Rudolf Saudek
tschechischer Übersetzer und Bildhauer
From Wikipedia, the free encyclopedia
Rudolf Saudek (* 20. Oktober 1880 in Kolín; † 19. Juli 1965 in Prag) war ein böhmischer bzw. tschechischer Bildhauer, der zwischen 1910 und 1935 in Deutschland lebte und arbeitete und 1942 in das KZ Theresienstadt verschleppt wurde.

Leben
Rudolf Saudek erlernte zuerst einen kaufmännischen Beruf. 1900 begann er in Paris mit ersten bildhauerischen Arbeiten. Nach einem Aufenthalt in London studierte er von 1903 bis 1906 bei Adolf Lehnert an der Königlichen Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe Leipzig. 1906 entstand eine Marmorbüste von Friedrich Nietzsche „Sturmwind, Du Wolkenjäger“.[1] 1908 hielt er sich zu weiterem Studium in Prag, 1909 an der Accademia di belle arti Florenz und 1910 in Rom auf. Danach ließ er sich als freischaffender Künstler in Leipzig nieder.
Saudek überarbeitete 1910 die 1900 von Curt Stoeving abgenommene Totenmaske Friedrich Nietzsches auf Wunsch von Elisabeth Förster-Nietzsche und passte diese Idealvorstellungen an.[2][3] Im Auftrage von Leipziger Verlegern schuf er 1916 für die Deutsche Bücherei Büsten von Arthur Schopenhauer, Friedrich Nietzsche und Philalethes (Pseudonym von König Johann von Sachsen als Dante-Übersetzer).[4] Für die Universität Leipzig entstanden Büsten von Felix Marchand und Hubert Sattler. Eine Büste der Leipziger Sängerin Elena Gerhardt besitzt das Gewandhaus Leipzig.[5]
Von ihm stammt eine Marmorbüste von Henrik Ibsen. Im Leipziger Zoo gestaltete er das ornamentale Jugendstil-Beiwerk der Vorderfront des 1910 eingeweihten Aquariums.[6] Als Beispiel für sein grafisches Schaffen stehen Radierungen zu Dantes Göttlicher Komödie. Saudek war Mitglied des Reichsverbands bildender Künstler Deutschlands und der losen Künstlergruppe „Die Zwanzig“.[7]

Als Jude erhielt er 1935 Berufsverbot. Das Leipziger Adressbuch verzeichnete ihn 1938 letztmalig in der Leplaystraße 1 und Floßplatz 11 als akademischen Bildhauer und Radierer. 1938 zog er von Leipzig nach Prag, wo er bei Ladislav Šaloun (1870–1946) studierte und dann freischaffend arbeitete. Nach der Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren wurde er 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Durch künstlerische Aufträge der Lagerleitung blieb er vor dem Tod bewahrt. In dem Film „Theresienstadt“ ist er bei Töpferarbeiten für eine Brunnenfigur zu sehen.[8]
Nach der Befreiung durch die Sowjetarmee 1945 kehrte er nach Prag zurück, wo er bis zu seinem Tod tätig war. Er hatte eine Professur an der Akademie der Bildenden Künste Prag.[9]
Weitere Werkbeispiele
Denkmäler
- Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs (Helbra)[10][11]
- Grabdenkmal für Karl Vogelsang (wohl 1922, Mansfelder Kupfer; Städtischer Friedhof Eisleben)[12]
Porträtbüsten
- Beethoven (Neues Theater Leipzig)
- Gerhart Hauptmann (Schauspielhaus Leipzig)
- Geheimrat Junck (Neues Rathaus Leipzig)
Druckgrafik
- Göttliche Komödie (10 Radierungen; als Mappenwerk im Euphorion-Verlag[13] Berlin)
Postume Ausstellung
- 1965: Leipzig, Museum der Bildenden Künste („500 Jahre Kunst in Leipzig“)[14]
Literatur
- Julius Zeitler: Rudolph Saudek. Mit 9 Abbildungen nach Plastiken des Künstlers. In: Reclams Universum, 34,1 (1918), S. 761–764.
- Dresslers Kunsthandbuch. Zweiter Band. Verlag Karl Curtius, Berlin, 1930, S. 854
- Horst Riedel: Stadtlexikon Leipzig von A bis Z. Pro Leipzig, Leipzig 2005, ISBN 3-936508-03-8, S. 520.
Weblinks
- Saudek, Rudolf. In: Leipziger Biographie. Abgerufen am 27. April 2015.
- Rudolf Saudek (1880–1965) maakte een Spinozabeeld (niederländisch, mit zahlreichen Abbildungen seiner Werke). Abgerufen am 27. April 2015.