Roberto Carlos

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Roberto Carlos da Silva Rocha[1] (* 10. April 1973 in Garça, São Paulo) ist ein ehemaliger brasilianischer Fußballprofi, der auf der Position des linken Außenverteidigers aktiv war. Derzeit arbeitet er als Markenbotschafter und Jugendtrainer für Real Madrid.

Schnelle Fakten Personalia, Junioren ...
Roberto Carlos
Roberto Carlos (2023)
Personalia
Voller Name Roberto Carlos da Silva Rocha
Geburtstag 10. April 1973
Geburtsort Garça, Brasilien
Größe 168 cm
Position Linker Außenverteidiger
Junioren
Jahre Station
1988–1991 União São João EC
Herren
Jahre Station Spiele (Tore)1
1991–1993 União São João EC 21 0(3)
1993–1995 Palmeiras São Paulo 44 0(3)
1995–1996 Inter Mailand 30 0(5)
1996–2007 Real Madrid 370 (47)
2007–2009 Fenerbahçe Istanbul 65 0(6)
2010–2011 Corinthians São Paulo 35 0(1)
2011–2012 Anschi Machatschkala 25 0(4)
2015 Delhi Dynamos FC 4 0(0)
Nationalmannschaft
Jahre Auswahl Spiele (Tore)
1992–2006 Brasilien 125 (10)
Stationen als Trainer
Jahre Station
2011 Anschi Machatschkala (Spielertrainer)
2013–2014 Sivasspor
2015 Akhisar Belediyespor
2015–2016 Delhi Dynamos FC (Spielertrainer)
2016– Real Madrid (Jugend)
1 Angegeben sind nur Ligaspiele.
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Roberto Carlos stand von 1996 bis 2007 bei Real Madrid unter Vertrag und prägte in dieser Zeit die Entwicklung des modernen Außenverteidigers entscheidend, indem er die Position auf höchstem Niveau neu definierte. Mit dem Verein gewann er zahlreiche nationale wie internationale Titel unter anderem vier spanische Meisterschaften und dreimal die UEFA Champions League (1998, 2000, 2002). Zuvor spielte er für Palmeiras São Paulo und Inter Mailand. Für die brasilianische Nationalmannschaft absolvierte er 125 Länderspiele und nahm an mehreren Weltmeisterschaften sowie internationalen Turnieren teil. Mit der Seleção wurde er 2002 Fußball-Weltmeister.

Roberto Carlos war insbesondere durch seine offensive Spielweise und Freistöße bekannt.

Vereinskarriere

SE Palmeiras

Seine Karriere als Profifußballer begann Roberto Carlos bei União São João EC aus Araras, Bundesstaat São Paulo. Für den Klub machte er ab 1991 in der zweitklassigen brasilianischen Segunda Divisão und der Campionato Paulista auf sich aufmerksam. Bereits im Januar 1993 folgte der Wechsel zum Spitzenklub SE Palmeiras, der damals zu den ambitioniertesten Vereinen des Landes zählte. Dort gelang ihm der Durchbruch: Roberto Carlos entwickelte sich rasch zum etatmäßigen Linksverteidiger und wurde zu einem wichtigen Leistungsträger. Begünstigt wurde diese Entwicklung auch durch die guten Rahmenbedingungen beim Klub, den der finanzkräftige Parmalat-Konzern unterstützte. Dadurch konnte Palmeiras eine Reihe hochkarätiger Spieler verpflichten, darunter Mazinho, César Sampaio, Zinho und Rivaldo, aus denen Trainer Vanderlei Luxemburgo eine äußerst konkurrenzfähige Mannschaft formte. In dieser erfolgreichen Phase gewann er mit Palmeiras zwei brasilianische Meistertitel (1993, 1994), zwei Staatsmeisterschaften (1993, 1994) sowie das prestigeträchtige Torneio Rio-São Paulo (1993). Das Sportmagazin Placar wählte Roberto Carlos für seine Leistungen zweimal in Folge in die „Mannschaft des Jahres“ (Bola de Prata).[2][3] Bis zu seinem Transfer nach Europa absolvierte er für Palmeiras insgesamt 186 Pflichtspiele (18 Tore).[4]

Inter Mailand

1995 wechselte Roberto Carlos für eine Ablösesumme von umgerechnet rund 3,5 Millionen Euro zu Inter Mailand. Doch der Schritt in die italienische Serie A entwickelte sich schnell zu einem sportlichen Missverständnis. Unter Trainer Roy Hodgson wurde er nicht auf seiner angestammten Position als linker Außenverteidiger eingesetzt, sondern häufig im linken Mittelfeld oder sogar in einer deutlich offensiveren Rolle, die phasenweise an die eines Stürmers erinnerte. Dadurch konnte er seine größten Stärken nur eingeschränkt zur Geltung bringen.[5] Trotz regelmäßiger Einsätze gelang es ihm nicht, sich dauerhaft in der für ihn optimalen Rolle zu etablieren, weshalb er den Verein bereits nach der Saison 1995/96 wieder verließ.[6]

Real Madrid

1996 verpflichtete ihn Spaniens Rekordmeister Real Madrid für umgerechnet etwa sieben Millionen Euro und Roberto Carlos war damit Teil eines großangelegten Kaderumbruchs. Die Königlichen hatten die Vorsaison lediglich auf dem enttäuschenden sechsten Platz der Primera División abgeschlossen und als Konsequenz zahlreiche Spielertransfers getätigt.[7] Bereits in seiner ersten Saison wurde er Stammspieler und trug maßgeblich zum Gewinn der spanischen Meisterschaft 1996/97 bei. Seine außergewöhnliche Physis, Schnelligkeit und Schusstechnik machten ihn schnell zu einem zentralen Bestandteil der Mannschaft. Während Außenverteidiger traditionell vor allem defensive Aufgaben erfüllten, revolutionierte Roberto Carlos diese Rolle durch seine offensive Ausrichtung. Er kombinierte defensive Stabilität mit permanenten Vorstößen entlang der linken Seite, präzisen Flanken und torgefährlichen Distanzschüssen. Seine kraftvolle Spielweise, geprägt von explosiven Antritten und enormer Ausdauer, erlaubte es ihm, über die gesamte Spielzeit hinweg sowohl defensiv als auch offensiv präsent zu sein. Gemeinhin galt Roberto Carlos neben dem Italiener Paolo Maldini als einer besten Linksverteidiger der Fußballgeschichte.

In den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren war Roberto Carlos ein Schlüsselspieler in einer äußerst erfolgreichen Phase des Vereins. Mit Real Madrid gewann er dreimal die UEFA Champions League (1998, 2000, 2002), zweimal den Weltpokal (1998, 2002) und drei weitere Meisterschaften (2000/01, 2002/03, 2006/07). Ab dem Jahr 2000 begann unter dem neuen Präsidenten Florentino Pérez die sogenannte „Galácticos“-Ära. Ziel war es, die besten und zugleich vermarktbarsten Spieler der Welt zu verpflichten. Zu den spektakulären Neuzugängen zählten Luís Figo, Zinédine Zidane, Ronaldo und David Beckham. Roberto Carlos war bereits vor Beginn dieser Phase Teil der Mannschaft. Seine Konstanz und Leistungsfähigkeit machten ihn unabhängig vom jeweiligen Trainer zu einer festen Größe in der Startelf.

Neben den sportlichen Erfolgen spielte auch der globale Marketingwert des Teams eine entscheidende Rolle. Real Madrid entwickelte sich zu einer weltweit führenden Marke, wobei Stars wie Roberto Carlos durch ihre Popularität erheblich dazu beitrugen.

Trotz der hohen individuellen Qualität und internationalen Aufmerksamkeit ließ der sportliche Erfolg ab etwa 2003 nach. In dieser Phase gewann der FC Barcelona zunehmend an Dominanz im spanischen und europäischen Fußball. Real hingegen kämpfte mit sportlicher Instabilität und häufigen Trainerwechseln. Roberto Carlos blieb jedoch auch in dieser schwierigen Phase ein Leistungsträger und einer der konstantesten Spieler im Kader. In der Saison 2006/07 gelang Real Madrid nach mehreren titellosen Jahren der Gewinn der spanischen Meisterschaft. Für Roberto Carlos war dies der vierte Meistertitel und zugleich der letzte große Erfolg in seiner Zeit in Madrid. Am Ende dieser Saison verließ er den Klub nach elf Jahren.

Fenerbahce SK

Zur Saison 2007/08 wechselte er zu Fenerbahçe SK in die türkische Süper Lig, wo er einen Zweijahresvertrag mit der Option auf ein weiteres Jahr unterschrieb. Bei Fenerbahçe soll er jährlich 4 Millionen Euro verdient haben. Am 17. September 2008 absolvierte er sein 115. Spiel in der UEFA Champions League und stellte damit einen neuen Spielerekord auf. Seinen Vertrag bei Fenerbahçe Istanbul verlängerte er im September 2008 vorzeitig bis August 2010, indem er die Option für ein weiteres Jahr zog,[8] doch zur Winterpause wurde dieser Vertrag aufgelöst. Roberto Carlos kehrte in seine brasilianische Heimat zurück, wo er ab der Saison 2010 für SC Corinthians Paulista spielte.[9]

Anschi Machatschkala

Im Februar 2011 wurde Roberto Carlos’ Wechsel nach Russland zum Anschi Machatschkala bekannt. Der Außenverteidiger löste seinen Vertrag im Einvernehmen mit der Vereinsführung von Corinthians aufgrund von vielen Drohungen gegen seine Person auf. In der Premjer Liga wurde er innerhalb des ersten halben Jahres zweimal Opfer rassistischer Angriffe. Als er am 22. Juni 2011 im Spiel bei Krylja Sowetow Samara zum zweiten Mal mit Bananen beworfen wurde, verließ er aus Protest in der 90. Minute das Spielfeld.[10] Zuvor war ein Fan von Zenit Sankt Petersburg vom russischen Fußballverband lebenslang gesperrt worden, der Roberto Carlos im März mit einer Banane beworfen hatte.[11] Am 1. August 2012 gab Carlos auf einer Pressekonferenz offiziell das Ende seiner aktiven Laufbahn bekannt.[12]

Nationalmannschaft

Zwischen 1992 und 2006 spielte Roberto Carlos in der brasilianischen Nationalmannschaft. Während der WM 2002, die mit dem Titelgewinn für Brasilien endete, war er einer der Leistungsträger der brasilianischen Nationalmannschaft. Er wurde von der FIFA ins All-Star-Team gewählt.[13] Zwei Tage nach dem Ausscheiden der brasilianischen Mannschaft aus der WM 2006 in Deutschland erklärte er seinen Rücktritt. Er wurde nach dem Ausscheiden gegen Frankreich besonders in Brasilien stark kritisiert. Er hatte sich vor dem Freistoß, auf den das Tor durch Thierry Henry folgte, die Socken hochgezogen, anstatt Henry zu decken. Insgesamt bestritt er 125 Länderspiele und erzielte elf Tore.

Besonderes

Der nur 168 Zentimeter große Spieler ist bekannt für seine wuchtigen Freistöße und seine im Allgemeinen kraftvollen Torabschlüsse. Lange hielt er mit 202 km/h den inoffiziellen Weltrekord für den härtesten Schuss im Fußball, bevor dies vom Brasilianer Ronny mit rund 212 km/h (131,82 mph) in der Saison 2006/07 überboten wurde.[14] Die Korrektheit derartiger Messungen wird von Metin Tolan in Zweifel gezogen, der die Meinung vertritt, dass ein Schuss nicht schneller als 120–130 km/h sein kann.[15]

Berühmt wurde sein Freistoßtor am 3. Juni 1997 beim Tournoi de France in der 21. Minute gegen Frankreich. Der Ball landete mit viel Effet und einer sehr ungewöhnlichen Flugkurve neben dem verdutzten französischen Torhüter Fabien Barthez in der äußersten rechten Torecke.[16] Im Jahr 2010 wurde dieser Schuss in einer wissenschaftlichen Veröffentlichung der École polytechnique in Paris analysiert. Es wurde festgestellt, dass Roberto Carlos den Ball mit einer solch seltenen Kombination aus Härte und Effet traf, dass der Ball stärker abgelenkt wurde als es durch den Magnus-Effekt erklärbar sei, und stattdessen für eine kurze Zeit eine spiralförmige, viel stärker als gewöhnlich gekrümmte Flugbahn annahm.[17]

Erfolge

Auszeichnungen

Saisonstatistik

Weitere Informationen Verein, Liga ...
Verein Liga Saison Liga Nat. Pokal Int. Pokal Andere Gesamt
Spiele Tore Spiele Tore Spiele Tore Spiele Tore Spiele Tore
SE Palmeiras Série A 1993 20150--405656
1994 2423061270603
1995 004192233366
Gesamt 44312115390816115
Inter Mailand Serie A 1995/96 3052121--347
Gesamt 3052121--347
Real Madrid Primera División 1996/97 37550----425
1997/98 354119220477
1998/99 355408020495
1999/00 35430174--558
2000/01 365--144215210
2001/02 3136113220526
2002/03 3751015121557
2003/04 325718220498
2004/05 34320101--464
2005/06 3553170--456
2006/07 2331080--323
Gesamt 370473341091612252469
Fenerbahçe Istanbul Süper Lig 2007/08 222309010352
2008/09 32482101--507
2009/10 110--81--191
Gesamt 656112272--10410
Corinthians São Paulo Série A 2010 351--80143574
2011 00--103141
Gesamt 351--90174615
Anschi Machatschkala Premjer-Liga 2011/12 25431----285
Gesamt 25431----285
Delhi Dynamos FC Indian Super League 2015 40------40
Gesamt 40------40
Karriere Gesamt 573666191622211914916111
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Karriere als Trainer

Nach der Entlassung von Gadschi Gadschijew bei Anschi Machatschkala am 29. September 2011 agierte Roberto Carlos vorübergehend als Spielertrainer des russischen Vereins.[18]

Am 3. Juni 2013 unterschrieb er einen Zweijahresvertrag beim türkischen Erstligisten Sivasspor.[19] Am 21. Dezember 2014, nach einer 0:2-Niederlage gegen Istanbul Başakşehir, gab er aufgrund der schwachen Leistung seiner Mannschaft, die gegen den Abstieg kämpft, seinen Rücktritt als Trainer von Sivasspor bekannt.[20][21]

Zwei Wochen später wurde Roberto Carlos Cheftrainer bei Akhisar Belediyespor.[22] Diesen Verein führte er zum Klassenerhalt und verließ ihn anschließend nach Saisonabschluss.

Im Juli 2015 wurde bekannt, dass Roberto Carlos Trainer des indischen Klubs Delhi Dynamos werde.[23]

Seit Anfang des Jahres 2016 ist Roberto Carlos als Jugendtrainer wieder zurück bei Real Madrid.[24]

Privates

Seit dem 2. August 2005 besitzt Roberto Carlos zusätzlich zur brasilianischen auch die spanische Staatsbürgerschaft.[25]

Roberto Carlos hat elf Kinder mit sieben verschiedenen Frauen.[26]

Zitate

„Roberto Carlos ist ein verkappter Stürmer; vom Mittelfeld bis zum gegnerischen Strafraum ist er fantastisch.“

Antonio Cabrini

„Wenn es um den besten Linksfüßer geht, dann darf nur ein Name fallen: Roberto Carlos. Er kann mit links alles: scharf schießen, flanken, passen, etc.“

„Wenn die Kunst versagt, kommt Roberto Carlos und lädt durch!“

Commons: Roberto Carlos – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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