Robert N. Ginsburg
US-amerikanischer Geologe
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Robert Nathan Ginsburg (* 26. April 1925 in Wichita Falls; † 9. Juli 2017 in Miami) war ein US-amerikanischer Geowissenschaftler, der über die Sedimentologie von Karbonat-Sedimenten und -Gesteinen forschte.
Leben und Wirken
Robert Nathan Ginsburg wurde 1925 in Wichita Falls, Texas, geboren.[1][2][3] Sein Vater stammte aus Litauen und war in der Erdöl-Industrie tätig. Seine Mutter war Texanerin. Nach Abschluss der Schulausbildung nahm Ginsburg mit einem Einsatz im Pazifik am Zweiten Weltkrieg teil.
Nach dem Krieg verbrachte er ein Semester an der Sorbonne in Paris und an der University of Illinois. Danach studierte er Geologie an der University in Chicago, wo die Professoren Francis Pettijohn und Heinz Lowenstam zu seinen Mentoren gehörten, und wo er den Mikropaläontologen und Paläozeanographen Cesare Emiliani kennenlernte.[2] Ginsburg wurde 1953 mit einer Arbeit über die Bildung quartärer Karbonat-Ablagerungen in Süd-Florida promoviert.[4]
Im Anschluss wurde er von Shell eingestellt, um ein Labor zur Erforschung moderner Karbonatsedimente und Karbonatgesteine aufzubauen. Die Erdöl-Industrie war zu dieser Zeit sehr interessiert an der Bildung von Kalksteinen, die wichtige Speichergesteine für Kohlenwasserstoffe darstellen. Moderne Ablagerungen von Korallenriffen und Karbonatplattformen in Florida und den Bahamas sollten als Modelle für fossile Abfolgen dienen. So gründete Ginsburg 1954 die Shell Development Company in Miami, eine innovative und produktive Forschungs-Einrichtung, deren Leiter er bis 1965 war.[2] In dieser Zeit führte er zusammen mit Kollegen und aufbauend auf seinen Arbeiten im Rahmen seiner Dissertation verschiedene wegweisende Projekte über die marine Zementation von Karbonaten,[5][6] sowie über Sediment-Bildung und -Verteilung in der Florida Bay, dem Florida Reef Tract[7] und auf den Bahamas[8] durch.
Im Jahr 1965 wurde Ginsburg als Professor an die Johns Hopkins University in Baltimore, Maryland, berufen. Er forschte und lehrte dort bis 1970. Schon früh organisierte Ginsburg Workshops, Meetings und Gelände-Kurse, um Kolleginnen und Kollegen zusammenzubringen und fachliche Synergien zu erzeugen. Exemplarisch sei das internationale Meeting über Stromatolithe 1967 genannt.[9] Von 1968 bis 1969 war er Präsident der Society of Sedimentary Geology und förderte die Einrichtung der SEPM Research Groups. In der Zeit in Baltimore erweiterte er seine Forschungsaktivitäten nach Bermuda, wo er sich mit der Bildung von Algen-Riffen beschäftigte[10] und auch wiederholt karbonat-sedimentologische Gelände-Kurse durchführte.
Im Jahr 1970 folgte er einem Ruf an die University of Miami, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2010 als Professor für Marine Geologie tätig war. In Miami gründete Ginsburg das Comparative Sedimentology Laboratory,[11] dessen Leiter er über 25 Jahre lang war. Über Jahrzehnte führte er weiterhin seine karbonat-sedimentologischen Kurse durch, mit Schwerpunkten in Süd-Florida und den Bahamas. Legendär wurde sein Arbeitsansatz über die Entwicklung relevanter, wissenschaftlicher Fragestellungen, um zu signifikanten Forschungs-Ergebnissen zu gelangen.[12] In den 1970er Jahren erweiterte Ginsburg sein Forschungsfeld erneut, diesmal nach Belize, wo er sich u. a. mit Hilfe eines Forschungs-U-Bootes am Außenriffhang der Bildung von Barriereriffen und Atollen befasste und wieder dem Thema der submarinen Zementation von Karbonaten zuwendete.[13] In den Bahamas entwickelte Ginsburg Modelle zur zyklischen Sedimentation auf Karbonatplattformen[14] und führte Arbeiten zur Bildung von Karbonatbildungen auf Wattflächen durch.[15] Auch hier untersuchte er Karbonatplattform-Ränder mit einem Forschungs-U-Boot.[16][17] Diese Arbeiten mündeten in den 1980er Jahren im Bahamas Drilling Projekt, in dem zwei tiefe Bohrungen am Westrand der Great Bahama Bank durchgeführt wurden. Die Bohrkerne wurden nachfolgend von einer größeren Gruppe von Wissenschaftlern untersucht.[18] Dieses Großprojekt bildete später die Grundlage für die Expedition 166 des Ocean Drilling Program (ODP) "Bahamas Transect".[19]
Ab Mitte der 1990er Jahre begann Ginsburg mit Aktivitäten im Reef Assessment und Monitoring im karibischen Raum, um sich vor dem Hintergrund des Klimawandels mit dem sich verschlechternden Zustand von tropischen Korallenriffen zu beschäftigen und dies einer breiten Öffentlichkeit nahezubringen.[20] Bereits 1977 hatte er als Vorsitzender des Organisations-Kommittees das Third International Coral Reef Symposium in Miami ausgerichtet. Im Jahr 1993 organisierte er das internationale Kolloquium "Global Aspects of Coral Reefs" in Miami.[21]
Ginsburg beschäftigte sich in diesem späteren Abschnitt seiner Karriere auch weiterhin mit karbonat-sedimentologischen Themen, insbesondere mit der Bildung von Stromatolithen[22][23] und feinkörnigen Karbonaten.[24] Er war weiterhin über viele Jahre Vorsitzender der History of Geology Division der Geological Society of America (GSA).
Robert Ginsburg starb 2017 in Miami, Florida, im Alter von 92 Jahren.[25][2] Als Ausdruck von Robert Ginsburgs herausragenden Leistungen wurden ihm die höchsten Ehrungen der beiden großen internationalen sedimentologischen Fachverbände zuteil. Im Jahr 1985 erhielt er die Twenhofel-Medaille der Society of Sedimentary Geology (SEPM) und im Jahr 1998 die Sorby-Medaille der International Association of Sedimentologists (IAS).[26] Ginsburg wurde 1987 der erste Chairman der Commission on Global Sedimentary Geology der International Union of Geological Sciences (IUGS).[27] Im Jahr 2008 wurde die ausgestorbene Korallenart Isopora ginsburgi zu seinen Ehren benannt.[28] Die University of Miami richtete 2020 als Stiftungsprofessur den "Robert Nathan Ginsburg Endowed Chair in Marine Geosciences"[29] ein.