Ritz Brothers
US-amerikanisches Komiker-Trio
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Die Ritz Brothers waren ein US-amerikanisches Komikertrio, bestehend aus den Brüdern Al (1901–1965), Jimmy (1904–1985) und Harry Ritz (1907–1986). Sie traten von 1925 bis Ende der 1970er Jahre auf Show-, Nachtclub- und Hotelbühnen, im Film und im Fernsehen auf und waren für ihren anarchischen, parodistischen Humor bekannt. Die Brüder genossen einen Ruf als brillante Komiker, deren Einfluss von Else Lasker-Schüler bis Mel Brooks und Jerry Lewis reicht. Sie wurden oft mit den Marx Brothers verglichen, auch wenn sie nie deren Popularität erreichten.[1]

Karriere
Die Ritz Brothers entstammten einer jüdischen Familie, ihr aus Österreich eingewanderter Vater Max Joachim war Herrenausstatter in Newark, New Jersey.[2] Später wuchsen die Brüder in Brooklyn auf, wo Al eine Reihe von Tanzwettbewerben gewann. Darüber gelang ihm ein erster Einstieg ins Showgeschäft als Tänzer. Ab 1925 trat er gemeinsam mit seinen jüngeren Brüdern Jimmy und Harry auf. In ihren ersten Auftritten Mitte der 1920er-Jahre parodierten sie die damals populäre Comicreihe Harold Teen über einen Jugendlichen, dabei trugen sie weiße Hosen, unverhältnismäßig große Fliegen und Beanie-Mützen auf dem Kopf.[1] Ihren eigentlichen Nachnamen Joachim tauschten die Brüder gegen Ritz auf. Ein vierter Bruder, der Geschäftsmann George Joachim (1896–1970), fungierte lange Jahre als ihr Manager.[3]
Das Komikertrio arbeitete sich in den folgenden Jahren zu großen Vaudeville-Bühnen und angesagten Nachtclubs hoch. 1930 standen sie etwa neben den Headlinern Frank Fay und Barbara Stanwyck im Abendprogramm des Palace Hotel auf der Bühne, zwei Jahre später traten sie im Shubert Theatre auf und wirkten an der Musikrevue Earl Carroll Vanities mit. Als sie bereits in ihrer New Yorker Heimat als bekannte Komiker galten, soll ein Auftritt im Clover Club an Hollywoods Sunset Strip ihnen schließlich auch die Aufmerksamkeit von Hollywood eingebracht haben: Angeblich soll Produzent Darryl F. Zanuck sie gesehen und daraufhin für sein Studio 20th Century Fox verpflichtet haben.[1]
In ihren ersten Filmen bei Fox traten die Ritz Brothers an der Seite von Filmstars wie Alice Faye, Dick Powell und Sonja Henie auf. Mit der College-Komödie Life Begins in College erhielten sie schließlich auch ihr eigenes Starvehikel als Hauptdarsteller. 1939 traten sie in der Abenteuerkomödie The Three Musketeers als drei Lakaien des von Don Ameche gespielten D’Artagnan auf. Produzent Zanuck soll Harry Ritz als eigentlichen Star des Trios gesehen und ihm eine Solokarriere vorgeschlagen haben; aber Harry Ritz insistierte, nicht ohne seine Brüder auftreten zu wollen.[4] Bei dem Dreh der Horrorkomödie The Gorilla, in der auch Bela Lugosi mitspielte, kam es zum offenen Bruch mit Fox, weil die Brüder das Drehbuch als miserabel kritisierten und im Streit den Drehort zeitweise verließen.[5] Danach wechselten die Brüder von Fox zu Universal Pictures, wo aber die Qualität ihrer Filme nach allgemeiner Meinung sank.[1] Insgesamt war es nur teilweise gelungen, den Bühnenhumor der Brüder auch auf die Leinwand zu übertragen.[5]
Im Anschluss an den Universal-Film Never a Dull Moment von 1943 konzentrierten sich die Brüder wieder hauptsächlich auf Bühnenauftritte. In den folgenden zwei Jahrzehnten waren sie ein hoch bezahlter Showakt in Hotels, Resorts oder Nachtclubs an Orten wie New York, Las Vegas oder Los Angeles. Gelegentlich absolvierten sie auch Fernsehauftritte. Am 22. Dezember 1965 starb Al Ritz im Alter von 64 Jahren während eines zweiwöchigen Engagements im Roosevelt Hotel in New Orleans an einem Herzinfarkt.[6] Die beiden überlebenden Brüder Jimmy und Harry machten mit verringertem Pensum weiter, sie waren auch in den 1970er-Jahren noch in Fernsehshows und auf verschiedenen Bühnen zu sehen. Zudem absolvierten sie zwei gemeinsame letzte Filmauftritte, ehe sie sich Ende der 1970er-Jahre aus dem Showgeschäft zurückzogen.
Jimmy Ritz starb 81-jährig am 17. Oktober 1985, Harry Ritz am 29. März 1986 im Alter von 78 Jahren an einer Lungenentzündung in Verbindung mit einer Alzheimer- und Krebserkrankung.[7][8] Alle Brüder waren teils mehrfach verheiratet gewesen, wobei Jimmy ein Kind und Harry sieben Kinder hatte. Alle drei Brüder sind auf dem Hollywood Forever Cemetery beigesetzt.[9]
Markenzeichen und Humor
Das von Moe Jaffe komponierte Lied Collegiate war im Laufe ihrer Karriere eine Art Erkennungsmelodie für die Brüder.[1] Der Humor der Ritz Brothers basierte auf Musik- und Tanzeinlagen, Slapstick sowie Parodien bekannter Songs, Tänze oder Personen. Er war bewusst krawallig, anarchisch und ausgelassen.[10] In der Regel stand Harry bei Auftritten und Filmen in der Mitte zwischen seinen älteren Brüdern Al und Jimmy.
Rezeption und Ehrungen
Auch wenn die Ritz Brothers kaum die Weltgeltung etwa der Marx Brothers erreichten, wurden in späteren Jahren oft ihr Talent und ihr Einfluss hervorgehoben.[11] Zwar sind die Filme heute ein bleibendes Zeugnis der Brüder, aber gerade in ihren vielen Bühnenauftritten lag ihr Einfluss für die nachfolgende Komikergeneration, die in jungen Jahren oft Shows der Brüder gesehen hatte.[12] Mel Brooks bezeichnete die Ritz Brothers als sensationell und Inspiration für seine Komik,[13] und führte speziell zu Harry Ritz aus:
- „Harry Ritz war der lustigste Mensch, den es je gab. Seine Verrücktheit und seine Freiheit waren unübertroffen. Bei ihm gab es kein Intellektualisieren. Man hoffte nur, dass sich keine spitzen Gegenstände im Raum befanden, wenn er arbeitete, denn man lag auf dem Boden, spuckte, war außer Kontrolle und lachte sich kaputt. Harry Ritz hat mich immer umgehauen. Immer.“[14]
Brooks gab Harry Ritz eine kleine Rolle in seinem Film Silent Movie aus dem Jahr 1976. Auch andere Komiker der Generation von Brooks empfanden ähnlich: Sid Caesar bezeichnete Harry Ritz als „den witzigsten Mann seiner Zeit“,[1] Jerry Lewis sah die Brüder als seine Lehrmeister,[11] auch George Carlin benannte sie als Einfluss.[5] Norman Lear sagte über Harry Ritz und seine Brüder: „Harry Ritz war so witzig wie kein anderer Mensch, den ich je getroffen habe, egal ob aus der Welt der Comedy oder nicht. Er war ein Juwel in einer glanzvollen Umgebung, und seine Brüder waren diese Umgebung.“[15]
Neil Simon war der Meinung, dass die Ritz Brothers mehr amerikanische Komiker der 1940er- bis 1960er-Jahre nachhaltig beeinflusst hätten als alle anderen, auch berühmteren Komikergrößen.[16] Beispielsweise soll sich Danny Kaye bei seinem Scatgesang, der lange eines seiner Markenzeichen war, viel von den Brüdern abgeschaut haben.[7]
Selbst in der Literatur finden sich die Ritz Brothers: Sie treten als Figuren in dem 1940 geschriebenen Theaterstück IchundIch von Else Lasker-Schüler auf, die das Komikertrio sehr mochte.[17]
Die Brüder erhielten auch zwei Ehrungen, die sie als Hollywood-Stars ausweisen: 1937 durften sie ihre Fußabdrücke am TCL Chinese Theatre hinterlassen. 1987 erhielten sie posthum einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame in der Kategorie Film, nachdem Komiker wie Jan Murray, Red Buttons, Milton Berle und Phyllis Diller sich dafür eingesetzt hatten.[16]
2021 veröffentlichte Roy Liebman mit The Ritz Brothers: The Films, Television Shows and Other Career Highlights of the Famous Comedy Trio das erste Buch, das sich in voller Länge dem Komikerduo widmet. Das Arte-Format Blow Up thematisierte 2022 mit einer achtminütigen Dokumentation die Brüder.[18]
Filmografie
- 1934: Hotel Anchovy (Kurzfilm)
- 1936: Sing, Baby, Sing
- 1936: Cinema Circus (Kurzfilm)
- 1936: One in a Million
- 1937: Gehn wir bummeln (On the Avenue)
- 1937: You Can’t Have Everything
- 1937: Ali Baba Goes To Town (Cameo-Auftritt)
- 1937: Life Begins in College
- 1938: The Goldwyn Follies
- 1938: Kentucky Moonshine
- 1938: Straight, Place and Show
- 1939: The Three Musketeers
- 1939: The Gorilla
- 1939: Pack Up Your Troubles
- 1940: Argentine Nights
- 1942: Behind the Eight Ball
- 1943: Hi'ya, Chum
- 1943: Show-Business at War (Kurzfilm)
- 1943: Never a Dull Moment
- 1956: Brooklyn Goes to Las Vegas (Kurzfilm)
- 1975: Blazing Stewardesses (nur Harry und Jimmy Ritz)
- 1976: Won Ton Ton – der Hund, der Hollywood rettete (Won Ton Ton, the Dog Who Saved Hollywood) (nur Harry und Jimmy Ritz)
- 1976: Mel Brooks’ letzte Verrücktheit: Silent Movie (Silent Movie) (nur Harry Ritz)
Literatur
- Liebman, Roy: The Ritz Brothers: The Films, Television Shows and Other Career Highlights of the Famous Comedy Trio, McFarland, 2021. ISBN 978-1476681368.
Weblinks
- Ritz Brothers bei IMDb
- Harry Ritz bei IMDb
- Al Ritz bei IMDb
- Jimmy Ritz bei IMDb