Riva Group

italienischer Stahlkonzern mit Hauptsitz in Mailand From Wikipedia, the free encyclopedia

Riva Group ist das führende europäische Elektrostahlunternehmen mit Hauptsitz in Italien. Im Jahr 2022 belegte im Ranking der World Steel Association der größten Stahlprozenten weltweit den neunundsechzigsten Platz.[2] Die gesamte Stahlproduktion des Konzerns wird durch Elektroofen erzeugt, diese ist auf dem Recycling von Eisenschrott basiert, nach dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft und der Reduzierung von CO2-Emissionen.[3][4]

Schnelle Fakten
Riva Group
Logo
Rechtsform Società per azioni
Gründung 1954
Sitz Mailand, Italien Italien
Leitung Claudio Riva, Präsident
Mitarbeiterzahl 5.500[1]
Umsatz 4,37 Mrd. EUR[1]
Branche Stahlindustrie
Website www.rivagroup.com
Stand: 31. Dezember 2021
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Geschichte

Die Riva Group wurde 1954 von den Brüdern Emilio (1926–2014) und Adriano Riva (1931–2019) gegründet, um Eisenschrott für die Elektroofen-Stahlwerke in der Region Brescia zu handeln.

Die Stahlproduktion begann 1957 in Caronno Pertusella (Varese), wo das erste Produktionswerk mit einem Elektroofen errichtet wurde. Im Jahr 1964 wurde zum ersten Mal in Italien eine gebogene Stranggussanlage mit drei Linien installiert, die vom Anlagenbauunternehmen durch den Ingenieur Luigi Danieli als Maschinenbauer und den Ingenieur Enzo Colombo als Konstrukteur hergestellt wurde. Die frühe Übernahme des Stranggusses im Vergleich zu den Wettbewerbern wurde somit zu einer der Hauptquellen für den Wettbewerbsvorteil des Unternehmens, das in den folgenden Jahren seinen Expansionsprozess in Italien und im Ausland begann.

Mit der Übernahme der „Acciaerie e Ferriere del Tanaro“ in Lesegno (Cuneo) im Jahr 1966 und der S.E.E.I. in Malegno (Brescia) im Jahr 1970 wurde die Stahlproduktion erheblich erweitert. Dies ermöglichte es der Riva Group, sich auf dem italienischen Markt für Langprodukte, Profile, Stäbe und Bewehrungsstahl auszudehnen.

Ende der 1960er Jahre erreichte die Riva Group bereits eine jährliche Gesamtproduktion von etwa 300.000 Tonnen und bot eine breite Palette von Langprodukten an.

Hauptsitz der Riva Group in Mailand/Italien

Im Jahr 1971 tätigte die Riva Group ihre erste bedeutende ausländische Investition. Im Jahr 1978 war die Riva Group der erste europäische Betreiber, der Stahl direkt nach China verkaufte, einem Markt, der bis dahin ausschließlich von Japan beliefert wurde.[5]

In den folgenden Jahren beteiligte sich die Gruppe aktiv am Privatisierungsprozess der europäischen Stahlindustrie. Sie erwarb nicht nur bedeutende Produktionsstätten in Italien, sondern auch darüber hinaus Werke in Frankreich, Belgien und Deutschland.[5]

Die Rolle bei deutschen Privatisierungen nach der Wiedervereinigung

Die Riva Group spielte ebenfalls eine wichtige Rolle bei den Privatisierungen in Ostdeutschland nach der deutschen Wiedervereinigung. Im März 1992 löste die Treuhandanstalt, die staatliche Gesellschaft für die Privatisierung von Unternehmen in Ostdeutschland, das „VEB Qualität- und Edelstahlkombinat Brandenburg“ auf. Über die eigens dafür gegründete „Hennigsdorfer Elektrostahlwerke GmbH“ und die „Brandenburger Elektrostahlwerke GmbH“ erwarb die Riva Group dann zwei VEB-Betriebe: das Elektrostahlwerk und das Drahtwalzwerk der „Brandenburger Elektrostahlwerke GmbH“ sowie das Elektrostahlwerk und das Walzwerk der „Hennigsdorfer Stahl GmbH“, für jeweils 55 und 47 Millionen Mark.[6]

Nach der Übernahme initiierte Riva eine intensive Modernisierung und Steigerung der Produktivität der Anlagen. Rund 200 Millionen Mark wurden in die Umstrukturierung der Anlagen investiert. Insgesamt investierte die Riva Group einen Betrag von etwa 400 Millionen Euro, das Vierfache der ursprünglich vorgesehenen Summe.

Die Modernisierung beinhaltete die Einführung von Elektroschmelzöfen und Stranggießanlagen sowie einen völlig neuen Bereich für die Produktion von elektrisch geschweißten Bewehrungsnetzen im Brandenburger Werk. Auf organisatorischer Ebene förderte die Riva-Konzern eine Unternehmenskultur mit flexiblen Hierarchien, um Entscheidungsprozesse effizienter und schneller zu gestalten.[6][7]

Etwa ein Jahr nach der Privatisierung steigerte das Hennigsdorfer Werk, das ursprünglich etwa 500.000 Tonnen Stahl pro Jahr produzierte, seine Produktion auf 600.000 Tonnen, und erreichte im Jahr 2007 die Marke von 900.000 Tonnen. Ähnlich erhöhte das Brandenburger Werk seine Produktion von 750.000 Tonnen pro Jahr auf 1,6 Millionen. Nach einer anfänglichen Phase des gegenseitigen Kennenlernens mit den Mitarbeitern führte das Stahlunternehmen eine Reihe von Vereinbarungen mit Arbeitnehmern und Gewerkschaften durch, die die beiden deutschen Werke zu einem „richtigen Musterbetrieb“ hinsichtlich der Zusammenarbeit machten.[6] Bereits zum 10- jährigen Jubiläum der Werke im Land Brandenburg im Jahre 2002, würdigte Ministerpräsident, Dr. Manfred Stolpe, öffentlich die Erfolgsgeschichte der Riva Group. Er sprach er von einem “Segen für das Land Brandenburg” und betonte in Riva einen verläßlichen und kompetenten Partner gefunden zu haben, der dem Land in einer von Deindustrialisierung geprägten Nachwendezeit zur Seite stand und die Tradition der Stahlindustrie fortsetzte. Auch der Meilenstein des 20- jährigen Jubiläums im Jahre 2012 verdeutlichte die Standfestigkeit der Riva Group und Brandenburgs Ministerpräsident, Matthias Platzeck, betonte die Verlässlichkeit der Riva Werke als Arbeitgeber, der von Anfang zu seinem Wort stand und damit vielen Familien eine Zukunft bot. Trotz der Branchenkrise im Jahr 2013 arbeiteten die beiden Werke weiterhin mit einer Produktivität von 85 %.[8]

Beschäftig sichern ging vor betriebsbedingt kündigen und so hielt die Riva Group an den Beschäftigtenzahlen fest und umschiffte gekonnt branchenbezogenen Krisen der letzten Jahrzehnte.

Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums im Jahre 2022, der Übernahme der beiden Werke durch Riva, lobte der Ministerpräsident des Landes Brandenburg, Dietmar Woidke, die Tätigkeit der Gruppe in der Region als eine „echte Erfolgsstory“ und würdigte die kontinuierlichen Investitionen des Stahlunternehmens zur Steigerung der Qualität und der ökologischen Nachhaltigkeit der Produkte sowie die Arbeitssicherheit.[9] Hervorgehoben wurde seinerseits die große Treue der Riva Group in den Wirtschaftsstandort Brandenburg und den damit verbundenen Investitionen in die Zukunft.

Seit 2013 widmet sich die Riva Group, kontrolliert von der Holding „Riva Forni Elettrici“, ausschließlich der Produktion von Stahl in Elektroöfen.

Die Gruppe wurde von ihrem Gründer Emilio Riva als Präsident bis zum 30. April 2014 geführt. Sein Nachfolger an der Spitze des Konzerns und derzeitiger Präsident wird Claudio Riva.

Technologische Innovationen

Seit der Installation der ersten Stranggußanlage (1964) bis heute investierte die Gruppe kontinuierlich in technologische Innovationen zur Stahlproduktion mithilfe von Elektrolichtbogenöfen, unter Verwendung von Eisenschrott. Diese Methodik zielt darauf ab, die endlose Recyclingfähigkeit von Stahl im Sinne einer Kreislaufwirtschaft und zur Reduzierung von CO2-Emissionen zu nutzen.[6] In diesem Zusammenhang erwarb die Riva Group im Jahr 2022 acht Sammel- und Aufbereitungsstandorte für Eisenmaterialien in Frankreich.[4][10]

Produktionsstätten

Im Laufe der Jahre hat die Riva Group durch eine Reihe von Übernahmen und strategischen Operationen ein umfangreiches Netzwerk von Produktionsstätten aufgebaut, das es ihr ermöglicht, in verschiedenen Ländern tätig zu sein: Italien, Frankreich, Deutschland, Belgien, Kanada und Spanien.[11]

Anerkennungen

  • Für seine Rolle bei der Umstrukturierung der europäischen Stahlindustrie wurden Emilio Riva folgende Auszeichnungen verliehen: Großes Verdienstkreuz des belgischen Königs (2000), Ritter des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (2002) und die Ehrenlegion Frankreichs (2005)[12]. Étienne Davignon, der Anfang der 1980er Jahre als EU-Kommissar den „Davignon-Plan“ zur Erneuerung der Stahlindustrie auf dem alten Kontinent befürwortete, erklärte: „Die Stahlindustrie ist keine Industrie wie die anderen, und die Riva Group ist kein Stahlkonzern wie die anderen“. Er definierte Emilio Riva als „lebenden Beweis einer dynamischen und optimistischen Vision des Privatunternehmens“[13].
  • Die Werke der Riva Group in Valle Camonica wurden im September 2021 mit dem Safety Award 2020/2021 ausgezeichnet, der vom italienischen Metallurgieverband für die durchgeführten Maßnahmen im Bereich Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz verliehen wird.[14]

Siehe auch

Einzelnachweise

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