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Richard Brausewetter

deutscher Offizier und Schriftsteller From Wikipedia, the free encyclopedia

Richard Brausewetter (Pseudonym: Oskar Usedom; * 3. Februar 1866 in Stettin; † 21. Oktober 1916 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Offizier und Schriftsteller.

Richard Brausewetter, Abbildung um 1890

Brausewetter war im preußischen Kriegsministerium tätig und diente während des Ersten Weltkriegs als Major und Kommandeur des Königlich Preußischen Fußartillerie-Regiments „von Dieskau“ (Schlesisches) Nr. 6 in Neisse. Für seine Verdienste wurde er mit dem Eisernen Kreuz I. und II. Klasse ausgezeichnet.

Brausewetter galt zu Lebzeiten als bekannter Schriftsteller, der neben Romanen, Novellen und Erzählungen auch lebendige Kriegsberichte unmittelbar von der Front verfasste. Als Mitarbeiter der Kölnischen Zeitung veröffentlichte Brauswetter Kriegsberichte und Kriegserzählungen, von denen einzelne später hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit kritisch bewertet wurden.

Leben

Familie

Richard Brausewetter wurde am 3. Februar 1866 in Stettin geboren. Seine Mutter, Nathalie Saunier (1842–1927), entstammte einer Hugenottenfamilie, die nach Aufhebung des Edikts von Nantes im Jahr 1685 nach Brandenburg eingewandert war.[1] Sie war die Tochter des Stettiner Buchhändlers und Stadtverordnetenvorstehers Léon Saunier und Enkelin des Theaterdichters Louis Angely.[2] Der Vater, Hans Friedrich Oskar Brausewetter (1833–1877), war Kaufmann und gründete ein eigenes Kommissions- und Speditionsgeschäft in Stettin.[3] Er starb 1877 im Alter von 44 Jahren an Typhus, als Richard Brausewetter 11 Jahre alt war.[4.1]

Brausewetter hatte zwei Schwestern, Else Brausewetter und Gertrud Sievert-Brausewetter, sowie zwei Brüder, Artur Brausewetter und Max Brausewetter. Else arbeitete als Lehrerin,[4.2] Gertrud war Schriftstellerin und leitete in Stralsund den Vaterländischen Frauenverein des Deutschen Roten Kreuzes,[5] Artur wirkte mehr als vier Jahrzehnte an der Oberpfarrkirche St. Marien in Danzig, zunächst ab 1893 als Diakon, später ab 1908 als Archidiakon. Max war als Arzt in Málaga tätig und starb während des Ersten Weltkriegs in französischer Gefangenschaft.[2]

Brausewetter heiratete 1892 Johanna Helene Hintze[6], eine Schwester von Paul von Hintze, dem Konteradmiral und späteren Staatssekretär des Auswärtigen.[7] Aus der Ehe ging ein Sohn namens Horst hervor, der den Rang eines Obersts innehatte und im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront kämpfte, wo er sein Leben verlor.[4.3]

Militärische Laufbahn

Brausewetters militärische Laufbahn begann, als er 1885 als Fahnenjunker in Königsberg in die Preußische Armee eintrat.[8] Nach Angaben seines Bruders Artur Brausewetter habe für ihn „von den frühen Kinderjahren“ an festgestanden, Soldat zu werden.[4.4]

Anschließend trat er als Offiziersaspirant in das 1. Ostpreußische Fußartillerie-Regiment zu Königsberg ein[2] und wurde 1887 zum Offizier befördert.[8]

Siegelmarke des K. Pr. Fußartillerie-Regiments „von Dieskau“ (Schlesisches) Nr. 6

Im Jahr 1900 wurde Brausewetter Hauptmann in Neuf-Brisach im Elsass. In der Ruhe der Kleinstadt begann er nach Brümmer seine schriftstellerische Tätigkeit.[8] Seit 1901 stand Brausewetter in Straßburg im Elsass und seit 1906 in Ulm an der Donau in Garnison.[8] Nach seinen Stationen in Neuf-Brisach, Straßburg und Ulm wechselte er in das Preußische Kriegsministerium nach Berlin.[2]

Im Ersten Weltkrieg diente Brausewetter als Major und Kommandeur des Königlich Preußischen Fußartillerie-Regiments „von Dieskau“ (Schlesisches) Nr. 6 in Neisse,[9] das in der Friedensgliederung 1914 dem VI. Armee-Korps in Breslau unterstellt war.[10] Mit Kriegsbeginn wurde das VI. Armee-Korps der 4. Armee zugeteilt und an der Westfront, unter anderem in den Argonnen und bei Verdun, eingesetzt.[10]

Brausewetter wurde für seine Verdienste mit dem Eisernen Kreuz I. und II. Klasse sowie weiteren militärischen Orden ausgezeichnet.[9]

Schriftstellerische Tätigkeit

Nach Brausewetters eigener Ansicht lag seine schriftstellerische Tätigkeit in der von ihm so bezeichneten „Friedensgewohnheit“ begründet, durch die ihm belletristische Arbeiten „zur liebgewonnenen Nebenbeschäftigung“ geworden seien.[11]

Brausewetter veröffentlichte Novellen und Erzählungen in mehreren Tageszeitungen wie der Deutschen Tageszeitung, der Kölnischen Zeitung und der Abendpost.[11][12] Die Kölnische Zeitung erwähnte Brausewetter in einem Artikel als regelmäßigen Autor neben Schriftstellern wie Lotte Gubalke, Fritz Philippi und Willrath Dreesen[13] und bezeichnete ihn als Mitarbeiter der Zeitung.[14]

Während des Ersten Weltkriegs trat Brausewetter unter seinem Pseudonym Oskar Usedom auch als Kriegsberichterstatter[15] hervor und veröffentlichte mehrere Kriegserzählungen und Briefe. Die Erzählung Ein Gefechtstag an der russischen Grenze erschien 1915 in dem Sammelband Kriegserzählungen von 1915, der unter anderem Beiträge von Hermann Hesse, Paul Zech und Richard Sexau enthält.[16] Die Deutsche Tageszeitung druckte mehrere Kriegsbriefe von Brausewetter ab.[17]

Manche von Brausewetters Romanen entstanden aus zuvor veröffentlichten kürzeren Artikeln in der Kölnischen Zeitung und der Deutschen Tageszeitung. Bei beiden Zeitungen bedankte sich Brausewetter im Vorwort zum Roman Im Kampf mit dem russischen Koloß (1916): „[Ich] schulde [...] der Kölnischen Zeitung, auf deren Anregung ich diese Stimmungsbilder vom öffentlichen Kriegsschauplatz in laufender Folge schrieb, und auch der Deutschen Tageszeitung, die anfangs ein paar Artikel von mir brachte, aufrichtigen Dank für die Nachsicht, mit der die oft formlosen Aufzeichnungen aufgenommen wurden.“[11]

Lebensende

Richard Brausewetter verstarb 1916 nach Angaben seines Bruders Artur Brausewetter infolge einer Operation aufgrund eines Zwölffingerdarmleidens.[4.4] Nach Darstellung Artur Brausewetters habe der von Richard Brausewetter konsultierte Freiburger Chirurg von dem Eingriff abgeraten. Brausewetter habe dennoch „auf der nicht notwendigen Operation“ bestanden und sei an den Folgen des Eingriffs gestorben.[4.4] Im von der Familie veröffentlichten Nachruf in der Kölnischen Zeitung heißt es, dass er „sanft an den Folgen einer Operation“ entschlafen sei.[9] Abweichend davon vermerkt Wegener Brausewetter sei „als Major gefallen“.[18]

Das Regiment würdigte seinen verstorbenen Kommandeur in einem Nachruf in der Kölnischen Zeitung als „Soldat durch und durch“, der ein „wohlwollender Vorgesetzter“ und „hochgeschätzter, lieber Kamerad“ gewesen sei. Mit seiner „ganzen Kraft“ habe er „treu bis zuletzt seine Pflicht im Kampfe für Kaiser und Reich erfüllt“. Der Nachruf war im Namen des Regiments von Orlovius, dem Major und Regimentskommandeur, unterzeichnet.[19]

Werk

Unter dem Pseudonym Oskar Usedom[8] veröffentlichte Brausewetter mehrere Novellen und Romane, darunter Höhenrekord, Gebieterin Pflicht und Mannesehre, die in zeitgenössischen Darstellungen zu seinen bekanntesten Romanen gezählt werden.[2]

Romane

  • Über den Ocean (1902), erschienen im Verlag Hermann Seemann Nachfolger in Leipzig. 1908 folgte eine zweite Auflage.[8]
  • Gebieterin Pflicht. Roman aus dem Offiziersleben (1908), erschienen im Verlag F. Fontane & Co. in Berlin.
  • Val Piora (1908), erschienen im Verlag Deutsche Verlagsanstalt in Stuttgart.
  • Mannesehre (1909), erschienen im Verlag F. Fontane & Co. in Berlin (Digitalisat in der Bibliothek Mecklenburg-Vorpommern).
  • Wo du hingehst (1910), als Fortsetzungsroman in mehreren Tageszeitungen erschienen, darunter in der Kölnischen Zeitung und im General-Anzeiger für Halle und den Saalkreis.[20][21]
  • Höhenrekord. Roman aus der Fliegerwelt von Oskar Usedom (1915), erschienen im Carl Reissner Verlag in Dresden und Leipzig.
  • Im Kampf mit dem russischen Koloß (1916), erschienen im Verlag Hesse & Becker in Leipzig (Digitalisat in den Digitalisierten Sammlungen der Staatsbibliothek zu Berlin).

Novellen

Rezeption

In der zeitgenössischen Presse wurde Brausewetter als bekannter Schriftsteller beschrieben. Im Generalanzeiger der Residenz Karlsruhe und des Großherzogtums Baden hob ein Rezensent hervor, dass sich „hinter dem Decknamen Usedom [...] ein im Felde stehender höherer Offizier“ verberge, der sich bereits „als Romanschriftsteller bekannt gemacht“ habe. Brausewetters Kriegsberichte aus dem Osten seien „zum größten Teil auf den Schlachtfeldern selbst geschrieben, immer aber unter dem lebendigen Eindruck des Erlebten“.[25]

Die Glaubwürdigkeit einzelner Kriegsberichte Brausewetters wurde später in Zweifel gezogen. Der Jurist und ehemalige Reichstagsabgeordnete Hellmuth von Gerlach untersuchte 1926 in der Weltbühne die Glaubwürdigkeit deutscher Berichte über angebliche Gräueltaten russischer Soldaten im Ersten Weltkrieg und ging dabei auch auf Brausewetters Kriegserzählung Stimmungsbilder vom östlichen Kriegsschauplatz ein, die am 23. Januar 1915 in der Kölnischen Zeitung erschien war. Von Gerlach kam zu dem Schluss, Brausewetter habe „also gelogen“, als er „den Lesern erzählt hatte, er habe Alles selber gesehen“. Diese Einschätzung begründete er damit, dass Brausewetter auf Nachfrage eingeräumt habe, die von ihm geschilderten Gräueltaten nicht selbst beobachtet, sondern sich auf die Angaben eines Gewährsmanns gestützt zu haben. Dessen Darstellung stellte von Gerlach wiederum mit dem Hinweis infrage, der Gemeindevorsteher des betreffenden Ortes habe erklärt, dass sich die behaupteten Vorfälle nicht ereignet hätten. Von Gerlach kritisierte darüber hinaus, dass sich „[f]ast die ganze deutsche Presse [...] der Verbreitung von Greueltaten schuldig gemacht“ habe.[26]

Die einzelnen Romane Brausewetters wurden teils wohlwollend und teils kritisch rezensiert. So bezeichnete ein Rezensent in der Dortmunder Zeitung das Milieu in Brausewetters Roman Mannesehre (1909) als „in glänzenden Farben“ gezeichnet und den Verfasser als einen „vorzügliche[n] Kenner des Offizierslebens“.[27] Im Leipziger Tageblatt wurde der Roman hingegen verhaltener rezensiert: „Es sind schon mancherlei Romane geschrieben worden, die richtige und falschverstandene Mannesehre zum Sujet hatten; und nicht schlechte Romane. Usedom hat diese Literatur um einen Roman vermehrt, der auch nicht schlecht ist. Eine gute Unterhaltungsliteratur. Mehr nicht.“[28]

Höhenrekord (1915) von Oskar Usedom [Richard Brausewetter] im Carl Reissner Verlag

Der Roman Höhenrekord (1915) wurde ebenfalls unterschiedlich rezensiert. Der Schriftsteller Arthur Babillotte urteilte in der Literaturzeitschrift Das literarische Echo kritisch, es sei über „Aufbau, Entwicklung und Belebung des Romans [...] nichts zu sagen“ und von „einer psychologischen Vertiefung der Charaktere noch weniger“. Insgesamt bewertete er den Roman als „Durchschnitt“. Die Figuren des Romans seien bloß „brave, nach bekannten Klischees geschnittene Figuren, zu einem Drittel Wirklichkeit, zum anderen schöne Phantasie und zum letzten marlittsche Sentimentalität“.[29] Demgegenüber fiel die Besprechung in der Tageszeitung Die Presse positiv aus. Dort hieß es, Brausewetters Roman kleide „das Flugwesen in die Form einer äußerst spannenden, von einem modernen Eheproblem stark bewegten Erzählung“.[30] Ein Rezensent im General-Anzeiger für Halle und die Provinz Sachsen äußerte sich ebenfalls überzeugt. So fessle der „bedeutsame Roman [...] von zwei Seiten aus: einmal durch die anschauliche Schilderung des Flugtechnischen, die den wohlunterrichteten Fachmann verrät, dann aber durch die meisterhafte Herausarbeitung des Psychologischen.“[31] Im Berliner Tageblatt hieß es über den Roman: „Was er [Usedom] schriftstellerisch wert ist, hat er bereits durch frühere Romane erwiesen. Hier erzählt er mit psychologisch durchaus beachtenswertem Können den Roman einer Fliegerin.“[32] Ein Rezensent im General-Anzeiger für Halle und die Provinz Sachsen erwähnte, dass es das erste Mal sei, dass „eine Fliegerin zum Mittelpunkt eines Romans gemacht“ werde.[31]

Brausewetters letzter Roman Im Kampf mit dem russischen Koloß (1916) wurde von Kurt Eduard Imberg in der Monatsschrift Nord und Süd wie folgt rezensiert: „Zum größten Teil auf dem Schlachtfelde geschrieben, geben diese lebendigen Berichte farbige, frische Bilder von den furchtbaren Kämpfen im Osten, Stimmungen und Erlebnisse eines Mitkämpfers, der als höherer Offizier auch das große Ganze zu überschauen vermag. Wir erleben durch die Vermittlung des Verfassers auch das Grauen und die Angst, die der Krieg für die friedliche Bevölkerung im Gefolge hat.“[33]

Literatur

  • Franz Brümmer (Hrsg.): Usedom, Oskar. In: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bearbeitet von Franz Brümmer. Band 7. Philipp Reclam jun., Leipzig 1913, S. 249 (Digitalisat im Internet Archive)
  • Hermann Usener-Klipstein: Artur Brausewetter und seine Familie. In: Unser Pommerland. Monatszeitschrift für das Kulturleben der Heimat. Jahrgang 13, Nr. 2, 1928, S. 85–86 (Digitalisat beim Pommerschen Greif e. V.).
  • Günter Wegener (Hrsg.): Die Stellenbesetzung der aktiven Regimenter, Bataillone und Abteilungen von der Stiftung bzw. Aufstellung bis zum 26. August 1939. Kavallerie, Artillerie, Pioniere, Train, Kraftfahr- und Fahr-Abteilungen, Panzertruppe, Verkehrstruppen und Nachrichten-Abteilungen. Band 3. Bibliotheks-Verlag, Osnabrück 1993, S. 309.
  • Bilder und genealogische Hinweise zu Richard Brausewetter finden sich in den Veröffentlichungen des Internationalen Vereins zur Erforschung der Zessin-Familiengeschichte e. V., S. 77–78 und das Porträt vgl. S. 79.

Einzelnachweise

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