Rudolf Graefenhain
deutscher Lehrer, Prinzenerzieher, Schuldirektor und Autor
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Leben
Rudolf Graefenhain war der Sohn eines hannoverschen Kaufmanns. Nach seinem Abitur 1887[2] am Kaiser-Wilhelm-Gymnasium in Hannover studierte er Klassische Philologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie der Philipps-Universität Marburg.[3] Er schloss am 17. Dezember 1891 mit der Promotion ab.[3]
Während seines Studiums wurde Graefenhain in Marburg Mitglied des Philologisch-Historischen Vereins,[4] seit 1919 Wissenschaftliche Verbindung Hercynia Marburg. Diese ging 1921 in der späteren Marburger Burschenschaft Rheinfranken auf, der Graefenhain dann bis zu seinem Tode als Alter Herr angehörte.[5][6]
Das Seminarjahr verbrachte er am Lyceum I in Hannover, sein Probejahr am Königlichen Auguste-Viktoria-Gymnasium in Linden.[3]
Im Jahr 1909 wurde Graefenhain zum Professor ernannt. Von 1894 bis 1897 war Graefenhain in Bückeburg tätig, sowohl als Lehrer am dortigen Gymnasium als auch als Prinzenerzieher. Im April 1899 wurde er in Hannover zunächst als wissenschaftlicher Hilfslehrer an der Realschule III beschäftigt,[1] ab Ostern 1900 dann als Oberlehrer an der Leibnizschule.[3]

Am 1. Dezember 1912 wurde Graefenhain Direktor des Ratsgymnasiums in Hannover: Die „Ära Graefenhain“ währte während der Zeit des Ersten Weltkrieges und beinahe der gesamten Weimarer Republik bis zum 1. April 1932.[1] In dieser Zeit verfasste er sein Verzeichnis der noch lebenden ehemaligen Schüler des Ratsgymnasiums (vormals Lyceum 1).
Rudolf Graefenhain galt in den 1920 und 1930er Jahre in Hannover als „feste Größe der hannoverschen Kunst- und Kulturszene“: Er war einflussreiches Mitglied des Mitte der 1920 gebildeten Kunstausschusses der Stadt, langjähriger Leiter der Theaterbesucher-Organisation des „Bühnenvolksbundes“ und wurde 1930 – in der Nachfolge von Albrecht Haupt – Erster Vorsitzender des Hannoverschen Künstlervereins.[1]
Neben seiner seit Jahrzehnten bestehenden Mitgliedschaft in der Marburger Burschenschaft Rheinfranken (bzw. ihren Vorgängerverbindungen) wurde Graefenhain später auch Alter Herr der Hannoverschen Burschenschaft Arminia. Als diese sich im Zuge der Gleichschaltung der Korporationen im Nationalsozialismus in eine Kameradschaft des NSDStB umwandeln musste, machte sich Graefenhain sehr um den Aufbau der nunmehrigen Kameradschaft VII „Freiherr vom Stein“ verdient.[7]
Graefenhain war in den Worten seines Schülers Georg Schnath „ein Mann von ausgesprochener Kultur, ein großer Musiker und entschieden mehr Künstler als Schulmann“.[8] Ganz ähnlich drückte es auch Ulrich de Maizière aus: „Der Direktor …, eine in der Stadt bekannte und respektierte Persönlichkeit, literarisch und musikalisch hoch gebildet, leitete die Schule am langen Zügel mit Toleranz und Humor und gab ihr einen besonderen Charakter.“[9] Andererseits stimmte er mit der rechtsgerichteten Öffentlichkeit ein in den 1925 aufkommenden Empörungschor über Theodor Lessings Polemik[10] gegen Paul von Hindenburg. Er schrieb über den ehemaligen Ratsgymnasiasten an das preußische Kultusministerium: „In diesem Sinne erkläre ich mich völlig eins mit dem Bestreben der Hochschuljugend, solche Schmarotzer an dem Gottseidank neu ergrünenden Stamme echten Deutschtums zu tilgen! Treudeutsch allewege! Gez. Prof. Dr. Rudolf Graefenhain. Direktor des Ratsgymnasiums.“[11] Und Werner Kraft schrieb im Rückblick 1969, dass er den Lehrer zwar „wegen seiner strengen Sachlichkeit sehr bewunderte“, aber: „Leider wurde er später ein Anhänger Hitlers.“[12]
Ehrungen
Schriften
- De more libros dedicandi aqud scriptores Graecos et Romanos obvio. Dissertation Marburg 1892 (Digitalisat).
- Verzeichnis der noch lebenden ehemaligen Schüler des Ratsgymnasiums (vormals Lyceum 1) zu Hannover [nach dem Stande vom 1. Oktober 1927], mit Geleitworten von Hermann Augustin, Hermann Burghard, Karl Friedrich Leonhardt u. a., Helwingsche Verlagshandlung, Hannover 1927
Literatur
- Franz Kössler: Graefenhain, Rudolf, in ders.: Personenlexikon von Lehrern des 19. Jahrhunderts. Berufsbiographien aus Schul-Jahresberichten und Schulprogrammen 1825–1918 mit Veröffentlichungsverzeichnissen, Band: Gabel – Guzy, Vorabdruck (Preprint) mit Stand vom 18. Dezember 2007 (Digitalisat).
- Ines Katenhusen: Kunst und Politik. Hannovers Auseinandersetzungen mit der Moderne in der Weimarer Republik. Hahn, Hannover 1998, ISBN 3-7752-4955-9, passim.
- Klaus Mlynek: Graefenhain, Rudolf. In: Hannoversches Biographisches Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche Verlagsgesellschaft, Hannover 2002, ISBN 3-87706-706-9, S. 134.
- Klaus Mlynek: Graefenhain, Rudolf. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche Verlagsgesellschaft, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 228.
Weblinks
- Personalbogen von Rudolf Graefenhain in der Personalkartei der Gutachterstelle des BIL in der Archivdatenbank der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung (BBF)