Renina Katz

brasilianische Grafikerin und Hochschuldozentin From Wikipedia, the free encyclopedia

Renina Katz Pedreira (geboren am 30. Dezember 1925 in Niterói oder Rio de Janeiro; gestorben am 21. Januar 2025 in São Paulo) war eine brasilianische Grafikerin, Zeichnerin, Aquarellistin, Illustratorin und Hochschuldozentin.

Sie zählt neben Edith Behring und Fayga Ostrower zur ersten Generation bedeutender brasilianischer Grafikerinnen. Der Kunsthistoriker Geraldo Edson de Andrade bezeichnete diese Künstlerinnengruppe als ein „Matriarchat der Druckgrafik in Brasilien“.[1]

Leben und Ausbildung

Renina Katz wurde als Tochter polnisch-jüdischer aschkenasischer Einwanderer geboren, die sich nach dem Ersten Weltkrieg in Brasilien niederließen.[2] Es gibt sich widersprechende Belege,[3][4] ob Katz tatsächlich in Rio de Janeiro oder in der Nachbarstadt Niterói (im gleichen Bundesstaat Rio de Janeiro) geboren wurde.

Ihre künstlerische Ausbildung begann sie in den 1940er Jahren in Rio de Janeiro. 1946 wandte sie sich unter Anleitung des österreichischen Grafikers Axl von Leskoschek der Holzschnitttechnik zu.[5]

Zwischen 1947 und 1950 studierte sie Malerei an der Escola Nacional de Belas Artes in Rio de Janeiro und schloss dort ihr Studium ab. Zudem erwarb sie eine Licenciatura in Zeichnung an der Faculdade de Filosofia der damaligen Universidade do Brasil (heute UFRJ). Auf Anregung des Künstlers Poty Lazzarotto belegte sie Kurse in Metallgravur bei Carlos Oswald am Liceu de Artes e Ofícios in Rio de Janeiro.

1951 zog sie nach São Paulo. Dort unterrichtete sie von 1952 bis 1955 am Museu de Arte de São Paulo Assis Chateaubriand (MASP) sowie von 1953 bis 1963 an der Fundação Armando Álvares Penteado (FAAP).[6]

1956 wurde sie Dozentin an der Fakultät für Architektur und Städtebau (FAU) der Universidade de São Paulo. Dort absolvierte sie auch ihr Master- und Promotionsstudium. Ihre 1979 eingereichte Masterarbeit mit dem Titel „Matrizes Modificadoras do Campo Plástico“ war die erste an der Universität präsentierte wissenschaftliche Arbeit, die in Form einer Serie von Siebdrucken ausgeführt wurde. 1982 verteidigte sie mit „Lugares“, bestehend aus 13 Lithografien, die erste nicht-verbale Dissertation an der FAU. Insgesamt war sie 28 Jahre lang an der USP tätig.[7]

Renina Katz verstarb am 21. Januar 2025 im Alter von 99 Jahren in São Paulo.[8][3]

Werk

Sem Título (1978) (Acrylfarbe auf Beton) im U-Bahnhof Sé in São Paulo
Sem Título (1991) (Acrylfarbe auf Faserzementplatte) im U-Bahnhof Jabaquara in São Paulo

In ihrer frühen Schaffensphase widmete sich Katz zunächst der Malerei von Porträts und Stadtlandschaften Rios unter dem Einfluss des Expressionismus. Ab 1948 konzentrierte sie sich verstärkt auf den Holzschnitt und schuf Serien in Holz- und Linolschnitt.[7]

In den 1950er Jahren war ihr Werk stark vom sozialen Realismus geprägt. Sie behandelte Themen wie Favelabewohner, Landlose, Wanderarbeiter und Straßenkinder. 1956 veröffentlichte sie ihr erstes Grafikportfolio mit dem Titel Favela. Für die Serie über die „Retirantes“ fertigte sie zahlreiche Skizzen vor Ort an, unter anderem an der Estação do Norte in São Paulo.[7]

In den 1960er Jahren entfernte sie sich von explizit sozialkritischen Themen und entwickelte eine zunehmend nicht-figurative Bildsprache.[4] Sie widmete sich verstärkt Malerei und Zeichnung und experimentierte mit Farbstudien im Siebdruck. Seit den 1970er Jahren arbeitete sie intensiv mit Lithografie. In den 1980er Jahren erzielte sie durch die Verwendung zahlreicher Druckplatten und mehrfacher Überlagerungen transluzide Farbflächen und differenzierte Tonwerte.[7]

Nach 2000 führten gesundheitliche Einschränkungen dazu, dass sie die Druckgrafik weitgehend aufgab und sich verstärkt der Aquarellmalerei zuwandte.[7]

Ausstellungen und öffentliche Arbeiten

Renina Katz stellte erstmals 1946 in der Gruppenausstellung Os pintores vão à escola do povo an der Escola Nacional de Belas Artes aus. Ihre erste Einzelausstellung fand 1950 ebenfalls in Rio de Janeiro statt. In der Folge realisierte sie rund 50 Einzelausstellungen in Brasilien, Chile, den Vereinigten Staaten, Mexiko, Paraguay, Portugal, Italien und den Niederlanden. Sie nahm mehrfach an der Biennale von São Paulo teil (1955, 1959, 1961, 1963 und 1985).

Als erste Künstlerin erhielt sie einen Auftrag für die Kunstsammlung der Metro São Paulo. 1978 entstand im U-Bahnhof Sé ein 81 Quadratmeter großes Wandbild aus Betonmodulen in sechs Grüntönen. 1991 realisierte sie ein weiteres, 154 Quadratmeter großes Werk auf Faserzementplatten im U-Bahnhof Jabaquara. Beide Arbeiten sind abstrakt und stehen im Kontext einer „sensiblen Geometrie“, die formale Strenge mit atmosphärischer Wirkung verbindet.[9]

Literatur

  • Gloria Cristina Motta: Arte em Papel – O Trabalho Gráfico de Renina Katz. Dissertation. Faculdade Santa Marcelina, São Paulo 2007 (com.br [PDF]).
  • Ana Heloiza Braga Lima Albano: Arte social na obra de Renina Katz: uma análise de Antologia Gráfica. Dissertation. Universidade de Brasília, Brasília 2019 (unb.br [PDF]).
Commons: Renina Katz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Renina Katz in der Enciclopédia Itaú Cultural (portugiesisch)

Einzelnachweise

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