Rolf Moroni
deutscher Unternehmer
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Rolf Moroni (* 19. April 1912 in Köln; † 28. März 1991 in Benidorm in Spanien)[1] war ein deutscher Erfinder, Unternehmensgründer und Sachbuchautor. Er war Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse und des Großen Verdienstkreuzes.
1936 gründete er die Moroni GmbH in Köln, die 1939 in Thermoplast GmbH umbenannt wurde. Von 1946 bis 1981 war er geschäftsführender Gesellschafter der von ihm gegründeten Collo-Rheincollodium GmbH, einem Hersteller von Reinigungsmitteln und Schaumstoffprodukten in Bornheim-Hersel.
Werdegang
Rolf Horst Marcello Moroni wurde 1912 in Köln geboren. Der italienische Vater war als Reproduktionstechniker selbständig tätig, die Mutter entstammte einer jüdischen Familie aus Berlin. Nach Ausbildung beim Eschweiler Bergwerksverein und kurzer Berufstätigkeit gründete Moroni 1936 in Köln die Moroni GmbH. Basis der Firmengründung war die von ihm erfundene Flexiform-Maschine. Mit ihr konnten aus thermoplastischen Folien oder Platten kleine Kunststoffartikel wie Verpackungsbehälter, Schwimmer oder Schalen gefertigt werden. Ausgangsmaterial war Astralon, ein Polyvenylchlorid-Produkt, das die Dynamit Nobel AG Anfang der 1930er-Jahre entwickelt hatte.[2] Erste Anwendung waren Zigarettendosen. Diese Innovation bedeutete den Durchbruch für die Moroni GmbH: Der Chemiekonzern IG Farben kaufte die Patente zum Preis von 10.000 Goldmark.
Mit einem jüdischen Elternteil sah sich Moroni im nationalsozialistischen Deutschland Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt. Weil er um den Fortbestand seines Unternehmens fürchtete, gab er im Oktober 1939 die Geschäftsführung an Margarethe Felbick, geb. Leonardi ab[3], blieb aber alleiniger Inhaber der Moroni GmbH. Er erhielt eine Anstellung bei der Venditor Kunststoff-Verkaufsgesellschaft mbH, einem Tochterunternehmen der Dynamit Nobel AG.[4] 1940 wurde Moroni zum Kriegsdienst in der Wehrmacht eingezogen. 1943 übernahm Karl Kaufhold die Geschäftsführung von Thermoplast (vormals Maroni). 1944 wurde Maroni aufgrund seiner teils jüdischen Abstammung für „wehrunwürdig“ erklärt und aus der Wehrmacht entlassen, woraufhin er wieder bis 1947 bei der Venditor arbeitete. Aus dieser Anstellung heraus gründete Moroni im Jahr 1946 die Collo-Rheincollodium GmbH (kurz: „Collo“) in Hersel bei Bonn.[5]
Collo entwickelte und produzierte sowohl Schaumstoffprodukte als auch Reinigungsmittel, aus Schaumstoffen wurden unter anderem Reinigungs- und Massageschwämme, borstenlose Waschbürsten sowie Untersetzer für Gläser und Tassen, Badematten oder Waschhandschuhe gefertigt. Haushaltsreiniger ergänzten das Warensortiment. Wichtiger Kunde wurde ab 1980 das Einzelhandelsunternehmen Aldi[6].
Collo verzeichnete ein erhebliches Wachstum: Im Jahr 1966 erwirtschafteten rund 200 Mitarbeitende einen Umsatz von rund 20 Millionen DM. 1977 waren mehr als 280 Beschäftigte im Einsatz und die Gruppe umfasste zahlreiche Beteiligungen und Tochterunternehmen im In- und Ausland. Im Jahr 1981 erwarb ein langjähriger Mitarbeiter sämtliche Anteile der Collo-Gruppe und Rolf Moroni zog sich zurück.
Patente
Das Deutsche Patent- und Markenamt verzeichnet zahlreiche Patente, von Moroni bzw. der Collo zwischen 1950 und 1987 angemeldet wurden. Der Schwerpunkt lag dabei Verfahrensinnovationen zur Weiterverarbeitung von Polyurethanen und Produktinnovationen bei Gebrauchsgegenständen, Filtern und Reinigungsmitteln.[7]
Das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und das Große Verdienstkreuz erhielt Moroni für seine „umweltschützenden und umweltfreundlichen Produkte“, vor allem für ein Hautreinigungsprodukt (Markenname Decontacoll) und einen Filter (Markenname Collo-sanilan).[8][9][10] Collo-sanilan wurde Anfang der 1960er-Jahre als Instrument zur Lufthygiene vorgestellt. Dieser Kunststofffilter beseitigte belästigende Gerüche oder giftige Bestandteile aus Dämpfen oder Gasen.[11] Das im Jahr 1965 auf den Markt gebrachte Dekontaminierungsmittel Decontacoll diente der Reinigung von Haut, die mit radioaktiven Partikeln in Berührung gekommen ist. Haupteinsatzgebiet dieses Produktes waren wissenschaftliche Institute und Kernkraftwerke.[12][13]
Engagement
Moroni engagierte sich auf vielen Ebenen ehrenamtlich. Er war zum Beispiel Gründungsmitglied der Herseler Christlich Demokratische Union,[14] ehrenamtlicher Arbeitsrichter beim Arbeitsgericht Bonn und Handelsrichter beim Landgericht Bonn. Er arbeitete in verschiedenen Ausschüssen des Gesamtverbandes der kunststoffverarbeitenden Industrie mit und war als ehrenamtlicher Kurator des Instituts für Gesellschaftswissenschaften Walberberg e. V. tätig. Moroni war Mitglied des Mittelstandsausschusses des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und des Bergedorfer Gesprächskreises zu Fragen der Freien industriellen Gesellschaft.[15][16][17]
Auszeichnungen
- Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland 1. Klasse 1972[18]
- Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 1978[19]
- Ehrendoktor der Ingenieurwissenschaftlichen Fakultät der Päpstlichen und Königlichen Universität Santo Tomas in Manila 1974
Schriften
- Kybernetische Automation morgen. Bachem, Köln 1969.
- mit Hans Felbick: Die kybernetische dritte Bilanz: ein Weg zu moderner Unternehmensführung. Bachem, Köln 1970.
- Automation, Technisierung und humanitäre Entwicklung: Quo vadis? Verlag Sokrates, Mannheim 1983, 12 Seiten (Heft).
- 17 Aufsätze in der Zeitschrift Die Neue Ordnung zwischen 1964 und 1977.
Literatur
- Collo 30 Jahre (1936–1966). Wunderkinder der Chemie machen Hausarbeit so leicht wie nie. o. O. o. J. [1966]