Rheinblick2027
internationales hydrologisches Forschungsprojekt zur Untersuchung der Auswirkungen des Klimawandels auf den Abfluss des Rheins und seiner wichtigsten Nebenflüsse
From Wikipedia, the free encyclopedia
Rheinblick2027 ist ein internationales hydrologisches Forschungsprojekt zur Untersuchung der Auswirkungen des Klimawandels auf den Abfluss des Rheins und seiner wichtigsten Nebenflüsse. Das Projekt wird von der Internationalen Kommission für die Hydrologie des Rheingebiets (KHR) koordiniert und läuft von September 2024 bis Ende 2027.
Vorgängerprojekte / Projektgeschichte
Rheinblick2027 knüpft an frühere hydrologische Szenarienstudien der KHR an, insbesondere an die Studie Rheinblick2010 (zuvor RheinBlick2050).[1][2] RheinBlick2010 leistete einen wichtigen Beitrag zur Abschätzung möglicher zukünftiger Abflussregime des Rheins. Die Ergebnisse zeigten unter anderem, dass es keine einzelne, eindeutige Projektion der zukünftigen Abflussentwicklung gibt, sondern eine Bandbreite modellabhängiger Szenarien.[3]
Ziel von Rheinblick 2027 ist es nun, die bestehenden Szenarien der Studie Rheinblick2010 zu aktualisieren und dabei neue wissenschaftliche Fragestellungen sowie Fortschritte in der Klimawissenschaft und Modellierung zu berücksichtigen.[1]
Das Projekt folgt einer Open-Data-Politik, sodass hydrologische Szenarien und technische Berichte öffentlich zugänglich gemacht werden.[1] Projektergebnisse, Stakeholder-Austausche und Updates werden auf der KHR-Website (siehe unter Weblinks) veröffentlicht.
Projektziele
Zu den zentralen Zielen von Rheinblick2027 zählen:
- der Vergleich unterschiedlicher hydrologischer Modelle,
- die Entwicklung hydrologischer Szenarien bis zum Jahr 2150,
- die Bewertung der Auswirkungen des Klimawandels auf relevante hydrologische Signaturen.[4]
Darüber hinaus zielt das Projekt darauf ab, die transdisziplinäre Zusammenarbeit mit Stakeholdern zu stärken und die Kooperation zwischen den beteiligten Modellierungsgruppen durch Outreach-Aktivitäten und interaktive Plattformen zu fördern. Diese Bemühungen bringen Stakeholder aus dem Rhein-Einzugsgebiet sowie Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen zusammen, um sicherzustellen, dass die Endprodukte den Bedürfnissen der Stakeholder entsprechen und Klimadienstleistungen für die Wasserwirtschaft bereitgestellt werden.[4]
Die wichtigsten Stakeholder des Projekts sind die beiden Rheinkommissionen:
- Internationale Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR)
- Zentralkommission für die Rheinschifffahrt (ZKR)[4]
Modellierungsrahmen
Rheinblick2027 umfasst derzeit vier hydrologische Modellierungsteams, die jeweils ein modernes hydrologisches Modell einsetzen:
- wflow-sbm (Deltares, Niederlande)[5]
- LARSIM-ME (Bundesanstalt für Gewässerkunde, Deutschland)[6]
- PREVAH (WSL, Schweiz)[7]
- GRSD (INRAE, Frankreich)
In einer ersten Simulationsrunde betrieben drei der beteiligten Gruppen ihre Modelle mit den KNMI’23-Klimaszenarien des Königlichen Niederländischen Meteorologischen Instituts (KNMI). Diese Szenarien basieren auf 33 CMIP6-Klimaprojektionen für unterschiedliche zukünftige Zeiträume bis zur Mitte des 22. Jahrhunderts.[8] Die ersten daraus resultierenden Abflussprojektionen zeigen steigende Winter- und sinkende Sommerabflüsse. Sinkende Sommerabflüsse sind besonders relevant, da der Wasserbedarf in dieser Zeit am höchsten ist. Diese erste Simulationsrunde dient als Test, um Modellunterschiede zu vergleichen und ein klar definiertes Simulations- und Validierungsprotokoll zu entwickeln.[4]
In einer zweiten Phase sollen die hydrologischen Simulationen auf transienten EURO-CORDEX-Szenarien basieren, die aus CMIP6-Klimaprojektionen herunterskaliert werden.[4]
Ergänzend zur Entwicklung von Abflussszenarien plant Rheinblick2027 die Analyse der Klimawandelauswirkungen auf sechs thematische Schwerpunkte: Grundwasserneubildung, Extremwertstatistik, Stresstestszenarien, Sturzfluten, Meeresspiegelanstieg sowie den Fluss Maas/Meuse. Diese Themen wird mit jeweils spezifischen Ansätzen analysiert, die sich in Tiefe und Format unterscheiden.[4][2]
Erwartete Ergebnisse und Nutzniesser
Rheinblick2027 verfolgt eine gezielte Kommunikationsstrategie, um die Ergebnisse möglichst breit zugänglich zu machen und die Zusammenarbeit mit Stakeholdern sowie Modellierungsgruppen zu stärken. Die hydrologischen Szenarien auf Basis von EURO-CORDEX werden als Datenpublikation veröffentlicht, die das Modellierungsframework beschreibt und eine Literaturübersicht zu hydrologischen Klimaprojektionen enthält. Kurze Berichte zu den thematischen Schwerpunkten werden erstellt, von denen einige auch in Fachzeitschriften veröffentlicht werden könnten. Für Stakeholder, öffentliche Behörden und politische Entscheidungsträger wird eine Broschüre erstellt.[4]
Rheinblick2027 wird regelmäßig in Vorträgen und auf Konferenzen präsentiert, und es werden spezielle Plattformen eingerichtet, um die Zusammenarbeit zwischen den Modellierungsgruppen zu fördern und das Engagement der Stakeholder zu stärken. Die Ergebnisse sollen Stakeholdern, öffentlichen Behörden, politischen Entscheidungsträgern und der wissenschaftlichen Gemeinschaft zugutekommen, indem Daten, Analysen und zusammengefasste Erkenntnisse bereitgestellt werden.[4]
Projektveranstaltungen / Workshops / Seminare
- April 2024, Koblenz (DE): Start des Projekts Rheinblick2027
- September 2024, Online: Kick-off Rheinblick2027
- April 2025, Deventer (NL): Transdisziplinäres Eröffnungsseminar Rheinblick2027
- Oktober 2025, Online: Seminar zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Grundwasserneubildung
- Oktober 2025, Colmar (FR): Retreat der Kernarbeitsgruppe
- März 2026, Zürich (CH): Expert:innentreffen zur Entwicklung von Stresstestszenarien[4][9][10][11]
Projektkonsortium
Am Projekt beteiligt sind unter anderem:
- BfG – Bundesanstalt für Gewässerkunde (Deutschland)
- BOKU – Universität für Bodenkultur Wien (Österreich)
- Deltares (Niederlande)
- BAFU – Bundesamt für Umwelt (Schweiz)
- HLNUG – Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (Deutschland)
- INRAE – Nationales Forschungsinstitut für Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt (Frankreich)
- KNMI – Königliches Niederländisches Meteorologisches Institut (Niederlande)
- Rijkswaterstaat – Zentrum für Wasserwirtschaft (Niederlande)
- UZH – Universität Zürich (Schweiz)
- WSL – Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (Schweiz)[4]
Publikationen
- Wechsler, T., Schirmer, M., Sperna Weiland, F., Nied, M., Wrede, S., Beersma, J., Regenauer, J., Nilson, E., Burgers, R., ter Maat, J., Schmocker-Fackel, P., Habersack, H. (2025). Rheinblick2027 opening seminar report: a transdisciplinary exchange to align the project design with stakeholder needs. International Commission for the Hydrology of the Rhine Basin CHR, 7 P.
- Wechsler, T., Schirmer, M., Sperna Weiland, F., Nied, M., Wrede, S., Beersma, J., Regenauer, J., Nilson, E., Burgers, R., ter Maat, J., Schmocker-Fackel, P., Habersack, H. (2025). Rheinblick2027 Eröffnungsseminar: Ein transdisziplinärer Dialog zur Ausrichtung des Projektdesigns auf die Interessen der Stakeholder. HW, 69(5), 265–267.
- Nydegger, N. (2025). Impact of Climate Change on the River Rhine discharge in Switzerland using the KNMI’23 Climate Scenarios. Institute of Environmental Engineering. Master’s thesis. ETH Zurich & Swiss Federal Institute for Forest, Snow and Landscape Research WSL.
- Wechsler, T., Björnsen, A., Wartmann, F., Rohr, C., Schädler, B. (2025). Das Wasserschloss Europas im Wandel. Eine Zeitungsartikelanalyse zur Verwendung der Metapher im Kontext der Klimaerwärmung. Aqua & Gas, 105(12), 64–69.
- Wechsler, T., Schirmer, M., Sperna Weiland, F., Buitink, J., Collignan, J., Wrede, S., Beersma, J., Regenauer, J., Nilson, E., Burgers, R., ter Maat, J., Schmocker-Fackel, P., Habersack, H. (2025). Rheinblick2027: interim project report. International Commission for the Hydrology of the Rhine Basin (CHR). }}