksrepublik, und zwar aus linker Perspektive. Das Buch liegt in chinesischer Übersetzung vor.[4]
Mit Arian Schiffer-Nasserie schrieb sie 2018 „Der soziale Staat. Über nützliche Armut und ihre Verwaltung. Ökonomische Grundlagen/Politische Maßnahmen/Historische Etappen“ – ein politikwissenschaftliches Lehrbuch über die deutsche Sozialpolitik. Darin halten die Autoren „Sozialpolitik nicht für eine unhinterfragbar gute Errungenschaft moderner Staatlichkeit, nur weil die ,soziale Schwachen‘ in der ,freien Marktwirtschaft‘ ohne sie kein Auskommen haben. Sie feiern den Sozialstaat nicht dafür, dass er der Garant für den ,sozialen Frieden‘ und die ,Nachhaltigkeit‘ der staatlich etablierten Konkurrenzgesellschaft ist. Ihre Darstellung zielt vielmehr auf eine grundsätzliche Kritik: Sozialpolitik in Deutschland ist ein Armutszeugnis über die materielle Lebenslage der Lohnabhängigen, ein notwendig umstrittenes Funktionserfordernis im entwickelten Kapitalismus – und zugleich Quell für ebenso viele wie falsche Erwartungen an den sozialen Staat.“[5]
Im Jahr 2023 veröffentlichte Dillmann eine Sammlung von Artikeln unter dem Titel „Abweichendes zum Ukraine-Krieg“[6].
2025 folgte die Publikation „Medien. Macht. Meinung. Auf dem Weg in die Kriegstüchtigkeit“, in der sie zunächst Methoden und Mechanismen der politischen Berichterstattung analysiert und kritisiert, bevor sie im zweiten Teil grundlegende Überlegungen zur Meinungs- und Pressefreiheit, zu Medien in kapitalistischen Gesellschaften und zum „Dreiecksverhältnis zwischen Politik, Presse und Publikum“ anstellt. Teil 3 stellt „nationale Feindbilder“ vor und untersucht die Leistungen der deutschen Leitmedien beim „Weg in die Kriegstüchtigkeit“.
Als Journalistin verfasste Dillmann Artikel für Nd, die Junge Welt, Konkret, die NachDenkSeiten und Telepolis.[7] Sie betreibt den Podcast Der Real Existierende Wahnsinn bei 99 ZU EINS.[8]
Schriften (Auswahl)
- Medien. Macht. Meinung. Auf dem Weg in die Kriegstüchtigkeit. PapyRossa Verlag, Köln 2025, ISBN 978-3-89438-834-8.
- China. Ein Lehrstück über alten und neuen Imperialismus, einen sozialistischen Gegenentwurf und seine Fehler, die Geburt einer kapitalistischen Gesellschaft, den Aufstieg einer neuen Großmacht. 5. aktualisierte und ergänzte Neuausgabe, Die Buchmacherei, Berlin 2021, ISBN 978-3-9822036-7-6 (Erste Auflage: VSA-Verlag, Hamburg 2009, ISBN 978-3-89965-380-9).
- Mit Arian Schiffer-Nasserie: Der soziale Staat. Über nützliche Armut und ihre Verwaltung: ökonomische Grundlagen, politische Maßnahmen, historische Etappen. VSA-Verlag, Hamburg 2018, ISBN 978-3-89965-885-9.
- Als Renate Paeschke: Die Deduktion des Staates bei Thomas Hobbes. Eine Betrachtung der Hobbesschen Staatsbegründung im „Leviathan“ und eine kritische Durchsicht ausgewählter deutschsprachiger Hobbes-Interpretationen. Lang, Frankfurt am Main/Bern/New York/Paris 1989, ISBN 978-3-631-41815-4 (zugleich Dissertationsschrift, Fernuniversität Hagen 1988).