Rotes Kreuz (Kleindenkmal)

Kleindenkmal, Typus von historischen Kreuzen, Bildstöcken oder Marterln im ländlichen Raum From Wikipedia, the free encyclopedia

Als Rotes Kreuz (lokal auch „Rote Säule“, „Roter Herrgott“, „Rote Marter“ oder „Roter Stein“[1]) bezeichnete Kleindenkmäler stellen einen Typus von historischen Kreuzen, Bildstöcken oder Marterln im ländlichen Raum dar. Sie sind oder waren oft rot bemalt und fungieren als christliche Erinnerungsmale, Grenzmarkierungen (z. B. ehemaliger Burgfried) oder zeugen von mittelalterlichen Rodungsbewegungen.

Beschreibung

Kleindenkmäler, die „Rotes Kreuz“ genannt werden, finden sich in ganz Mitteleuropa. Ihre Verbreitung reicht von Köln über Südböhmen bis nach Niederösterreich.[2] Die Bezeichnung „rot“ hat dabei nichts mit ihrer äußerlichen Farbgebung zu tun, sondern verweist auf den altgermanischen Begriff „ruot“, der für Recht steht.[3]

Nicht nur die aus dem altgermanischen „ruot“ abgeleitete Bezeichnung, sondern auch ihre geographisch sehr weite Verbreitung sowie die häufigen Standorte der Roten Kreuze an Altwegen, Straßenkreuzungen oder früheren Landgerichtsgrenzen lassen vermuten, dass es sich bei ihnen um rechtsarchäologische Denkmäler handelt, deren Bedeutung mit der Zeit abnahm und worüber das Wissen letztlich verloren ging. Ein weiteres Merkmal der Roten Kreuze ist neben ihrer Präsenz im öffentlichen Raum auch die Tatsache, dass sie ursprünglich nicht von privater Hand errichtet wurden, ebenso nicht aus persönlichen oder lokalen Anlässen.[1]

Laut einer Studie vom Schiffkorn (2021) sind in Oberösterreich mehr als 130, im Grenzraum Mühlviertel und Südböhmen etwa 30 Kleindenkmäler vorhanden, welche „Rotes Kreuz“ genannt werden. Es finden sich aber auch Bezeichnungen wie z. B. „Rote Säule“, „Roter Herrgott“, „Rote Marter“, „Rote Kapelle“ oder „Roter Stein“.[1] Rote Kreuze sind noch heute oft aus Holzbalken errichtet und tatsächlich mit einem roten Anstrich versehen. Bei Renovierungsarbeiten wurde jedoch auch häufig das Rot mit einer anderen Farbe überstrichen, wahrscheinlich aus Unwissenheit über die Bedeutung der ursprünglichen Farbgebung,[4] so dass heute vielfach nur mehr der althergebrachte Name auf die Eigenschaft eines Kleindenkmals als Rotes Kreuz hinweist.

Abseits des geschichtlich fundierten Hintergrundes ranken sich um die Roten Kreuze, aus denen sich im Laufe der Zeit nicht selten Kapellen entwickelten, zahlreiche Sagen. Bei vielen dieser Kleindenkmäler trat auch eine Namensänderung auf. Einige werden heute beispielsweise als „Franzosenkreuz“ bezeichnet.[5]

Zum Teil finden sich Rote Kreuze noch heute als Flurdenkmäler in Wanderkarten eingezeichnet. Rote Kreuze sind als Kleindenkmale teilweise unter Denkmalschutz gestellt; dies ist aber nicht generell der Fall.

Beispiele

Galerie

Literatur

  • Elmar S. Hruby, Rote Kreuze. Eine mögliche Erklärung für eine geniale Sache: Vermessungsmale als hilfreiche Orientierungshilfe in einer zu rodenden Wildnis?, Wiener Neustadt 2025 (online)
  • Lenka Hůlková/Ernst Janko/Elisabeth Schiffkorn, Die „Roten Kreuze“, Rechtsaltertümer aus der Zeit der Rodungen durch die Babenberger und frühen Habsburger? Grenzüberschreitende Kleindenkmalforschung Oberösterreich – Südböhmen, Verein Kultur Plus – Interessensgemeinschaft für Regional-, Kultur- und Tourismusentwicklung, Linz 2021 (online)
  • Elisabeth Schiffkorn, Die „Roten Kreuze“, Rechtsaltertümer aus der Zeit der Rodungen durch die Babenberger und frühen Habsburger?, in: Oberösterreichische Heimatblätter – Beiträge zur Oö. Landeskultur, 74. Jahrgang (2021), S. 33–49 (online).
  • Fritz Fellner/Gernot Kocher/Ute Streitt (Hg.), Schande, Folter, Hinrichtung. Rechtsprechung und Strafvollzug in Oberösterreich. Ausstellung im Schlossmuseum Linz, 8. Juni bis 2. November 2011 (= Kataloge der Oberösterreichischen Landesmuseen N.S. 117), Linz 2011.
  • Ernst Fietz, Das Geheimnis der „Roten Kreuze“, in: Oberösterreichische Heimatblätter – Beiträge zur Oö. Landeskultur, 32. Jahrgang (1978), Heft 1/2, S. 38–45.
  • Projekt „Rote Kreuze im Grenzraum Mühlviertel – Südböhmen“, Regionalmanagement Oberösterreich (online)
  • Projekt „Rote Kreuze“ von Norbert Steinwendner (www.rotekreuze.eu)
  • Bericht „Franzosenkreuz in Walding war einst "Rotes Kreuz"“ (online)
  • Bericht „Rote Kreuze: Dem Geheimnis auf der Spur“ (online)
  • Bericht „Mysterium um "Rote Kreuze": Der Geschichte auf den Grund gehen“ (online)
  • Bericht „Schenkenfelden - Auf der Spur alter Kleindenkmäler“ (online)
  • Bericht „Auf der Spur alter Kleindenkmäler“ (online)
  • Bericht „Rote Kreuze: Der Geschichte auf den Grund gehen“ (online)

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI