Richard Buzzi
österreichischer Bankbeamter
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Richard Johann Buzzi (geboren 25. November 1882 in Malborgeth, Österreich-Ungarn; gestorben 1948) war ein österreichischer Bankbeamter.
Leben
Richard Buzzi wuchs zeitweise bei den Großeltern in Obervellach in Kärnten auf und besuchte in Linz die Mittelschule[1], danach wurde er Bankbeamter der Allgemeinen Boden-Credit-Anstalt. Als dienstuntauglich konnte er nicht als Soldat am Ersten Weltkrieg teilnehmen.[1] Nach dem Zusammenbruch der Boden-Credit-Anstalt 1929 trat er 1930 in die Nationalbank ein. Er war im Rang eines stellvertretenden Direktors in der Devisenbewirtschaftung tätig und nahm an Vertragsverhandlungen mit Banken der Nachbarländer teil.[1] Buzzi wurde 1930 Mitglied des Deutschen Klubs.[2]
Fünf Tage nach dem Anschluss Österreichs wurde am 17. März wurde die Geschäftsführung der nunmehr in Liquidation befindlichen Nationalbank von der Reichsbank in Berlin übernommen. Die meisten leitenden Bankbeamten wurden entlassen, Buzzi hingegen wurde zum Ersten Vorstandsbeamten der neugeschaffenen Reichsbankhauptstelle Wien ernannt, neben ihm im Proporz der reichsdeutsche Bankmanager Stephan Schott.[3] Zum 1. Mai 1938 trat Buzzi der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 6.117.932).[4]
Buzzi wurde vom Wirtschaftsminister Hans Fischböck zusätzlich als Leiter einer „Judenauswanderungsstelle“ in Wien vorgesehen, und dafür wurde die Genehmigung von der Berliner Reichsbankzentrale eingeholt. Tatsächlich wurde aber am 20. August 1938 die Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Wien, unter der nominellen Leitung des Inspekteurs der Sicherheitspolizei und des SD für Österreich Walter Stahlecker, von Adolf Eichmann etabliert.[1][5][6]
Nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei 1939 wurde Buzzi im März des Jahres als Aufseher der Deutschen Reichsbank zum Mitglied des achtköpfigen Direktoriums der Slovenská Národná Banka (SNB) der neugegründeten Slowakei mit Sitz in Bratislava ernannt, als seinen ständigen Vertreter in dem Gremium bestimmte er den Wiener Bankbeamten Rudolf Hartmann.[7]
Buzzi blieb bis Juni 1942 Mitglied des Vorstands der Wiener Reichsbankfiliale[3], er wechselte dann in den Vorstand der arisierten Creditanstalt. Nach Kriegsende wurde er umstandslos wieder als Direktor in der wiederhergestellten Nationalbank beschäftigt.
Literatur
- Oliver Rathkolb, Theodor Venus: Reichsbankanstalten 1938–1945 am Beispiel der Reichsbankhauptstelle Wien : Studie im Auftrag der Österreichischen Nationalbank. Wien: Österreichische Nationalbank, 2013
- Fritz Weber: Die Geschichte der Oesterreichischen Nationalbank von 1938 bis 1979. Wien: Oesterreichische Nationalbank, 2019