Rheinischer Archivtag

Jahrestagung der Archivarinnen und Archivare im Rheinland From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Rheinische Archivtag (RAT) ist die regionale Fachtagung für die Archivare und Archivarinnen des nördlichen Rheinlandes und somit des rheinischen Landesteils von Nordrhein-Westfalen. Zusätzlich nehmen regelmäßig Gäste aus weiteren deutschen und europäischen Archivregionen teil. Die Ausrichtung der Veranstaltung übernimmt das LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum (LVR-AFZ), eine Dienststelle des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR), gemeinsam mit einer jährlich wechselnden, gastgebenden Kommune. Der Archivtag dient dem kollegialen Informationsaustausch sowie der Diskussion aktueller archivfachlicher Fragestellungen und Probleme.

Organisation und Ablauf

Der RAT findet im Frühsommer, zumeist Anfang Juni, statt. Die innerhalb des nördlichen Rheinlandes jahrweise wechselnden Tagungsorte befinden sich immer am Standort eines Stadt- oder Kreisarchivs, welches sich an Planung und Durchführung der Veranstaltung beteiligt. Hauptsächlich ist das LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum für die Organisation des RAT verantwortlich. Dies unterscheidet den Rheinischen Archivtag, genau wie sein westfälisches Pendant, von anderen regionalen Archivtagen in Deutschland, welche in der Regel durch die Landesarchive organisiert werden. Die Varianz unter den Gastgeberkommunen des RAT spiegelt die Vielfalt des Rheinlands wieder, welches durch internationale Metropolen, Groß- und Mittelstädte, aber auch ländliche Regionen geprägt ist. Der nächstjährige Tagungsort wird am Ende eines Archivtages bekannt gegeben.[1][2] Der Rheinische Archivtag ist ein Forum für alle Archivsparten, traditionell liegt aber ein Schwerpunkt auf den Kommunalarchiven. Neben deren Mitarbeitenden besuchen auch Archivarinnen und Archivare der Staats-, Kirchen- und Wirtschaftsarchive sowie vieler anderer Institutionen den RAT. Die Teilnahme bewegt sich jährlich etwa zwischen 150 und 200 Personen.[1]

Rheinischer Archivtag 2015 in der Abtei Brauweiler

Erstmalig wurde die Veranstaltung 1967, damals noch unter der Bezeichnung „Tagung rheinischer Kommunalarchivare“, veranstaltet. Die Umbenennung zum „Rheinischen Archivtag“ erfolgte 1979, um so den spartenübergreifenden Charakter widerzuspiegeln.[3] Seit der Gründung wird jede Jahrestagung einem spezifischen Thema gewidmet, welches das zweitägige Tagungsprogramm größtenteils bestimmt. Der erste Tag wird durch formelle Begrüßungen von Repräsentantinnen bzw. Repräsentanten der Gastgeberkommune und des LVR sowie einer am Tagungsthema orientierten Keynote eingeleitet. Den programmatischen Hauptteil während beider Tage bilden Panels mit jeweils zwei bis drei Einzelvorträgen und moderierter Diskussion. In manchen Jahren finden bei entsprechendem Bedarf auch Panels parallel statt oder es werden alternative Diskussionsformate als Ergänzung veranstaltet.[1] Wenngleich die Mehrheit der Panels und andere Programmpunkte sich am jeweiligen Tagungsthema orientieren, gibt es immer auch Vorträge und Diskussionen zu anderen archivrelevanten Themen. Hierzu gehören beispielsweise die archivarische Fachausbildung, der Aufbau kooperativer Infrastrukturen oder rechtliche Problemfelder. Am zweiten Tag können alle Teilnehmenden zudem durch Kurzbeiträge im offenen Format der „aktuellen Stunde“ eigene Projekte präsentieren, Nachfragen stellen und auf berufsständische oder archivfachliche Probleme aufmerksam machen.[1] Jenseits des archivfachlichen Teils wird zudem ein Rahmenprogramm angeboten, während dem Teilnehmende die Gastgeberkommune kennenlernen oder Einblicke in örtliche Archive erhalten können.[1]

Zusammenfassungen der Vorträge und Diskussionen sind seit 2012 in einem Live-Blog unmittelbar abrufbar.[4] Außerdem erscheinen die Beiträge im jährlichen Tagungsband der Reihe „Archivhefte“, welcher auf dem Rheinischen Archivtag des Folgejahres veröffentlicht wird.[5]

Übersicht der Rheinischen Archivtage

Weitere Informationen Jahr, Ort ...
JahrOrtTagungsthema
1.1967RemscheidBenutzerordnung für Kommunalarchive
2.1968NeussArchiv und Verwaltung
3.1969ViersenArchivpflegelehrgänge für Kommunalarchivare
4.1970KalkarKommunalarchive und Öffentlichkeitsarbeit
5.1971RadevormwaldKassation und Ersatzverfilmung
6.1972RheinhausenSammlungs- und Bibliotheksgut in Kommunalarchiven
7.1973Oberbergischer KreisAufbau von Kommunalarchiven / Kooperationen im Archivwesen
8.1974EuskirchenArchivgesetzgebung
9.1975NeussAusstellungen als Mittel der Öffentlichkeitsarbeit
10.1976RatingenÖffentlichkeitsarbeit von Archiven
11.1977DürenPapier – Geschichte, Herstellung, Konservierung
12.1978MoersHandschriften – Erschließung und Katalogisierung
13.1979Köln und Bornheim-WalberbergNichtkommunales Archivwesen
14.1980Remscheid-LennepRheinische Archivpflege in Privatarchiven
15.1981EssenQuellen zur Sozialgeschichte in Archiven im Ruhrgebiet
16.1982GummersbachArchiv und Denkmalpflege
17.1983EmmerichAufbau von Kommunalarchiven
18.1984NeussKommunalarchive und lokale Geschichtsforschung
19.1985BrühlGenealogie im Archiv
20.1986WuppertalKirchenarchive im Rheinland
21.1987KrefeldKommunales Archivwesen in den achtziger Jahren
22.1988SolingenFotos im Archiv
23.1989JülichPC-Einsatz im Archiv
24.1990Bad MünstereifelMündliche Geschichte
25.1991WeselZeitungen im Archiv
26.1992StraelenAdaption von Gebäuden für Archivzwecke
27.1993HennefArchiv und Agrargeschichte
28.1994HückelhovenArchive und Bergbaugeschichte
29.1995GrevenbroichFotos in Archiven
30.1996Dormagen-ZonsErgänzungsdokumentation in Archiven
31.1997Bergisch GladbachBestandserhaltung in Archiven: Papier – seine Vergangenheit und Zukunft
32.1998DinslakenDer PC als Instrument der Benutzung im Archiv
33.1999RheinbachArchivische Informationssicherung im digitalen Zeitalter
34.2000Monheim am RheinErschließung in Archiven – Grenzen und Möglichkeiten
35.2001Mülheim an der RuhrMassenkonservierung / Archivpädagogik
36.2002EuskirchenDigitalisierung in Archiven
37.2003GeldernArchivische Projektarbeit / Archive zwischen Rationalisierung und Effizienz
38.2004Köln75 Jahre Archivberatung im Rheinland
39.2005KerpenArchiv und Denkmalpflege / Überlieferung zur kommunalen Geschichte in Adels- und Kirchenarchiven
40.2006Düsseldorf-BenrathWirtschaft und Archive: Überlieferungsbildung durch Kooperation
41.2007Pulheim-BrauweilerDie rheinischen Kommunalarchive: Herausforderungen des 21. Jahrhunderts
42.2008ReesFilmarchivierung
43.2009ViersenNetzwerken – Kooperieren – Delegieren: Handfeste Mittel zum Optimieren der Archivarbeit
44.2010Bonn-Bad GodesbergStandards und Normen im Alltag der Archive
45.2011RemscheidArchive als Bildungspartner
46.2012RatingenDigital und analog – Die beiden Archivwelten
47.2013AachenBetrieb versus Projekt? Finanzierung der Archive in der Zukunft
48.2014KleveKooperation ohne Konkurrenz: Perspektiven archivischer Kooperationsmodelle
49.2015Pulheim-BrauweilerArchivlandschaft Rheinland
50.2016SiegburgVerwaltung – Kultur – Wissenschaft. Facetten der Archive
51. 2017 Essen Archive im Rechtsstaat – Zwischen Rechtssicherung und Verrechtlichung
52.2018FrechenDer Servicegedanke beginnt im Kopf – Für eine archivische Willkommenskultur
53. 2019 Duisburg Eine Königsdisziplin auf dem Prüfstand – Überlieferungsbildung heute
54.2021Pulheim-BrauweilerArchive und Forschung – Zwischen Wunsch und Wirklichkeit
55.2022ErkelenzKatastrophen- und Krisenmanagement
56. 2023 Krefeld Wachsende Aufgaben, knappe Ressourcen. Wohin steuert die Archivarbeit?
57. 2024 Wesseling Visuelle Quellen – Fotos und Filme in Archiven
58. 2025 Viersen Archive – nachhaltig und zukunftsfähig?
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Siehe auch

Literatur

  • Horst Schmitz: 50 Jahre Archivberatungsstelle Rheinland 1929–1979. Köln 1979 (= Archivhefte des LVR, Nr. 13).
  • Peter Weber u. Wolfgang Schaffer: 80 Jahre Archivberatung im Rheinland. Habelt-Verlag, Bonn 2009 (= Archivhefte des LVR, Nr. 38).

Einzelnachweise

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