Rudolf Stökl
deutscher evangelischer Theologe
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Frère Rudolf von Taizé (franz. Frère „Bruder“), auch Irmão Rodolfo, (* 1936 in Hamburg als Rudolf Stökl; † 17. Dezember 2024 in Mâcon, Frankreich) war ein deutscher evangelischer Theologe. Seit dem Jahr 1962 (Profess: 1966) war er Bruder der Communauté de Taizé und lebte 33 Jahre unter den Ärmsten in einer Fraternität der Gemeinschaft in Alagoinhas, im Nordosten Brasiliens.
Leben
Rudolf Stökl wurde 1936 in einer Pfarrersfamilie in Hamburg geboren. Seine Kindheit war tief von der Erfahrung des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegsjahre geprägt. Als Jugendlicher reiste er viel, zuerst mit dem Fahrrad durch Deutschland und dann per Anhalter von England über Italien und Jugoslawien bis nach Griechenland, wo er den Berg Athos besuchte.
Nach seinem Theologiestudium, unter anderem in Heidelberg, arbeitete er als Vikar in Hamburg, bevor er 1962 in die Communauté von Taizé eintrat. Dort legte er an Ostern 1966 sein Lebensengagement ab (Ordensname: Bruder Rudolf).
Als Ordensbruder begann Frère Rudolf 1965 seine Besuche in Osteuropa,[1] in Ungarn, der DDR,[2] der Tschechoslowakei und Rumänien. Dort baute er ein Netz von Freundschaften mit Christen verschiedener Kirchen auf.[3] In den 1960er und 1970er Jahren war er außerdem maßgeblich an den Jugendtreffen in Taizé, am Konzil der Jugend und an der Organisation der ersten Europäischen Jugendtreffen beteiligt. 1983 reiste Frère Rudolf nach Afrika, wo er mit den Brüdern in Mathare Valley, einem Slum in Nairobi, lebte. 1985 lebte er in der Fraternität in Seoul, Südkorea, und besuchte die Brüder in Japan.
1987 ging Frère Rudolf in die Fraternität nach Alagoinhas im Nordosten Brasiliens, im Bundesstaat Bahia. Dort teilte er über dreißig Jahre lang das Leben der Ärmsten der Armen, bevor er 2020 aus gesundheitlichen Gründen nach Taizé zurückkehrte.[4] In Brasilien widmet er sich den Kindern des Arbeiterviertels, in dem die Brüder leben. Frère Rudolf organisierte die integrative Ganztagsschule für 250 gehörlose, blinde und gesunde Kinder, die „Brincadeira“, ein Spieletreff, in der ca. 600 Kinder mit Unterstützung brasilianischer und auch anderer Freiwilliger in einem Raum des Vertrauens, des Spielens und der Bildung aufgenommen werden.
Frère Rudolf war der ältere Bruder von Andreas Stökl und ein Neffe des Kölner Osteuropahistorikers Günther Stökl.
Werke
- Brother Rudolf: The Faith of the Poor. An Experience of the Spontaneous Evangelical Churches in Alagoinhas, Brazil (engl.), Les Presses de Taizé, Taizé 2025. ISBN 978-2-850-40469-6.
- Bruder Rudolf u. a.: É Brincadeira!? Kindergeschichten aus einer brasilianischen Favela, Les Presses de Taizé 2021, 138 Seiten. ISBN 978-2-850-40450-4.
Literatur
- Taizé (Hrsg.), suchen - warten – wagen. Auf dem Weg zum Konzil der Jugend. Taizé, Maria-Luisa Algini (Red.), Styria Verlag, Graz 1973, ISBN 3-222-10758-0
- Andreas Stökl, Taizé: Geschichte und Leben der Brüder von Taizé. Siebenstern Verlag, Hamburg, 1975, Taschenbuch, Band 184, ISBN 3-797-00145-2
- Jean-Claude Escaffit / Moiz Rasiwala, Histoire de Taizé, Édition du Seuil 2008 (deutsch: Die Geschichte von Taizé, übersetzt von Max Söller, Liz. Verlag Herder, Freiburg u. a. 2018, ISBN 978-3-451-38016-7), zu Osteuropa besonders: Brücken in den Osten, S. 145–160.
- Dietrich Sagert: Frère Roger und die friedliche Revolution. Wie Taizé die DDR unterwandert hat, in: Herder Korrespondenz 11/2020 S. 39–42. (Frère Rudolf war von den 1960er bis 1980er Jahren verantwortlich für die Kontakte zu Christinnen und Christen in der DDR.)
- Silvia Scatena / Dietrich Sagert (Eds.): Through the Iron Curtain. The Taizé Ecomenical Experience in Eastern Europe (1960–1989) (engl.), Vandenhoeck & Ruprecht unipress, Dez. 2023. (= Fscire Research and Papers, Book 4). ISBN 978-3-8471-1626-4.
Weblinks
- Taizé-Jugendtreffen in der DDR bei aus.sicht vom 1. Januar 2026
- Frère Rudolf | 1936-2024 archives.taize.fr
- Information der Berliner Stadtmission, Gemeinde Friedrichshagen/Was uns bewegt
- Bericht über das Partnerschaftsprojekt der Kath. Gemeinde St. Aposteln in Köln mit der Fraternität in Alagoinhas, Brasilien, 2007.