Rita Kilzer

österreichische Ornithologin From Wikipedia, the free encyclopedia

Leben und Wirken

Frühes Leben, Familie und Einstieg in die Ornithologie

Rita Kilzer wurde am 28. September 1938 in Wald am Arlberg, heute eine Katastralgemeinde von Dalaas, im Bundesland Vorarlberg geboren und wuchs im Klostertal auf. Nach erfolgreich abgeschlossener Schulausbildung absolvierte sie von 1954 bis 1957 eine kaufmännische Lehre in Bludenz und war danach bis 1960 als Buchhalterin tätig. Nachdem sie Heribert „Heri“ Kilzer (1936–2021)[1] geheiratet und zwei Kinder – Gerold (* 1960) und Barbara – zur Welt gebracht hatte, war sie von 1972 bis 1991 erneut als Buchhalterin beschäftigt.

Ihr Interesse an der Ornithologie entwickelte sich aus der Beobachtung der Vogelwelt in Hausnähe sowie in der weiteren Umgebung. Über eine Anzeige in einer Fachzeitschrift erhielt sie Anschluss an einen ornithologischen Verein. Daraufhin erfolgte 1972 eine Einladung zur Tagung der Österreichischen Gesellschaft für Vogelkunde (ÖGV) in Bludenz, wo sie Kurt Bauer und Vinzenz Blum kennenlernte und noch im selben Jahr ÖGV-Mitglied wurde.

Engagement in der Vorarlberger Ornithologie und Vereinsleitung

Aufgrund der räumlichen Distanz zwischen dem Klostertal und dem Bodensee kam es erst nach drei Jahren zu einer Wiederaufnahme des Kontakts. 1975 gelang ihr bei Wald am Arlberg der sichere Nachweis eines Weißrückenspechtes, den sie Vinzenz Blum mitteilte. Dessen Interesse an dieser Beobachtung führte zu einer dauerhaften Verbindung der beiden. Zwei Jahre später absolvierte sie einen Beringungskurs und begann noch im Herbst desselben Jahres mit einem eigenen Beringungsprogramm in ihrem Geburtsort. Auf Bitten Blums übernahm sie 1979 die Landesvertretung der Gesellschaft für Vogelkunde und entwickelte die damalige Landesgruppe über die Jahre kontinuierlich weiter, sodass die vogelkundliche Bearbeitung des gesamten Bundeslandes – und nicht wie bisher nur des Bodensees – in Angriff genommen werden konnte. Die Leitung der Vorarlberger Landesgruppe hatte sie in weiterer Folge bis 1989 inne und war danach von 1993 bis 2005 Vorstands- und Beiratsmitglied der Nachfolgeorganisation BirdLife Österreich. In ihrer Funktion als Landesvertreterin war sie Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates und der Naturschutzkommission, zugleich Vorstandsmitglied und zusätzlich über zehn Jahre hinweg Mitglied der Avifaunistischen Kommission in Wien. Bis zu ihrer Pensionierung als Buchhalterin im Jahr 1993 erledigte sie die ganzen Arbeiten im ornithologischen Bereich zumeist in ihrer Freizeit. Erst nach der Versetzung in den Ruhestand konnte sie sich vollends auf diesen Bereich konzentrieren.

Publikationen, Auszeichnungen und Kartierungsarbeiten

Hauptverantwortlich zeigte sich Kilzer unter anderem für die Redaktion und Herausgabe des seit 1984 erscheinenden ornithologischen Informationsdienstes für Vorarlberg. Daneben publizierte sie in der Egretta (etwa über den Weißrückenspecht, das Rotsternige Blaukehlchen usw.) oder verfasste Beiträge für das Handbuch der Vögel Mitteleuropas oder den Schweizer Brutvogelatlas. Für ihre Studie Natur an der Bahn, die sie zusammen mit Jutta Soraperra erarbeitete, wurde sie mit dem Ford-Umweltpreis ausgezeichnet. In Schaan, Liechtenstein, erhielt die ÖGV-Landesgruppe Vorarlberg im Jahr 1990 in Würdigung der hervorragenden Arbeit der Vorarlberger Ornithologen die Anerkennungsgabe des Binding-Preises für Natur- und Umweltschutz, der von Kilzer entgegengenommen wurde. Als Meilenstein Kilzers ornithologischen Tätigkeit gilt sie Herausgabe des Atlas der Brutvögel Vorarlbergs im Jahr 1991, den sie zusammen mit Vinzenz Blum erstellte und bei dem sie die Kartierung leitete. Im März 1993 erfolgte, ebenfalls zusammen mit Vinzenz Blum, die Veröffentlichung der ersten Roten Liste der gefährdeten Brutvögel Vorarlbergs. Die Kartierungsarbeiten in Vorarlberg führten sie und ihren Mann Heribert häufig in abgelegene, schwer zugängliche Gebirgstäler. Sie arbeiteten dabei mit vollständiger Ausrüstung, darunter Rucksack, Zelt sowie Foto- und Kochausrüstung, auch unter widrigen Wetterbedingungen.

Gründung von BirdLife Vorarlberg und Großprojekte

Mit der Gründung eines eigenständigen Vereins (BirdLife Vorarlberg) 1994 ging ein langgehegter Wunsch Kilzers in Erfüllung. Ihr erstes größeres Projekt war die ornitho-ökologische Bewertung der sonnseitigen Bergwälder im Klostertal (1991–1994) mit dem Ziel der Nominierung als Natura-2000-Fläche. Im Anschluss wurde eine landesweite Kartierung der Fließgewässer und der Felsbrüter durchgeführt, bevor weitere Großprojekte folgten, darunter die Rasterkartierung des Kleinwalsertales (1995–1998) durch die 1996 gegründete kleine Arbeitsgruppe BirdLife-alpin. Weiters wurde in dieser Zeit mit einem großen ornithologische Forschungsprojekt im IBA-Gebiet Silvretta/Verwall begonnen. Um in diesen abgelegenen Gebieten kartieren zu können, organisierte sie unter anderem Übernachtungen in Alphütten und bewältigte die damit verbundenen Herausforderungen. Weiters war Kilzer über viele Jahre die Stimme von BirdLife Vorarlberg und stellte die Organisation einer breiten Öffentlichkeit vor, sei es in Zeitungsartikeln, Rundfunk- und Fernsehinterviews, vogelkundlichen Exkursionen oder ihren Bildungskursen („Vögel beobachten und bestimmen“) in der Arbeiterkammer. Ab 2005 fungierte sie auch als Obfrau von Aquila – Ornithologische Gesellschaft Vorarlberg.

Spätere Publikationen, Ehrungen und fortgesetztes Engagement

Zusammen mit Georg Amann und ihrem Sohn Gerold veröffentlichte sie 2002 über die Vorarlberger Naturschau die Rote Liste gefährdeter Brutvögel Vorarlbergs. 2011 folgte im Berner Haupt Verlag die Fachliteratur Avifaunistische Literatur und Landschaftswandel: Beispiel Vorarlberg, die sie zusammen mit Georg Willi publizierte. Dieser war – neben ihrem Sohn Gerold – auch an der 2011 veröffentlichten Arbeit Atlas der Brutvögel Vorarlbergs beteiligt, dessen Kartierungsarbeiten sie ab 2001 durch ganz Vorarlberg sowie die grenznahen Gebiete von Tirol führten. Hinzu kamen auch noch unzählige weitere Arbeiten wie Artikeln, Gutachten, Stellungnahmen oder Broschüren. In den Jahren 2005 bis 2007 unternahm sie eine Bestandserhebung des Rotsternigen Blaukehlchens im Klein- und Großvermunt in der Silvretta. Rund um ihren 70. Geburtstag wurde Kilzer, die vom Land Vorarlberg als eine der erfolgreichsten Autodidaktinnen in der österreichischen Ornithologie bezeichnet wurde, im Jahr 2008 der Berufstitel Professorin verliehen.[2][3] Mit der Jahreshauptversammlung im April 2012 wurde Hubert Salzgeber zum neuen Landesleiter von BirdLife Vorarlberg gewählt, nachdem sich die mittlerweile 73 Jahre alte Kilzer von dieser Position zurückgezogen hatte.[4] Bis ins hohe Alter setzte sich die vorwiegend als Alpenornithologin zu bezeichnende Kilzer für den Schutz der Vögel und ihrer Lebensräume ein.

Werke (Auswahl)

Literatur

  • Rita Kilzer. In: Biographische Notizen zu in Nord- und Osttirol tätigen Ornithologen. S. 50–51 (zobodat.at [PDF])
  • Rita Kilzer. In: Geschichte der botanischen Erforschung. S. 602 (zobodat.at [PDF])
  • Rita Kilzer – Zum 60. Geburtstag. In: Egretta, Band 41, Nr. 2, S. 122–123 (zobodat.at [PDF])

Einzelnachweise

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