Robert Hernried
austroamerikanischer Kapellmeister, Pädagoge, Musikschriftsteller und Komponist
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Robert Franz Richard Hernried (geboren als Robert Franz Richard Hirsch 22. September 1883 in Wien, Österreich-Ungarn; gestorben 3. September 1951 in Detroit/Michigan, Vereinigte Staaten) war ein austroamerikanischer Kapellmeister, Pädagoge, Musikschriftsteller und Komponist.
Leben
Robert Hirsch war ein Sohn des Kaufmanns Emil Hirsch und der Laura Schefteles. Er besuchte in Wien das Erzherzog-Rainer-Gymnasium und studierte an der Universität Wien und am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde bei Robert Fuchs, Richard Heuberger und Eusebius Mandyczewski. Er komponierte mit Francesca da Rimini seine erste Oper. Hernried arbeitete danach als Komponist und Musikschriftsteller in Wien. Daneben war er 1906 Dirigierassistent in München und hatte weitere Engagements als Theaterkapellmeister in Mannheim, Meran, Troppau, Gmunden und Linz. Er heiratete 1911 die Sängerin Elisabeth Valentin, sie hatten zwei Kinder, dem Sohn Karl Heinz Hernried (1912–1988) gelang 1939 die Flucht nach Norwegen, er wurde in Schweden Fotograf[1].
Hernried wurde 1915 Soldat im Ersten Weltkrieg und arbeitete in der Wirtschaftskrise nach Kriegsende als Hilfsarbeiter. Er war Theorie- und Kompositionslehrer an den Volkshochschulen in Mannheim (1919–1922) und Erfurt (1924–1926) und fungierte ab 1926 beim „Reichsverband Deutscher Orchester und Orchestermusiker“ in Berlin als Schriftleiter der Zeitschrift Das Orchester. Hernried wurde 1927 als Lektor für Musikgeschichte und außerordentlicher Professor an das Sternsche Konservatorium berufen, er lehrte dann an der Staatlichen Akademie für Kirchen- und Schulmusik in Berlin. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten ging er 1935 zurück nach Wien, nach dem Anschluss Österreichs floh er 1939 in die USA.
Hernried unterrichtete am Saint Ambrose College in Davenport, am State Teachers College in Dickinson, am Saint Francis College in Fort Wayne und wurde 1946 Professor für Musiktheorie, Komposition und Orchestrierung am Detroit Institute of Musical Arts und Lecturer an der University of Detroit.
Hernried schrieb eine Vielzahl von Musikkritiken und Essays. Er komponierte eine Messe, zwei Opern, Orchesterstücke, Kammermusik, Chorwerke und Lieder. 1935 entdeckte und publizierte er sechs Concerti Grossi von Francesco Geminiani. Er publizierte im Musical Quarterly bis dahin unbekannte Briefe von Johannes Brahms, Richard Wagner, Hugo Wolf und Gustav Mahler.

Schriften (Auswahl)
- Émile Jaques-Dalcroze's Lebenswerk. Genf, 1929
- Allgemeine Musiklehre. Berlin, 1933 (Bearbeitung des Lehrbuchwerks von Stephan Krehl)
- Johannes Brahms. Leipzig: Reclam, 1934
- Systematische Modulationslehre. Berlin, 1935 (Bearbeitung des Lehrbuchwerks von Stephan Krehl)
Literatur
- Hernried, Robert Franz Richard, in: Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Band II, 1. München: Saur, 1983, ISBN 3-598-10087-6, S. 495.
- Ramona H. Matthews: Hernried, Robert (Franz Richard), in: The New Grove Dictionary of Music and Musicians, 2. Auflage, 2001, Band 11, S. 430 f.
- Uwe Harten: Hernried, Robert Franz Richard. In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 2, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2003, ISBN 3-7001-3044-9.
Weblinks
- Literatur von und über Robert Hernried im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Robert Hernried Papers, bei Library of Congress, PDF