Royal Rangers

christliche Pfadfinderorganisation From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Royal Rangers (RR) [ˈrɔɪəl ˈreɪndʒəz] sind ein internationaler Jugendverband pfingstkirchlicher Prägung[1], der sich der Pfadfindermethode bedient und seit 1962 weltweit über 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche erreicht haben will (Stand 2012).[2]

Das Abzeichen der Royal Rangers, das sogenannte Royal Rangers Emblem

In Deutschland ist die Christliche Pfadfinderschaft Royal Rangers mit derzeit 450 aktiven Stammposten (Ortsgruppen)[3] und 27.493 Mitgliedern[4] ein Bundeswerk des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden und somit anerkannter Träger der freien Jugendhilfe. Der erste Stammposten ist Bremen 1[5] und der mit der höchsten Nummer ist Landshut 2 mit 647.[6]

Die Dachorganisation Royal Rangers International zählt derzeit 90 Mitgliedsstaaten[7] und etwa 200.000 junge Menschen.[8] Der größte nationale Verband befindet sich in den USA mit nach eigenen Angaben etwa 4.500 Stammposten und 125.000 Mitgliedern.[9]

Inhalte

Zeltlager der deutschen Royal Rangers aus Kohten und Jurten
Lederknoten des zur Starter-Kluft gehörenden Halstuches eines Pfadfinders der deutschen Royal Ranger

Die Arbeit der Royal Rangers ist von der Pfadfindermethode und dem christlichen Missionsauftrag geprägt. „Allzeit bereit“ lautet das Motto und steht in erster Linie für die Bereitschaft, Jesus zu dienen. Ziel der Jugendarbeit ist es, „Kinder und Jugendliche zu Jesus führen, bei Jesus halten und für Jesus dienstbereit machen.“[10][11]

Aufgrund der Entstehung in den USA ist die Pfadfindermethodik der Royal Rangers stark von der Praxis der Boy Scouts of America geprägt. Von anderen deutschen Pfadfinderverbänden werden die Royal Rangers deshalb häufig als scoutistisch eingestuft. Kontakte mit anderen Pfadfinderverbänden führten aber auch zur Übernahme von verschiedenen Elementen aus der deutschen Jugendbewegung. Die Arbeitsformen der deutschen Royal Rangers unterscheiden sich daher inzwischen deutlich vom amerikanischen Vorbild, das aber in vielen Elementen noch erkennbar bleibt.

Im Gegensatz zu zahlreichen außereuropäischen Verbänden arbeiten die Royal Rangers im deutschsprachigen Raum koedukativ. Das Selbstverständnis der Royal Rangers sieht „kreative Erlebnispädagogik durch Teamwork, Spaß und viel Aktion – in und mit der Natur vor.“[12] Mit verschiedenen Projekten setzen sich die Royal Rangers aktiv gegen Antisemitismus ein.[13]

Emblem

Das Royal Rangers Emblem (ugs. auch Ranger-Stern oder in Österreich und der Schweiz teilweise auch Royal Ranger Signet genannt) wird als gesticktes Stoff-Abzeichen auf dem linken Arm des Fahrtenhemdes (Pfadfinderkluft) 3 cm unterhalb der Schulternaht getragen. Es zeigt eine stilisierte Windrose mit den Farben Gold, Rot und Blau. Es unterscheidet sich somit von den beiden gebräuchlichen Symbolen in der Pfadfinderbewegung, der Lilie und dem Kleeblatt, wobei die Lilie auch bei den Royal Rangers an anderer Stelle offiziell Verwendung findet.[14]

Das Royal-Rangers-Emblem wurde 1962 von John Henry Barnes, dem Gründer der Royal Rangers, entworfen.[15] Die Idee für den Namen „Royal Rangers“ stammte jedoch nicht von Barnes, sondern von Reverend Charles Scott. Das „Royal“ im Namen bedeutet „königlich“. Es verdeutlicht, dass die Pfadfinder nur Gott, ihrem einzigen König, angehören. Im Zusammenhang mit dem Wort Ranger kann diese Bezeichnung als „königlicher Wildhüter“ verstanden werden, was auch den Aufruf an die Royal Rangers umfasst, sorgsam und wohlwollend mit der Natur als Schöpfung umzugehen.

Das Royal Rangers Emblem zeigt insgesamt 16 Zacken in verschiedenen Farben, welche eine bestimmte Bedeutung haben:

Die vier goldenen Zacken stehen für die „vier Wachstumsbereiche“ der Royal Rangers: körperlich, geistig, geistlich und gesellschaftlich. Die vier roten Zacken stellen die „vier Grundwahrheiten der Gemeinde“ dar: die Erlösung durch Jesus Christus, den Heiligen Geist als Kraftspender und Helfer, die Heilung der Menschen durch Jesus Christus und die Wiederkunft Jesu. Die acht blauen Zacken stehen für die Grundsätze der Royal Rangers. Ein Royal Ranger ist: wachsam, rein, ehrlich, tapfer, treu, höflich, gehorsam, geistlich.[16]

Versprechen

Ein wichtiger Bestandteil der Royal Rangers ist auch das Versprechen, welches sie bei der Emblemverleihung, auf Camps, Stammtreffen und sonstigen Veranstaltungen auswendig ablegen. „Mit Gottes Hilfe will ich mein Bestes tun, um Gott, meiner Gemeinde und meinen Mitmenschen zu dienen, die Royal-Ranger-Regeln zu halten und die Goldene Regel zu meinem täglichen Leitspruch zu machen!“[17]

Nach dem Versprechen überreicht der Stammleiter persönlich das Royal Rangers Emblem.

Geschichte

Die erste Royal-Rangers-Gruppe wurde 1962 in Springfield (Missouri), USA, durch John Henry Barnes in einer Gemeinde der Assemblies of God gegründet. Er wollte damit auf der Grundlage der Pfadfindermethode ein Programm für die Jungenarbeit in der Pfingstbewegung schaffen. Noch im selben Jahr entstand in Warren (Ohio) ein weiterer Stammposten (Outpost 2).[18] Bereits 1966 wurden erste Gruppen außerhalb der USA (Australien und Lateinamerika) gegründet.

Deutschland

Fahnen und Banner verschiedener Teams eines deutschen Stammpostens

Im Jahre 1980 besuchte John Henry Barnes die Kirchengemeinde von Richard Breite in Bremen. Nach einem Pilot-Programm gründete Richard Breite 1981 in Bremen den ersten deutschen Stammposten. Das erste Nationale Trainingscamp (NTC) fand im gleichen Jahr auf Schloss Naumburg bei Frankfurt am Main unter Beteiligung von John Barnes, Fred Deaver und Jerry Shepert (alle aus den USA) veranstaltet. Dies war zugleich der Startschuss für die Royal Rangers Deutschland, die am 20. September 1981 gegründet wurden. Richard Breite wurde im selben Jahr zum Bundesleiter ernannt.

Während der ersten fünf Jahre entstanden in Westdeutschland einzelne Gruppen. In der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre folgte ein starker Aufschwung. 1986 fand in Tönebön am See, Hameln, ein erstes gemeinsames Bundescamp mit 112 Rangern aus 12 Stammposten unter dem Motto „Jesus für uns“ statt. Der erste Stammposten in Ostdeutschland mit der Nummer 101 wurde 1992 in Leipzig gegründet. 1993 wurde der Stammposten 100 in Berlin gegründet. 1995 wurde auf der Bundesversammlung, dem Treffen der Bundesleitung der Royal Rangers, einstimmig Gerd Ersfeld zum neuen Bundesleiter gewählt und bestätigt. 1997 fand das erste gesamtdeutsche Bundescamp unter dem Motto „Gemeinsam“ in Neufrankenroda in Thüringen mit 3.800 Teilnehmern aus 150 Stammposten statt. Seitdem wird das Bundescamp regelmäßig etwa alle acht Jahre veranstaltet. Zum Bundescamp 2005 unter dem Motto „Entscheidung“, das wieder in Neufrankenroda stattfand, waren mehr als 10.000 Teilnehmer gekommen. Damit wurde es zum größten Pfadfinderlager in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg[19] und zum bis dahin größten Royal-Rangers-Lager weltweit. Dies wurde im August 2014 mit dem vierten Bundescamp unter dem Motto „Aufbruch“ noch einmal deutlich übertroffen, als 14.839 Royal Ranger sich auf dem inzwischen auf 65 Hektar angewachsenen Gelände versammelten.[20] Das fünfte Bundescamp im Jahr 2022 mit dem Motto „FreiSein“, dessen Programm thematisch an der Ostasienreise Marco Polos ausgerichtet wurde, besuchten etwa 18.000 Ranger aus Deutschland; auch einige Stämme aus anderen Ländern waren eingeladen.[21]

Bundescamp 2005 in Deutschland

Im März 2008 wurde bei der Bundesversammlung in Troisdorf Peter Lehmann zum neuen Bundesleiter der Royal Rangers Deutschland gewählt.

Stand 2025 gab es in Deutschland 450 aktive Stammposten[3] mit einer aktiven Gesamtmitgliederzahl von 27.493 Royal Rangers.[4]

Schweiz

1981 war unter den Teilnehmern des oben genannten NTC auf Schloss Naumburg auch eine Gruppe aus der Schweiz mit Hanspeter Neck. Er gründete im selben Jahr den Verein Royal Rangers Schweiz und wurde zum Nationalleiter der Schweiz ernannt. Zwischen 1981 und 2005 wuchs die RR-Arbeit und war in der ganzen deutschsprachigen Schweiz und im Tessin verbreitet. Im Jahr 2005 übertrug Royal Rangers International die Rechte am Emblem und dem Namen „Royal Rangers“ an die Schweizerische Pfingstmission (SPM). Der Kinder- und Jugendarbeitsverband youthnet spm vertritt die Royal Rangers im Namen der SPM innerhalb der Schweiz.

Verschiedene freikirchliche Gemeinden arbeiten mit Royal Rangers Schweiz zusammen. Die Royal-Rangers-Jungscharen sehen sich als Jungschararbeit[22] an und grenzen sich damit von den säkularen Pfadfinderverbänden ab.

Stand 2014 hatten die Royal Rangers in der deutschsprachigen Schweiz rund 1.850 Mitglieder[23] in 47 aktiven Stammposten[24].

Derzeitiger Nationalleiter ist Markus Hediger.[25]

Österreich

Hanspeter Neck kam in den 1980er-Jahren in Kontakt mit dem Schweden Sven Bengtsson, der zur damaligen Zeit Pastor der Freien Christengemeinde in Dornbirn war. Bengtsson nahm 1985 an einem NTC in der Schweiz teil. Im selben Jahr gründete er in Dornbirn den ersten Stammposten von Österreich. 1988 folgte der zweite Stammposten in Bürmoos. Seit Frühling 2023 ist Manuel Deliomini Nationalleiter der Royal Rangers Österreich, zuvor hatte Edwin Deliomini diese Funktion über zwei Jahrzehnte inne und danach Gerd Wassertheurer für ein Jahrzehnt. Im August 2018 fand das „Österreich Pow Wow“ (Bundeslager) in Horn statt. 2013 gab es in Österreich insgesamt elf aktive Stammposten[26] mit rund 300 Mitgliedern.[27]

Strukturen

Die Royal Rangers sind nicht Mitglied in der World Organization of the Scout Movement oder der World Association of Girl Guides and Girl Scouts. Eine Teilnahme an Veranstaltungen der beiden großen Weltorganisationen wie beispielsweise dem World Scout Jamboree ist deshalb nur auf besondere Einladung möglich.

Die seit 2002 bestehende Dachorganisation Royal Rangers International (RRI) gliedert sich neben den USA in fünf weltweite Regionen Afrika, Asien und der Pazifik (Asia Pacific), Europa, Eurasien, Lateinamerika und die Karibik (Latin America and the Caribbean).[28]

Der Unterorganisation Royal Rangers Europe (RRE) sind derzeit 28 europäische Nationen mit über 25.000 Mitglieder[29] angeschlossen; dies sind Albanien, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Island, Italien, Kroatien, Lettland, Luxemburg, Mazedonien, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn und Vereinigtes Königreich.[30]

Verbandsgliederung der Royal Rangers Deutschland

Der Bundesverband der „Christlichen Pfadfinderschaft Royal Rangers“ ist ein Bundeswerk des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden KdöR (BFP) mit Sitz in Erzhausen.[31] Dadurch begründet sich der Status als anerkannter Träger der freien Jugendhilfe.

Die Royal Rangers Deutschland sind in der Arbeitsgruppe „Jungschar und Pfadfinderarbeit“ der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) vertreten.

Organisatorisch gliedern sich die Royal Rangers Deutschland unterhalb der Bundesebene in[32]

  • 5 Distrikte,[33] die wiederum in insgesamt
  • 38 Regionen[34] unterteilt sind.
  • Die Haupt-/Stammposten (Ortsgruppen) bestehen aus den
  • Teams (Kleingruppen), die den Sippen in anderen Pfadfinderverbänden entsprechen.

Die Bundesgeschäftsstelle der Royal Rangers hat seit November 2009 seinen Sitz in Winterbach in Baden-Württemberg. Vor dem Umzug im September/Oktober 2009 hatte es seinen Sitz im benachbarten Schorndorf.

Verbandsgliederung der Royal Rangers Schweiz

Royal Rangers Schweiz ist youthnet spm untergeordnet.

Organisatorisch gliedern sich die Royal Rangers Schweiz in:

  • 6 Distrikte,[35] die wiederum in insgesamt
  • 17 Regionen[36] unterteilt sind.
  • Die Stammposten (Ortsgruppen) bestehen aus den
  • Teams (Kleingruppen) und Altersstufen, welche dem Aufbau anderer Jungscharabteilungen entsprechen.

Das Büro der Royal Rangers Schweiz hat seinen Sitz in Dietikon im Kanton Zürich.

Verbandsgliederung der Royal Rangers Österreich

Die „Royal Ranger Österreich“ sind ein Zweig der Kinder- und Jugendarbeit der Freien Christengemeinden Österreichs.[37]

Die Royal-Rangers-Arbeit in Österreich ist seit 1999 in Regionen untergliedert und vor Ort als Stammposten mit Teams organisiert.

Altersstufen der Royal Rangers Deutschland

Im Programm der Royal Rangers werden sechs Altersstufen unterschieden, die in sich nochmals in Teilabschnitte gegliedert sind:

  • Entdecker (4 bis 5 Jahre)
  • Forscher (6 bis 8 Jahre)
  • Kundschafter (9 bis 11 Jahre)
  • Pfadfinder (12 bis 14 Jahre)
  • Pfadranger (15 bis 17 Jahre)[38]
  • Royal Ranger (ab 18 Jahre)

Mitglieder ab 18 Jahren bilden die erwachsene Leiterschaft des Verbandes. Diese wird auf Kursen geschult, die sowohl allgemeine Leitungsfragen wie auch Fachthemen der Pfadfinderarbeit behandeln. Unterstützt wird die erwachsene Leiterschaft von Juniorleitern ab 14 Jahren, die das JLTC (Junior-Leiter-Trainings-Camp) besucht haben. Ab 16 Jahren kann ein Juniorleiter ein eigenes Team leiten. Im Normalfall sollte dies jedoch zusammen mit einem erfahrenen Leiter erfolgen, da Juniorleiter rechtlich keine Teams leiten dürfen. Dies darf man in Deutschland erst mit Vollendung des 18. Lebensjahres.

Altersstufen der Royal Rangers Schweiz

Im Programm der RR werden sechs Altersstufen unterschieden, die in sich nochmals in Teilabschnitte gegliedert sind:

  • Entdecker (5 bis 6 Jahre)
  • Forscher (7 bis 8 Jahre)
  • Kundschafter (9 bis 11 Jahre)
  • Pfadfinder (12 bis 14 Jahre)[39]
  • Pfadranger (15 bis 17 Jahre)
  • Royal Ranger (ab 18 Jahre)

Die Ausbildung der Leiter wird von youthnet spm organisiert und durchgeführt. Hier kann mit dem Abschließen des MLKs (Mini Leiter Kurs) im Alter von 14 Jahren in die Leiterschaft eingestiegen werden.

Altersstufen der Royal Rangers Österreich

Es werden vier Altersstufen unterschieden:

  • Forscher (6 bis 8 Jahre)
  • Kundschafter (9 bis 11 Jahre)
  • Pfadfinder (12 bis 14 Jahre)
  • Pfadranger (15 bis 17 Jahre)[40]

Literatur

  • Nils Ritter (Editor): Das Leiterhandbuch: für alle Juniorleiter und Leiter der Royal Rangers. Christliche Pfadfinderschaft Royal Rangers (Hrsg.). 5., völlig überarbeitete Auflage. Issum 2007
  • Rainer Brose, Daniel Zabel (Text): Wachsen durch Dienen: 30 Jahre Royal Rangers in Deutschland. Christliche Pfadfinderschaft Royal Rangers (Hrsg.). 1. Auflage. Winterbach 2011

Einzelnachweise

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