Rocca Abbaziale
Burg in Italien
From Wikipedia, the free encyclopedia
Die Rocca Abbaziale (dt.: Abteiburg, Klosterburg) auch Rocca dei Borgia genannt, ist eine Burg aus dem späten 11. Jahrhundert in Subiaco in der italienischen Region Latium. Die auf Betreiben von Giovanni V. da Farfa errichtete Burg liegt an der Salita Don Gigi auf einem steilen Hügel. Zur Verteidigung war sie mit Befestigungen ausgerüstet und hatte Kerker, einen Wachturm und eine Kirche.
| Rocca Abbaziale | ||
|---|---|---|
Rocca Abbaziale in Subiaco | ||
| Staat | Italien | |
| Ort | Subiaco | |
| Entstehungszeit | 11. Jahrhundert | |
| Burgentyp | Höhenburg | |
| Erhaltungszustand | restauriert und umgebaut | |
| Bauweise | Bruchstein | |
| Geographische Lage | 41° 56′ N, 13° 6′ O | |
| Höhenlage | 476 m s.l.m. | |
|
| ||

Geschichte
Die Burg wurde zwischen 1073 und 1077 zur Verteidigung des beträchtlichen Vermögens, dass die Abtei Santa Scolastica in der Gegend besaß. Die Festung erlitt 1349 durch ein Erdbeben verschiedene Schäden.
Der Papst Calixt III. (Onkel des künftigen Papstes Alexander VI.) entschloss sich 1456, einen seiner Delegierten mit der Verwaltung des beträchtlichen Vermögens der Abtei zu betrauen, indem er diese Kardinalskommende einrichtete, die den Mönchen die weltliche Macht über die Siedlung entzog. Die Restaurierungsarbeiten wurden 1476 unter der Kommende des Kardinals Rodrigo Borgia abgeschlossen, der das Gebäude erweitern ließ, indem die rechteckige Bastion anlegen ließ, die die Burg im Osten schützt. Man nimmt an, dass in der Burg seine Kinder Giovanni, Cesare und Lucrezia geboren wurde, die ihm seine Geliebte, Vanozza de’ Cattanei, schenkte.[1]
Rodrigo Borgia überließ die Burg nach seinem Aufstieg zum Papstthron unter dem Namen Alexander VI. dem Kardinal Giovanni Colonna. Die Familie Colonna regierte das Territorium 116 Jahre lang.
1778 wurden im Auftrag von Papst Pius VI. und unter der Leitung des Architekten Pietro Camporese Restaurierungsarbeiten durchgeführt, die aber die Elemente zerstörten, die die Rocca Abbaziale als mittelalterliche Burg auswiesen: Der Turm wurde in seiner Höhe halbiert und das Falltor und die Kerker beseitigt; die westliche Kernburg wurde mit einer imposanten Uhr versehen. So wurde das Gebäude zu einem modernen Palast, der an die Nutzung als Residenz für den Abt der Kommende angepasst war. Dort wohnten auch die Päpste Pius VII., Gregor XVI. und Pius IX.[2]
Beschreibung
Die Rocca Abbaziale in Subiaco ist ein Komplex, der aus drei Gebäuden aus vollkommen unterschiedlichen Epochen besteht.
Der ursprüngliche Kern, der im Laufe der Zeit weitgehend umgebaut wurde, stammt aus dem 11. Jahrhundert und ist heute durch die große Uhr gekennzeichnet (ein Werk von Giuseppe Ravaglia), deren Einbau sieben Jahrhunderte nach Errichtung des ursprünglichen Gebäudes von Papst Pius VI. veranlasst wurde. Es handelte sich ursprünglich um einen hauptsächlich militärisch genutzten Turm, den Abt von Santa Scolastica , Giovanni V. da Farfa auf einem Sporn über dem Anienetal zu einer Zeit errichten ließ, als der Stadtkern von Subiaco sich um die Ufer des Flusses konzentrierte. Zum ursprünglichen Komplex gehörte auch eine kleine Kirche, die dem Heiligen Thomas geweiht war, und ein dreifacher Mauerring, deren Umrisse wahrscheinlich denen folgte, die heute noch sichtbar sind.
Der rechteckige Turm im Osten bildet den zweiten Baukörper des Komplexes. Ihn ließ Kardinal Rodrigo Borgia in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts errichten. Trotz des strengen Aussehens eines Bergfriedes (und den in seinem Inneren installierten „Fischergalgen“) änderte die Bastion bald seine Funktion: Einige Jahrzehnte nach seiner Errichtung beauftragte der Verwalter der Kommende, Francesco Colonna, Restaurierungsarbeiten in seinem Inneren, sodass dieses zu einem Repräsentationsraum wurde.
Der Palast
Der letzte Kern wurde Ende des 18. Jahrhunderts von Papst Pius VI. (Giovannangelo Braschi) zu dem Zweck beauftragt, die beiden früheren Gebäudeteile zu verbinden und letztendlich die architektonische Ausrichtung des Komplexes zu verändern: Mit seiner Errichtung verlor die Burg im Wesentlichen seine ursprüngliche, militärische Funktion und wurde in jeder Beziehung ein repräsentativer Palast. Mit den Arbeiten wurde 1778 der Architekt Pietro Camporese betraut, der die Fallgruben beseitigte, die Umfassungsmauer verschönerte, den Turm der Borgia in der Höhe halbierte, die kleine Kirche in das neue Gebäude integrierte und das großartige Eingangsportal mit doppelter Zugangstreppe mit dem Wappen der Familie Braschi darüber einrichtete.
Kunst
Die Burg von Subiaco enthält in ihrem Inneren wertvolle Kunstwerke aus dem 16. und 18. Jahrhundert.
In der Zeit in Besitz der Familie Colonna wurde das erste Obergeschoss des Turms der Borgias mit Fresken verziert, die Künstlern aus dem Umfeld von Perino del Vaga zugeschrieben werden und um die Mitte des 16. Jahrhunderts ausgeführt wurden. Insbesondere die drei Räume des sogenannten Appartemento Colonna, deren Deckengewölbe mit Grotesken (im Geschmack der damaligen Zeit) dekoriert wurden, sind heute in hervorragendem Erhaltungszustand.[3]
Das zweite Obergeschoss zeigt eine weitaus gehaltvollere bildliche Verzierung, mit der Ende des 18. Jahrhunderts Papst Pius VI. den Maler Liberio Coccetti aus Foligno beauftragte. Die ersten drei Räume des Appartemento Braschi enthalten einen interessanten Zyklus von Temperamalereien an der Wand, die die Siedlungen zeigen, die damals zur Kommende von Subiaco gehörten. Der Maler widmete sich der Darstellung der Siedlungen mit großer Hingabe. Coccetti wollte nicht nur die Landschaft, sondern auch das damalige, bäuerliche Leben beschreiben und zeigte eine fast ethnografische Aufmerksamkeit gegenüber den lokalen Gemeinschaften. Die Gemälde sind angeordnet, wie folgt:
I. Speisesaal
- Subiaco
- Agosta
- Marano Equo
- Ponza (heute Arcinazzo Romano)
- Affile
II. Speisesaal
III. Speisesaal
- Cervara di Roma
- Camerata (alt)
- Rocca Santo Stefano
- Civitella (heute Bellegra)
- Rocca Canterano und Rocca di Mezzo
- Canterano
Nach Durchschreiten der drei Speisesäle gelangt man in den Sala dei Continenti (dt.: Saal der Kontinente), einen kleinen Raum in Rhombusform, der mit glänzenden Interpretationen von Grotesken aus dem Rokoko und einer originalen Darstellung der Kontinente (damals vier; ohne Australien) in den vier Ecken des Raumes verziert ist. Dann erreicht man den Thronsaal und die persönlichen Räume des Verwalters der Kommende, von denen der Alkoven besonders interessant ist, dessen Dekoration vollständig unbeschädigt ist; es handelt sich erneut um Grotesken, die in einer Interpretation des späten 18. Jahrhunderts renoviert wurden.
Bildergalerie
- Symbol der Familie Colonna
- Gemälde von Scipione Colonna
- Tafel am Eingang
- Fresko mit Papst Pius VI. und Engeln
- Fresko mit Papst Pio VI.
- Fresko mit Zodiakszenen
Literatur
- Luigi Caronti: Subiaco nel turismo, nell'arte, nella storia. Lux, 1964.
- Mara Minasi: I Colonna nella rocca di Subiaco. De Luca, Rom 2004.
Weblinks
- Website der Rocca Abbaziale von Subiaco. Abgerufen am 5. Mai 2026.

