Richard Koller
Schweizer Politiker, Aktivist und Unternehmer
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Richard Koller (* 11. November 1960 in Männedorf) ist ein Schweizer Politiker, Aktivist und Unternehmer. Er wurde bekannt als Initiant der Volksinitiative «Bargeld ist Freiheit» sowie der Initiative für körperliche Freiheit (Stopp-Impfpflicht). Koller ist Gründer bzw. Mitgründer der Organisationen Freiheitliche Bewegung Schweiz (FBS) und schweiz-macher. Er engagiert sich für ausserparlamentarische Volksbewegungen zu Themen der direkten Demokratie, den Grundrechten, dem Bargeldschutz und der digitalen Selbstbestimmung.

Leben
Koller stammt aus Männedorf im Kanton Zürich, wo er 1960 geboren wurde. Er absolvierte zunächst eine Berufslehre als Mechatroniker und besuchte anschliessend die Dr. Räbers Höhere Handelsschule in Zürich. Koller ist verheiratet, Vater zweier Söhne und lebt mit seiner Familie in der Nähe von Bern.[1]
Beruf
Koller war in verschiedenen leitenden Funktionen in der Informatik- und Prozessmanagementbranche tätig. Er arbeitete unter anderem in leitenden Positionen bei NCR und Oracle und führte später eine eigene IT-Firma, die Aufträge für Grosskunden wie die UBS bearbeitete. Weitere Stationen waren Tätigkeiten im Prozessmanagement und in der IT-Leitung, darunter als Leiter Prozessmanagement & IT bei Protektor Profil GmbH (2013–2016). Er verfügt über zahlreiche Weiterbildungen in Management, Informatik und Marketing.[2]
Fussballkarriere
Gemäss eigenen Angaben spielte Koller in seiner Jugend von 1974 bis 1981 in den Nachwuchsteams des Grasshopper Club Zürich. Während dieser Zeit gewann er mehrmals die Junioren-Schweizermeisterschaft und war Teil der Juniorennationalmannschaft. Für kurze Zeit gehörte er dem erweiterten Kader der ersten Mannschaft an, bis eine Verletzung im Alter von zwanzig Jahren seine sportliche Laufbahn vorzeitig beendete.[3]
Politisches Engagement
Koller war von 2016 bis 2017 als Sekretär der SVP Kanton Luzern tätig. Die Zusammenarbeit endete nach einer sachlichen Meinungsverschiedenheit über unterschiedliche politische Ansätze zur Zuwanderungssteuerung. Koller betonte, dass es sich nicht um einen persönlichen oder eskalierenden Konflikt handelte, sondern um eine fachliche Differenz über strategische Ausrichtungen.[4]
2018 gründete Koller die Freiheitliche Bewegung Schweiz (FBS). Die Organisation versteht sich als Plattform zur Lancierung und Unterstützung von Volksinitiativen und verzichtet bewusst auf klassische Vereinsstrukturen und der Aufnahme von Mitgliedern. Laut Koller ist die FBS heute nur noch als Think Tank aktiv; er tritt als einziger offizieller Delegierter nach aussen auf.[5]
Am 1. August 2022 gründete er die politische Organisation schweiz-macher. Grundlage der Bewegung bilden ein eigenes Manifest sowie die in den Statuten definierten «12 Bestrebungen zur Veränderung», die auf Freiheit, Selbstbestimmung, Subsidiarität und die Stärkung lokaler Gemeinschaften ausgerichtet sind. Die Schweiz-Macher sind eine ausserparlamentarische politische Vereinigung nach Art. 60 ff. ZGB. Die Statuten betonen den Verzicht auf Hierarchien sowie eine organisationsinterne Struktur ohne Weisungsbefugnis. Entscheidungen orientieren sich an einem Konsensmodell, bei dem verschiedene Mitgliedergruppen unterschiedliche Aufgaben wahrnehmen. Die Mitgliedschaft innerhalb der schweiz-macher gliedert sich in verschiedene Rollen. Dazu zählen Unterstützerinnen und Unterstützer, die als natürliche oder juristische Personen auftreten können, der sogenannte Bund der Macher als aktiv engagierte Mitglieder sowie der Rat der Erfahrenen, der beratende Funktionen wahrnimmt und über besondere Mitwirkungsrechte verfügt.[6]
Die Organisation arbeitet subsidiär, fokussiert auf politische und gesellschaftliche Themen innerhalb der Schweiz und betont Eigenverantwortung, Transparenz sowie die Stärkung von Gemeinden und Regionen gegenüber übergeordneten Strukturen. Zu den Aufgaben des Bundes der Macher gehören die Planung und Umsetzung politischer Aktionen, das Durchführen von Sammlungen und Informationskampagnen, Stellungnahmen zu Abstimmungsvorlagen sowie die Entscheidungsfindung über Initiativen oder Referenden. Der Rat der Erfahrenen übernimmt beratende und mediatorische Funktionen, ernennt Sprecher, bestätigt Mitglieder und kann Vetos einlegen. Thematisch beschäftigen sich die Schweiz-Macher insbesondere mit direkter Demokratie, Grundrechten, Medienfreiheit, staatlicher Digitalisierung (E-ID), föderaler Organisation, sozialpolitischen Fragen sowie Souveränitäts- und EU-Themen.[7]
Koller kandidierte in den Nationalratswahlen vom 22. Oktober 2023 im Kanton Bern auf der Liste «Aufrecht Bern», die sich in einer Listenverbindung mit mehreren kleinen Rechtsparteien (u. a. mit der EDU und den Schweizer Demokraten) verbunden hatte. Er erreichte den dritten Platz auf der Liste, die mit 1 % der Stimmen keinen Sitz im Nationalrat erringen konnte.[8] Er kandidierte gleichzeitig auch für einen der zwei Sitze des Kantons Bern im Ständerat und erhielt 3604 (1 %) von insgesamt 374'606 Stimmen.[9]
In den Wahlen zum Grossen Rat des Kantons Bern vom 29. März 2026 kandidiert Koller auf der Liste «schweiz-macher Bern» (in Listenverbindung mit der EDU und der SVP) im Wahlkreis Oberland.[10]
Volksinitiativen
Bargeld-Initiative («Bargeld ist Freiheit»)
Koller ist Initiant und Präsident des Komitees der eidgenössischen Volksinitiative «Bargeld ist Freiheit». Die Initiative verlangt die verfassungsrechtliche Sicherung von Noten und Münzen, die Festschreibung des Schweizer Frankens als offizielles Zahlungsmittel sowie die Verpflichtung des Bundes, die Bevölkerung jederzeit mit ausreichend Bargeld zu versorgen. Weiter verlangt die Initiative, dass eine Änderung der gesetzlichen Währung der Zustimmung von Volk und Ständen bedarf. Die Bundesversammlung stimmte auf Antrag des Bundesrates den Anliegen der Initiative zwar grundsätzlich zu, erachtet indes die vorgeschlagenen Formulierungen als zu wenig präzise. Daher stellt sie der Initiative einen direkten Gegenentwurf gegenüber, welcher es ermögliche, die Anliegen der Initiative mit besseren Formulierungen in die Verfassung aufzunehmen. Die Volksabstimmung über die Initiative und den direkten Gegenentwurf der Bundesversammlung findet am 8. März 2026 statt.[11]
Koller war auch Initiant der am 21. März 2023 zur Unterschriftensammlung gestarteten Volksinitiative «Wer mit Bargeld bezahlen will, muss mit Bargeld bezahlen können!». Diese Initiative konnte aber bis zum Ablauf der Frist des 21. September 2024 nicht mit der nötigen Unterschriftenzahl bei der Bundeskanzlei eingereicht werden. Die Initiative wollte in der Bundesverfassung festschreiben, dass bei öffentlichen Diensten und im Detailhandel mit Bargeld bezahlt werden kann, und die Bargeldzahlung nicht benachteiligt wird.[12]
Die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Rolle des Bargeldes begann für Koller nach eigenen Angaben bereits ab 2017. In diesem Zusammenhang verwies er unter anderem auf Einschätzungen des Internationalen Währungsfonds, wonach stark negative Zinssätze faktisch durch die Möglichkeit des Bargeldhaltens begrenzt würden, da Einleger bei weiter sinkenden Zinsen vermehrt auf Bargeld ausweichen könnten.[13] Koller leitete daraus die Bedeutung von Bargeld als stabilisierendes Element im geldpolitischen System ab.
Ab der Gründung der Freiheitlichen Bewegung Schweiz (FBS) im Jahr 2018 wurde das Thema Bargeld innerhalb der Organisation als langfristige wirtschafts- und gesellschaftspolitische Fragestellung beobachtet. Im Jahr 2020 intensivierte sich diese Auseinandersetzung vor dem Hintergrund internationaler Debatten über kontaktlose Zahlungsmittel während der COVID-19-Pandemie.[14] In diesem Zusammenhang wurde Bargeld in einzelnen Kommunikationskampagnen privater Zahlungsdienstleister als potenzielles Gesundheitsrisiko dargestellt, was wiederum öffentliche Gegenreaktionen auslöste.
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen entschied sich die Freiheitliche Bewegung Schweiz (FBS), die Bargeldfrage auf verfassungsrechtlicher Ebene zu thematisieren. Statt eines umfassenden Forderungskatalogs wurde ein bewusst reduzierter Ansatz gewählt. Der Initiativtext konzentriert sich auf zwei zentrale Verfassungsbestimmungen, welche die staatliche Verantwortung für den Erhalt und die Verfügbarkeit von Bargeld klar und dauerhaft festschreiben sollen. Diese beiden Bestimmungen bilden den Kern der Volksinitiative «Bargeld ist Freiheit».[15]
Initiative für körperliche Freiheit (Stopp-Impfpflicht)
Koller war Initiator der Bewegung, die zur eidgenössischen Volksinitiative «Für Freiheit und körperliche Unversehrtheit» führte. Im Zentrum der Initiative stand die Forderung, dass staatliche Stellen weder direkt noch indirekt zu medizinischen Eingriffen verpflichten dürfen. Die Initiative zielte darauf ab, die Entscheidungsfreiheit der Bürgerinnen und Bürger über ihren eigenen Körper verfassungsrechtlich zu schützen und Eingriffe, die an Bedingungen oder Druck geknüpft sind, ausdrücklich auszuschliessen.[16]
Vor der eigentlichen Volksinitiative lancierte Koller die Petition «Stopp Impfpflicht und Gesundheitsdatensammlung»,[17] die über 60'000 Unterschriften erreichte. Die Petition war ein Beitrag zur öffentlichen Debatte während der COVID-19-Pandemie und diente als Ausgangspunkt für die nachfolgende Volksinitiative.
Die Initiative verstand körperliche Integrität als grundlegendes Freiheitsrecht und wollte staatliche oder wirtschaftliche Massnahmen, die zu einer faktischen Verpflichtung führen könnten – etwa über Zugangsbeschränkungen, berufliche Anforderungen oder digitale Gesundheitszertifikate – in den Kontext verfassungsrechtlicher Grenzen stellen.
Die Initiative wurde in der Volksabstimmung vom 9. Juni 2024 von Volk (73,7 % Nein-Stimmen) und Ständen (26:0 Stimmen) abgelehnt.
Initiative «Zuerst Arbeit für Inländer» (ZAFI)
Vor seinem Austritt aus der SVP Luzern entwickelte Koller eine Zuwanderungsinitiative, die eine Regulierung anhand des Erwerbslosenindex vorsah. Die Partei verfolgte zu diesem Zeitpunkt einen anderen Ansatz, weshalb Koller seine Tätigkeit beendete.[18]
Positionen
Koller setzt sich insbesondere ein für:
- den Schutz von Bargeld als Ausdruck von Freiheit, Datenschutz und Krisenresilienz,
- digitale Selbstbestimmung und Skepsis gegenüber E-ID und digitalen Zentralbankwährungen[19],
- körperliche Freiheit und Gesundheitsautonomie,
- direkte Demokratie und nationale Souveränität,
- Medienpluralismus und staatspolitische Transparenz.
Er warnt vor übermässiger digitaler Kontrolle und betont den Schutz individueller Freiheitsrechte.[20][21]
Öffentliche Wahrnehmung
Koller wird in Schweizer Medien zunehmend als wichtige Figur ausserparlamentarischer politischer Bewegungen wahrgenommen. Die Weltwoche bezeichnet ihn aufgrund seines Engagements für den Schutz des Bargeldes als «Monsieur Bargeld»[22]. Sein Einsatz gegen Bargeldverbote auf öffentlichem Grund – darunter der von ihm angestossene erfolgreiche Vorstoss gegen ein bargeldloses Bezahlsystem am Weihnachtsmarkt im Zürcher Hauptbahnhof – erhielt europaweite Aufmerksamkeit und wurde in mehreren Zeitungen thematisiert. Die Aktion löste eine anhaltende Debatte über den Einsatz digitaler Zahlungsmittel, über Konsumentenschutz sowie über staatliche und privatwirtschaftliche Vorgaben im öffentlichen Raum aus.
Koller tritt regelmässig in Medienberichten, Interviews und Diskussionsformaten als Kritiker einer weitgehenden Digitalisierung staatlicher Dienstleistungen und Zahlungsmittel auf. Sein Engagement wird häufig mit Fragen der persönlichen Freiheit, des Datenschutzes und der demokratischen Kontrolle verknüpft. Zeitungen wie der SonntagsBlick beschrieben ihn als engagierten Aktivisten, der den öffentlichen Diskurs über Bargeld, E-ID, digitale Identität und staatliche Erfassung von Gesundheits- oder Finanzdaten massgeblich mitgeprägt hat.
Mehrere Medien ordnen ihn als Vertreter einer neuen Form von politischem Individualismus ein – als eine Art Einmannbewegung[23] ohne formalen Parteiapparat, die durch Initiativen, Petitionen und rechtliche Interventionen Einfluss auf öffentliche Entscheidungsprozesse nimmt. Sein Auftreten wird sowohl von Befürwortern als konsequenter Einsatz für Grundrechte gelobt als auch von Kritikern kontrovers diskutiert, die seine Positionen als systemkritisch oder zu stark freiheitsfokussiert einschätzen. Trotz unterschiedlicher Bewertungen wird Koller in der Berichterstattung regelmässig als eine der zentralen Stimmen in nationalen Debatten über Freiheitsrechte, staatliche Eingriffe und digitale Selbstbestimmung geführt.