Rudolf Amann (Mikrobiologe)
deutscher Mikrobiologe
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Rudolf I. Amann (* 1961 in Rott am Inn, Deutschland) ist ein deutscher Mikrobiologe, Professor für Mikrobielle Ökologie an der Universität Bremen und Direktor des Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie (MPI-MM) in Bremen,[1] wo er die Abteilung Molekulare Ökologie leitet.
Biografie
Amann studierte Biologie und Chemie an der Technischen Universität München, wo er 1988 bei Karl-Heinz Schleifer promovierte. Anschließend ging er an die University of Illinois in Urbana-Champaign zu David A. Stahl und habilitierte 1995 an der TU München über die Identifizierung bisher nicht kultivierbarer Mikroorganismen.[2] Seither forscht Amann an der Schnittstelle von Ökologie und Taxonomie.
Zwischen 1997 und 2001 leitete Amann eine Max-Planck-Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie (MPI-MM) in Bremen. Im Anschluss wurde er 2001 wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft, Leiter der Abteilung Mikrobielle Ökologie und Direktor am MPI-MM. Im selben Jahr (2001) erfolgte die Berufung zum Professor für Mikrobielle Ökologie an der Universität Bremen.[2] Von 2002 bis 2018 war Amann Sprecher der Internationalen Max-Planck-Forschungsschule für Marine Mikrobiologie (IMPRS / MarMic)[3] und von 2014 bis 2017 Vorsitzender der Biologisch-Medizinischen Sektion der Max-Planck-Gesellschaft.[4] Seit 2023 ist er Mitglied des erweiterten Präsidiums der Max-Planck-Gesellschaft, zuständig für den Bereich Bau. Zudem wurde er 2023 in den Senat der Leibniz-Gemeinschaft berufen.[5]
Forschungsschwerpunkte
Amann erforscht die Diversität und Ökologie von Mikroorganismen im Meer.
Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der Entwicklung und Anwendung molekularer Techniken zur Identifizierung und Quantifizierung von Bakterien und Archaeen, insbesondere der Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH). Diese Methoden, die auf spezifischen Nukleinsäure-Sonden basieren, haben wesentlich zur Entdeckung und Charakterisierung zahlreicher bislang nicht kultivierbarer Mikroorganismen beigetragen.[6][7]
Amann erforscht die Rolle mikrobieller Gemeinschaften in globalen biogeochemischen Stoffkreisläufen, vor allem im ozeanischen Kohlenstoffkreislauf, sowohl in marinen Sedimenten als auch in der Wassersäule.[8] Mit seiner Gruppe untersucht er außerdem die Wechselwirkungen zwischen Phytoplankton und Bakterioplankton, insbesondere während Algenblüten, bei denen Algenpolysaccharide eine wichtige Energiequelle für heterotrophe Bakterien darstellen.[9][10][11][12] Dabei ist Amanns Forschungsgruppe vor allem in zwei Regionen aktiv: in der Deutschen Bucht vor der Insel Helgoland[13] und im arktischen Archipel Spitzbergen.[14]
Aktuelle Arbeiten seiner Arbeitsgruppe kombinieren ökologische Feldstudien mit modernen genomischen, metagenomischen und metatranskriptomischen Ansätzen sowie bioinformatischen Analysen.[15][16] In diesem Zusammenhang ist die Gruppe auch in internationalen Programmen zur globalen Erforschung mariner Mikroorganismen, wie etwa TARA Oceans, beteiligt. Darüber hinaus setzt sich Amann für eine integrative Taxonomie ein, die genetische, organismische und ökologische Daten miteinander verknüpft, um mikrobielle Biodiversität im Kontext von Ökosystemen besser zu verstehen.[17]
Publikationen
Amann ist Autor und Mitautor von über 460 wissenschaftlichen Publikationen, die laut Web of Science (Stand 2025) über 80.000 Zitationen verzeichnen.[18] Sein h-Index liegt bei 136.
Amann gehört zu den Highly Cited Researchers im Bereich Mikrobiologie 2025.[19] Die Analyse von Clarivate Analytics gibt Aufschluss über Forschende, die in den letzten zehn Jahren die meisten hoch-zitierten Veröffentlichungen publiziert haben. Davor war er mehrfach Highly Cited Researcher Cross-Field (2018, 2022, 2023).[18]
Eine vollständige Publikationsliste von Amann findet sich beispielsweise bei ORCID.[20]
Mitgliedschaften, Funktionen und Ehrungen
Amann wurde 2007 zum Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina gewählt.[21] Als Gutachter ist er vor allem für die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und den European Research Council (ERC) aktiv.[2] Er ist Mitherausgeber der Zeitschrift „Systematic and Applied Microbiology“.[22] Im Jahr 2023 wurde Amann in den Senat der Leibniz-Gemeinschaft berufen<re name=":0" />.
Zu Amanns wissenschaftlichen Auszeichnungen zählen u. a. der Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft (1995)[23] und der Bergey Award (in Anerkennung herausragender Beiträge zur bakteriellen Taxonomie) des Bergey’s Manual Trust (2004)[24].
Weblinks
- Rudolf Amann bei ResearcherID
- Publikationen von Rudolf Amann bei Google Scholar
- Rudolf Amann am Max-Planck Institut für Marine Mikrobiologie, Bremen
- Mitgliedseintrag von Rudolf Amann (mit Bild und CV) bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina