Ripper Crew
kriminelle Bande in den USA
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Die Ripper Crew (auch Chicago Rippers) war eine Bande von Serienmördern, Kannibalen, Vergewaltigern und Nekrophilen, die in den 1980er Jahren in dem US-Bundesstaat Illinois Verbrechen beging. Sie bestand aus Robin Gecht, Edward Spreitzer und den Brüdern Andrew und Thomas Kokoraleis.[1] Sie wurden verdächtigt, 1981 und 1982 in Illinois 17 Frauen ermordet sowie einen Mann bei einem zufälligen Drive-by-Shooting getötet zu haben.[2] Laut einem der Ermittler ließ Gecht „Manson wie einen Anfänger aussehen“.[3]
Bekannte Morde
Das erste Opfer der Bande war die 28-jährige Linda S., die am 23. Mai 1981 entführt wurde. Zehn Tage später wurde ihre verstümmelte Leiche auf einem Feld hinter einem Hotel gefunden.[4][5] Nach knapp einem Jahr, am 15. Mai 1982, entführte die Bande Lorraine B., als diese gerade das Immobilienbüro, in dem sie arbeitete, betreten wollte. Ihre Leiche wurde fünf Monate später auf einem Friedhof in Clarendon Hills entdeckt.[4]
Am 29. Mai entführte die Männer-Gruppe nachts die 30-jährige Shui M. aus Hanover Park. Shui, eine chinesische Einwanderin, fuhr mit ihrem Bruder nach Hause, als die beiden sich über die Heirat ihrer Schwester mit einem Amerikaner stritten. Der Streit eskalierte und Shuis Bruder ließ sie am Straßenrand zurück. Anschließend wurde sie von der Bande entführt, rassistisch beleidigt und bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen.[5] Vier Monate später wurde Shuis Leiche gefunden.
Zwei Wochen nach diesem Mord überfielen die Männer Angel Y., brachten sie in ihren Lieferwagen, legten ihr Handschellen an, verstümmelten sie und warfen sie noch lebend aus dem Lieferwagen.[4] Angels Beschreibung der Täter führte jedoch nicht zu Verhaftungen.
Am 28. August 1982 wurde die Leiche von Sandra D. am Ufer des Chicago River gefunden. Sie war erstochen, erwürgt und verstümmelt worden. Am 8. September wurde die 31-jährige Rose D. mit ähnlichen Verletzungen wie Sandra in einer Gasse gefunden.[4]
Am 6. Oktober 1982 schoss die Bande bei einem zufälligen Drive-by-Shooting auf einen lokalen Drogendealer, Rafael T., und seinen 18-jährigen Freund Alberto R., die sich in einer Telefonzelle befanden. Robin Gecht soll Edward Spreitzer zu dieser Tat aufgefordert haben. Während Alberto den Angriff überlebte, erlag der 28-jährige Rafael im Krankenhaus seinen Verletzungen. Er ist das einzige männliche Mordopfer der Bande.[6]
Am selben Tag beging die Bande ihr letztes bekanntes Verbrechen. Robin Gecht lockte die 18-jährige Beverley W., die ihren Lebensunterhalt mit Prostitution verdiente, in seinen Lieferwagen. Er bot ihr mehr Geld, als sie verlangte. Sie wurde später lebend an einer Eisenbahnstrecke gefunden.[7] Neben weiteren Verletzungen erlitt sie die gleichen Verstümmelungen wie die anderen weiblichen Opfer der Bande. Sie überlebte den Angriff und konnte Gecht sowie dessen Lieferwagen beschreiben.[8]
Auch beim Verschwinden von Carole Pappas, der Frau des Chicago Cubs Pitchers Milt Pappas, wurden die Männer verdächtigt. Sie verschwand am 11. September 1982 und ihre Leiche wurde fünf Jahre später gefunden. Ihr Tod wurde als Unfall eingestuft.[9]
Verhaftungen und Urteile
Robin Gecht wurde am 20. Oktober 1982 verhaftet, nachdem sein Lieferwagen von der Polizei mit dem Angriff auf Beverley W. am 6. Oktober in Verbindung gebracht werden konnte, wurde aber gegen Kaution wieder freigelassen. Die Polizei verhaftete Gecht am 5. November 1982 erneut und machte anschließend die anderen Männer, Edward Spreitzer und die Brüder Kokoraleis, ausfindig. Gecht wurde später angeklagt und mit einer Kautionssumme von einer Million Dollar in Haft genommen.[8]
Andrew Kokoraleis wurde am 7. November 1982 festgenommen. Andrew und Spreitzer gestanden bis zu 17 Morde. Drei Tage später wurden sie angeklagt und ohne Kaution in Haft genommen.
Thomas Kokoraleis wurde am 12. November 1982 festgenommen. Bei seiner Vernehmung gestand er, dass er zusammen mit den anderen Männern die Frauen zu Gecht entführt hatten – in dessen „satanische Kapelle“, wie Gecht sie nannte. Dort hatten sie die Frauen vergewaltigt und gefoltert und ihnen mit einem Drahtstrang die Brüste abgeschnitten. Kokoraleis gab an, dass sie Teile der Brüste gegessen hätten und dass Gecht masturbiert habe, bevor er die Brüste in eine Kiste legte. Kokoraleis behauptete, er habe 15 Brüste in der Kiste gesehen.[8] Bei ihm wurde eine verminderte Intelligenz mit einem IQ von 75 festgestellt. Sein Beruf war Maler. Er hatte keine Vorstrafen.[3]
Robin Gecht gestand nicht und wurde 1983 wegen versuchten Mordes, schwerer Entführung, sexueller Nötigung und Vergewaltigung bei der Gewalttat an Beverly W. zu 120 Jahren Haft verurteilt. Vor der Urteilsverkündung sagte Richter Francis J. Mahon zu Gecht: „Nur ein Teufel würde solche Dinge tun. Ein Tier würde so etwas nicht tun. Nur ein Monster.“ Er wies darauf hin, dass Gecht Beverly W. dem Tod überlassen hatte und Glück gehabt habe, nicht wegen Mordes vor Gericht zu stehen. Gecht verbüßt seine Strafe im Danville Correctional Center. Er kann am 10. Oktober 2042 einen Antrag auf Haftentlassung stellen, dann wäre er 88 Jahre alt.[10]
1984 bekannte sich Spreitzer in dem Bestreben, eine mildere Strafe zu erhalten, des Mordes an Shui M., Rose D., Sandra D. und Rafael T. sowie des versuchten Mordes, der schweren Entführung, der sexuellen Nötigung und der Vergewaltigung schuldig. Er wurde zu lebenslanger Haft ohne Bewährung verurteilt.[11] 1986 wurde Spreitzer wegen Mordes und schwerer Entführung im Zusammenhang mit dem Tod von Linda S. verurteilt. Die Staatsanwaltschaft forderte die Todesstrafe. Während der Urteilsverkündung argumentierte Spreitzers Anwältin Carol Anfinson, er sei „unreif, impulsiv und einfältig“ und habe nur den Anweisungen des Bandenchefs Robin Gecht Folge geleistet. Sie beschrieb ihn als einsamen Menschen, der „fast alles tun würde“, um seinem Freund zu gefallen. Die Staatsanwaltschaft bezeichnete Spreitzer als „Albtraum jeder Frau“ und nannte die Gang „feige Wiesel, die in Rudeln umherstreifen, um Frauen zu jagen“. Spreitzer wurde schließlich zum Tode verurteilt.[12] Gouverneur George H. Ryan wandelte 2003 die Strafen aller zum Tode Verurteilten in Illinois um. Spreitzers Strafe wurde in lebenslange Haft ohne Bewährung umgewandelt.[13]
1985 wurde Andrew Kokoraleis wegen Mordes, schwerer Entführung und Vergewaltigung im Zusammenhang mit dem Tod von Rose D. verurteilt.[14] Die Staatsanwaltschaft forderte die Todesstrafe. Während der Urteilsverkündung erklärte Andrews Anwalt, sein Mandant sei „ein Mitläufer gewesen ... kein Organisator, nicht der Haupttäter“ im Mordfall Rose D. Nach 90-minütiger Beratung entschied die Jury, Andrews Leben zu verschonen, und er wurde zu lebenslanger Haft ohne Bewährung verurteilt.[15] Am 18. März 1987 wurde Andrew ausßerdem wegen Mordes und schwerer Entführung im Zusammenhang mit dem Tod von Lorraine B. verurteilt.[16] Er wurde am 30. April 1987 zum Tode verurteilt und am 17. März 1999 durch die Giftspritze hingerichtet.[17][18][19] Andrew war der einzige Häftling, den Gouverneur Ryan während seiner knapp zweimonatigen Amtszeit hinrichten ließ. Andrew war der letzte Häftling, der in Illinois hingerichtet wurde, fast zwölf Jahre, bevor Gouverneur Pat Quinn 2011 durch ein Gesetz die Todesstrafe abschaffte.[13]
Thomas Kokoraleis wurde wegen Mordes und Vergewaltigung an Lorraine B. verurteilt. Für sein ausführliches Geständnis erhielt er Strafminderung und wurde zu lebenslanger Haft ohne Bewährung verurteilt. In der Berufung wurde Thomas’ Verurteilung wegen Vergewaltigung aufgehoben, und er erhielt einen neuen Prozess wegen Mordes. Anstatt sich einem neuen Prozess zu stellen, bekannte sich Thomas des Mordes an Lorraine B. schuldig und erhielt dafür eine Haftstrafe von 70 Jahren. Die Anklage wegen Mordes an Linda S. wurde im Rahmen der Vereinbarung über das Strafmaß fallen gelassen. Kokoraleis sollte am 30. September 2017 auf Bewährung entlassen werden, doch da er keine geeignete Unterkunft finden konnte, wurde ihm die Entlassung verweigert.[20] Er wurde am 29. März 2019 aus der Haft entlassen.[21] Er gab ein Interview mit einem Lokalsender.[22] Im August 2024 lebte Kokoraleis in Peoria, Illinois.[23]
Fehlurteil gegen David Gecht
Robin Gechts Sohn David war einer von Dutzenden Menschen, die aufgrund des Fehlverhaltens des Chicagoer Polizeibeamten Reynaldo Guevara in einem separaten Fall zu Unrecht verurteilt wurden. Guevaras Fehlverhalten umfasste die Erzwingung falscher Geständnisse durch Gewalt und die Erzwingung falscher Identifizierungen durch Zeugen.[24]
Im März 1999 wurde der 18-jährige David Gecht wegen Mordes angeklagt, weil er am 29. Januar 1999 im Nordwesten von Chicago den 35-jährigen Roberto C. im Rahmen einer Bandenfehde getötet haben soll. Zwei weitere Männer, der 19-jährige Richard Kwil und der 27-jährige Ruben Hernandez, wurden ebenfalls angeklagt. Gecht wurde wegen Mordes zu 45 Jahren Haft verurteilt.[25]
Am 25. Mai 2022 wurde David Gecht ein neues Verfahren gewährt.[26] Kurz darauf, am 18. Juli 2022, wurde David Gecht nach 23 Jahren unrechtmäßiger Haft offiziell rehabilitiert.[27] Im März 2023 reichte Gecht eine Bundesklage wegen Verletzung seiner Bürgerrechte gegen die Stadt Chicago, Cook County und Guevara ein und forderte Entschädigung für seine unrechtmäßige Verurteilung. Im Oktober 2024 einigte sich das Cook County in dem Rechtsstreit auf eine Zahlung von 3,1 Millionen Dollar.[28]