Roman Weishaupt

Schweizer Schauspieler, Regisseur und Autor From Wikipedia, the free encyclopedia

Roman Weishaupt (* 1979 in Degen im Val Lumnezia)[1] ist ein Schweizer Schauspieler, Regisseur und Autor. Er leitete von 2020 bis 2024 als geschäftsführender Direktor das Theater Chur.[2]

Leben und Wirken

Weishaupt wurde 1979 in Degen im Graubündner Val Lumnezia geboren.[1] Nach seiner Ausbildung zum Primarlehrer studierte er Theaterpädagogik an der Zürcher Hochschule der Künste.[3][4] 2006 schloss er das Studium als «Leitender Künstler, Schwerpunkt: Theaterpädagogik» mit der Produktion Durchzug ab.[1] Im selben Jahr pilgerte er au dem Jakobsweg die 2400 km von Degen bis nach Santiago de Compostela. Daraus entstand der Dokumentarfilm «Zu Fuss nach Santiago de Compostella» (2007) von Bruno Moll.[5]

Von Dezember 2007 bis Juni 2014 arbeitete Weishaupt am Theater Chur. Er war zuständig für ein Programm für das junge Publikum als Zielgruppe.[1] Aus dieser Tätigkeit entstand das «Junge Theater», welches Weishaupt am Theater Chur als neue Sparte gründete.[3] 2010 gründete Weishaupt das Ensemble «Bagat» für mobile Theaterproduktionen für ein junges Publikum und erstes professionelles Ensemble für romanischsprachige Produktionen. Die Leitung übernahm ebenfalls Weishaupt selbst.[1][6] Weishaupt war ebenfalls beteiligt an der Tätigkeit des Jugendensembles «basta!». Mit diesem inszenierte er Klassiker wie Büchners «Lena und Leonce» oder Goethes «MyWerther». 2011 folgte die Gründung des mehrsprachigen Projektes «Junge Theater Graubünden», welches er gemeinsam mit Chris Hunter und Corsin Zarn entwickelte und bis 2020 leitete. 2016 wurde diese Arbeit mit dem Schweizer Theaterpreis ausgezeichnet.[6]

Als erster Bündner in der Geschichte des Theaters Chur wurde Weishaupt 2019 zu dessen Direktor gewählt. Die operative Leitung übernam Weishaupt im August 2020.[4][6] Er modernisierte den Kulturbetrieb und positionierte das Theater neu. Unter seiner Leitung wurden zweimal die «DigiDays – Theater und Digitalität» durchgeführt.[6] Die von ihm als Co-Autor und Produzent begleitete Eigenproduktion «Peiden»[7] wurde vom Schauspielhaus Zürich übernommen.[8] In der Saison 2023/24 wurde das Theater Chur für die «Gesamtleistung eines Theaterhauses» beim Kritikerpreis des Magazins Theater der Zeit nominiert.[6]

Im Jahr 2018 schloss Weishaupt den Executive Master of Arts Administration an der Universität Zürich ab.[1] Seine Masterarbeit trägt den Titel «Nudging im Theater» und behandelt innovative Ansätze im Kulturbetrieb.[6]

Sein Vertrag als geschäftsführender Direktor des Theaters Chur, der bis Ende der Spielzeit 2023/24 galt, wurde nicht verlängert.[9]

Romanische Literatur

Weishaupt verfasst Theaterstücke, Geschichten und Liedtexte in seiner Muttersprache sowie auf Deutsch und neuerdings auch in englischer Sprache. Zu seinen Werken gehören die Kriminalkomödie «Comander», die im historischen Ilanz spielt, oder Stücke wie «Giaglina Ida & Stgilat Pilat», welche für das Ensemble BAGAT produziert wurden. In «Carussel, carussel – digl affon che viveva sin ina plonta» schreibt Weishaupt über kindliche Traumwelten. Die Ideen dazu stammen aus einem gemeinsamen Brainstorming mit Kindern. Ausserdem übersetzt er Stücke ins Sursilvan. Für das Weihnachtsoratorium «Nadal – in oratori» schrieb er das Libretto.[6]

Er macht szenische Lesungen eigener Texte. Weishaupt setzt seine Mehrsprachigkeit gezielt in seinen Werken ein.[6]

Zuletzt trat als Sänger in der Rolle des Evangelisten bei den Passionskonzerten des Männerchors Val Lumnezia auf.[6]

Vom Theater zum Film

Neben seiner Theatertätigkeit erweiterte Weishaupt sein Tätigkeitsfeld und wurde Filmschauspieler. Er arbeitete zusammen mit Regisseuren wie Christoph Schaub (Amur senza fin, 2017) und Giorgio Diritti (LUBO, 2023). Letzteres lief im Wettbewerb der Filmfestspiele von Venedig.[6]

In den Serien «Metta da fein» (2020) und «L’ultim rumantsch» (2024/2025) zeigt er seine Wandlungsfähigkeit als Schauspieler. Zuletzt arbeitete er zusammen mit der amerikanischen Regisseurin Lauren Wolkstein und den Londoner Regisseuren Zhu Rancho und Adam Cowie.[6]

Auszeichnungen

  • 2008: Förderpreis des Kanton Graubünden
  • 2011: Auslandstipendium Paris, halbjähriger Aufenthalt in der Cité des Arts Paris
  • 2011: Wettbewerb des Kantons Graubünden für professionelles Kulturschaffen (kleiner Wettbewerb)
  • 2012: Felix-Rellstab-Starthilfe für theaterpädagogische Projekte des Fachverbands Theaterpädagogik Schweiz zur Gründung und für die Produktion «Parzivals Projekt» des Jungen Theater Graubünden
  • 2013: Aufenthalt im Litteraturatelier Blumenhalde Ritterhaus Ürikon, cultura+/Lia Rumantscha
  • 2013: Förderpreis der Stadt Chur
  • 2014: Stipendiat Pro Helvetia Internationales Theaterforum am Theatertreffen Berlin
  • 2015: Gewinner des Wettbewerbs des Kantons Graubünden für professionelles Kulturschaffen (grosser Wettbewerb)
  • 2016: Schweizer Theaterpreis für das Junge Theater Graubünden
  • 2016: Shortlist Schweizer Theatertreffen „besonders bemerkenswerte Inszenierung: Las flurs dil di“

Quelle: Theapolis[10]

Werke

Inszenierung:

  • Peiden

Partituren:

  • Flavio Bundi (Komponist), Roman Weishaupt (Textdichter), Claudio Spescha (Übersetzer), Rilana Cadruvi (Chorleiter):: Carrussel, carrussel ni digl affon che viveva sin ina plonta. Lia Rumantscha, Chur 2017, ISBN 978-3-03900-138-5.
  • Gion Antoni Derungs (Komponist), Barclamin Pelican (Textdichter), Eva Riedi (Textdichter), Roman Weishaupt (Textdichter), Leontina Lergier-Caviezel (Textdichter), Toni Halter (Textdichter):: Canzuns lumnezianas: per sopran-solo, chor viril, flauto, euphonium, percussiun e pianoforte. G.A. Derungs, Chur 2011, ISBN 978-3-03900-138-5.
  • Roman Weishaupt, Peter Appenzeller (Komposition) Armon Ulber (Dirigent): Nadal – in Oratori (Uraufführung 2008)

Theaterstück:

  • Tim Krohn (Verantwortung): Der Dorfladen: ein Stück nach Interviews, geführt von Roman Weishaupt. alit - Verein Literaturstiftung, Bern 2018.

Bücher:

  • Roman Weishaupt: The cow Jona goes: shortest stories from my Hermes 2000. Ediziun Brel, 2014.
  • Ursula Collenberg, Roman Weishaupt: Peiden : reminiscenza dad in vitg bandunau = Nachklang eines verlassenen Dorfes. 2001.

Texte:

  • Roman Weishaupt: Il Cavafossas: Secund premi concurrenza Plema d'aur 1996, publicau el Calender per mintga di 1997 ed ella Historia dalla vischnaunca da Degen. Canzlia communala, Degen 1996.

Filmographie

[11]

  • Zu Fuss nach Santiago de Compostela. (2007)
  • Die Verliesen des Flüchtigen(2012)
  • 1818. Die Liechtenstein-Saga (2014)
  • Amur senza fin (2017)
  • Metta da fein (2020)
  • Tranter magia, birocrazia e corona - Roman Weishaupt, il nov directur (2021)
  • Der Molchkongress (2022)
  • Luba (2023)
  • L'ultim rumantsch (Fernsehserie, 2024)
  • Mein Surname (2025)

Einzelnachweise

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