Robert Danzer

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Robert Danzer (* 5. April 1951 in Graz, Österreich) ist ein österreichischer Werkstoffwissenschaftler. Von 1993 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2019 war er Universitätsprofessor an der Montanuniversität Leoben in Österrreich.

Leben und Wirken[1]

Robert Danzer wuchs in Graz auf und studierte Theoretische Physik an der Karl Franzens Universität Graz. Im Jahr 1976 schloss er das Studium mit einer Arbeit über die „Zyklotronresonanz in Halbleitern mit Zinkblendestruktur“ ab (Mag. rer. nat.). Er promovierte 1978 mit der Dissertation „Der frequenzabhängige Leitfähigkeitstensor von n-InSb im quantisierenden Magnetfeld“.

Nach einer kurzen Zeit als Universitätsassistent am Institut für Theoretische Physik an der Universität Graz besetzte er verschiedene Positionen am Institut für Metallkunde und Werkstoffprüfung der Montanuniversität Leoben. Schwerpunkt seiner Arbeiten war die Werkstoffprüfung, insbesondere die Hochtemperaturermüdung metallischer Werkstoffe und ihr Kriechverhalten. Er war auch führend am Europäischen Forschungsprogramm COST 501 (advanced materials for power engineering components) beteiligt. 1987 habilitierte er sich für das Fach Werkstoffprüfung. Seine Schrift „Lebensdauerprognose hochfester metallischer Werkstoffe im Bereich hoher Temperaturen“[2] ist auch als Buch[3] erschienen. Für diese Arbeit erhielt er 1987 den Masing Gedächtnispreis der Deutschen Gesellschaft für Metallkunde[4].

1987 wechselte er an das Max Planck Institut für Metallforschung in Stuttgart, wo er eine Gruppe für die mechanische Prüfung von Hochleistungskeramiken aufbaute. Gemeinsam mit den Firmen Daimler Benz, HOECHST, Bayer und MTU wurde eine Gasturbine entwickelt, die von einer keramischen Turbinenscheibe angetrieben wurde, die ungekühlt bei 1200°C erfolgreich betrieben wurde. 1990 kehrte er an die Montanuniversität zurück, um eine Arbeitsgruppe für Hochleistungskeramik aufzubauen. 1993 wurde er an die Montanuniversität Leoben Leiter des neu gegründeten Institutes für Struktur- und Funktionskeramik (ISFK). Diese Funktion hielt er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2019 bei[5].

Schwerpunkte seiner Arbeiten am ISFK waren die Bruchstatistik, wo er eine physikalische Begründung für die starke Streuung der Festigkeitswerte von Keramiken (die Weibullstatistik) fand[6][7], und das unterkritische Risswachstum sowie die mechanische Prüfung von Keramiken. So wurden am ISFK mehrere neue Verfahren zur Festigkeits- und Zähigkeitsprüfung von Keramiken entwickelt[8][9]. Weiters beschäftigte er sich intensiv mit dem Versagen von nichtlinearen elektrokeramischen Bauteilen (Varistoren, PTC, LTC, Piezokeramiken)[1].

Robert Danzer war stark in internationalen Gesellschaften und wissenschaftlichen Kooperationen involviert. So war er bereits 1983 technisch wissenschaftlicher Koordinator im europäischen Forschungsprogramm COST 501 mit etwa 50 Forschungsprojekten, bei denen es um die Verbesserung von hochtemperaturbeständigen Werkstoffen für die Energieerzeugung ging. Von 1997 bis 2001 war er Leiter des Gemeinschaftsausschusses der Deutschen Gesellschaft für Metallkunde (DGM) und der Deutschen Keramischen Gesellschaft (DKG), der vor allem der Förderung junger Wissenschaftler durch gemeinsame Projekte dient, und von denen er fachlich stark profitiert hat.

Robert Danzer ist Autor bzw. Co-Autor von mehr als 320 wissenschaftlichen Arbeiten, Autor bzw. Herausgeber von 4 Büchern und Inhaber von 7 Patenten[1]. Mehrere seiner Schüler und Mitarbeiter wurden Universitätsprofessoren[1].

Er ist mit Brigitte Danzer verheiratet und hat einen Stiefsohn Ingo Meirold-Mautner und eine Tochter Julia Danzer; beide haben in Graz Physik studiert.

Funktionen

  • 1983 – 1987 Technisch wissenschaftlicher Koordinator im europäischen Forschungsprogramm COST 501[1]
  • 1992 – 1999 Leiter des Christian Doppler Laboratoriums für Hochleistungskeramik[10]
  • 1994 – 2002 Chairman des ESIS (European Structural Integrety Society) Technical Comitee 6 (Ceramics)[1]
  • 1995 – 2001 Vizestudiendekan der Montanuniversität Leoben[5]
  • 1997 – 2016 Vorsitzender der Studienkommission für das Doktoratsstudium an der Montanuniversität Leoben[5]
  • 1997 – 2001 Leiter des Gemeinschaftsausschusses Hochleistungskeramik der Deutschen Gesellschaft für Materialkunde und der Deutschen Keramischen Gesellschaft[5]
  • 2011 – 2014 Vorsitzender des Professorenverbandes der Montanuniversität Leoben[5]
  • 2011 – 2016 Gründer und erster Präsident der Österreichischen Keramischen Gesellschaft (AuCerS)[11]
  • 2015 – 2019 Mitglied des Vorstandes der European Ceramic Society (ECerS)[1]

Auszeichnungen

Einzelnachweise

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