Roland Schweitzer
französischer Architekt
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Roland Schweitzer (geboren am 15. Oktober 1925 in Bruyères (Vosges); gestorben am 7. August 2018[1][2]) war ein französischer Architekt und Stadtplaner.

Leben und Wirken
Familie und Ausbildung
Schweitzers Vater war ein Bewunderer von Le Corbusier. Im Alter von 12 Jahren machte er seine erste architektonische Schlüsselerfahrung beim Besuch des japanischen Pavillons, entworfen von Junzō Sakakura, auf der Weltausstellung 1937 in Paris. Er wurde an der regionalen Schule in Straßburg sowie bei Auguste Perret und Jean Prouvé ausgebildet und erhielt sein Diplom 1953.[3]
Wirken als Architekt
Er war ein Spezialist für Holzarchitektur und deren Geschichte, insbesondere in Japan. Seine architektonische Herangehensweise betonte ökologische Werte. Schweitzer gilt als einer der Wegbereiter der Wiederbelebung der Holzarchitektur in Frankreich. Er wurde von der skandinavischen Architektur, insbesondere von Alvar Aalto, sowie von der traditionellen und modernen japanischen Architektur, darunter Sakakura, einem Schüler von Le Corbusier, beeinflusst.[4] In seinen Werken strebte er nach Harmonie mit dem Standort, fließenden Bewegungsabläufen, Transparenz und Leichtigkeit der Strukturen. Zu seinen Hauptbaumaterialien gehörten Glas, Sichtbeton und Holz.
Man kann drei Hauptphasen unterscheiden: die Phase der Jugendherbergen und Ferienzentren, die Phase der städtischen Projekte im Großraum Paris sowie die Phase der Wissensvermittlung und Konferenzen.
Ab 1954 war Schweitzer Nationaler Beraterarchitekt der Fédération des Auberges de Jeunesse. Er analysierte und überarbeitete Normen für Jugendherbergen, Landhäuser, Ferienzentren und Familienurlaubsorte und veröffentlichte dazu im Moniteur des Travaux Publics. 1960 nahm er am technischen Seminar zu Jugendherbergen in Hamburg teil, 1971 am europäischen Seminar in Kolding (Dänemark). Er realisierte rund zehn Jugendherbergen in Frankreich und entwarf fünf weitere, die nicht umgesetzt wurden. 1958 wurde er von der JPA mit der Planung des experimentellen Familienhauses im Schloss Viazac beauftragt, in Zusammenarbeit mit dem Pädagogen Albert Varier. Nach Viazac folgten Projekte in Lavaur, Bordeaux-Saint-Clair, Bénouville, Ballan-Miré und Cieux. In diesen Jahren entwickelte er seine persönliche Architektursprache, deren bedeutendstes Beispiel die Ferienkolonie „Four à Cieux“ ist, die als Kulturerbe des 20. Jahrhunderts eingestuft wurde; dort hielt er Seminare mit Architekturstudenten ab. Sein Stil zeichnet sich durch eingeschossige Bauweise, teils auf Stelzen, Flachdächer, Holzstützen und große Glasflächen aus.
Ab den 1980er Jahren war Schweitzer koordinierender Architekt für die ZAC de Reuilly, das Projekt La jarrige und 1991 für den Sektor Tolbiac-Nord der ZAC Paris Rive Gauche. Er baute u. a. das Institut Sainte-Clotilde mit Gesamtschule, Internat, Sporthalle und Kapelle sowie sieben Sozialwohnungsanlagen in Paris und Umgebung.
Lehrtätigkeit
Ab den 2000er Jahren widmete sich Schweitzer vor allem der Wissensvermittlung und reiste weltweit, wobei er stets eine besondere Beziehung zu Japan und dessen Holzarchitektur pflegte. Er lehrte Architektur, war Gast an zahlreichen Hochschulen und hielt Vorträge.[5]
Im Mai 1968 nahm er an der Reformkommission der Architekturausbildung an der ENSBA teil. Von 1969 bis 1991 war er Professor und Atelierleiter an der Architekturschule UP7. 1984 gründete er das Aufbaustudium „Holz in der Architektur“, das er bis 1991 leitete. Von 1987 bis 2000 war er als Vertreter der französischen Lehrkräfte im Beratenden Ausschuss für Architekturausbildung in Brüssel tätig und 1990/91 dessen Präsident. Parallel war er Mitorganisator des internationalen Postgraduiertenkurses für Bauingenieure und Architekten an der EPFL. Seine Tochter, die Architektin Marie Schweitzer, setzt seine Forschung im Bereich Holzbau fort.[6]
Auszeichnungen
Schweitzer wurden zahlreiche Ehrungen zuteil, u. a. ein Nachruf durch Kulturministerin Françoise Nyssen,[7] durch die Académie d’architecture, deren ordentliches Mitglied er war,[8] sowie beim Internationalen Holzbauforum durch Kazumasa Watanabé.[9]
- 1982: Grand Prix d'Architecture Haut-Marbuzet
- 1983: Médaille Le Soufaché der Académie d’architecture
- 1987: Ritter der Ehrenlegion
- 1989: Ehrenmedaille der Académie d’architecture
- Commandeur des Ordre des Arts et des Lettres
Bedeutende Werke (Auswahl)
Veröffentlichungen (Auswahl)
- mit Thomas Herzog, Julius Natterer, Michaël Volz, Wolfgang Winter: Construire en bois. Presses polytechniques et universitaires romandes, Lausanne 2005, ISBN 2880746027.
Literatur
- Amandine Diener, Daniel le Couédic: Roland Schweitzer. Modernité et longue durée. Éditions du patrimoine, Collection Carnets d’architecte, 2025, ISBN 978-2-75770987-0.