Rhodizit

Mineral aus der Klasse der Borate From Wikipedia, the free encyclopedia

Rhodizit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Borate“ (ehemals Carbonate, Nitrate und Borate, siehe Klassifikation). Es kristallisiert im kubischen Kristallsystem mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung KBe4Al4(B11Be)O28,[2] ist also ein Kalium-Beryllium-Aluminium-Borat. Da allerdings in natürlich vorkommenden Rhodiziten ein Teil des Kaliums durch Caesium (bis etwa 4 %)[5] und/oder Rubidium vertreten (substituiert) sein kann, wird die Formel in verschiedenen Quellen auch mit (K,Cs)Al4Be4[O4|B11BeO24][3] oder (K,Cs,Rb)Al4Be4[O4|B11BeO24][6] angegeben.

Schnelle Fakten Allgemeines und Klassifikation, Kristallographische Daten ...
Rhodizit
Gelber Rhodizit aus dem Sahatany-Pegmatitfeld, Manandonatal, Vakinankaratra, Madagaskar (Größe 4,4 cm × 3,2 cm × 1,5 cm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Rdz[1]

Chemische Formel
  • KBe4Al4(B11Be)O28[2]
  • (K,Cs)Al4Be4[O4|B11BeO24][3]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Borate (ehemals Carbonate, Nitrate und Borate)
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

Vc/E.01
V/L.02-020

6.GC.05
25.08.02.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem kubisch
Kristallklasse; Symbol hexakistetraedrisch; 43m
Raumgruppe P43m (Nr. 215)Vorlage:Raumgruppe/215[3]
Gitterparameter a = 7,32 Å[3]
Formeleinheiten Z = 1[3]
Häufige Kristallflächen {001} und {111}[4]
Zwillingsbildung selten nach {111}[4]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 8 bis 8,5
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,22 bis 3,44; berechnet: 3,2 bis 3,62[4]
Spaltbarkeit undeutlich nach {111} und {111}[4]
Bruch; Tenazität muschelig
Farbe farblos bis weiß, hellgrau, hellgelb bis schwefelgelb, selten grün
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz bis schwacher Diamantglanz
Weitere Eigenschaften
Besondere Merkmale stark piezoelektrisch und pyroelektrisch
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Rhodizit entwickelt meist dodekaedrische und tetraedrische Kristalle bis etwa 3,5 Zentimeter Größe[4] mit glas- bis schwach diamantähnlichem Glanz auf den Oberflächen. In reiner Form ist Rhodizit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine hellgraue, hellgelbe bis schwefelgelbe und selten auch grüne Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt.

Mit einer Mohshärte von 8 bis 8,5 gehört Rhodizit zu den Mineralen mit „Edelsteinhärte“, die der des Referenzminerals Topas (8) bzw. der von Chrysoberyll (8,5) entspricht.

Aufgrund seiner chemischen Verwandtschaft mit Londonit als Caesium-Analogon von Rhodizit und seiner Ähnlichkeit zum Boracit Bezug auf Kristallform- und Farbe, kann Rhodizit leicht mit diesen Mineralen verwechselt werden.

Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde Rhodizit von Gustav Rose, der auf einigen roten, sibirischen Turmalinen, die im Königlich Mineralogischen Museum von Berlin (heute Museum für Naturkunde (Berlin)) aufbewahrt wurden, kleine, weiße Kristalle eines bisher unbekannten Minerals fand. Als genauer Fundort wird die Umgebung des Dorfes Shaitanka etwa 60 Werst (entspricht ca. 64 km) nördlich von Jekaterinburg (Katharinenburg) in der Oblast Swerdlowsk angegeben. Shaitanka und das ebenfalls in der Nähe liegende Dorf Sarapulka gelten als Typlokalität.

Rose analysierte und beschrieb das Mineral 1834 und benannte es nach seiner charakteristischen Eigenschaft, die Lötrohrflamme leuchtend rot zu färben, nach dem altgriechischen Wort ῥοδίζω [rhodízō] für rotfärben.[7]

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Rhodizit zur Mineralklasse der „Borate“ und dort zur Abteilung „Gerüstborate (Tektoborate)“, wo er gemeinsam mit Hambergit in der „Hambergit-Rhodizit-Gruppe“ mit der Systemnummer Vc/E.01 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer V/L.02-020. Dies entspricht der Klasse der „Nitrate, Carbonate und Borate“ und dort der Abteilung „Gerüstborate mit [BO2]1− bis [B12O24]12−, wo Rhodizit zusammen mit Hambergit und Londonit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer V/L.02 bildet.[6]

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[8] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Rhodizit in die Klasse der „Borate“ und dort in die Abteilung „Heptaborate und andere Megaborate“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Gerüst-Dodecaborate (Tekto-Dodecaborate)“ zu finden, wo es zusammen mit Londonit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 6.GC.05 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Rhodizit die System- und Mineralnummer 25.08.02.01. Das entspricht der Klasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort der Abteilung und gleichnamigen Unterabteilung „Wasserfreie Borate mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 25.08.02, in der auch Londonit eingeordnet ist.

Kristallstruktur

Rhodizit kristallisiert kubisch in der Raumgruppe P43m (Raumgruppen-Nr. 215)Vorlage:Raumgruppe/215 mit dem Gitterparameter a = 7,32 Å sowie einer Formeleinheit pro Elementarzelle.[3]

Eigenschaften

Rhodizit hat starke piezoelektrische und pyroelektrische Eigenschaften, reagiert auf wechselnde, elastische Verformung bzw. Erwärmung und Abkühlung mit elektrischer Polarisierung.

Vor dem Lötrohr ist Rhodizit nur schwer zu schmelzen, wobei vornehmlich die Kanten glasartig weiß und undurchsichtig einschmelzen und dabei unregelmäßige Auswüchse bilden. Die angeschmolzene Stelle leuchtet während des Vorgangs kräftig gelblichrot. Die Flamme selbst färbt sich dabei zunächst grün und dann ebenfalls kräftig rot. Auch auf Kohle geglüht schmilzt das Mineral nur an den Kanten rundlich ein und wird undurchsichtig weiß.[7]

Bildung und Fundorte

Beigefarbener, oktaedrischer Rhodizit aus dem Sahatany-Pegmatitfeld, Manandona-Tal, Vakinankaratra, Madagaskar (Größe: 4,3 cm × 4,1 cm × 3,7 cm)

Rhodizit bildet sich magmatisch, als akzessorischer Bestandteil in alkalireichen Granit-Pegmatiten. Neben Turmalin (vordringlich Elbait bzw. Rubellit) können unter anderem noch Albit, Béhierit, Beryll, Londonit, Mikroklin, Quarz und Spodumen als Begleitminerale auftreten.

Als seltene Mineralbildung konnte Rhodizit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen, wobei bisher (Stand 2013) rund 20 Fundorte[9] als bekannt gelten. Die als Typlokalität geltenden Dörfer Shaitanka und Sarapulka sind dabei die bisher einzigen bekannten Fundorte in Russland.

Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Rhodizitfunde sind unter anderem das Antandrokomby- und Sahatany-Tal in der Region Vakinankaratra auf Madagaskar, wo bis zu drei Zentimeter große, kubische und tetraedrische Kristalle gefunden wurden.[10] Weitere bisher bekannte Fundorte auf Madagaskar sind Andrembesoa im Distrikt Betafo (Region Vàkinankàratra) in der Provinz Antananarivo sowie die Distrikte Ambatofinandrahana und Ambositra (Region Amoron’i Mania) in der Provinz Fianarantsoa.

Der bisher einzige weitere bekannte Fundort ist Fern im Florence County (Wisconsin) in den USA.[11]

Verwendung

Trotz seiner hohen Härte ist Rhodizit für die kommerzielle Nutzung als Schmuckstein uninteressant, da er nur kleine und sehr selten qualitativ hochwertige, durchsichtige Kristalle ausbildet. Gelegentlich wird er aber dennoch für Sammler geschliffen in facettierter Form angeboten.[12]

Siehe auch

Literatur

  • Gustav Rose: Ueber den Rhodizit, eine neue Mineralgattung. In: Annalen der Physik und Chemie. Band 33, 1834, S. 253–256 (rruff.info [PDF; 241 kB; abgerufen am 30. September 2017]).
  • A. Pring, V. K. Din, D. A. Jefferson, J. M. Thomas: The crystal chemistry of rhodizite: a re-examination. In: Mineralogical Magazine. Band 50, März 1986, S. 163–172 (rruff.info [PDF; 768 kB; abgerufen am 30. September 2017]).

Einzelnachweise

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