Robert Borchardt
deutscher Diplomat, Abteilungsleiter im BND und Ritterkreuzträger
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Robert Sebastian Borchardt (* 9. Januar 1912 in München; † 10. März 1985 in Pullach im Isartal) war ein deutscher Diplomat, Journalist, Abteilungsleiter im Bundesnachrichtendienst (BND) und Träger des Ritterkreuzes.
Leben
Borchart wurde als Sohn des Oberingenieurs Philipp Borchardt geboren. Seine Mutter war Katharina Borchardt, geborene Albert. Von Sommer 1922 bis Ostern 1931 besuchte er das humanistisches Theresien-Gymnasium München, das er mit dem Reifezeugnis abschloss. Anschließend studierte er drei Semester Chemie und Botanik an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Am 15. Oktober 1932 trat er als Offizieranwärter bei der 1. Kompanie der 7. (Bayerischen) Kraftfahr-Abteilung in die Reichswehr ein. Am 1. April 1933 erfolgte die Beförderung zum Gefreiten, am 1. Juli 1933 zum Fahnenjunker und am 1. April 1934 zum Fähnrich. Am 30. Juni 1934 ist er unter Ernennung zum Leutnant aus dem Heeresdienst ausgeschieden. Grund dafür soll sein jüdischer Vater gewesen sein, weshalb er nach den nationalsozialistischen Rassengesetzen als Halbjude bzw. jüdischer Mischling galt. Sein Vater emigrierte 1938 nach England.[1]
Vom 7. Juli 1935 bis zum 7. Juli 1938 war er in Nanjing Militärberater und Instrukteur für Heeresmotorisierung im Dienste der Regierung Chinas unter Chiang Kai-shek, wo er bei der Aufstellung und Ausbildung aller Kraftfahrtruppen Verwendung fand und diese Truppengattung in China mit aufgebaut hat. Er unterrichtete Fähnriche an der Kraftfahrschule und über Taktik der Kraftfahrtruppen an der Kriegsakademie.
Vom 1. Januar 1939 bis zum 31. Dezember 1940 war er als Zivilangestellter beim Amt Ausland/Abwehr (Abw I H West) im Oberkommando der Wehrmacht. Dort war er fast zwei Jahre in Spanien eingesetzt, zunächst vom 15. Januar bis 31. Mai 1939 beim Dritten Generalstabsoffizier/Abwehroffizier (I c/A.O.) der Legion Condor, dann vom 1. Juni 1939 bis 1. Oktober 1940 als Leiter der selbständigen Abwehrnebenstelle in San Sebastian und in Barcelona.
Am 1. Januar 1941 wurde er als Oberleutnant in den aktiven Dienst wiedereingestellt und war Kompaniechef einer motorisierten Aufklärungs-Kompanie der Aufklärungs-Abteilung 341 mit Einsätzen auf dem Balkan und im Osten. Am 15. März 1941 erfolgte die Ernennung zum Hauptmann. Im August 1941 kam er zum in Potsdam neu aufgestellten Sonderverband 288, wo er bis Januar 1942 eine Panzer-Jäger-Kompanie nebst Stürmgeschützzug führte. Ab Anfang Februar bis Ende März 1942 führte er Vorauskräfte in Bataillonsstärke, die auf dem Luftweg nach Libyen verlegt wurden. Ab dem 19. April 1942 war er Adjutant im Sonderverband 288, wurde am 15. Juni 1942 verwundet und kehrte am 18. Oktober 1942 nach Genesung nach Afrika zurück, wo er mit der Führung der II. Abteilung des Sonderverbands 288 beauftragt wurde, musste jedoch kurzfristig einen ausgefallenen Kommandeur ersetzen und wurde Bataillonsführer des II. Bataillons des Panzer-Grenadier-Regiments 125 der 164. leichten Division. Am 28. Oktober 1942 geriet er ostwärts der Moschee Sidi Abd el Rahman in El Alamein in britische Kriegsgefangenschaft, wobei er sich eine Schusswunde an der linken Hüfte zuzog. Am 9. August 1943 (Rangdienstalter: 1. Juni 1943) wurde er (in Abwesenheit) zum Major befördert. Er wurde am 15. November 1946 aus der britischen Kriegsgefangenschaft entlassen.
Von 1949 bis 1954 war Borchardt Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung und freier Mitarbeiter für die Zeitschriften Hochland, Jahrbuch für internationale Politik, Aussprache und Wehrkunde, wo er über China, Korea, europäische Verteidigung und die Geschichte des Zweiten Weltkrieges schrieb.
Am 3. Januar 1955 wurde Borchardt Presseattaché an der Deutschen Botschaft Washington in den Vereinigten Staaten.[2] Spätestens ab 1960 war Borchardt Leiter des Informationsreferats Ausland im Auswärtigen Amt.[3]
Borchardt wechselte zum BND, wo er den er den Decknamen Robert Zinneberg führte. Er war zunächst Unterabteilungsleiter für politische Auswertung (III B) des BND.[4] Im Oktober 1970 wurde er Abteilungsleiter Auswertung.[2] 1973 wurde er, auf seinen Antrag, als Erster Direktor (Besoldungsgruppe B 6) in den Ruhestand versetzt.[5]
Borchardt war evangelisch und verheiratet mit Elisabeth („Liesel“), geborene Schütte.
Auszeichnungen
- Eisernes Kreuz II. Klasse (18. April 1941)
- Eisernes Kreuz I. Klasse (20. August 1941)
- Verwundetenabzeichen in Schwarz (22. August 1941)
- Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes (23. August 1941)
- Sturmabzeichen (12. Oktober 1941)
Weblinks
- Personalakte Robert Borchardt (BArch PERS 6/264326). In: Bundesarchiv. (Digitalisat).