Rose (2026)
Film von Markus Schleinzer
From Wikipedia, the free encyclopedia
Rose ist ein österreichisch-deutscher Spielfilm von Markus Schleinzer aus dem Jahr 2026. Das Historiendrama ist im 17. Jahrhundert angesiedelt und erzählt von einer Frau, die sich, als männlicher Soldat verkleidet, Integration in eine abgeschiedene Dorfgemeinschaft erhofft. Die Hauptrolle übernahm Sandra Hüller. Ihre Figur ist inspiriert von zahlreichen dokumentierten Berichten über als Männer verkleidete Frauen in der europäischen Geschichte. Die österreichisch-deutsche Koproduktion wurde im Februar 2026 im Hauptwettbewerb der Internationalen Filmfestspiele Berlin (Berlinale) uraufgeführt, wo die schauspielerische Leistung von Hüller preisgekrönt wurde. Der reguläre deutsche Kinostart fand am 30. April 2026 statt.
| Film | |
| Titel | Rose |
|---|---|
| Produktionsland | Österreich, Deutschland |
| Originalsprache | Deutsch |
| Erscheinungsjahr | 2026 |
| Länge | 93 Minuten |
| Altersfreigabe | |
| Stab | |
| Regie | Markus Schleinzer |
| Drehbuch | Markus Schleinzer, Alexander Brom |
| Produktion | Johannes Schubert, Philipp Worm, Tobias Walker, Karsten Stöter |
| Musik | Tara Nome Doyle |
| Kamera | Gerald Kerkletz |
| Schnitt | Hansjörg Weißbrich |
| Besetzung | |
| |
Handlung
Während des Dreißigjährigen Kriegs (1618–1648) taucht ein mysteriöser Soldat in einem abgelegenen protestantischen Dorf auf. Er behauptet, der rechtmäßige Erbe eines seit langer Zeit verlassenen Gutshofs zu sein. Seinen Anspruch macht er mit einem Dokument geltend. Den Fremden umgibt ein Geheimnis – tatsächlich ist „er“ eine Frau namens Rose, die eine falsche Identität angenommen hat, um ihr Glück zu finden. Dabei schreckt sie auch nicht vor einer arrangierten Ehe mit Suzanna, der Tochter eines Großbauern, zurück. Als Suzanna nach Gerüchten über die nicht vollzogene Ehe doch noch schwanger wird, glaubt Rose sich am Ziel ihrer Wünsche.[3][4][5]
Einige Monate später kommt es zu einem Unfall beim Imkern. Rose bricht von mehreren Bienen gestochen zusammen und wird von Suzanna und einer Magd versorgt. Dabei kommen die beiden hinter Roses Geheimnis und schon bald spricht sich dessen Inhalt im Dorf herum. Suzanna versucht „ihren Mann“ zu decken, bis sie wegen zunehmender Anfeindungen in der Gemeinde schließlich flüchten müssen. Jedoch werden beide gefunden und festgenommen. Suzanna wird wegen Beihilfe zum Betrug und Ehebruch zum Tod durch Ertränken verurteilt, Rose soll wegen Betrug und Erbschleicherei durch Enthauptung hingerichtet werden. Die Hinrichtung muss allerdings verschoben werden – Rose ist durch eine Vergewaltigung von vier Männern selbst schwanger geworden. In der Zeit, die ihr durch den Aufschub gewährt wird, schreibt Rose ihre Lebensgeschichte auf.
Entstehungsgeschichte
Drehbuch und Besetzung

Für den Österreicher Markus Schleinzer ist Rose der dritte realisierte Spielfilm als Regisseur. Das Skript zum Film verfasste er gemeinsam mit Alexander Brom. Als Inspiration für die Titelfigur dienten beiden zahlreiche dokumentierte Berichte über als Männer verkleidete Frauen in der europäischen Geschichte. Schleinzer und Brom bemühten sich bei ihrer Recherche um größtmögliche Authentizität.[4][6]

Für die Hauptrolle der Rose wurde die vielfach preisgekrönte deutsche Schauspielerin Sandra Hüller verpflichtet. Den Part der Großbauerstochter Suzanna erhielt die deutsche Theaterschauspielerin Caro Braun, die unter Schleinzers Regie ihr Spielfilmdebüt gab.[5] In weiteren Rollen sind unter anderem Godehard Giese, Robert Gwisdek, Maria Dragus, Sven-Eric Bechtolf und Rainer Egger zu sehen, während Marisa Growaldt als Erzählerin der Geschichte fungierte.[7]
Dreharbeiten und Produktion
Die Dreharbeiten fanden zwischen Anfang Mai und Mitte Dezember 2024 mit Unterbrechungen in Sachsen-Anhalt sowie an Drehorten in Österreich statt.[6] Insgesamt waren 37 Drehtage angesetzt.[7] Das Filmteam errichtete mehrere aufwendige Bauten im Glasebachtal im Landkreis Harz,[4] das mit 21 Drehtagen (Mai–Juni, November bis Dezember 2024)[5] Hauptdrehort war.[8] Für die Kamera war Schleinzers langjähriger Weggefährte Gerald Kerkletz verantwortlich, der die gleiche Position bei dessen vorangegangenen Spielfilmen Michael (2011) und Angelo (2018) bekleidet hatte.[6] Ebenfalls an der Produktion beteiligt waren Olivier Meidinger (Szenenbild), Doris Bartelt (Kostüme) und Anette Keiser (Maskenbild). Bartelt und Keiser hatten ebenfalls an Angelo mitgewirkt. Als Editor wurde Hansjörg Weißbrich ausgewählt.[5]
Produziert wurde Rose vom Österreicher Johannes Schubert und dessen neugegründeter Firma Schubert,[9] von der Leipziger ROW Pictures (Produzent: Karsten Stöter) sowie von der Münchner Walker+Worm Film (Tobias Walker und Philipp Worm). Als Koproduzenten waren der ORF, das ZDF und Arte beteiligt. Weitere Unterstützung erhielt das Projekt vom Österreichischen Filminstitut, das für die Projektentwicklung 35.000 Euro und für die Herstellungsförderung 830.000 Euro veranschlagte. Zur Finanzierung trugen unter anderem auch der Deutsche Filmförderfonds (1,435 Millionen Euro), die Mitteldeutsche Medienförderung (700.000 Euro), die deutsche Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (500.000 Euro), die Film- und Medienstiftung NRW und der Filmfonds Wien (je 450.000 Euro), die deutsche Filmförderungsanstalt (336.000 Euro), der FilmFernsehFonds Bayern, das Medienboard Berlin-Brandenburg sowie die MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (je 100.000 Euro) bei.[7]
Mit den internationalen Verwertungsrechten wurde das Unternehmen The Match Factory betraut.[9]
Veröffentlichung und Rezeption
Die Weltpremiere von Rose erfolgte am 15. Februar 2026[10] im Rahmen der 76. Berlinale. Dort wurde das Werk in den Hauptwettbewerb eingeladen.[11]
In Deutschland lief der Film am 30. April 2026[12] im Verleih von Piffl Medien regulär in den Kinos an. In Österreich ist eine Kinoauswertung durch Filmladen vorgesehen.[7]
Andreas Kilb von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sprach sich in seiner Kritik für eine Auszeichnung an Hauptdarstellerin Sandra Hüller aus. Der Schauspielerin gelinge es, „zugleich das Unwahrscheinliche und das Beredsame ihrer Maskerade sichtbar zu machen“. Regisseur Markus Schleinzer erfinde „vielleicht nicht das Kostümkino neu, aber er“ zeige, „wie man einen historischen Stoff mit wenigen Handgriffen zeitgenössisch“ mache.[13] Esther Buss gab dem Film bei Filmdienst 4,5 von 5 Sternen: „Der konzentriert inszenierte Film in strengem Schwarz-weiß lässt durch den lyrischen Ton von Erzählerstimme und Dialogen viel Raum und versagt sich eine vordergründige Einordnung der Hauptfigur in identitätspolitische Schubladen.“[14] Michael Pekler vergleicht in Der Freitag den Film mit den anderen Filmen Schleinzers und bemerkt, dass es stets um randständige Figuren gehe. Das Schicksal von Rose diene „zuvorderst als Versuchsanordnung: Penibel wird, der Schönheit der Bilder zum Trotz, die Abwärtsspirale beobachtet.“[15]
Im internationalen Kritikerspiegel des britischen Branchenmagazins Screen International erhielt der Film 3,3 von 4 möglichen Sternen und belegte nach 17 gezeigten Wettbewerbsfilmen den ersten Platz.[16]
Autorin und Literaturwissenschaftlerin Angela Steidele kritisierte den Film in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung scharf und sieht die „atemberaubende Originalstory verstümmelt“, indem lesbische oder transgender-Aspekte nicht beachtet wurden. Durch die überaus vielen Parallelen zu ihren eigenen Forschungen und Veröffentlichungen zur Geschichte der Catharina Margaretha Linck alias Anastasius Lagrantinus Rosenstengel (1687–1721) benennt sie mindestens eine Szene im Film als Plagiat. Der Film bliebe „weit unter seinen Möglichkeiten. [...] Indem Markus Schleinzer sich aus Rosenstengels Leben Dutzende Details aneignet und durch die Titelwahl vom Ruhm der historischen Gestalt profitieren möchte, zugleich jedoch ihre protolesbische beziehungsweise seine prototransidente Geschichte verleugnet, entstellt er Rosenstengels einzigartigen Lebenslauf auf groteske Weise und nimmt der Person ihre Würde. Damit werden die historische Gestalt und die mit ihr verbundene fluide Utopie, Liebe und Lust nach drei Jahrhunderten ein zweites Mal ausgelöscht.“[17]
Filmkritikerin Arabella Wintermayr hingegen attestiert „Rose“ in der taz, die tageszeitung auch ein Film „über Geschlechterdifferenzen, die fortwirken“ zu sein – ebenso über „die Illusion, ihr allein durch Leistung oder Anpassung zu entkommen“. Was sich hier am Geschlecht entzünde, verweise aber „auf etwas Grundsätzlicheres, auf eine Feindschaft gegenüber dem Anderen selbst. Und dieses Andere muss gestraft werden, daran lässt diese Welt keinen Zweifel.“ Zwar sei dies eine niederschmetternde Erkenntnis, dennoch sei „Rose“ kein niederschmetternder Film, so Wintermayr. Dies sei auch der Tatsache geschuldet, dass Markus Schleinzer sich nicht an der Demütigung seiner Figur beteilige. Im Gegenteil: Es gelinge sogar, der Protagonistin etwas Erhabenes zu verleihen. Das speise sich nicht aus Märtyrertum, sondern „der Behauptung ihrer selbst im Akt der Sprache“. Letztlich, schließt Wintermayr, sei „Rose“ zwar „kein Film, der erlöst, aber ein Meisterstück über die Würde der Unbeugsamkeit im Angesicht der Tyrannei der Masse.“[18]
Auszeichnungen

Rose war Markus Schleinzers erste Regiearbeit, die in den Wettbewerb um den Goldenen Bären, den Hauptpreis der Berlinale, eingeladen wurde.[11] Sandra Hüller gewann den Silbernen Bären als beste Hauptdarstellerin.
| Festival | Kategorie | Resultat | Preisträger |
|---|---|---|---|
| Berlin (2026) | Goldener Bär – Bester Film | Nominiert | Johannes Schubert, Philipp Worm, Tobias Walker, Karsten Stöter |
| Silberner Bär – Beste Schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle | Gewonnen | Sandra Hüller |
Siehe auch
Weblinks
- Offizielle Webseite vom Verleih Piffl Medien
- Profil bei berlinale.de
- Rose bei filmportal.de
- Rose bei crew united
- Rose bei IMDb