Roland Geyer
österreichischer Opernintendant, -regisseur und Kulturmanager
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Roland Geyer (* 29. Dezember 1952 in Wien) ist ein österreichischer Kulturmanager und Opernintendant. Von 2006 bis Ende der Spielzeit 2021/22 war er Intendant des Theaters an der Wien. Von August 2022 bis Ende April 2026 leitete er als Intendant und künstlerischer Geschäftsführer die neue Johann.Strauß-Festjahr 2025 GmbH und kreierte, plante und organisierte für die Stadt Wien einen ganzjährigen musikalischen Festreigen zum 200. Geburtstag von Johann Strauss (Sohn).
Leben
Geyer studierte Technische Mathematik & Wirtschaftsmathematik (Diplomingenieur) an der TU Wien und Sportwissenschaften & Sportmanagement an der Universität Wien.[1][2] Ab 1977 war er fünf Jahre lang als EDV-Analytiker in einer Computerfirma und als EDV-Lehrer am Wiener Wirtschaftsförderungsinstitut (Wifi) tätig. Geyer schrieb auch vier Lehrbücher über Software-Design und Programmierung. Danach nahm er am Studiengang Musikmanagement an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien teil und wurde 1982 Leiter des städtischen Kultur- und Sportwesens von Amstetten. 1983 gründete er die Amstettener Sommerfestspiele.
Jeunesse Musicale Österreich
Von 1987[3] bis 1996 war Geyer Generalsekretär der Jeunesse Musicale Österreich und organisierte in dieser Zeit mit rund sechzig Mitarbeitern rund 3.000 Konzerte österreichweit. In dieser Zeit reorganisierte er sehr erfolgreich das gesamte Abonnementsystem und setzte die notwendigen Impulse, um die Besucherstruktur zu verdichten. 1987 gründete er gemeinsam mit dem Dirigenten Manfred Honeck das Wiener Jeunesse Orchester und 1990 rief er das jährliche internationale Herbstfestival der „Jeunesse“ in Wien ins Leben. Daneben war er als Kuratoriumsmitglied der Jeunesses Musicales International tätig, von 1995 bis 1997 auch als Präsident des „Jeunesses Musicales Weltorchesters“.
KlangBogen und OsterKlang
Geyer trat 1996 seine Stelle als Musikintendant der Stadt Wien an und leitete das Festivalmanagement der Stadt Wien. Er war für jährlich rund siebzig Veranstaltungen (Konzerte und Musiktheater-Produktionen) verantwortlich. Außerdem fungierte er als Vorstandsmitglied beim Festival Wien Modern, bei den Wiener Symphonikern und beim Gustav Mahler Jugendorchester. Auch die Funktion als Musikintendant absolvierte Geyer zehn Jahre lang: Er verhalf dem Sommerfestival KlangBogen, welches ab 1998 Opernproduktionen im Theater an der Wien zeigte, zu internationaler Anerkennung[4] und gründete 1997 den OsterKlang, ein Festival in der Karwoche, welches spirituellen Werken der Musikliteratur gewidmet war.
Theater an der Wien
Roland Geyer wurde ab 1. Januar 2004 zum Intendanten des neuen Opernhauses der Stadt Wien bestellt und führte das Theater an der Wien im Mozartjahr 2006 seiner ursprünglichen Bestimmung zu. Als ganzjährig bespieltes, innovatives Stagione-Opernhaus eröffnete das Theater an der Wien eine neue, eigenständige Kategorie im anspruchsvollen Wiener Kulturbetrieb und ist seither das Zentrum für Barockoper und modernes, zeitgemäßes Musiktheater in Wien.
„Wien verkraftet drei Opernhäuser nur, wenn es eine kluge Positionierung gibt“. Dieser Satz Geyers prägte seine Intendanz des Theaters an der Wien, die er Anfang 2006, im Mozartjahr, übernahm. Einerseits die Wiener Staatsoper als täglich spielender Repertoirebetrieb, andererseits die Volksoper als Vierspartenhaus mit Oper, Operette, Musical und Ballett, und zu guter Letzt das Theater an der Wien als Stagione-Opernhaus für ein Musiktheater „offener Grenzen“ mit dem Schwerpunkt auf Barock einerseits, Opern des 20. und 21. Jahrhunderts andererseits. Geyer gelang es, weltbekannte Musikern und Sängern, Regisseuren und Ausstattern – wie Nikolaus Harnoncourt, René Jacobs und Edita Gruberová, Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Marlis Petersen sowie Christof Loy, Robert Carsen, Claus Guth, Keith Warner und Christian Lacroix – ans Haus zu verpflichten, errang den Zuspruch des Publikums, der internationalen Presse und der Kollegenschaft.
Unter Geyers Leitung wurden seit 2006 rund 170 verschiedene Opern (von Monteverdi bis zu Uraufführungen) produziert, und das Theater an der Wien wurde erstmals im September 2009 von der Kritikerumfrage der Opernwelt in der Kategorie Opernhaus des Jahres unter den besten europäischen Opernhäusern auf Platz 2 gereiht. Den Höhepunkt markierte die Produktion Peter Grimes, welche von einer internationalen Jury 2016 (International Opera Awards) zur weltbesten Neuproduktion des Jahres 2015 gekürt wurde. Neben den szenischen Opernproduktionen gelangten bis dato rund 150 Konzerte zur Aufführung, weiters unzählige Sonderprojekte (Gastspiele, Cross-Over-Projekte, Kabarettaufführungen) und Ballett-Produktionen (vorwiegend vom Hamburg Ballett mit Choreographien von John Neumeier, darunter die Ballett-Uraufführung von J.S. Bachs „Weihnachtsoratorium“).
Im Jahr 2010 wurde Roland Geyers Intendanzvertrag zunächst bis 2016, danach bis 31. August 2020 und ein weiteres Mal bis 31. August 2022 verlängert.
„Außerdem muss man auch dem Rechnung tragen, was im Theater an der Wien passiert. Das ist in der letzten Zeit wirklich beachtlich.“
Seit September 2012 stand auch die Wiener Kammeroper unter Geyers Gesamtleitung. Als Präsident des Vereins Kammeroper ist er seither letztverantwortlich für das künstlerische Programm und die Finanzen. Einhergehend mit der Bespielung, welche eine Ergänzung des vielfältigen Angebotes des Theater an der Wien darstellt, wurde auch ein Junges Ensemble des Theater an der Wien (genannt JET), bestehend aus sechs Sängern, gegründet, welche in der Kammeroper in großen Rollen und im Theater an der Wien in kleineren Partien ihren hohen Standard unter Beweis stellen können.
Im Juli 2012 hat sich Geyer auch erstmals als Regisseur einer Opernproduktion (Les Contes d’Hoffmann) im Theater an der Wien präsentiert. Weitere eigene Inszenierungen waren Hans Heiling im September 2015 und Macbeth (mit Plácido Domingo in der Titelrolle) im November 2016.
Unter Geyers Intendanz wurde seit 2007 auch der Bereich der Musiktheatervermittlung für Kinder und Jugendliche am Theater an der Wien aufgebaut. In den letzten Jahren haben pro Saison rund 5000 Kinder und Jugendliche an verschiedensten Projekten und Workshops mitgewirkt bzw. diese besucht. Preise wie der „Junge Ohren Preis“, welcher in den Jahren 2007 und 2020 an das Theater an der Wien verliehen wurde sowie die Nominierung bei den International Opera Awards 2020 für das beste Gesamtkonzept der Saison 2018/19 im Bereich Musiktheatervermittlung unterstreichen die herausragende Qualität dieses so wichtigen Bereiches der Nachwuchsförderung. Ein wesentlicher und wertvoller Partner in der Unterstützung der Arbeit für Kinder und Jugendliche war dabei von Beginn an der Verein „Freunde Theater an der Wien“, der im Jahre 2007 unter seiner Federführung gegründet wurde.
Mit Ende der Spielsaison 2020/21 übergab Geyer die Intendanz des Theaters an der Wien (wie auch der Spielstätte Wiener Kammeroper) an den norwegischen Opernregisseur Stefan Herheim. In 16 Jahren Intendanz hatte er 256 verschiedene Produktionen auf die Spielpläne der beiden Häuser gebracht.
Im April 2013 wurde Roland Geyer als Mitglied in den fünfköpfigen Universitätsrat der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien gewählt und im Frühjahr 2018 bis 2023 verlängert.
Im November 2020 wurde er zum Vorsitzenden des Vorstands der Volkstheater-Privatstiftung bestellt und im Oktober 2021 auch zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Volkstheater GesmbH bestimmt. Beide Funktionen legte er im September/November 2025 nieder. Seit Jänner 2022 ist Roland Geyer auch Aufsichtsrat beim Orchester Wiener Symphoniker.
Johann Strauss 2025 Wien
Nach seiner Tätigkeit am Theater an der Wien übernahm Roland Geyer am 1. September 2022 die Intendanz und künstlerische Geschäftsführung der Johann.Strauss-Festjahr2025 GmbH: ein von der Stadt Wien und der Wien Holding initiiertes Kultur- und Jubiläumsjahr anlässlich des 200. Geburtstags des Komponisten Johann Strauss (Sohn) – auch bekannt als „Walzerkönig“- mit dem Ziel, das musikalische Erbe Strauss’ in seiner historischen Bedeutung sowie in zeitgenössischen Kontexten einem breiten Publikum zugänglich zu machen. In einer rund zweieinhalbjährigen Vorbereitungsphase wurde ein vielschichtiges Programm entwickelt, das sowohl klassische als auch moderne und experimentelle Zugänge zu Strauss’ Werk integrierte. Das Festjahr wurde am 31. Dezember 2024 mit einer großen Silvestershow am Wiener Rathausplatz eröffnet. Unter der Leitung des österreichischen Multi-Perkussionisten Martin Grubinger präsentierte die deutsche Sängerin Ankathi Koi gemeinsam mit 100 jungen Musikern eine von Martin Grubinger senior neu arrangierte Version des „Donauwalzers“. Parallel dazu fand im Wiener Konzerthaus ein klassisches Strauss-Konzert mit den Wiener Symphonikern unter der Leitung ihres Chefdirigenten Petr Popelka statt. Als musikalischer Brückenschlag zur Open-Air-Eröffnung interpretierte Ankathi Koi auch im Konzerthaus das „Schwipslied“. Insgesamt verfolgten rund 35.000 Besucher die beiden Eröffnungsveranstaltungen.
Das Festjahr umfasste insgesamt 72 Veranstaltungsorte in Wien und mehr als 400 Einzelveranstaltungen. Insgesamt wurden über 400.000 Besucher gezählt. Inhaltlich strukturierte sich das Festjahr entlang der Programmsäulen PUR (klassische Aufführungen), Mix (genreübergfreifende Formate) und OFF(experimentelle und alternative Projekte). 80 verschiedene Konzert-, Schauspiel-, Musiktheater-, Zirkus-, Film und Tanzveranstaltungen, sowie Ausstellungen, Installationen und Performances -Indoor wie OpenAir- wurden präsentiert. Die Jubiläumskonzerte der Wiener Philharmoniker, Wiener Symphoniker und des RSO Wien im Musikverein mit den Dirigenten Franz Welser-Möst, Tugan Sokhiev, Oksana Lyniv, Petr Popelka und Manfred Honeck zählten zu den Höhepunkten des Festjahres. Ein besonderer Glanzpunkt war der Auftritt der Stargeigerin Anne-Sophie Mutter, die eine Strauss-Hommage von Max Richter und John Williams interpretierte. Abseits der etablierten Spielstätte realisierte Geyer außergewöhnliche Projekte: So brachte er die erste Operette von Strauss unter dem Titel Indigo und die 23 Räuberinnen* als Open-Air-Produktion auf die Bühne, die durch alle 23 Wiener Gemeindebezirke tourte. Auch die Produktion Cagliostro – Johann Strauss im Zirkuszelt, aufgeführt in einem Zelt des Circus-Theater Roncalli, erwies sich als großer Erfolg und erreichte über 23.000 Besucher. Die musikalische Bearbeitung stammte von Johnny Bertl, das Libretto von Thomas Brezina.
Als Fusion von Technologie und Kunst entstand in Zusammenarbeit mit dem Ars Electronica Futurelab die Walzersymphonie. Das von Studierenden der Musikuniversitäten in Wien, Salzburg, Zürich und München mittels künstlicher Intelligenz (Ricerar) erarbeitete Werk verbindet Strauss und seine Musik mit zeitgenössischen Kompositionen und der Erforschung des künstlerischen Potenzials aktueller KI-Systeme (Stand 2025). Das publikumsstärkste Event konzipierte Geyer in Kooperation mit dem Wiener Donauinselfest: 80.000 Menschen wurden von dem experimentellen Auftritt des österreichischen Drum-and-Bass-Duos Camo & Krooked gemeinsam mit den Wiener Symphonikern unter der Leitung von Christian Kolonovits angezogen. Besondere Aufmerksamkeit erlangte auch die Produktion Fürstin Ninetta des immersiven Theaterensembles Nesterval, die im eigens dafür als Spielstätte geöffneten, 2020 stillgelegten Dianabad stattfand.
Im April 2026 erschien im Böhlau Verlag eine umfassende Dokumentation des Festjahres unter dem Titel „EinBlick“. Die Publikation versteht sich als Bestandsaufnahme des Festjahres und als Beitrag zur aktuellen Strauss-Rezeption. Mit 1. April 2026 wurde Roland Geyer für 5 Jahre vom Bildungsministerium für Bildung zum Hochschulrat der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg bestellt.
Lehrtätigkeit
Seit 1978 unterrichtet Geyer an der HTL Wien X (Höhere Technische Lehranstalt) Mathematik und Angewandte Mathematik.
Familiäres
Roland Geyer ist mit der ehemaligen Opernsängerin Gabriela Bone-Geyer verheiratet.
Siehe auch
Auszeichnungen
- 1995 Ordre des Arts et des Lettres
- 2001 Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst
- 2009 Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien
- 2014 Verleihung des Berufstitels Professor
- 2022 Großes Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich[6][7]
Weblinks
- Opernprojekte des Theaters an der Wien seit 2006
- Matthew Gurewitsch: Vienna’s New Opera House Since 1801. In: New York Times, 29. Mai 2009
- Roland Geyer – Opernintendant mit künstlerischem Weitblick. In: Hamburg Ballett John Neumeier – Blog, 29. August 2021