Richard von Meerheimb
sächsischer Offizier, zuletzt Oberst, und Schriftsteller
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Richard Albert von Meerheimb, auch Meerheim, (* 14. Januar 1825 in Großenhain; † 16. Januar 1896 in Loschwitz[1]) war ein sächsischer Oberst und Schriftsteller (Pseudonym Hugo von Meer).

Leben


Richard von Meerheimb stammt aus dem sächsischen Zweig der Familie (von) Meerheim(b). Er war ein Enkel des Wittenberger Professors Gottfried August Meerheim und Sohn des sächsischen Kavallerieoffiziers Franz Ludwig August von Meerheim(b) (1785–1858), der 1844 die sächsische Adelsanerkennung erlangte.
Militärkarriere
Meerheimb besuchte ab Januar 1839 das Kadettenhaus in Dresden und wurde am 1. Januar 1843 als Portepeejunker im Leib-Infanterie-Regiment der Sächsischen Armee angestellt. Mitte August 1844 avancierte er zum Leutnant. 1849 nahm er an der Bekämpfung des Dresdner Maiaufstands teil und wurde Ende Juli 1849 unter Beförderung zum Oberleutnant in das 1. Jäger-Bataillon versetzt und stieg Ende April 1859 zum Hauptmann auf. Im Jahr darauf erhielt er die Erlaubnis zur Annahme des Ritterkreuzes I. Klasse des Herzoglich Sachsen-Ernestinischen Hausordens. Während des Krieges gegen Preußen führte Meerheimb 1866 eine Kompanie und wurde am 29. Juni 1866 in der Schlacht bei Gitschin schwer verwundet. Die Verbündeten Österreicher verliehen ihm den Orden der Eisernen Krone III. Klasse mit Kriegsdekoration.
Er rückte am 26. Juli 1866 zum Major auf und kam am 1. April des Folgejahres als Bataillonskommandeur in das 4. Infanterie-Regiment Nr. 103. Mit der Mobilmachung anlässlich des Krieges gegen Frankreich wurde Meerheimb Oberstleutnant. Er nahm an den Kämpfen bei Gravelotte, Verdun, Nouart, Beaumont, Sedan sowie der Belagerung von Paris teil. Für sein Verhalten belieh ihn König Johann am 29. September 1870 mit dem Ritterkreuz des Militär-St.-Heinrichs-Ordens.[2] Außerdem wurde ihm das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen. Unter Verleihung des Charakters als Oberst schied Meerheimb am 25. September 1872 mit Pension und der Berechtigung zum Tragen seiner Uniform aus dem Militärdienst und nahm seinen Wohnsitz in Dresden.
Um 1880 erkrankte er an einer Lungenkrankheit und suchte Genesung in Cortina d’Ampezzo. Er wurde geheilt und aus Dankbarkeit spendete er der örtlichen Sektion des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins Geld, mit der Auflage, den Betrag zur Errichtung einer Schutzhütte zu verwenden. Die Hütte wurde als erste ihrer Art in den Dolomiten am 11. August 1883 als „Sachsendankhütte“ eröffnet und besteht bis heute.[3]
Er starb nach schwerer Krankheit in der Heilanstalt Loschwitz und wurde auf dem Inneren Neustädter Friedhof begraben.
Schriftsteller
Meerheimb war schon früh als Schriftsteller und Übersetzer tätig und veröffentlichte zunächst Balladen und kleinere Erzählungen. Seine erste größere Arbeit war das Heldengedicht Gulat und Tschadra (1848) über die Tscherkessenkämpfe. 1860 gab er die Erinnerungen eines Veteranen aus Rußland seines Vaters heraus. Die meisten seiner Dichtungen knüpfen an die Verhältnisse und Beziehungen einzelner Gesellschaftskreise oder an Zeitereignisse und Tagesströmungen an.
Für die Allgemeine Deutsche Biographie verfasste er 46 meist militärische Biographien in den Bänden A bis K.
In den späteren Jahren seines Lebens experimentierte er als einer der ersten mit der Kunstform des Monodrama und gründete zu ihrer Pflege 1892 die Litterarische Gesellschaft Psychodrama. Er gilt als derjenige, der den Begriff Psychodrama geprägt hat[4], und hat damit unter anderem Rainer Maria Rilke beeinflusst.[5]
Nachlass
Sein Nachlass findet sich im Sächsischen Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden.[6]
Schriften
- Die Sachsen an der Moskwa. 1853.
- Soldatenwelt. 1857.
- Poetenwelt. 1859.
- Nieder mit Babylon. 1861.
- Erlebnisse eines Veteranen der großen Armee während des Feldzuges in Rußland 1812. 1860. (Digitalisat)
- Frauenwelt. 1862.
- Trutz Dänemark und Kopenhagen. 1863.
- Paul Kinishi. 1865.
- Kriegs- und Leidensfahrten eines Schwerverwundeten. 1866.
- Fürstenwelt. 1873 (Digitalisat)
- Von Palermo bis Gaëta: Der Kampf in Italien um Thron und Thrones-Ehre 1860–1861. Dresden 1865. (Digitalisat)
- Melodramenwelt. 1886.
- Psychodramatisches Material. 1888.
- Eine Nacht auf dem Parkett 1896.
Literatur
- Adolf Hinrichsen: Das litterarische Deutschland. 2. Auflage, Berlin 1891, S. 876.
- R. v. Mosch: Deutsches Adelsblatt. Wochenschrift für die Aufgaben des christlichen Adels. №. 26, Jahrgang XI, Verlag der gemeinnützigen Aktiengesellschaft Pionier, Berlin, Sonntag, den 25. Juni 1893, S. 508 f. Vita.
- Rudolf Eckart: Der deutsche Adel in der Li(t)teratur. Berlin 1895, S. 47.
- Franz Brümmer: Meerheimb, Richard von. In: Anton Bettelheim (Hrsg.): Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog. Band I, Verlag von Georg Reimer, Berlin/Wien 1897, S. 258–259.
- Bernhard von Poten: Meerheimb, Richard von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 52, Duncker & Humblot, Leipzig 1906, S. 282 f.
- Biographie. In: Karl L. Leimbach: Ausgewählte deutsche Dichtungen für Lehrer und Freunde der Litteratur. Band 10, Verlag Kesselring`sche Hofbuchhandlung (E. v. Mayer), Leipzig/Frankfurt am Main 1896, S. 107 ff.
- Stammliste der Offiziere des Kgl. Sächs. 4. Infanterie-Regiments Nr. 103. 1867–1909. Dresden 1909, S. 8–9.