Richmal Crompton
englisch-britische Autorin
From Wikipedia, the free encyclopedia
Richmal Crompton Lamburn (* 15. November 1890 in Bury, Greater Manchester; † 11. Januar 1969 in Locksbottom, Orpington, London Borough of Bromley, London) war eine englisch-britische Autorin, bekannt für ihre populäre Kinderbuch-Serie Just William, Hörspiele und Kurzgeschichten sowie für, in geringerem Umfang, Romane für erwachsene Leser.[1][2][3]
Leben
Crompton war das zweite Kind von Reverend Edward John Sewell Lamburn, einem Lehrer für Klassische Sprachen an der Bury Grammar School,[4] und Clara, geborene Crompton.[2]S. 47–49 Ihr Bruder John Battersby Crompton Lamburn wurde ebenfalls Schriftsteller und ist unter dem Namen „John Lambourne“ für seinen Fantasyroman The Kingdom That Was (1931)[3]S. 47–49 sowie als erfolgreicher Autor naturwissenschaftlicher Werke unter dem Namen „John Crompton“ bekannt.[1]S. 126 Richmal, in der Familie auch „Ray“ genannt, hatte außerdem eine Schwester, Mary Gwendolen („Gwen“), die 18 Monate älter war, sowie eine jüngere Schwester, Phyllis, die im Alter von 14 Monaten an Keuchhusten starb.[2]S. 30
Crompton besuchte wie ihre ältere Schwester ein für Töchter von Geistlichen vorgesehenes Internat, St Elphin’s Boarding School in Warrington, Lancashire. 1904 zog Richmal mit der Schule an einen neuen Standort in Darley Dale, Derbyshire.[2]S. 51[5] Zur Förderung ihrer angestrebten Laufbahn als Lehrerin erhielt sie ein Stipendium für das Royal Holloway, University of London.[2]S. 53, 73[5]S. 34 Crompton wurde zur Senior Scholar der Erstsemester gewählt, war Sekretärin des Classics Club und Schatzmeisterin der Christian Union.[2]S. 75 Sie schloss ihr Studium 1914 mit einem Bachelor‑Abschluss mit Auszeichnung in Klassischen Sprachen (Second Class) ab. Crompton beteiligte sich an der Frauenwahlrechtsbewegung.[1]S. 37, 40
1914 kehrte sie als Lehrerin für Klassische Sprachen nach St Elphin’s zurück und wechselte drei Jahre später an die Bromley High School im Südosten Londons, wo sie ernsthaft mit dem Schreiben begann.[3]S. 64 f. Nachdem sie 1923 an Poliomyelitis erkrankt war, konnte sie ihr rechtes Bein nicht mehr benutzten. Sie gab ihre Lehrtätigkeit auf und begann, hauptberuflich zu schreiben. Crompton heiratete nie und hatte keine Kinder, genoss jedoch ihre Rolle als Tante und Großtante sehr.[1]S. 135–8 Ihre erste veröffentlichte Erzählung erschien 1919, und die erste der rasch populär werdenden William-Geschichten wurde im Februar 1919 in der Zeitschrift Home veröffentlicht.[3]S. 65 Die William-Geschichten und ihre übrigen literarischen Arbeiten waren außerordentlich erfolgreich, und drei Jahre nach ihrem Ausscheiden aus dem Schuldienst konnte Crompton sich leisten, in Bromley ein Haus (The Glebe) für sich und ihre Mutter Clara bauen zu lassen.[1]S. 72
Crompton starb 1969 im Alter von 78 Jahren nach einem Herzinfarkt im Farnborough Hospital.[6] Sie vermachte das Urheberrecht an all ihren Büchern ihrer Nichte.[7]
Der Nachlass von Richmal Crompton wird an der University of Roehampton in London.[8] Ein Pub in Bromley trägt zu ihren Ehren ihren Namen und zeigt gerahmte Drucke und Texte aus der William‑Reihe.[9]
Werk
Cromptons bekannteste Bücher sind die William‑Geschichten, die von einem schelmischen elfjährigen Schuljungen und seiner Freundesbande, den sogenannten „Outlaws“, handeln.[10] Ihre erste veröffentlichte Kurzgeschichte mit William, „Rice Mould Pudding“, erschien 1919 in der Zeitschrift Home. Sie hatte „The Outlaws“ bereits 1917 geschrieben, doch wurde die Geschichte erst im März 1919 veröffentlicht. 1922 erschien die erste Sammlung unter dem Titel Just William. Im Laufe ihres Lebens schrieb sie weitere 38 William‑Bände. Der letzte, William the Lawless, wurde 1970 posthum veröffentlicht.[11]
Die William‑Bücher verkauften sich allein im Vereinigten Königreich über zwölf Millionen Mal, sind bis heute lieferbar und wurden in über zwanzig Sprachen übersetzt.[10][12] Sie wurden für Filme, Bühnenstücke sowie zahlreiche Hörfunk‑ und Fernsehserien adaptiert.[3] Die Illustrationen von Thomas Henry trugen wesentlich zu ihrem Erfolg bei.[1]S. 81 f. 1934 schrieb Crompton eine umstrittene William‑Geschichte mit dem Titel William and the Nasties (veröffentlicht im Band William the Detective von 1935),[13] die sowohl antisemitische Elemente als auch deren Gefahren erkennen lässt. Die Geschichte wurde in späteren Ausgaben des Buches weggelassen.[1]S. 117–9
Crompton sah sich eigentlich als Prosa-Autorin für Erwachsene.[2]S. 255, 261 Beginnend mit The Innermost Room (1923) verfasste sie 41 Romane für Erwachsene und veröffentlichte neun Sammlungen von Kurzgeschichten.[1]S. 162–4 Der Schwerpunkt lag meist auf dem Dorfleben in den Home Counties um London. Obwohl diese Romane dieselbe Erfindungsgabe und denselben Mangel an Sentimentalität aufweisen wie die William‑Bücher, fanden sie nach dem Zweiten Weltkrieg ein zunehmend begrenztes Publikum.[1]S. 145 f.
Selbst die William‑Geschichten waren ursprünglich für ein erwachsenes Publikum gedacht. Zwar freute sie sich über dessen Erfolg, schien jedoch darüber enttäuscht, dass ihre anderen Romane und Kurzgeschichten nicht in gleichem Maße Anerkennung fanden.[1]S. 69–71 Ihre erste veröffentlichte Erzählung erschien 1918 in The Girl’s Own Paper und handelte von einem kleinen Jungen namens „Thomas“, einem Vorläufer „Williams“, der sich gegen Autorität auflehnt.[1]S. 52–54 Crompton versuchte mehrfach, neue Zielgruppen anzusprechen: Jimmy (1949) richtete sich an jüngere Kinder, Enter – Patricia (1927) an Mädchen. Crompton schrieb zwei weitere Jimmy‑Bücher, jedoch kein weiteres Patricia‑Buch, und keines dieser Projekte erfolgreich.[1]S. 56 f., 136
Crompton hat die Quelle der Inspiration für die Hauptfigur „William“ nie offengelegt; hierzu existieren unterschiedliche Auffassungen. Nach dem Schauspieler John Teed, dessen Familie neben Crompton wohnte, war Cromptons Neffe Tommy das Vorbild. Andererseits gelten auch die Erlebnisse von Richmals Bruder als Inspirationsquelle, während Tommys jüngere Schwester darauf bestand, William und andere Figuren seien eher das Ergebnis von Cromptons reicher Phantasie als Skizzen realer Personen.[1]S. 1 f., 70, 89 f.
Cromptons Prosa beruhte „auf ernsten Themen, […] auch wenn das gewählte Genre häufig die Komödie ist“, und dass in ihr „Aufgeblasenheit und Selbstsucht entlarvt werden und jeder von uns auf seinen inneren Kompass hören sollte“.[2]S. 259
Cromptons Geschichten über William haben eine Vielzahl bekannter Briten beeinflusst, darunter Antonia Fraser, John Lennon, Michael Palin, Auberon Waugh, Martin Jarvis und Terry Pratchett.[3][10] Der Roman und die Fernsehserie Good Omens von Neil Gaiman und Terry Pratchett wurden von Just William inspiriert, wobei die Grundidee darin bestand, den Antichristen an die Stelle „Williams“ zu setzen und dessen Bande („The Them“) an die Stelle der „Outlaws“. Der ursprüngliche Arbeitstitel des Romans lautete William the Antichrist.[2]S. 289 f.[14]
Just-William-Bände
Alle Erstausgaben der Serie, der letzte Band posthum, erschienen bei George Newnes Ltd in London.
- Just William, 1922
- More William, 1922
- William Again, 1923
- William the Fourth, 1924
- Still William, 1925
- William the Conqueror, 1926
- William the Outlaw, 1927
- William in Trouble, 1927
- William the Good, 1928
- William, 1929
- William the Bad, 1930
- William's Happy Days, 1930
- William's Crowded Hours, 1931
- William the Pirate, 1932
- William the Rebel, 1933
- William the Gangster, 1934
- William the Detective, 1935
- Sweet William, 1936
- William the Showman, 1937
- William the Dictator, 1938
- William and A.R.P., 1939 (auch als William's Bad Resolution, 1956)
- William and the Evacuees, 1940 (auch als William and the Film Star, 1956)
- William Does His Bit, 1941
- William Carries On, 1942
- William and The Brains Trust, 1945
- Just William's Luck, 1948
- William the Bold, 1950
- William and the Tramp, 1952
- William and the Moon Rocket, 1954
- William and the Artist's Model, 1956
- William and the Space Animal, 1956
- William's Television Show, 1958
- William the Explorer, 1960
- William's Treasure Trove, 1962
- William and the Witch, 1964
- William and the Pop Singers, 1965
- William and the Masked Ranger, 1966
- William the Superman, 1968
- William the Lawless, 1970
Just-William-Hörspiele

Crompton schrieb 55 Hörspielskripte für die BBC, die ab 1946 ausgestrahlt wurden.Zwischen 2008 und 2010 wurden sie in sechs Bänden von David Schutte in Lydbury North, Shropshire, veröffentlicht.Nahezu die Hälfte der Hörspielstücke waren Originalgeschichten und nicht aus den Büchern abgeleitet.
- William and the Artist's Model, 1956
- William the Terrible, BBC Radio Plays Band 1 (2008)
- William the Lionheart, BBC Radio Plays Band 2 (2008)
- William the Peacemaker, BBC Radio Plays Band 3 (2009)
- William the Avenger, BBC Radio Plays Band 4 (2009)
- William the Smuggler, BBC Radio Plays Band 5 (2010)
- William's Secret Society, BBC Radio Plays Band 6 (2010)
Weitere Werke
- Andere Bücher für Kinder
- Enter – Patricia, 1927
- Jimmy, 1949
- Jimmy Again, 1951
- Jimmy the Third, a compilation of stories from Jimmy and Jimmy Again, 1965
- Andere Kurzgeschichten und Romane
- The Innermost Room, 1923
- The Hidden Light, 1924
- Anne Morrison, 1925
- The Wildings, 1925
- David Wilding, 1926
- The House, 1926 (also published as Dread Dwelling)
- Kathleen and I, and, of Course, Veronica, 1926 (short stories)
- Millicent Dorrington, 1927
- A Monstrous Regiment, 1927 (short stories)
- Leadon Hill, 1927
- The Thorn Bush, 1928
- Roofs Off!, 1928
- The Middle Things, 1928 (short stories)
- Felicity Stands By, 1928 (short stories)
- Sugar and Spice and Other Stories, 1928 (short stories)
- Mist and Other Stories, 1928 (short stories), republished in May 2015 by Sundial Press as "MIST And Other Ghost Stories"
- The Four Graces, 1929
- Abbot's End, 1929
- Ladies First, 1929 (short stories)
- Blue Flames, 1930
- Naomi Godstone, 1930
- The Silver Birch and Other Stories, 1931 (short stories)
- Portrait of a Family, 1931
- The Odyssey of Euphemia Tracy, 1932
- Marriage of Hermione, 1932
- The Holiday, 1933
- Chedsy Place, 1934
- The Old Man's Birthday, 1934
- Quartet, 1935
- Caroline, 1936
- The First Morning, 1936 (short stories)
- There Are Four Seasons, 1937
- Journeying Wave, 1938
- Merlin Bay, 1939
- Steffan Green, 1940
- Narcissa, 1941
- Mrs Frensham Describes a Circle, 1942
- Weatherly Parade, 1944
- Westover, 1946
- The Ridleys, 1947
- Family Roundabout, 1948, republished in 2001 by Persephone Books
- Frost at Morning, 1950
- Linden Rise, 1952
- The Gypsy's Baby, 1954
- Four in Exile, 1954
- Matty and the Dearingroydes, 1956
- Blind Man's Buff, 1957
- Wiseman's Folly, 1959
- The Inheritor, 1960
- Posthume Veröffentlichungen
- Half-an-Hour. Adelaide Observer, 23 December 1922
- The House in the Wood - and other stories, 2022, 25 'lost' stories published by David Schutte
- The Apple Blossom Lady - and other stories, 2023, 27 'lost' stories published by David Schutte
- Oh, Clare! - 133 humorous sketches, 2024, 'lost' humorous sketches published by David Schutte
- The Dream - and other stories, 2024, 32 'lost' stories published by David Schutte