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Urnordische Sprache

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Urnordische Sprache (dänisch usw.: urnordisk usw.; engl.: Proto-Norse) gilt weiterhin vielen Sprachwissenschaftlern – insbesondere in den nordischen Ländern – als angemessene Bezeichnung für einen Teil der germanischen Sprachentwicklung ab dem 2. Jahrhundert n. u. Z.[1]

Schnelle Fakten Urnordisch, Offizieller Status ...
Urnordisch

Gesprochen in

Skandinavien
Sprecher keine (wurde vom Altnordischen abgelöst)
Linguistische
Klassifikation
Offizieller Status
Amtssprache in (ausgestorben)
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Sowohl Bezeichnung als auch zeitliche Bestimmung sind in den letzten Jahrzehnten[2] allerdings in Kritik geraten. In zeitlicher Hinsicht wurde eingewandt, dass die typisch nordgermanischen / nordischen (Sprach-)Merkmale erst nach 500 feststellbar seien, sodass es sich davor allenfalls um eine Vorstufe des Nordgermanischen gehandelt habe.[3]

In terminologischer Hinsicht wird eingewandt, dass Ur- bzw. Proto-Sprachen per definitionem (ausschließlich) rekonstruierte Sprachen seien. Die als „urnordisch“ bezeichnete Sprache ist aber in Form (früher) Runeninschriften unstrittig überliefert.[4]

Unabhängig von dem Bezeichnungs- und Datierungsstreit lässt sich jedenfalls Folgendes sagen: Die fragliche Sprache – oder die fraglichen Sprachen, wenn der entscheidende Einschnitt um das Jahr 500 angesetzt wird[5] – wurde vermutlich vom 2./3. bis ins 8. Jahrhundert[6] im heutigen Dänemark, Schweden und Norwegen sowie dem Norden des heutigen Schleswig-Holsteins[7] gesprochen bzw. in Runen geschrieben. Sie folgte nach Auffassung einiger Wissenschaftler auf das Nordwestgermanische[8] (1./2. Jahrhundert n. Chr.) und war Vorläuferin des Altnordischen und damit auch des Norwegischen, Schwedischen, Dänischen, Färöischen und Isländischen.[9]

Das Urnordische ist vor allem durch zahlreiche meist kurze Runeninschriften aus der Zeit seit dem 2. Jahrhundert teilweise belegt.

Entstehung des Urnordischen / Perioden

Bei der Auflösung der urgermanischen Spracheinheit etwa im 2./1. Jahrhundert v. Chr.[10] (die genaue Datierung hängt allerdings auch davon ab, was unter „Auflösung der urgermanischen Spracheinheit“ verstanden wird bzw. wo die Grenze zwischen Sprache und Dialekten gezogen wird) ging zunächst das Ostgermanische eigene Wege.[11] Die verbliebene germanische Dialektgruppe in Skandinavien und dem heutigen Norddeutschland entwickelte sich zunächst noch gemeinsam weiter[12] und wird von einem Teil der neueren Forschung als (Proto-)Nordwestgermanisch bezeichnet[13].

„Die Verbindung [des Nordgermanischen] mit dem Got. brach früh, schon im 2. Jh., ab (→ Nordgermanische Sprachen § 2). Die Verbindung mit dem Westgerm., v. a. dem Nordseegerm. (→ Ingwäonisch), bestand erheblich länger. Diese nord.-westgem. Sprachstufe ist als Vorstufe des Nord. und des Westgerm. aufzufassen.“

Andersson 2006, 559

Das Nordwestgermanische wird überwiegend auf circa das erste Jahrhundert n. Chr. datiert,[14] mit einem Übergang zum frühen Urnordischen im 2. Jahrhundert n. Chr. – Antonsen (1975, 27) bezieht dagegen die Zeit bis 500 noch in das Nordwestgermanische mit ein:

„If the archeological datings are approximately correct, it will be seen that EG [East Germanic] and WG [West Germanic] are distinct from NwG already at 200 A.D., while NwG [Northwest Germanic] continues on until approximately 550. This chronology might seem to be a contradiction in terms. It might be argued that if NwG is a parent of (Ingv[eonic]) WG, then the two could not coexist from 200–550. Such an assumption is clearly faulty, since it would mean that Dutch no longer exists, since Afrikaans has now become a distinct linguistic entity. NwG underwent a restriction in its geographic distribution after the splitting off of Ingv. WG, but the linguistic features of that part of the NwG area which did not undergo the WG changes remained essentially the same and the language lived on. Therefore, even though Ingv. WG split off by 200 A.D., it is still possible to say that the language of later NwG inscriptions reflect a parent stage of Ingv. WG.“[15]

Wird dagegen von „Urnordisch“ gesprochen, so wird dieses häufig in zwei Perioden unterschieden:

  • älteres Urnordisch, ungefähr von 200 bis 500
  • jüngeres Urnordisch (Synkopezeit), ungefähr von 500 bis 700[16];

teils wird aber auch nur die erste Phase als „urnordisch“[17] (oder frumnordisk[18]) und zweite Phase zum Beispiel als Übergangszeit (Yvergangstidi 500–700[19]) bezeichnet.

Dabei ist der spezifisch nordische Charakter der ersten Phase umstritten[20] und der der zweiten Phase allgemein anerkannt.

Umlautprozesse

Sowohl die ältere als auch die jüngere Phase des Urnordischen als auch die nach Auffassung einiger Wissenschaftler vorausgegangene Phase des Nordwestgermanischen war von sog. Umlautprozessen geprägt (siehe dazu im einzelnen unten: Umlautungen im Frühurnordischen sowie Umlautungen im Späturnordischen). „Umlaut“ wird in diesem Zusammenhang das Resultat des Einflusses, den ein Vokal einer Silbe auf den Vokal der vorausgehenden Silbe ausübt, genannt:

„Vokalen i ordets trykksterke forsto staving påvirkes av don trykksvako vokal i neste staving (artikulasjonen av don trykksvake vokalen foregripes ved uttalen av den trykksterke), og resultatet blir at forstostavingens vokal blir mer lik etterstavingens i klangfarge. Disse prosessene kalles a-omlyd, i-omlyd eller u-omlyd, etter som den virkende vokal er a, i eller u.“

Christiansen 1947, 80[21]

Die Bezeichnung des Umlauts (zum Beispiel „a-Umlaut“) richtet sich dabei also nicht nach dem Vokal, der modifiziert wird, sondern nach dem Vokal, der den modifizierenden „Einfluss“ ausübt.

Dieser „Einfluss“ kann auch als Assimilationswirkung beschrieben werden:

„Prozess und Ergebnis der antizipierenden Angleichung (partielle Assimilation) des Vokals der Haupttonsilbe an den Vokal der folgenden (minderbetonten) Silbe“

Bußmann 20084, 759 f., s. v. Umlaut

„Umlaut ([…] Engl. vowel mutation, frz. inflexion vocalique, umlaut) Durch J. Grimm (1785–1863) eingebürgerte Bez. für den Vorgang bzw. das Ergebnis einer regressiven (Fern-)Assimilation des Vokals einer Haupttonsilbe (Akzent) an den Vokal der (unbetonten) Folgesilbe.“

Kleber/Pompino-Marschall 2024, 697

So führt das a – ein sog. „offener“ Vokal, das heißt: ein Vokal, der mit niedriger Lage der Zunge im Mundraum artikuliert wird – in dem germanischen Wort *hurnan (urnordisch horna; deutsch Horn) dazu, dass das u in demselben germanischen Wort – ein u ist ein sog. geschlossener Vokal, das heißt: ein Vokal, der mit hoher Lage der Zunge im Mundraum artikuliert wird – zu einem o wird.

Das o ist ein sog. halbgeschlossener Vokal – das heißt: Er wird mit etwas niedriger Zungenlage als ein u artikuliert wird. Der Umlautprozess führt also dazu, dass das vormalige u dem nachfolgenden a – dadurch, dass u zu einem o wird – ähnlicher wird. Bezugnehmend auf die Zungenlage bei der Vokal-Artikulation im Mundraum wird auch von „Absenkung“ (engl. lowering) oder „Senkungsprozess“ gesprochen.

Weitere Informationen Vokale ...
Vokale
  vorne   zentral   hinten
 geschlossen
iy
ɨʉ
ɯu
ɪʏ
ʊ
eø
ɘɵ
ɤo
ə
ɛœ
ɜɞ
ʌɔ
æ
ɐ
aɶ
ɑɒ
 fast geschlossen
 halbgeschlossen
 mittel
 halboffen
 fast offen
 offen
Bei Symbolpaaren (u  g) steht das linke Symbol für den
ungerundeten, das rechte Symbol für den gerundeten Vokal.
Die Hauptvokale im Bezug auf die Position der Zunge.
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Nach Schulte (2018, 51, 52) ist (in Bezug auf den i-Umlaut im Urnordischen) zwischen einer vertikalen und einer horizontalen Umlautung zu unterscheiden:

  • Eine vertikale Umdeutung vollzieht sich dadurch, dass sich die Lage der Zunge (bei der Artikulation des Vokals) in der Senkrechten ändert. Solche Umlautungen treten laut Schulte schon früh auf.
  • Eine horizontale Umlautung vollzieht sich dagegen dadurch, dass sich der Höhepunkt der Zunge in der Waagerechten (vorne – zentral – hinten) verschiebt. Solche Umlautungen treten laut Schulte erst im jüngeren Urnordisch auf.

„Die Begriffe ‚horizontaler‘ versus ‚vertikaler Umlaut‘ beziehen sich […] auf die Assimilationsrichtung im Vokaltrapez. […] der Terminus Umlaut [umfasst also] eigentlich zwei verschiedene phonetisch-phonologische Prozesse […]: 1. ‚vertikale Umlaute‘, die schon im Frühumordischen durchgeführt sind, und 2. ‚horizontale Umlaute‘, die erst in der Synkopezeit, d. h. im Späturnordischen, eintreten.“

Quellen und Hauptmittel der Rekonstruktion des Urnordischen

Ostseefinnische (blau-Töne) und wolga-finnische Sprachen (Mari, Moksha, Eryza)

Die urnordische Sprache ist – neben den schon erwähnten Runeninschriften als Hauptquelle – in Form von Orts- und Personennamen bei antiken Autoren sowie Lehnwörtern (im Ostseefinnischen und Samischen) fragmentarisch überliefert.[22] Darüber hinaus dienen spätere Sprachen (das anschließende Altnordische sowie andere germanische Sprachen) als Mittel der Rekonstruktion des Urnordischen.[23]

Zu beachten sind also:

Runen-Inschriften

Die Runeninschriften sind laut Seip/Saltveit (1971, 5; vgl. auf Norw.: Seip 19552, 7) die „wichtigste Quelle unserer Kenntnis der urnord. Sprache“[24]; sie befinden sich auf Steindenkmälern (auf Norwegisch bautasteinar), Schmuck, Waffen und Gebrauchsgegenständen, die in Gräbern gefunden wurden.[25] Ein wichtiges Beispiel ist die Inschrift auf einem der beiden Goldhörner von Gallehus (siehe dazu unten), die „für die Sprache der Inschr. bis ca. 500 repräsentativ“ ist (Andersson 2006, 560).

Nielsen (2000, 31 f.) nennt folgende Zahlen zu den überlieferten Inschriften:

“The script used for carving the older runic inscriptions was the 24-letter (older) futhark. Out of a total of about 350 legends written in this runic alphabet between ca. AD 200 and 700, 70 stem from the Continent, dating back primarily to the sixth and seventh centuries (Neumann et al. 1995:ii). The remaining 280 are of Scandinavian provenance”

Schulte (2018, 16 f., 86) schreibt:

„In der Kieler Datenbank[26] finden sich insgesamt mehr als 440 Inschriftenobjekte der Zeit vor 700. Wenn man alle Inschriften deren Echtheit fraglich ist (ca. 15) oder deren runischer Charakter umstritten ist (ca. 70), abzieht, erhält man einen Minimalwert von 350 urnordischen Runeninschriften im älteren Fuþark [= Futhark]; hinzu kommen noch ungefähr 100 südgermanische und 100 anglo-friesische Inschriften (zum Corpus der südgermanischen Inschriften vgl. Nedoma 2015b,[27] Düwel, Nedoma & Oehrl i[m] Dr[uck][28]; zum Corpus der anglo-friesischen Inschriften bis ca. 600/650 n. Chr. siehe Page 1999,[29] Parsons 1999[30]). Des Weiteren bestimmen wir eine Gruppe von mindestens 10 Inschriften ostgermanischer Provenienz (siehe Nedoma 2010b[31]). […]. Obschon die Runeninschriften im älteren Fuþark im allgemeinen formelhaft und lakonisch sind, umfasst das Lexikon beim heutigen Stand mit allen Neufunden mehr als 250 Lexeme (einschließlich aller Wortarten und Personennamen), wobei aber zahlreiche Unsicherheitsfaktoren und Deutungsprobleme einzukalkulieren sind (siehe Teil 5[32]).[…]. Einen indirekten Überblick über die Lexeme des Urnordischen, teils aber mit unsicheren Lesungen und ohne die Neufunde, bieten die Wortregister von Krause (1966), Antonsen (1975a) und Makaev (1996). Was die urnordischen Personennamen betrifft, sind wir mit Peterson (2004) in einer ungleich günstigeren Situation, da der [über 100 Eigennamen umfassende] Namenschatz mit allen Neufunden bis 2004 aufgearbeitet ist.“

Screenshot (Ausschnitt) der Website der Samnordisk Runtextdatabas

Auf S. 85 nennt Schulte eine weitere Datenbank – die Samnordisk Runtextdatabas[33] –, die – im Unterschied zur Kieler Datenbank – auch weiterhin online ist. Diese verzeichnet zur Zeit 273 als „urnordisch“ klassifizierte Inschriften, deren Text teils als Transliterationen und Abbildungen sowie in englischer Übersetzung wiedergegeben ist[34].

Germanische Lehnwörter in den ostseefinischen und der samischen Sprache

Im Finnischen und Samischen gibt es ein paar Hundert germanische Lehnwörter, die aber – wie ihr (spät)urgermanischer bzw. nordwestgermanischer Lautstand zeigt – größtenteils noch vor der urnordischen Zeit entlehnt wurden.[35]

Die Entlehnungen in die Sami-Sprachen haben sich danach zusammen mit diesen Sprachen oft deutlich weiter verändert. Dagegen hat sich das Finnische in den zurückliegenden 2000 Jahren lautlich nur wenig verändert, weshalb auch die alten Lehnwörter gut erhalten geblieben sind. Einige zeigen bis heute einen Lautstand, der älter ist als der urnordische und direkt dem urgermanischen Sprachzustand entspricht.

Dagegen ist das Finnische Lehnwort vaate „Kleidungsstück“ wahrscheinlich in nordwestgermanischer Zeit – oder vielleicht auch erst aus dem Mittelniederdeutschen – entlehnt worden, weil in der Stammsilbe bereits der charakteristische Wandel urg. ē [ɛː] > NW-germ. ā[36] vollzogen ist:

„Entlehnung kann erst nach dem nord- und westgerm. Lautwandel ē > ā erfolgt sein. Laut Karsten 1943/44[37] ist vaate ein Lehnwort aus dem Mittelniederdeutschen (mnd. wât ‘Gewand, Kleidung’)[38]

Kylstra u. a. 2012, S. 348–349 (348)

Kylstra u. a. (ebd.) selbst kennzeichnen eine Entlehnung bereits aus dem Germanischen als fraglich.

Wenn Schulte (2018, 22 f.) schreibt:

„In ihrem Vokalismus repräsentieren germanische Lehnwörter wie fi. rengas (an. hringr), telja, teljo (an. þilja), kuningas (an. konungr) und juusto (an. ostr) eine frühere Stufe als die urnordischen Runeninschriften, die bereits den a-Umlaut (u > o und i > e), den älteren i-Umlaut (e > i) und ähnliche Hebungs- und Senkungsprozesse zeigen. Offensichtlich gehören der a-Umlaut, der ältere i-Umlaut und die Hebung von e > i vor Nasalgruppe (germ. *hrenga- > *hringa-) derselben Entwicklungsstufe des Nordwestgermanischen an, die Stiles (2012) als ‚short vowel shuffle‘ bezeichnet (vgl. Teil 2.1[39] und 2.6.1-2.6.2[40]).“

dann steht dies, sofern es nicht speziell auf das Späturnordische gemünzt ist, allerdings im Widerspruch zu Kylstra u. a. (1991, 145, 1996, 222), die sich speziell für die Zeit bis 500 interessieren[41] und die die urnordischen Formen der letzten beiden von Schulte genannten Wörter als *justaR[42], *jūstaR; *kuningaR – also als noch nicht umgelautet – rekonstruieren.[43]

Zwei weitere germanische Lehnwörter im Finnischen sind runo[44] (= deutsch Rune[45]) und sairas[46] (vgl. deutsch versehrt[47]). Entsprechungen dieser beiden Wörter sind im Urnordischen – anders als im Falle der vorgenannten Beispiele – (wahrscheinlich) tatsächlich belegt:

Replikat des Brakteaten von Tjurkö 1

Das Wort *rūnō kommt in mehreren Inschriften vor, wenn auch nicht im Nominativ Singular:

dat.sg. (e. S.) ronu (Stein von Björketorp, ca. 520/30–700), akk.sg. (e. S.) runo (Stein von Einang, ca. 350–375/400; Stein von Noleby, ca. 460/70–560/70), akk.pl. (e. S.) runoz (Spange von Eikeland, 525–560/70; Stein von Järsberg, ca. 520/30–560/70; Brakteat von Tjurkö 1 [siehe nebenstehende Abbildung], ca. 375/400–520/30), (e. S.) ronoz (Stein von Stentoften, ca. 520/30–700), (e. S.) runAz (Stein von Björketorp; Stein von Istaby, ca. 520/30–560/70 ?), gen.pl. (e. S.) runo (Stein von Björketorp), (e. S.) runono (Stein von Stentoften)“

EWA VII (2021), s. v. rûna[48];

das Wort *sairaR kommt wahrscheinlich als Bestandteil eines Wortes der Inschrift in den Stein von Rö vor, das als sxirawidaR (Krause 1966, 168 oben) bzw. sairawidaz (Antonsen 1975, 43 oben) gelesen wird, wobei

  • das x in kleinerer Schrift bei Krause für eine nicht mehr lesbare Rune steht und von der vermutet wird, dass es die Rune war, die als a transkripiert wird
sowie
  • R und z zwei unterschiedliche Weisen sind, ein- und dieselbe Rune zu transliterieren; siehe dazu unten:

„Zu lesen ist s[a]ira-widar ‚einer, der weite (= klaffende) Wunden hat‘.“

Krause 1966, 168 unten, s.a. 170

Antonsen (1975, 44) übersetzt das fragliche Wort als with gaping wound ins Englische.

Auf der Grundlage von Kylstra u. a. 1991, 127 (hurskas), 145 (juusto), 1996, 222–223 (kuningas), 166 (lammas) und 2012, 145 (rengas), 173 (ruhtinas), 178 (runo), 215 (sairaz), 285 (teljo), 348 f. (vaate), 404 (viisas) sowie Kroonen 2013, 104 (*druhti-), 247 (*hringa-), 275–276 (*justa-)[49], 311 (*kuninga- ~ *kununga-), 325–326 (lambiz-), 588 (*wissa-) lässt sich folgende Tabelle erstellen:[50]

Germanic loan words in Finnish language
Germanic loan words in Finnish language

Germanische Namen in lateinischen und griechischen Texte

Darüber hinaus findet sich eine Reihe urnordischer bzw. germanischer Namen in lateinischen und griechischen Texten:

«Det finnes også en god del nordiske ord og navn hos fremmede forfattere, som skrev på latin.»

Christiansen 1947, 74

„Nur spärliche Auskünfte geben Namen und Wörter in fremden Literaturen. Völkernamen wie kimbroi (vor 100 v. Chr.)[51] und harudes[52] in Caesars Der gallische Krieg[53] deuten auf nordische Namen hin. […]. Bei dem Griechen Ptolemaios (kurz vor 150 n. Chr.) finden sich mehrere nordische Völkernamen, wie gutai (altnorw. gautar) […]. Die wichtigste Quelle dieser Art ist das Werk des Goten Jordanes, der (um 500) die Geschichte seines eigenen Volkes in lateinischer Sprache schrieb. Er erwähnt ostrogothæ (vgl. schwed. Östergötland), […] und viele andere Namen, die zu nord. Bezeichnungen eine Beziehung haben können.“

Seip/Saltveit 1971, 3; vgl. auf Norw.: Seip 19552, 6.[54]

Suēbī

Derartige Angaben müssen freilich für den aktuellen Forschungsstand unter anderem mit dem Lexikon över urnordiska personnamn von Lena Petersen (2004) verglichen werden, z. B. S. 16, s. v. Swābaharjaz für die ebenfalls u. a. von Caesar erwähnten Suēbī[55]. Nach Petersen (Lexikon över urnordiska personnamn) und Rübekeil (1998, 185) befindet sich das urnordische Äquivalent zu lateinisch Suēbī als Bestandteil des Namens swabaharjaz auf dem – gerade schon erwähnten – Runenstein von Rö.[56] Rübekeil rekonstruiert als proto-germanische Form *Swēƀōz; Peterson *swēbaz und stellt dies zu proto-germanisch *swē-[57] (= schwedisch egen [und englisch self[58]])[59]. Rübekeil (1998, 186) schreibt zu dieser Herleitung:

„Die heute allgemein gültige etym. Erklärung wurde von [Axel] Erdmann (3[60], 96 ff) begründet. Dieser knüpfte an das germ Adj. *swēsa- (got. swēs, ahd. swās ,eigen', anord. sváss ‚lieb, traut', ae. swæs ,lieb, eigen' usw.) an […]. Erdmanns Erklärung enthält zwar die heute gültigen Grunddaten, läßt aber im Detail Fragen offen […].“

Cimbri und Harūdēs

Mit Versuchen, lateinisch cimbri / griechisch Κίμβροι mit einzelsprachlich belegten germanischen Wörtern bzw. Orten in Nordeuropa in Verbindung zu bringen, beschäftigt sich Günter Neumann;[61] zu der auf Lateinisch Harūdēs genannten germanischen Gruppe schreibt Helmut Castritius:[62]

„Niederschlag ihrer traditionellen Wohnsitze in (W[est]-)Jütland dürfte der Bezirksname Harsyssel[63] sein. Ob das sw[südwest]-norw[egische] Hordaland (in der Nähe von Hardanger und Bergen) als die Urheimat der H[aruden] anzunehmen und somit der VN [= Völkername] Hǫrðar (→ Hordar) mit ihnen zu verbinden ist, liegt mit Schwarz (4[64]) nahe, ohne daß eine Nordwanderung von Jütland aus völlig ausgeschlossen werden kann. Jord. Get. [= De origine actibusque Getarum] 24 weist allerdings ihre skand[inavische] Herkunft aus.“

Gotōnēs und Γαυτοί

Ebenfalls bei griechischen und lateinischen Autoren erwähnt sind

  • einerseits die Γούτωνες [Gū́tōnes] (Akkusativ: Γούτωνας [Gū́tōnas][65]emendiert) bzw. Gotōnēs[66] (später[67] mit th / griech. θ geschrieben und anderweitig veränderter Schreibung[68]; ausführlicher dazu: Sitzmann/Grünzweig 2008, 154–156: Γόθοι [Góthoi] bzw. Gothī[69]
und
  • zum anderen die Γαυτοί[70], die wohl[71] auch mit Γοῦται gemeint waren, bzw. als Wortbestandteil Gauthi- in Gauthigoth[ae[72]].

Zu ersteren gibt es Belege in den frühen germanischen Einzelsprachen als Teil der gotischen Zusammensetzung Gutþiuda ‘Gotenvolk’[73] (altnordische Entsprechung laut Rübekeil: Gotþióð; Kurzform Gotar[74]) und des gotischen Wortes Gutani auf dem Golding von Pietroassa[75]. Daraus lässt sich ein gotischer Nominativ Plural *Gutans ‘Goten’ rekonstruieren.[76] Im Deutschen lassen sich dagegen erst im 16. Jahrhundert Goten und gotisch (in Anlehnung an die griechischen und lateinischen Wörter) belegen.[77]

Die nordischen Formen der letzteren – also der Γαυτοί – sind laut Andersson[78] altschwedisch gøtar und altwestnordisch gautar;[79] sie finden sich nach Peterson schon früh als Teil von Namen mit der Endung -lev (Peterson, 2004, 25 [vgl. zu den Einzelheiten: Peterson 2004, 20 f.]; s. a. Peterson 2007, 75 f.). Die proto-germanische Form ist laut Peterson, 2004, 25 und Andersson (1998a, 279) im Singular als *gautaz (und im Plural als *gautōz, so Andersson) zu rekonstruieren.

germanisch *geutan- [= deutsch gießen; engl. pour[80]]
proto-germanisch *gutaniz

gotisch *Gutans [= deutsch Goten]

proto-germanisch *gautōz[81]

[= deutsch Gauten]

griechisch

Γούτωνες, Γόθοι

lateinisch

Gotōnēs, Gothi

alt(west-?)nordisch

Gotar[82]

griechisch Γαυτοί lateinisch Gauthi- altwestnordisch gautar

Nach Andersson (1998a, 279) sind beide Bezeichnungen – also Γούτωνες / Γόθοι einerseits und Γαυτοί andererseits – miteinander verwandt (nämlich insofern als sie seines Erachtens und nach Auffassung anderer Autoren alle mit proto-germanisch *geutan [= deutsch gießen] zusammenhängen), aber zu unterscheiden:[83]

  • Während sich Γαυτοί (gøtar, Gauten) auf eine bzw. zwei Landschaften im Süden Schwedens beziehe,

„Aschwed. gøtar, dt. Gauten, ist die Bezeichnung eines der Hauptstämme in Skand., der seit vorgeschichtl. Zeit in S-Schweden angesiedelt war. Die Bezeichnung wird vor allem mit zwei Landschaften verbunden: → Östergötland (aschwed. Østragotland ,das ö. Gøtland') an der Ostsee und → Västergötland (aschwed. Væstragotland ,das w. Gøtland')“

Andersson 1998a, 279

Sitzmann/Grünzweig (2008, 140, s. v. Gaut) bezeichnen diese Auffassung als „wahrscheinlich“:

„Wahrscheinlich gehören auch die Belege [… Procopius, Ptolemäus, Jordanes] zu diesem VN [Völkernamen]. Fortgesetzt ist der Name in aisl. Gautar und ae. Gēatas sowie in den gegenwärtigen Landschaftsnamen Öster- und Västergötland.“

  • sei zwar möglich, aber nicht beweisbar, daß auch die Γούτωνες / Γόθοι (Goten) von dort kommen.

„in der 2. Hälfte des 20. Jh.s hat sich die Ansicht allmählich durchgesetzt, daß eine Auswanderung zwar möglich ist, sich jedoch nicht beweisen läßt“

Andersson 2002, 290

„Wo und wie der Kontakt [zwischen Gauten und Goten] stattgefunden hat […] (in Skandinavien, auf dem Kontinent, über Wasser?), das läßt sich durch […] sprachlichen Vergleich nicht ermitteln“

Andersson 1995, 2; siehe schließlich noch: Andersson 1998a, 279 linke Spalte unten: „bezeugen […] nicht“[84]

Es „ist nicht gesagt, daß sich der Gotenname und seine Verwandten von Norden nach Süden ausgebreitet haben. Es könnte auch umgekehrt gewesen sein.“ (Wolfram 2016, 21)

Auch Sitzmann/Grünzweig (2008, 162–165 [163, s. v. Guto]) halten jenen etymologischen Zusammenhang für wahrscheinlich:

„Wahrscheinlich […] von derselben Wurzel germ. *geutan- ,gießen' […] wie in *Gautōz (s. ↗GAUT).“

Nach Ansicht von Pfeifer et al. ist die weitere Etymologie von gotisch *Gutans dagegen ungewiss; und die Herleitung von einem Verb mit der Bedeutung „gießen“ versieht er mit der Einschränkung „vielleicht“;[85] ähnlich äußert sich Orel[86].

Das spätere Altnordische als Mittel der Rekonstruktion des Urnordischen

Hauptmittel für die Rekonstruktion des Urnordische über die überlieferten Wörter und Kurztexte hinaus sind die späteren altnordischen Texte. Ihre Überlieferung beginnt im 8. Jahrhundert wiederum mit Runeninschriften, ab dem 12. Jahrhundert ist das Altnordische außerdem in umfangreichen Texten in lateinischer Schrift überliefert.

Nicht-nordische, germanische Sprachen als Mittel der Rekonstruktion des Urnordischen

Historische Sprachverwandtschaft der frühgermanischen Innovationszentren nach Paulo Ramat 2011.[87]
Legende:
  • 1. Nordseegermanisch, Vorstufe des Altniederdeutschen, Altfriesischen und Altenglischen.
  • 2. Nordgermanisch, Vorstufe des Altnordischen.
  • 3. Ostgermanisch, Vorstufe des Gotischen und übrigen ostgermanischen Sprachen
  • 4. Elbgermanisch, Vorstufe des Altoberdeutschen, eine Teilmenge des Althochdeutschen, und vielleicht des Langobardischen.
  • 5. Weser-Rhein Germanisch, Vorstufe des Altfränkischen bzw. Altniederländischen.
  • Ein weiteres wichtiges Mittel für die Rekonstruktion des Urnordischen ist schließlich der Vergleich mit den anderen, früh überlieferten germanischen Sprachen, insbesondere Gotisch, Altenglisch, Altniederdeutsch und Althochdeutsch.[88]

    Die jüngeren Sprachen sind deshalb für eine Analyse des Urnordischen wichtig, weil bei weitem nicht alle urnordischen Wörter durch urnordische Texte, also Runeninschriften, direkt überliefert sind. Ein Vergleich mit jüngeren / besser überlieferten Sprachen ermöglicht, nicht-überlieferte Wörter und Wortformen des Altnordischen zu rekonstruieren. Die so erschlossenen Wörter werden in wissenschaftlichen Texten mit einem Sternchen (*) markiert.

    Dialekte

    Die urnordischen Runeninschriften zeigen nur wenige Dialektunterschiede. Ein möglicher Grund dafür ist, dass die Schreiber viele festgelegte Formeln benutzten. Ein anderer Grund kann sein, dass es eine starke Schreibtradition gab, die Dialektunterschiede überdeckte.

    Bei Christiansen (1947, 77 f.) heißt es dazu:

    „Runeinnskriftene i folkevandringstiden blir skrovet stort sett på, samme måten over hole Skandinavia og gir derfor inntrykk av at målet har vært ens over hele området. Mon det er ikke noe bevis for at talemålet har vært like ens overalt. Det språklige enhetspreg i innskriftene kan komme av to ting: for det forsto det formolaktigo ved selve innskriftene, for det andro det tradisjonsbundne i runemesternes måte å, skrive på. Dessuten or det usannsynlig at et så stort område som dot her gjelder, virlrnlig har hatt et helt enhetlig talemål. Det har alltid vært slik, at et språk blir skrevet mer regelbundet enn det blir talt. Først senere, da den gamle runetradisjon ikke lenger var så fast, begynte det u vise seg dialektiske drag i innskriftene (side 89).“

    Schulte (2018, 17) schreibt zu diesem Thema:

    „Die Auswertung des trümmerhaften Belegmaterials hat zum Eindruck einer variationsarmen Koiné oder supradialektalen Norm beigetragen, was aber der Überlieferungssituation zuzuschreiben ist (vgl. Makaev 1996, 23-48). […]. Wenn man die Koiné-Theorie modifiziert, kann mit Trudgill (1997[89]: 352) von einer restringierten Prestigevarietät gesprochen werden. Solche überregionalen Prestigevarietäten sind typischerweise koineisiert und zeigen morphophonologische Vereinfachungen aufgrund des eingeschränkten Anwendungsgebiets, in unserem Fall des stark formelhaften Repertoires der Runeninschriften […]. […]. Sowohl die schmale Überlieferung als auch das Prinzip der Rekonstruktion verleiten uns zu der Annahme einer einheitlichen Sprachform […].“

    Als wenig wahrscheinlich gilt heute die früher oft vertretene Ansicht, dass das Urnordische noch keine dialektalen Unterschiede kannte, sondern sehr homogen war.

    Das ältere Urnordisch

    Grundsätzliches

    Das ältere Urnordisch stand dem späten Urgermanischen – und zumal dem Nordwestgermanischen, falls es als eigene Sprachstufe anerkannt wird – noch ziemlich nahe:

    “The inscriptions date from the Proto-Nordic period (ca. 200-800 AD) and display a fairly homogeneous language (known as Proto-Nordic; Proto-, Primitive, or Runic Norse; or Proto- or Primitive Scandinavian) which, during the first half of this period at least, shows little deviation from Proto-Germanic, as reconstructed by comparison with the other Indo-European languages (see Runes).”

    Thórhallsdóttir 1994, 2835[90]

    „Das Früh-U. (200–550 n. Chr.) zeigt in seiner Phonologie und Morphologie ggü. dem Urgermanischen nur wenige Unterschiede wie etwa a-Umlaut in horna < *hurnan. Die meisten Charakteristika des U[rnordischen] setzen sich sowohl im Nordgerm. als auch im Westgermanischen fort, weshalb U. oft als Nordwestgermanisch bezeichnet wird.“

    Rübekeil 2024, 704 (wie an anderer Stelle in diesem Artikel ausführlicher zitiert)

    a-Umlaut – bereits eine nordwestgermanische Entwicklung

    So wird der a-Umlaut[91] – wie wir schon in dem Abschnitt zu den finnischen Lehnwörtern sahen – von Schulte (2018, 22) bereits der „Entwicklungsstufe des Nordwestgermanischen“ zugeordnet.[92]

    Proto-germanisch *hurnan zu urnordisch horna

    In der Tat findet sich die Entwicklung von *hurnan zu horn- (mit oder ohne nachfolgende weitere Laute) nicht nur im Urnordischen, sondern – mit gewisser Ausnahme des Älvdalischen (uonn) – in allen west- und nordgermanischen Sprachen.

    Außer der Zeile „urnordisch“ nach Kroonen (2013, 259[93]) und – für das altsächsische Wort[94] – Orel (2003, 105, s. v. *xurnan; zu den Unterschieden zwischen den Wörterbüchern von Kroonen und Orel siehe unten) (in der Fußnote zu dem altnordischen Wort sind die modernen isländischen, dänischen, norwegischen und schwedischen Entsprechungen genannt):

    Weitere Informationen proto-germanisch, *hurna- ‘horn’ ...
    proto-germanisch *hurna- ‘horn’
    gotisch haurn ‘horn’
    aber:
    (älteres) urnordisch (Goldhorn von Gallehus) horna
    altnordisch horn ‘horn’[95]
    färöisch horn ‘horn; corner’
    älvdalisch uonn ‘horn’
    altenglisch englisch horn ‘horn’ horn ‘horn’
    altfriesisch horn ‘horn’
    niederländisch horen ‘horn’[96]
    altsächsisch horn ‘horn’
    althochdeutsch > deutsch horn ‘horn; point, end’[97] > Horn ‘horn’[98]
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    Die urnordische Form horna ist bereits auf einem der beiden Goldhörner von Gallehus, die üblicherweise auf vor 500 datiert werden[99], belegt (also schon für die Zeit des älteren Urnordisch nicht bloß rekonstruiert).

    Proto-germanisch *wira- zu altnordisch verr

    Auch der – ebenfalls unter dem Einfluss eines nachfolgenden a stehende – Wandel von i (in proto-germanisch *wira-) zu e zeigt sich sowohl in west- als auch nordgermanischen Sprachen[100] (auch wenn das Wort im Altnordischen nicht belegt zu sein scheint).

    Nach Kroonen 2013, 588[101] und für die altfriesische Form Orel (2003, 463, s. v. *wiraz):

    Weitere Informationen proto-germanisch, gotisch ...
    proto-germanisch gotisch aber: altnordisch altenglisch altfriesisch altsächsisch althochdeutsch
    *wira- ‘man’ wair ‘man’ verr ‘man’ wer ‘man’ wer- ‘man’ wer ‘man’ wer ‘man’[102]
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    Die genannten Wörter scheinen in den modernen – zunächst vor allem: west- (?)[103] – germanischen Sprachen nur Fortsetzung in Form von Komposita gefunden zu haben (siehe außer der folgenden Tabelle: isländisch veröld = deutsch Welt[104]):

    proto-(west)germanisch dänisch norwegisch schwedisch englisch niederländisch deutsch
    wira + gelda-[105] [106] weregild[107] weergeld[108] Wergeld[109]
    wulfa-[110] varulv[111] varulv[112] varulv[113] wer(e)wolf[114] weerwolf[115] Werwolf
    < mnd. warwulf[116]
    ~ aldō-, aldi-[117] verden[118] verden[119] värld < altnordisch < altenglisch (?)[120] world[121] wereld[122] Welt
    Proto-germanisch *hulta zu urnordisch holt

    Auch Nielsen (2000, 121) betont den nordwestgermanischen Charakter des a-Umlauts und gibt ein drittes Beispiel: von proto-germanisch *hulta- zu urnordisch (oder wie Nielsen in Bezug auf die ältere Phase des Urnordischen zu sagen vorzieht: Early Runic) holt:

    “Our treatment above has demonstrated that the accented vowels of Old Norse, Old English, Old Frisian and Old Saxon can all be derived from the short and long five-unit systems of Early Runic. The only point on which Early Runic differed from late Proto-Germanic was the introduction, through a-umlaut, of a mid back vowel phoneme, /o/, an innovation shared by Old Norse and the North-Sea Gmc. languages, which all exhibit a-mutated forms like horn < *hurna- and holt < *hulta-, cf. the Gallehus legend (§ 3.1).”

    Das Wort scheint im Gotischen nicht überliefert zu sein – und von den anderen nord-westgermanischen Sprachen weicht wiederum das Älvdalische ab – nach Kroonen 2013, 254[123] und – für das altfriesische Wort – Orel (2003, 192, s. v. *xultan) (in der Fußnote zu dem altnordischen Wort sind die modernen isländischen, dänischen, norwegischen und schwedischen Entsprechungen genannt):

    proto-germanisch aber: altnordisch älvdalisch altenglisch altfriesisch altsächsisch nieder-ländisch althoch-deutsch
    *hulta- ‘grove’ holt ‘grove’[124] ult ‘grove’ holt ‘grove’ holt ‘wood, grove’ holt ‘wood’ hout ‘wood’[125] holz ‘wood’[126]

    Auch – je nach Bezeichnungsweise – urnordisch / Early Runic / Nordwestgermanisch *holt ist als Namensbestandteil durch die Goldhorn-Inschrift von Gallehus (siehe unten) belegt.

    Der vertikale i-Umlaut

    Laut Schulte (2018, 22, 51) ist auch der vertikale i-Umlaut bereits der „Entwicklungsstufe des Nordwestgermanischen“ zuzuordnen.

    „Offensichtlich gehören der a-Umlaut, der ältere i-Umlaut und die Hebung von e > i vor Nasalgruppe (germ. *hrenga- > *hringa-) derselben Entwicklungsstufe des Nordwestgermanischen an […]. […]. Zu den ältesten Umlauterscheinungen gehören der a-Umlaut und der ältere i-Umlaut, […].“

    Ein Fall des vertikalen i-Umlauts war oben bereits in Form des germanischen Lehnwortes im Finnischen teljo „Ruderbank; Bodenverkleidung eines Bootes“ zu sehen. Das e im finnischen Wort deutet auf eine germanische Form *þeljōn- (proto-germanisch usw. þ ≈ englisch th) zur Zeit der Entlehnung hin, wobei das e später in der germanischen Entwicklung dem ji angepasst wurde – ebenfalls eine sowohl west- also auch nordgermanische Entwicklung.

    Nach Kylstra u. a. 2012, 285, die keine nordwestgermanische Zwischenstufe darstellen, sowie – für das altsäschische Wort – Etymologischem Wörterbuch des Deutschen[127] im DWDS und – für das altfriesische Wort – Orel (2003, 420, s. v. *þeljōn) (wiederum sind in der Fußnote zu dem altnordischen Wort die modernen isländischen, dänischen, norwegischen und schwedischen Entsprechungen genannt):

    proto-germanisch aber: älteres „Urnordisch“ altnordisch altenglisch altfriesisch altsächsisch althochdeutsch
    eljōn- > *þiljōn- iljō þilja ‘Dielenbrett, Deckplanke (auf einem Schiff)’[128] ille ‘Bodenbrett, -balken’ thille ‘plank floor’ thili ‘Diele, Brett, Pult’,[129] dilla[130] „Brett, Bretterdiele, Deck“

    Ein weiterer Fall des vertikalen i-Umlauts ist laut Schulte (2018, 35) im Falle von germanisch *þerbijaz > urnordisch þirbijaR zu sehen, von denen das urnordische Wort durch die Runeninschrift in den Stein von Barmen belegt sein dürfte: Krause (1966, 145) und Antonsen (1975, 48) transkripieren die Inschrift (ohne Wortzwischenräume) wie folgt

    ekþirbijạRrụ bzw. ekþirbijazru

    (die Punkte unter a und u bei Krause kennzeichnen unsichere Lesung [Krause 1966, XIII]) und gehen davon aus, dass es sich um zwei Wörter (ek = ich und das uns interessierende Wort) sowie den Anfang eines dritten Wortes (ru… = Rune) handelt.

    Krause schreibt zur Bedeutung von þirbijaR:

    „Der […] Komplex þirbijaR kann zwiefach ausgelegt werden: 1. nach M. Olson patronymische Bildung zu einem PN [Personenname[131]] *þerbaR, eigtl. Adj. = an. þjafr ‚ungesäuert (vom Brot)‘, ‚frisch (vom Wasser)‘, ‚schlaff (von Personen)‘, ags. (angelsächsisch) þeorf ‚ungesäuert‘, ‚frisch (von der Milch)‘, ahd. derp ‚ungesäuert‘. Dies Adjektiv wird gelegentlich als NW [Namenwort[132]] verwendet: Geirþjarfr, Gunnþjartr, Véþjarr, ahd. Terbwin, findet sich aber auch allein in der brechungslosen Form þerf (Akk.) in der uppländischen Inschrift von Säby (SR[133] U 90). Das patronymische Suffix -ia- liegt noch vor in HoltijaR (oben Nr. 43 Gallehus) sowie mit späterer Lautentwicklung in Hrōnen (unten Nr. 71 By) und in HA[134]þuwulafiR (unten Nr. 98 Istaby). Bei dieser Deutung ist allerdings die Verwendung nur des Patronymikons ohne Nennung des eigenen Namens auffällig. – 2. Nach Marstrander ist þirbijaR als Nomen agentis zu einem Verbum *þirbijaR ‚schlaff machen‘ aufzufassen. Dies erschlossene Verbum (an. *þirfa) verhielte sich zu *þjarfr wie an. dirfa ‚kühn machen‘ zu djarfr ‚kühn‘. Diese Bildung von Nomina agentis ist besonders in der altnordischen Dichtersprache überaus häufig. Diese 2. Deutung verdient wohl den Vorzug: Der Runenmeister, der sich nur mit einem der Gelegenheit angepaßten Beinamen nennt (vgl. etwa unwōdiR, oben Nr. 12 Gårdlösa; ungandiR, unten Nr. 65 Nordhuglen; wīlagaR, oben Nr. 29 Lindholm; gliaugiR, unten Nr. 133 Nebenstedt I), wollte vielleicht etwaige in böser Absicht anrudernde Krieger magisch erschrecken, sie ‚schlapp‘, d. h. wohl soviel wie ‚unmännlich‘ (argr) machen; […].“

    Dagegen schließen sich Antonsen (1975, 48[135]) und Peterson (2004, 16 f.[136]) der – auch von Olson vertretenen – Herleitung vom Adjektiv *þerb[137] an.

    Erhalt der germanischen Endsilben -az, -iz, -uz

    Neben Neuerungen, wie den gerade behandelten Umlautungen, die das Urnordische – und die anderen nordwestgermanischen Sprachen – vom Gotischen unterscheiden, haben sich im ältere Urnordisch aber andererseits auch einige Archaismen erhalten, die selbst die gotische Sprache nicht bewahrt hat – die das Urnordische also wiederum vom Gotischen unterscheiden[138]. So blieben die germanischen Endsilben -az, -iz, -uz im Urnordischen erhalten[139], wobei ein [z] (stimmhaftes s, wie in deutsch singen [im Unterschied zu dem s-Laut in deutsch Hass) zu [r] oder einem ähnlichen Laut (geschrieben bzw. z/R) wurde.

    Diese Endsilben setzen sich aus einem aus einem sog. Themavokal bzw. Stammsuffix und einer Flexions-Endung zusammen:

    „Die Wurzel und der Themavokal (= Stammsuffix) bilden den Wortstamm. Auf den Themavokal folgt die Flexionsendung, die Numerus und Kasus ausdrückt.“

    Schulte 2018, 66
    Germanische Substantive auf -iz, -uz (im Nominativ Singular)

    Antonsen (1975, 19–21) nennt sechs verschiedene Substantiv-Deklinationen und gibt für -a-s und -i-z (20) folgende Listen für den Nominativ Singular maskulin (der Unterschied zwischen leeren Feldern und dem waagerechten Strich in einem Feld wird nicht erklärt). Zu beachten ist, dass Antonsens Begriff von Nordwestgermanisch das ältere Urnordische einschließt.

    Proto-Indoeuropäisch Frühes Proto-Germanisch Nordwest-
    germanisch
    Ostgermanisch Westgermanisch Nordgermanisch Nordostgermanisch (East Nordic)
    *y-s *-i-z *-i-z -s
    *w-s- *u-z *u-z

    Ergänzt um Kroonen 2017, 170[140], 30[141] können außerdem folgende Listen erstellt werden ([auch] in dieser Tabelle sind in der Fußnote zu den altnordischen Wörtern die modernen isländischen, dänischen, norwegischen und schwedischen Entsprechungen genannt):

    proto-germanisch *gasti- ‘guest’ *ansu- ‘god’
    gotisch gasts ‘guest’ [142]
    aber:
    Nordwestgermanisch[143] *gastiz *ansuz ‘god’
    altnordisch gestr ‘guest’[144] áss, óss ‘god’[145]; vgl. Asen[146]
    färöisch gestur ‘guest’
    älvdalisch djdst ‘guest’
    altenglisch giest ‘guest’ ōs ‘god’
    altfriesisch jest ‘guest’
    altsächsisch gast ‘guest’ ōs ‘god’
    niederländisch gast ‘guest’[147]
    althochdeutsch > deutsch gast ‘guest’[148] > Gast[149] ans(i) prop.[150] ‘god’[151]
    • Das Stammsuffix -i- fiel also im Gotischen weg, blieb aber im Nordgermanischen und Urnordischen zunächst erhalten, fiel dann aber in späteren nord- und westgermanischen Sprachen (mit gewisser Ausnahme des Färöischen) ebenfalls weg.
    • Hinsichtlich der Flexions-Endung -z kam es im Gotischen zu einem Lautwandel zu -s, während es im Laufe der nordwestgermanisch/urnordischen Entwicklung zu einem Lautwandel von -z zur -r kam (dazu sogleich) und im Westgermanischen die Flexions-Endung ganz wegfiel.
    • Auch das Stammsuffix -u- blieb im Nordgermanischen und Urnordischen zunächst erhalten, fiel dann aber in späteren nord- und nordseegermanischen Sprachen weg.
    • Die Flexions-Endung nach Stammsuffix -u- fiel jedenfalls im Westgermanischen weg.
    Zeichnung der Kragehuler Lanzenschäfte von 1884

    Auch *gastiz und *ansuz (bzw. – nach abweichende Transliteration der Runen – am Ende mit R [statt z]) sind (wahrscheilich) als Namensbestandteile in Runen-Inschriften belegt: *gastiz wiederum als Teil der Goldhorn-Inschrift von Gallehus; *ansuz wahrscheilich als Teil der Inschriften in den Lanzenschaft von Kragehul und den Stein von Myklebostad. Zu letzterem schreibt Krause (1966, 179):

    „Faßt man R[une] 7 [der Stein-Inschrift] als ein symbolisches Zeichen oder irgendeine Marke […], so wäre das erste Wort A(n)sugas G.Sg. eines PN *A(n)sugaR mit der Grundbedeutung ‚der zu den Asen Gehörige‘ o.ä. Bei dieser Auffassung müßte mit R. 8 ein neues Wort beginnen, was aber mit dem Anfang iR… kaum möglich scheint. Faßt man dagegen R. 7 als d-Runo auf, ergibt der Komplex R. 1-9 einen PN in der Schreibung A(n)sugasdiR (mit sd für st wie gelegentlich in ahd. Handschriften) = aisl. *Ásgestr. Zum ersten Glied vgl. A(n)sugīsalas (G.Sg.) auf dem Lanzensehaft von Kragehul (oben Nr. 27).“

    Zu dem Personnnamen auf dem Lanzenschaft schreibt Krause (1966, 66):

    A(n)sugīsalas G.Sg. […] zu einem sonst nicht bezeugten Vollnamen, dessen 1. Glied ansu- ‚Ase‘, z.B. noch in urn. A(n)sugasdiR (unten Nr. 77 Myklebostad) begegnet, […].“

    Siehe außerdem zu den Namen in den beiden zuletzt genannten Inschriften Antonsen (1975, 36 – zum Kragehul spearshaft – und 46 – zu dem Stein von Myklebostad –) sowie Marie Stoklund,[152] und James E. Knirk[153] sowie Peterson (2004, 6, s.v. Ansugastiz und Ansugīsalas).

    Ein germanisches Substantiv auf -az (im Nominativ Singular)

    Ein Beispiel für ein masukulines Substantiv mit -az am Ende des Nominativs ist das (spät)germanische Wort für deutsch Tag; dazu kann – auf der Grundlage von Kroonen 2013, 86–87 (86[154]) sowie Euler 2022, 78 folgende Liste erstellt werden (siehe auch Orel 2003, 66, s. v. *đaʒaz; [auch] in der folgenden Tabelle sind in der Fußnote zu den altnordischen Wörtern die modernen isländischen, dänischen, norwegischen und schwedischen Entsprechungen genannt):

    (spät-)proto-germanisch *daga- ‘day’

    Nominativ Singular: *dagaz

    gotisch dags ‘day’
    aber:
    urnordisch *dagaR
    altnordisch dagr ‘day’[155]
    färöisch dagur ‘day’
    älvdalisch dag ‘day’
    altenglisch dæg (Kroonen), dag (Euler [implizit]) ‘day’ > day ‘day’
    altfriesisch dei ‘day’
    altsächsisch dag ‘day’
    niederländisch dag ‘day’[156]
    althochdeutsch > deutsch tac (Kroonen), tag (Euler)[157] ‘day’ > Tag ‘day’[158]

    Analog zu den beiden vorherigen Beispielen sehen wir:

    • Das a fiel im Gotischen weg, blieb aber im Urnordischen erhalten; später fiel es allerdings (mit gewisser Ausnahme des Färöischen) auch in den – dem Urnordischen nachfolgenden – nord- und westgermanischen Sprachen weg.
    • Das [z] wurde im Gotischen zu einem [s] und im Laufe der der urnordischen Entwicklung zu einem R-Laut und fiel später in den westgermanischen Sprachen weg.
    Resümee

    Aus den aufgezeigten Unterschieden (hinsichtlich der Substantiv-Endungen) zwischen dem sog. Urnordischen und den westgermanischen Sprachen folgt – gemäß dem oben referierten Argument von Antonsen (1975, 27)[159]nichts für die Frage nach dem spezifischen „nordischen“ Charakter des Urnordischen. Die Unterschiede zeigen nur, dass sich das Westgermanische vom Nordwestgermanischen wegentwickelte, aber keine Spezifik des frühen „Urnordisch“ gegenüber dem Nordwestgermanischen.

    Anzumerken ist noch: In der frühen Zeit ist die Abgrenzung zum Nordwestgermanischen, der gemeinsamen Vorstufe der nord- und der westgermanischen Sprachen (um das 1./2. Jahrhundert nach Christus), oft schwierig. Zum einen, da Runeninschriften erst ab dem 2./3. Jahrhundert vorliegen und zum andern, weil die das Urnordische gegenüber dem Nordwestgermanischen definierenden Veränderungen nicht sehr groß sind und sich allmählich vollzogen.

    Der Lautwandel /z/ > /R/ – Teil oder Ende des älteren Urnordisch?

    Was nun den Lautwandel von /z/ > /R/ anbelangt, so schreibt Grønvik (1998, 120 f.):

    „das Graphem [gemeint: die Rune ᛉ] [wird] gegen Ende der älteren Runenzeit (im 5. Jahrhundert) einen Vibranten bezeichnet haben, der keiner Auslautverhärtung ausgesetzt war und somit am besten als <R> transliteriert wird. Wir haben keine Anhaltspunkte für die Annahme, daß das Graphem im 3. Jahrhundert einen anderen Lautwert als im 5. Jahrhundert hatte. Vermutlich fand der Übergang /z/ > /R/ im nordischen Sprachraum ungefähr zur gleichen Zeit wie die Etablierung der Sprachstufe Urnordisch (I) statt, so daß dieser Übergang schon am Anfang der Runenüberlieferung vollzogen war (vgl. Grønvik 1981:42[160]). Beweisen läßt sich das allerdings nicht.“[161]

    (Grønvik [1998, 25] unterscheidet innerhalb des Urnordischen vier Sprachstufen I, IIa, IIb und III, von denen die älteste bis ca. 475/485 reicht und die jüngeren Stufen IIa, IIb und III bis 550 entstehen – nämlich um 550, um 525 und um 550).

    Demgegenüber ist Nielsen (2000, 33 f.) folgender Auffassung:

    „As will be shown in the research historical chapter which is to follow, the transliteration of ᛘ in the 24-letter futhark inscriptions has for long been a bone of contention. Although everybody is now agreed that in Early Runic ᛘ represents a sound (phoneme) different from that denoted by ᚱ r (/r/), Scandinavian runologists still prefer, […], to transliterate ᛘ by means of R, whereas linguists outside Scandinavia mostly render the rune by means of z (/z/). In this volume I transliterate ᛘ as z because (a) I am convinced that the phoneme underlying this letter during the Early Runic period was /z/, cf. § 3.3.1[162] and § 4.2.17[163]; and (b) ᛘ was used almost consistently until at least 700 (§ 6.4.2 (c)[164]), becoming (increasingly) confused with ᚱ only during the Viking age.“

    • Nach Auffassung von Grønvik (1998, 120 f.) hatte also das schon das ältere Urnordisch, zum Beispiel in Form des Lautwandel /z/ zu /R/, typisch nordische Züge herausgebildet,
    • während Nielsen (2000, 33 f., 32, 291) dies (sowohl die Datierung des Lautwandels /z/ > /R/ schon auf die Zeit des älteren Urnordisch als auch spezifisch nordische Züge des Urnordischen) verneint und das sog. ältere Urnordisch (von ihm Early Runic genannt), bloß als Vorstufe des nordgermanischen [Early Norse (North Germanic)] ansieht.

    Sprachbeispiele

    Goldhorn von Gallehus (Dänemark 5. Jahrhundert)

    Das vorstehend Ausgeführte lässt sich teilweise anhand der Inschrift auf einem der beiden Goldhörner, die in Gallehus[165], etwas nördlich der heutigen dänisch-deutschen Grenze, gefunden wurden, erläutern.

    Die Inschrift wurde wie folgt entziffert, transliteriert und in andere germanische Sprach(stuf)en übersetzt:

    J. R. Pauli[166] Zeichnung des Originals
    Titus[167] ᛖᚲ ᚺᛚᛖᚹᚨᚷᚨᛇᛏᛁᛘ::ᚺᛟᛚᛏᛁᛃᚨᛘ::ᚺᛟᚱᛅᚨ::ᛐᚨᚹᛁᛞᛟ
    ebd. Transliteration EK HLEWAGASTIZ HOLTIJAZ HORNA TAWIDO
    Schulte 2018, 22 ek HlewagastiR HoltijaR horna tawidō
    Nielsen 2000, 78 ek hlewagastiz holtijaz horna tawido
    Schulte 2018, 22 dt. Übersetzung Ich HlewagastiR, aus Holt (oder: Holtes Sohn oder: Kurzname [Hinweis Robert Nedoma]) machte [das] Horn
    Nielsen 2000, 78 engl. Übersetzung I, Hlewagastiz, son of Holt, made the horn
    Hypothetischer Wortlaut des Satzes, wenn er im Proto-Germanischen, Gotischen oder Altnordischen usw. geschrieben worden wäre:
    Andersson 2006, 560 eine frühere germ. Sprachstufe *eka Hlewagastiz Hultijaz hurnam tawiðōm
    Nielsen 2000, 78 eine spätere germ. Sprachstufe[168] *ek hlewagastiz hultijaz hurnan tawiđōn
    Schulte 2018, 22 germ. (ca. 500 v. u. Z.) *ek(a) Hlewagastiz Hultijaz hurnan tawidon
    got. (ca. 300 n. u. Z.) *Ik Hliugasts Hulteis haúrn tawida
    altnord. (ca. 1000 n. u. Z.) *ek Hlégestr Hyltir [*Høltir] horn gørða [*táða]
    Nielsen 2000, 78 gotisch *ik hliugasts hulteis haúrn tawida
    altnordisch *ek hlégestr hyltir horn gørða [táða]
    altenglisch *ic hlēogiest hylte horn tāwode
    altfriesisch *ik hlī-iest helte horn tīwade
    altsächsisch *ik hleogast hulti horn tōida
    althochdeutsch *ih [hleo] gast hulzi horn zawita

    Abgesehen von den Unterschieden zwischen den verschiedenen Quellen[169] sehen wir jedenfalls folgendes:

    • Aus dem u in proto-germanisch *Hultijaz hurnam ist im älteren Urnordischen ein o geworden: holtijaz horna.[170] Das a in dem proto-germanischen bzw. urnordischen Wort für Horn ist aber erhalten geblieben.
    • Wäre der Satz dagegen auf Gotisch geschrieben worden, wäre dagegen das u erhalten geblieben und das a weggefallen: *Hulteis haúrn.
    • In den späteren nord- und westgermanischen Sprachstufen (Altnordisch, Altenglisch, Altfriesisch und Althochdeutsch) fällt dann das a am Ende des Wortes für Horn (wie im Gotisch) ebenfalls weg; aber in den genannten west- und nordgermanischen Sprachen steht – wie im Urnordischen – statt des germanischen u ein o in dem Wort für Horn.
    • Schließlich: „Unlike Gothic, in which the Gmc. nsm. [nominative singular masculine] case-suffix *-z had become devoiced (-s), Old Norse has rhotacised the ending to -r, while the West Gmc. languages show no trace of any nsm. case-marker.“ (Nielsen 2000, 79)


    Brakteat von Tjurkö (Schweden 5. Jahrhundert)

    Weitere Informationen Urnordisch, Deutsch ...
    Urnordisch Deutsch
    wurte runoR an walhakurne. HeldaR kunimu(n)diu Ich fertigte die Runen auf „fremdem Korn“ (= Gold). Held für Kunimund.
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    Runenstein von Kjølevik (Norwegen 1. Hälfte 5. Jahrhundert)

    Weitere Informationen Urnordisch, Deutsch ...
    Urnordisch Deutsch
    hadulaikaR. Ek hagusta(l)daR hlaaiwido magu minimo Hadulaik (liegt hier begraben). Ich Hagustald begrub meinen Sohn.
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    Übergang zum Altnordischen / Synkopezeit

    Auch ein Autor wie Schulte (2018), der die Bezeichnungen „Frühurnordisch“ (ca. 200[171] – ca. 500) und „Späturnordisch“ („6. und 7. Jahrhundert“) (14) verwendet, betont die Tiefe des Einschnitts der nicht schon beim Übergang vom Nordwestgermanischen zum sog. Frühurnordischen, sondern erst nach 500 stattfand:

    „Die Synkopezeit[172] zwischen 500 und 700/800 n. Chr. ist eine Periode strukturellen Wandels. […]. Diese […] auch als ‚stürmisches Jahrhundert‘ bezeichnete Phase der nordischen Sprachentwicklung kennzeichnet ein umfassender ‚code-shift‘ (vgl. Sigurd 1961). Der dänische Sprachforscher Peter Skautrup (1944/1: 80) bemerkt zur späturnordischen Periode: ‚Sproget er i periodens sidste århundreder undergået ændringer i karakter og omfang som aldrig siden‘ [‚Die Sprache ist in den letzten Jahrhunderten dieser Periode Änderungen in einem Charakter und Umfang ausgesetzt wie nie mehr später‘].“

    Schulte 2018, 44, 45

    Synkope

    Die Verkürzung unbetonter Silben durch Ausfall des Vokals, Synkope genannt, ist die wichtigste und auffälligste Veränderung des jüngeren Urnordisch.[173] Infolgedessen sind kurze, unbetonte Vokale im Wortinneren und oft auch in Endsilben verschwunden. Nach dieser Entwicklung gab es nur noch Vokale, die entweder lang oder betont waren, außerdem wurden viele lange Vokale verkürzt. Insgesamt wurden infolge der Synkope viele urnordische Wörter deutlich kürzer. So wurde der (männliche) Vorname HaþuwulfaR im Altnordischen zu Hálfr.[174] – Weitere Fälle von Synkope, genauer gesagt: teilweise Apokope,[175] wurden oben bereits angeführt:

    Proto-Germanisch (älteres) Urnordisch Altnordisch
    *hurna- horna horn
    *hulta- holt
    *gasti- gastiz bzw. gastiR[176] gestr
    *daga- *dagaR dagr

    Die späturnordischen Umlautungen

    Neben der Synkope waren der horizontale i-Umlaut sowie der u-Umlaut die wichtigste Veränderung in dieser Zeit. Der Umlaut muss vor der Synkope geschehen sein, weil er die später weggefallenen Vokale in der unbetonten Folgesilbe voraussetzt. Beispiele für den Umlaut sind:

    Horizontaler i-Umlaut

    Auch der i-Umlaut kann als Assimilationsprozess beschrieben werden: Das i ist ein sog. vorderer oder Vorderzungenvokal; der Assimilationsprozess besteht nun darin, dass vor dem i stehende Vokale durch den Einfluss des i ebenfalls nach vorne verlagert werden – so wird zum Beispiel o zu œ:

    „Dieser ‚horizontale Umlaut‘ färbt die hinteren und tiefen Wurzelvokale u, o, a und den Diphthong au, so dass diese palatalisiert werden. Hierbei handelt es sich um einen qualitativen Assimilationsprozess, bei dem ein hoher Vorderzungenvokal oder Halbvokal (i, i, j) einen Hinterzungenvokal umfärbt (vgl. Tab. 15[177]).“

    Schulte 2018, 54

    Dem gemäß ist der urnordische Verläufer des altnordischen Wort dœma als *dōmian („urteilen“) zu rekonstruieren. Aus dem langen o wurde also ein ö-Laut (das heißt: die Zungenposition bei Aussprache veränderte sich in der Waagerechten), der im Altnordischen œ geschrieben wird. Der Grund für diese Veränderung ist der i-Umlaut, also der Einfluss des i, das später als Folge der Synkope wegfiel.[178]

    u-Umlaut

    Der u-Umlaut bewirkt unter anderem eine Labialisierung von davorstehendem /a/ zu ǫ (ein halb-offener o-Laut wie in deutsch offen [im Unterschied zu dem o in deutsch Bote][179], Zeichen im Internationalen Phonetischem Alphabet: [ɔ]):

    „Der u-Umlaut ist der jüngste aller bisher genannten Umlaute. Dieser Assimilationsprozeß labialisiert unter anderem den Wurzelvokal /a/ zu an. ǫ (ein offener o-Laut, der mit dem IPA-Zeichen [ɔ] wiedergegeben wird). Phonetisch gesehen handelt es sich um die Vokalfärbung des tiefen Vokals /a/ durch den unbetonten, gerundeten Vokal /u/ oder den Halbvokal /w/ mit dem Merkmal der Lippenrundung (siehe Tab. 19[180]).“

    Schulte 2018, 59
    Weitere Informationen Vokale ...
    Vokale
      vorne   zentral   hinten
     geschlossen
    iy
    ɨʉ
    ɯu
    ɪʏ
    ʊ
    eø
    ɘɵ
    ɤo
    ə
    ɛœ
    ɜɞ
    ʌɔ
    æ
    ɐ
    aɶ
    ɑɒ
     fast geschlossen
     halbgeschlossen
     mittel
     halboffen
     fast offen
     offen
    Bei Symbolpaaren (u  g) steht das linke Symbol für den
    ungerundeten, das rechte Symbol für den gerundeten Vokal.
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    Um einen Assimilationsprozess handelt es sich hier insofern, als das a ein (vollständig) offener Vokal ist. Das halb-offene ǫ ist dem geschlossen u also ähnlicher als das offene a. Außerdem sind ǫ und u beides gerundete Vokale.

    Ein Beispiel für diesen Prozess ist das urnordische Wort *maguR („Junge“), das im Altnordischen als mǫgr erscheint.[181] Wir sehen an dem Beispiel außerdem, dass das u selbst schließlich der Synkope zu Opfer.

    Brechung

    Die sog. „Brechung“ ist eine Sprachveränderung, die ebenfalls in der Synkopezeit stattfand und die in bestimmten Fällen einen Vokal in zwei Vokale aufspaltet, ohne dass aber zwei Silben entstehen (Hiatus) – vielmehr handelt es sich bei den beiden neuen Vokalen um einen Diphthong:

    “Die Brechung spaltet den Kurzvokal /e/ vor unbetontem /a/ und /u/ zu ja bzw. , vgl. urn. *ferþuR > an. fjorðr M. 'Fjord'.”[182]

    Bei der Brechung sieht man bereits Unterschiede zwischen den einzelnen urnordischen Dialekten[183] und dementsprechend auch zwischen den späteren nordgermanischen Sprachen (Schwedisch, Dänisch, Norwegisch [Isländisch, Färöisch]). So wurde das urnordische Wort *eka („ich“) wurde zu jak im Altostnordischen und ek im Altwestnordischen. In beiden Fällen verschwand das a als Folge der Synkope.

    • Die gebrochene östliche Form, jak, ist der Vorläufer des schwedischen jag und des dänischen jeg.
    • Die ungebrochene westliche Form entwickelte sich weiter zu norwegisch (Nynorsk) und färöisch eg sowie isländische ég.[184]

    Auswirkungen auf die Deklination

    Die Lautveränderungen in der Synkopezeit führten dazu, dass die Flexion (Beugung) einiger Wörter verändert wurde. Diese Veränderung kann als Verlagerung grammatischer Informationen beschrieben werden:

    „Die Information, die ursprünglich durch die Endsilben ausgedrückt wurde, wird durch Umlaut und Brechung auf die betonten Wurzelsilben übertragen.“

    Schulte 2018, 45

    Bestimmte Vokale in den Endungen führten in der Nominalflexion dazu, dass einiger Wörter – je nach Kasus – wechselnde Vokale im Stamm aufweisen. Das folgende Beispiel zeigt, wie sich die Formen des altnordischen Wortes vǫttr (= englisch glove [Orel 2003, 447]) – laut Rekonstruktion – aus dem urnordischen Wort *wantuR durch i-Umlaut und u-Umlaut entwickelten; als proto-germanischen Etymon wird *wantuz rekonstruiert, für das aber nur ein überliefertes verwandtes Wort gibt (nämlich niederdeutsch want), dessen Bedeutung noch dazu unklar ist[185]. Das altwestnordische Wort vǫttr bekam auf diese Weise eine komplizierte Flexion, mit Wechsel von a, e und ǫ in der Stammsilbe.[186]

    Ein Beispiel für die Auswirkungen der Umlautungen auf die Deklination

    Weitere Informationen Kasus und Numerus, Urnordisch ...
    Kasus und NumerusUrnordischAltnordischErläuterungen
    Nom. Sg.*wantuRvǫttru-Umlaut: Das u labialisiert a zu ǫ. / Das (niederige Zungenlage) wird zu ǫ, also dem u (hohe Zungenlage) angenähert.
    Akk. Sg.*wantuvǫttdito.
    Dat. Sg.*wantiuvettivertikaler i-Umlaut: Das a (niederige Zungenlage) wird zu e, also dem i (hohe Zungenlage) angenähert.
    Gen. Sg.*wantôRvattar
    Nom. Pl.*wantiuRvettirvertikaler i-Umlaut: Das a (niederige Zungenlage) wird zu e, also dem i (hohe Zungenlage) angenähert.
    Akk. Pl.*wantunRvǫttuu-Umlaut: Das u labialisiert a zu ǫ. / Das (niederige Zungenlage) wird zu ǫ, also dem u (hohe Zungenlage) angenähert.
    Dat. Pl.*wantum(i)Rvǫttumdito.
    Gen. Pl.*wantôvatta
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    Ein Beispiel für die Auswirkungen von Brechungen und vertikaler i-Umlautung auf die Deklination

    Ein weiteres Deklinationsbeispiel gibt Schulte (2018, 45):

    Weitere Informationen Kasus und Numerus, Urnordisch ...
    Kasus und Numerus Urnordisch Altnordisch Erläuterungen
    Singular
    Nominativ *ferþuR fjǫrðr u-Brechung: e > .
    Akkusativ *ferþu fjǫrðr dito.
    Genitiv *ferþōR fjarðar a-Brechung: e > ja.
    Dativ *ferþiu firði vertikaler i-Umlaut: Das e (mittlere Zungenlage) wird dem dem i (hohe Zungenlage) vollständig angepasst.
    Plural
    Nominativ *ferþiur firðir vertikaler i-Umlaut: Das e (mittlere Zungenlage) wird dem dem i (hohe Zungenlage) vollständig angepasst.
    Akkusativ *ferþun(n) fjǫrðu u-Brechung: e > .
    Genitiv *ferþōn fjarða a-Brechung: e > ja.
    Dativ *ferþumR fjǫrðum u-Brechung: e > .
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    Sprachbeispiele

    Amulett von Lindholmen (6. Jahrhundert)

    Weitere Informationen Urnordisch, Deutsch ...
    Urnordisch Deutsch
    ek erilaR sawilagaR ha(i)teka Ich, der Runenmeister, der Schlaue heiße ich.
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    Runenstein von Björketorp (8. Jahrhundert)

    Weitere Informationen Urnordisch, Deutsch ...
    Urnordisch Deutsch
    uþarabaspa. sar þat barutR uti aR weladaude. HaeramalausR gunarunaR arageu falahak haderag, haidRuno ronu. Unglücksprophezeiung! (Demjenigen), der dies bricht, ist tückischer Tod bevorstehend. Ohne Schaden habe ich die Großrunen der Hexerei eingegraben, (wie auch) die Reihe der Ehrenrunen.
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    „Urnodisch“ und alternative Konzepte

    Auch wenn das Konzept des Urnordischen in den letzten Jahrzehnten in Kritik geraten ist, so besteht keinesfalls Einigkeit, was an dessen Stelle treten sollte: „Die Ausgliederung des Germ[anischen] […] gehört zu den umstrittensten Fragen der germ. Sprachforsch.“ (Andersson 2002, 290; 2012, 224) Es folgt daher nebenstehend ein tabellarischer Überblick über die verschiedenen Bezeichnungs- und Abgrenzungsvorschläge.

    Übersicht über unterschiedliche Auffassungen zur germanischen Sprachentwicklung insb. von ca. 200–800 n. u. Z.

    Die Tabelle ist wie folgt zu lesen:

    • In Zeile 1 (a und b):
      • Skautrup (Zeile 1) bezeichnet (Spalte 2) die Sprache der Zeit von 200 bis 600 n. u. Z. (Spalte 3) als Ældere Urnordisk und die Sprache der Zeit von 600 bis 800 als Yungre Urnordisk.
      • Folglich hat das Ældere Urnordisk (Zeile 1a / Spalte 2) nach Auffassung von Skautrup das Yungre Urnordisk als Nachfolger (Spalte 6); und das Yungre Urnordisk (Zeile 1b / Spalte 2) hat das Ældere Urnordisk als Vorgänger (Spalte 5).
      • Das Yungre Urnordisk hat seinerseits – so wohl (daher das Fragezeichen) die Auffassung von Skautrup – das Gotonordische als Vorgänger (Spalte 5); und das Yungre Urnordisk (Zeile 1a / Spalte 2) hat seinerseits (unter anderem) das Olddansk (Runendansk) als Nachfolger, so Skautrup.
      • Das Ældere Urnordisk und Yungre Urnordisk sind beide (zeitliche) Teilmengen des Urnordisk, das seinerseits nach Skautrups Auffassung eine Teilmenge der nordgermanischen Sprachen ist.
    • In Zeile 9 (a und b):
      • Nielsen (Zeile 9) bezeichnet (Spalte 2) die Sprache der Zeit von 200 bis 500 (Spalte 3) als Early Runic und die Sprache der anschließenden Zeit als Early North (North Germanic).
      • Vorgängerin des Early Runic ist nach Auffassung von Nielsen das North-West Germanic.
      • Das Early Runic weist nach Auffassung von Nielsen noch keine spezifisch nordischen/nordgermanische Merkmale auf – auch wenn es ausschließlich Vorgängerin-Sprache des Early North (North Germanic) ist –, sodass es noch nicht als nordgermanisch (sondern nur als Vorstufe des Nordgermanischen) zu klassifizieren ist, sodass das Early Runic nach Auffassung von Nielsen also keine Teilmenge der nordgermanischen Sprachen, sondern der Gesamtheit der nordgermanischen und nordseegermanischen Sprachen ist (siehe Nielsen 2000, 289: Gruppe II).
    • usw.

    Die Tabelle beginnt mit den drei schon in der Tabelle von Einar Haugen (1984, 116 f.) genannten Autoren Skautrug, Wesseén und Seip und setzt dann mit den ziemlich ähnlichen Auffassungen von Odd Einar Haugen sowie Torp/Vikør fort. Dann geht es mit der Begrifflichkeit von Einar Haugen und anderen Autoren, die die Bezeichnung „Urnordisch“ vermeiden, weiter (Zeile 6–9) und fast am Ende (Zeile 10, 11 und 12) sind zunächst (Zeile 10 & 11) zwei neuere Veröffentlichungen genannt, die zwar die Bezeichnung „Urnordisch“ verwenden, aber trotzdem von einer nordwestgermanischen Phase ausgehen. Des Weiteren ist noch (in Zeile 12) eine Veröffentlichung von 2012 erwähnt, die ebenfalls die Bezeichnung „Urnordisch“ beibehält, eine nordwerstgermanische Phase nicht erwähnt und die dem Urnordischen nachfolgende Phase in Altdänisch, Altschwedisch und Altnordwestnordisch aufgliedert. Schließlich – Zeile 13, die die Auffassung von Andersson (2006, 562) darstellt, der die Bezeichnung „Urnordisch“ für die Zeit bis ca. 500 reservieren und die Sprache der Zeit von ca. 500 bis ca. 800 „Gemeinnordisch“ nennen möchte.

    Siehe auch

    Literatur

    Datenbanken

    Wörterbücher und Wortlisten

    Mit urnordischen Stichwörtern

    Das unten genannte Buch von Antonsen (2002; engl.) enthält auf S. 371–374 einen Index of runic words und das untengenannte Buch von Nieslen (2000; engl.) enthält auf S. 421–445 einen Index, in dem die transliterierten runic entries fett hervorgehoben sind[187].

    Mit Stichwörtern in anderen Sprachen

    (als Stichwörter dienen Wörter des Finnischen oder anderer ostseefinnischer Sprachen[191]; „Nach 500 nach Christi Geburt entlehnte Wörter werden nur ausnahmsweise berücksichtigt, zum Beispiel dann, wenn in der Forschung mit früherer Entlehnung gerechnet worden ist.“ [Bd. I, S. XXIIV]. „Das Tilde-Zeichen verbindet die urfinnische Rekonstruktion mit dem germanischen Wortmaterial; es bedeutet nicht, daß das ihm folgende Material die Quelle des ostseefinnischen Lexems sein muß, sondem mit diesem Lexem verbunden worden oder aber zu verbinden ist. Dem belegten germanischen Vergleichsmaterial gehen urgermanische und urnordische Rekonstruktionen voraus. Wenn ein urnordisches Wort in Runeninschriften belegt ist, wird statt einer Rekonstruktion das belegte Wort erwähnt.“ [S. XXVIII] „Am Ende eines jeden Wortartikels wird angegeben, ob das behandelte Wort nach dem Dafürhalten der Bearbeiter des vorliegenden Werkes ein germanisches Lehnwort ist.“ [S. XXIX]).

    • Guus Kroonen: Etymological Dictionary of Proto-Germanic. Brill, Leiden/Boston 2013 (Das Wörterbuch nimmt keine besondere Rücksicht auf das Urnordische, erschließt aber – ausgehend von rekonstruierten proto-germanischen Formen – einzelsprachliche [einschl. altnordische] Verwandte; die verschiedenen Register am Ende des Buches ermöglichen, auch ausgehend von Wörtern moderner Sprachen nach rekonstruierten proto-germanischen Formen zu suchen. Kroonen verwendet Wortstämme als Lemmata, wie an den Bindenstrich an deren Ende zu sehe ist).
    • Vladimir Orel, A Handbook of Germanic Etymology. Brill, Leiden / Boston, 2003 () Orel verwendet – im Unterschied zu Kroonen – Wörter [ohne Bindestrich am Ende] als Lemmata.[192] Statt g und h schreibt Orel ʒ und χ[193] bzw. bei den Lemmata x.)
    • Etymologisches Wörterbuch des Althochdeutschen.
    • Band I (-a - bezzisto) von Albert L. Lloyd und Otto Springer. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen / Zürich 1988 (ISBN 978-3-525-20767-3)
    • Band II (bî - ezzo) von Albert L. Lloyd, Rosemarie Lühr und Otto Springer † unter Mitwirkung von Karen K. Purdy. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen / Zürich 1998 (ISBN 3-525-20768-9)
    • Band III (fadum - fûstslag) von Albert L. Lloyd, Rosemarie Lühr unter Mitarbeit von Gerlinde Kohlrusch, Maria Kozianka, Karen K. Purdy und Roland Schuhmann. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007 (ISBN 978-3-525-20769-7)
    • Band IV (gâba - hylare) von Albert L. Lloyd, Rosemarie Lühr unter Mitarbeit von Gerlinde Kohlrusch, Maria Kozianka, Karen K. Purdy und Roland Schuhmann. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2009 (ISBN 978-3-525-20770-3)
    • Band V (iba - luzzilo) unter der Leitung von Rosemarie Lühr erarbeitet von Harald Bichlmeier, Maria Kozianka und Roland Schuhmann mit Beiträgen von Albert L. Lloyd unter Mitarbeit von Karen K. Purdy. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2014 (ISBN 978-3-525-20771-0)
    • Band VI (mäda - püzza) unter der Leitung von Rosemarie Lühr erarbeitet von Harald Bichlmeier, Maria Kozianka, Roland Schuhmann und Laura Sturm. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2017 (ISBN 978-3-525-20772-7)
    • Band VII von unter der Leitung von Rosemarie Lühr erarbeitet von Dagmar S. Wodtko (Arbeitsstellenleitung), Harald Bichlmeier, Maria Kozianka und Roland Schuhmann. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2021 (ISBN 978-3-525-20358-3)
    • Band VII (skebidîg - swummôd) unter der Leitung von Rosemarie Lühr erarbeitet von Dagmar S. Wodtko (Arbeitsstellenleitung), Harald Bichlmeier, Maria Kozianka und Roland Schuhmann. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2024 (ISBN 978-3-525-20039-1)
    (zitiert als EWA + Band (Erscheinungsjahr des gedruckten Bandes), s. v. Stichwort; Hyperlink zum online-Artikel).
    Im Vorwort zu Band I (S. VII–X [VIII]) hieß es: „Das Wörterbuch soll nicht nur als Nachschlagewerk dienen für jeden, der sich für die Etymologie eines bestimmten althochdeutschen Wortes interessiert, sondern auch als grundlegender Beitrag zur Wissenschaft von germanischer und indogermanischer Etymologie überhaupt. Zu diesem Zwecke werden ausgiebige Listen von verwandten Wörtern in anderen germanischen und indogermanischen Sprachen aufgeführt nebst bibliographischen Hinweisen auf Quellen sowie Erörterungen möglicher oder umstrittener Zusammenhänge.“ Zu den „verwandten Wörtern in anderen germanischen und indogermanischen Sprachen“ zählen auch in Runen geschriebene Wörter; das Abkürzungsverzeichnis in Band I (S. XIII–XVI [XV]) enthält eine Abkürzung „run. = runisch“. Das Abkürzungsverzeichnis (https://ewa.saw-leipzig.de/help/abbreviations/de) für die online-Version des Wörterbuchs (https://ewa.saw-leipzig.de/de), die bisher bis zum Ende von Band VII reicht, nennt außerdem die Abkürzungen („run.-adän.“ usw.) für „runisch-altdänisch“, „runisch-altfriesisch“, „runisch-altschwedisch“, „runisch-dänisch“, „runenschwedisch“, „runennord.“, „runisch-norwegisch“ und „runisch-westgermanisch“. Die Volltextsuche nach „run.“ in der online-Version des Wörterbuchs ergibt zur Zeit 172 Treffer, darunter auch solche für „run.-dän.“ usw.
    Zu der online-Version heißt es auf der Website: „Diese Webseite und die von ihr verwendete digitalisierte Datenbasis befindet sich noch in aktiver Entwicklung. Dies betrifft insbesondere auch die Suchfunktion und die Vollständigkeit der internen Verlinkung zwischen den Wörterbucheinträgen sowie der Verlinkung mit externen Quellen. […]. In diese Online-Ausgabe sind eine Vielzahl manueller Korrekturen der Wörterbucheinträge eingeflossen. Dies beinhaltet die Korrektur von Errata sowie die Anpassung verwendeter Abkürzungen, die in den verschiedenen Bänden nicht durchgehend einheitlich verwendet wurden. […]. Bitte beachten Sie, dass die hier bereitgestellten Bände weiterhin aufbereitet werden, so dass sich die konkrete Darstellung und vorhandenen Text-Annotationen über die Zeit ändern können.“ (https://ewa.saw-leipzig.de/help/online_hints/de)

    Weitere (allgemein-sprachwissenschaftliche) Literatur

    Das Literaturverzeichnis ist im folgenden nach Sprachen gegliedert und innerhalb der Sprachen von neu nach alt sortiert.

    Auf Deutsch

    • Elvira Glaser: Urgermanisch. In: Glück/Rödel 2024, S. 703–704.
    • Felicitas Kleber / Bernd Pompino-Marschall: Umlaut. In: Glück/Rödel 2024, S. 697.
    • Ludwig Rübekeil: Urnodisch. In: Glück/Rödel 2024, S. 704.
    • Helmut Glück, Michael Rödel (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. Metzler, Berlin 20246.
    • Wolfram Euler: Das Westgermanische. Von der Herausbildung im 3. bis zur Aufgliederung im 7. Jahrhundert – Analyse und Rekonstruktion. Verlag Inspiration Unlimited: Berlin, 20131, 20222. erw. u. verb., ISBN 978-3-945127-41-4 (v. a. S. 16–39, 58 f. und 69 f.).
    • Michael Schulte: Urnordisch. Eine Einführung. Praesens Verlag, Wien 2018, ISBN 978-3-7069-0951-8.
    • Elmar Seebold, Die Aufgliederung der germanischen Sprachen. In: NOWELE. North-Western European Language Evolution 2013, 55–77.
    • Katharina Baier, Werner Schäfke: Altnordisch. Eine Einführung. Narr Francke Attempto, Tübingen, 2012 [Achtung! Das Buch beschäftigt sich v. a. mit dem Alt- (nicht: Ur-)nodischen, enthält aber auch Informationen zum Urnordischen.]
    • Thorsten Andersson: Der nordgermanische Sprachzweig. In: Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer (Hrsg.): Altertumskunde – Altertumswissenschaft – Kulturwissenschaft. Erträge und Perspektiven nach 40 Jahren Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. de Gruyter, Berlin/Boston 2012, S. 215–244.
    • Hadumod Bußmann (Hrsg.): Lexikon der Sprachwissenschaft, Kröner: Stuttgart, 20084.
    • Elmar Seebold: Westgermanische Sprachen. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Band 33. de Gruyter, Berlin / New York 20062, S. 530–536.
    • Thorsten Andersson: Urnordische Sprache. In: ebd., Band 31. 20062, 559–562.
    • ders.: Nordgermanische Sprachen. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Einundzwanzigster Band. de Gruyter, Berlin / New York 20022, 289–306.
    • Ottar Grønvik: Untersuchungen zur älteren nordischen und germanischen Sprachgeschichte. Peter Lang, Frankfurt am Main / Berlin / Bern / New York / Paris / Wien 1998.
    • Herbert Penzl: Runengermanisch. Zur Geschichte einer ‚Trümmersprache‘. In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 1995, S. 369–380 (doi:10.1515/bgsl.1995.1995.117.369).
    • Hanne Neumann, S. Nowak, Klaus Düwel: Katalog zur Ausstellung Schmuck und Waffen mit Inschriften aus dem ersten Jahrtausend (7.8.1995–6.9. 1995). Kunstsammlung der Universität, Göttingen 1995 (Inhaltsverzeichnis: https://www.gbv.de/dms/goettingen/188724621.pdf).[194]
    • Edith Marold / Christiane Zimmermann[195] (Hg.), Nordwestgermanisch, de Gruyter, Berlin / New York 1995 (doi:10.1515/9783110907698).
    • Thomas Klein: Zu horna und zur sprachlichen Einordnung der Gallehus-Inschrift. In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 1992, S. 212–226.
    • Herbert Penzl: Die Gallehusinschrift: Trümmer der nordisch-westgermanisch Ursprache. In: Heinrich Beck (Hrsg.): Germanische Rest- und Trümmersprachen. de Gruyter, Berlin / New York 1989, 87–96 (doi:10.1515/9783110864717.87).
    • ders: Zur gotischen Urheimat und Ausgliederung der germanischen Dialekte. In: Indogermanische Forschungen 1985, S. 147–167.
    • Einar Haugen, Die skandinavischen Sprache. Eine Einführung in ihre Geschichte. Buske, Hamburg 1984 (überarbeitete Fassung von: Haugen 1976 [engl.][196])
    • Wolfgang Krause: Die Sprache der urnordischen Runeninschriften. Winter, Heidelberg 1971, ISBN 3-533-02178-5; https://archive.org/details/diesprachederurn0000unse/page/n6/mode/1up (online-Ausleihe erfordert kostenlose account-Einrichtung).
    • Didrik Arup Seip: Norwegische Sprachgeschichte. Bearbeitet und erweitert [und anscheinend auch übersetzt] von Laurots Saltveit (= Grundriß der germanischen Philologie. Bd. 19). de Gruyter, Berlin / New York, 1971 (vgl. Seip 1955 [dän.]).
    • Elias Wessén: Schwedische Sprachgeschichte. Band I: Laut- und Flexionslehre (= Grundriß der germanischen Philologie. Bd. 18.1). de Gruyter, Berlin 1970 (vgl. Wessén 1965 [schwed.]).
    • Hans Kuhn: Kleine Schriften. Aufsätze und Rezensionen aus den Gebieten der germanischen und nordischen Sprach-, Literatur- und Kulturgeschichte. Band 1: Sprachgeschichte, Verskunst. de Gruyter, Berlin, 1969.
    • ders.: Zur Gliederung der germanischen Sprachen. In: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur Bd. 86 (1955/56), 1–47[197] (= Kuhn 1969, 246–290; doi:10.1515/9783110817348.246).
    • ders.: [Rezension zu: Ernst Schwarz: Goten, Nordgermanen, Angelsachsen. Francke, Bern und Lehnen, München 1951.] In: Anzeiger für deutsches Altertum und deutsche Literatur[198] 66 (1952/53), S. 45–521 (= Kuhn 1969, 196–204; doi:10.1515/9783110817348.196).
    • Siegfried Gutenbrunner: Historische Laut- und Formenlehre des Altisländischen. Zugleich eine Einführung in das Urnordische. Winter, Heidelberg 1951.
    • Hans Kuhn: [Rezension zu: Friedrich Maurer: Nordgermanen und Alemannen. Hünenburg, Straßburg 1943.] In: Anzeiger für deutsches Altertum und deutsche Literatur 63 [1944], S. 4–13.

    Auf Englisch

    • Frederik Hartmann: Germanic Phylogeny (Oxford Studies in Diachronic and Historical Linguistics). Oxford University Press, Oxford 2023, ISBN 978-0-19-887273-3.
    • Irene García Losquiño[199]: The Early Runic Inscriptions. Their Western Features, Peter Lang: New York 2015, ISBN 978-1-4539-1349-9.
    • Donald Ringe: The development and diversification of Northwest Germanic. In: ders. / Ann Taylor: The Development of Old English. Oxford University Press, Oxford 2014 (doi:10.1093/acprof:oso/9780199207848.001.0001), S. 10–40 (= Chapter 2).
    • Patrick V. Stiles: Older Runic Evidence for North-West-Germanic a-Umlaut and ‚the Converse of Polivanov’s Law‘. In: Philomen Probert / Andreas Willi (Hrsg.): Laws and Rules in Indo-European. Clarendon Press, Oxford 2012, 43–60.
    • Elmer H. Antonsen: Runes and Germanic Linguistics. Mouton de Gruyter, Berlin / New York 2002 (doi:10.1515/9783110885521.17).
    • Hans Frede Nielsen: Nordic-West Germanic relations. In: Bandle et al. 2002, S. 548–568 (doi:10.1515/9783110197051-064).
    • ders.: Delimitation of Ancient Nordic from Common Germanic and Old Nordic. In: Bandle et al. 2002, S. 615–619 (doi:10.1515/9783110197051-070).
    • Oskar Bandle et al. (Hrsg.): The Nordic Languages. An International Handbook of the History of the North Germanic Languages (= Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft. Bd. 22). de Gruyter, Berlin / New York 2002 (doi:10.1515/9783110197051 und doi:10.1515/9783110197068).
    • Hans Frede Nielsen: The Early Runic Language of Scandinavia. Winter, Heidelberg 2000, ISBN 3-8253-1080-9.
    • Enver Achmedovich Makaev: The Language ofthe Oldest Runic Inscriptions. A Linguistic and Historical-philological Analysis (= Kungl[iga] Vitterhets Historie och Antikvitets Akademiens handlingar. Filologisk-filosofiska serien. Band 21). Translated by John Meredig in consultation with Elmer H. Antonsen. Almquist & Wiksell, Stockholm, 1996; Inhaltsverzeichnis: https://www.gbv.de/dms/bowker/toc/9789174022599.pdf (Übersetzung von Makaev 1965 [russisch]).
    • G. Thórhallsdóttir [d. h.: Guðrún Þórhallsdóttir[200] ]: Norse and Icelandic. In: R[oland] E. Asher: The Encyclopedia of Language and Linguistics. Bd. 5, Pergamon Press, Oxford / New York / Seoul / Tokyo 1994, S. 2835–2837.
    • Frans Van Coetsem: The Vocalism of the Germanic Parent Language. Winter, Heidelberg 1994.
    • Elmer H. Antonsen: The earliest attested Germanic language, revisited. In: NOWELE. North-Western European language evolution 1994, S. 41–68 (doi:10.1075/nowele.23.02ant); überarbeitet in: ders. 2002, 17–36.
    • Einar Haugen: The Scandinavian Languages. An Introduction to their History. Faber & Faber, London 1976.
    • Elmer H. Antonsen: A Concise Grammar of the Older Runic Inscriptions. Niemeyer, Tübingen 1975.
    • ders.: On Defining Stages in Prehistoric Germanic. In: Language Vol. 41, No. 1 (Jan. - Mar., 1965), 19 - 36 (https://www.jstor.org/stable/411849).
    • Bengt Sigurd: The Code-shift in Old Norse. In: Studia linguistica 1961, 10–21.

    Auf Dänisch

    • Ebba Hjorth (Hovedradaktør): Dansk Sproghistorie. Bind 2: Ord for ord for ord, Danske Sprog- og Litteraturselskab / Aarhus Universitetsforlag, København / Aarhus, 2018,
      • Kapitel 5: Ortografi, darin:
        • Michael Lerche Nielsen under medvirken af Marie Stoklund: Runetiden: S. 11–25;
      • Kapitel 7: Udtale, darin:
        • dies., Runetiden: S. 133–150
    und
    • Kapitel 8: Ordforråd, darin:
    • Marita Akhøj Nielsen, Runedansk og gammeldansk: S. 293–301.
    • Ebba Hjorth (Hovedradaktør): Dansk Sproghistorie. Bind 1: Dansk tager form. Danske Sprog- og Litteraturselskab / Aarhus Universitetsforlag, København / Aarhus 2016.
    • Adam Hyllested: Sprogfamilien. In: Hjorth 2016, S. 125–155.
    • Bent Jørgensen: Sproghistoriske perioder. In: Hjorth 2016, 79–83.
    • Peter Skautrup: Det danske sprogs historie. Band 1: Fra Guldhornene til jyske lov. Gyldendal, København 1944.

    Auf Norwegisch

    • Odd Einar Haugen: Grunnbok i norrønt språk. Gyldendal, Oslo 19931 (304 S.), insb. 18–20 (Abschnitt 1.2 „Språkhistorisk inndeling“) und 21 [Abbildung „Det eldre runealfabetet (urnordisk tid)“]; 19952 (320 S.), ISBN 82-417-0506-9.
    • Arne Torp, Lars S. Vikør: Hovuddrag i norsk språkhistorie. Gyldendal, [Oslo?] 1993.
    • Ottar Grønvik: Runene på Tunesteinen. Alfabet – Språkform – Budskap. Universitetsforlaget: Oslo / Bergen / Tromsø, 1981.
    • Gustav Indrebø: Norsk målsoga hrsg. von Per Hovda und Per Thorson, Grieg: Bergen, 1951.
    • Didrik Arup Seip: Norsk språkhistorie til omkring 1370. Aschehoug (Naygaard), Oslo 19311, 19552.
    • Hallfrid Christiansen:[201] Norske Dialekter.
    alle drei Bände/Lieferungen: Tanum, Oslo.[202]
    anscheinend Nachdruck als ein Band: Tanum/Norli, Oslo 1976 (220 S.).

    Auf Schwedisch

    • Elias Wessén: Svensk Språkhistoria. Band I: Ljudlära och ordböjningslära. Almqvist & Wiksell, Stockholm / Göteborg / Uppsala 19657.

    Auf Russisch

    Enver Achmedovich Makaev: Jazyk drevnejšich runičeskich nadpisej. Lingvističeskij i istoriko-filologičeskij analiz. Nauka, Moskva 1965 (englische Übersetzung: Makaev 1996).

    Literatur speziell zu den Inschriften

    • Elmer H. Antonsen: A Concise Grammar of the Older Runic Inscriptions. Niemeyer, Tübingen 1975, 29 - 89 (Corpus of Inscriptions).
    Auf S. VII schreibt Antonsen über seinen eigenen Ansatz sowie über Krause 1966: „From the very beginning, it has been my intention to focus on the linguistic significance of the inscriptions, which in my opinion has not come sufficiently to the fore in runic studies over the past decade, in spite of considerable interest in the inscriptions […]. Krause's corpus edition (1966) is indispensible, but despite this scholar's immense contributions to runic studies, it suffers from a lack of linguistic methodological rigor and from the author's convictions concerning the magical nature of the inscriptions, which often result in patently untenable interpretations and the assumption of linguistic forms and developments which are quite out of keeping with the evidence.“
    • Wolfgang Krause: Die Runeninschriften im älteren Futhark. I. Text, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1966.
    • ders.: Die Runeninschriften im älteren Futhark. II. Tafeln, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1966
    • Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. 2. Auflage[203]: Erster (1973) - fünfunddreißigster Band (2007) + Register. Band 1 und 2 (2008).
    [204] Krause 1966 I Krause 1966 II Antonsen 1975 RGA2 Danske Runeindskrifter Samnordisk Runtextdatabas
    I. Älteres Urnordisch / Early Runic / Nordwestgermanisch
    Amulett von Lindholmen (300) Nr. 29, S. 69–72 Tafel 14 Nr. 17, S. 37 f. RGA 18 (2001), 463–464 (463 f.)
    Fibel von Gårdlösa (3. Jh.) Nr. 12, S. 35–36 Tafel 7 Nr. 6, S. 31 RGA 10 (1998), 442–446 (445 f.) https://t1p.de/f0fuo https://t1p.de/tyza3
    Goldhörner von Gallehus (vor 500) Nr. 43, S. 97–103 Nr. 23, S. 21 f. RGA 10 (1998), 1998, 330–344 https://t1p.de/y4ehf https://t1p.de/54sp7
    Lanzenschaft von Kragehul (5. Jh.) Nr. 27, S. 64–68 Nr. 15, S. 35 f. RGA 17 (2000), 276–281 (279–281) https://t1p.de/6hzm3 https://t1p.de/9i59x
    Stein von Barmen (2. - Anfang 6. Jh.) Nr. 64, S. 144–146 Tafel 29 Nr. 33, S. 48 f. https://t1p.de/qhx6d
    Stein von Einang (4. Jh.) Nr. 63, S. 269–270 Tafel 28 Nr. 20, S. 39 https://t1p.de/q4cr9
    Stein von Järsberg (6. Jh.) Nr. 70, S. 156–158 Tafel 32 Nr. 48, S. 56 f. https://t1p.de/uca88
    Stein von Kjølevik (375–530) Nr. 75, S. 172–174 Tafel 35 Nr. 38, S. 50 f. RAG 25 (2003), 585 – 596 (592, re. Sp. oben) https://t1p.de/3iewf
    Stein von Myklebostad (375–570) Nr. 77, S. 178–180 Tafel 37 Nr. 28, S. 46 RGA 20 (2002), 453–454 (453 f.) https://t1p.de/hwwi6
    Brakteat von Nebenstedt I (450-550) Nr. 133, S. 269–270 Tafel 58 Nr. 63, S. 62 f. RGA 21 (2002), 31–32 (32)
    Stein von Noleby (375–570) Nr. 67, S. 148–151 Tafel 30 Nr. 46, S. 55 f. RGA 21 (2002), 260–262 (260–262) https://t1p.de/dx33i
    Stein von Rö (400 oder früher) Nr. 73, S. 167–170 Tafel 34 Nr. 26, S. 43 f. https://t1p.de/60uti
    II. Älteres Urnordisch / Early Norse (North Germanic)
    Brakteat von Tjurkö 1 (um 500) Nr. 109, S. 79 („North Germanic“) RGA 3 (1978), 337–361 (356) https://t1p.de/n6zlw
    Stein von Björketorp (6. oder 7. Jh.) Nr. 97, S. 214–218 Tafel 44–45 Nr. 120, S. 87 („North Germanic“) https://t1p.de/3b1h6 https://t1p.de/lh5o5
    Stein von Istaby (6. oder 7. Jh.) Nr. 98, S. 218–220 Tafel 46 Nr. 177, S. 84 f. („North Germanic“) RAG 18 (2001), 508–512 (509-511) https://t1p.de/6msga https://t1p.de/2gkxa
    Stein von Stentoften (6. oder 7. Jh.) Nr. 96, S. 209–214 Tafel 43 Nr. 119, S. 85 https://t1p.de/50bhc https://t1p.de/wtt8n
    III. Ostgermanisch (Gotisch)
    Goldring von Pietroassa (4. Jh.) Nr. 41, S. 91–95 Tafel 20 Nr. 97, S. 74 („East Germanic“) RGA 23 (2003), 147–158 (153 f.)

    Literatur speziell zu den Völkernamen (alphabetisch sortiert)

    • José Miguel Alonso-Nuñez: Jordanes and Procopius on Northern Europe. In: Nottingham Medieval Studies 1987, 1–13; doi:10.1484/j.nms.3.139.
    • Thorsten Andersson: Altgermanische Ethnika. In: Namn och Bygd. Tidskrift för Nordisk Ortnamnsforskning 2009, 5–39; https://gustavadolfsakademien.bokorder.se/sv-SE/article/3028/namn-och-bygd-2009 (Rezension zu: Sitzmann/Grünzweig 2008).
    • ders.: Gøtar. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Zwölfter Band. de Gruyter, Berlin / New York 19982, S. 278–283.
    • ders.: Nordische und kontinentalgermanische Orts- und Personennamenstruktur in alter Zeit. In: Marold/Zimmermann 1995 (dt.), 1–39.
    • ders.: § 1. Namenkundliches. In: ders. et al., Goten. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Zwölfter Band. de Gruyter, Berlin / New York 19982, 402–443 (= Andersson 1998b).
    • Hakon Melberg: Origin of Scandinavian Nations and Languages. An Introduction. 2 Vol. Halden / Oslo / Copenhaghen 1949-51.
    • Wolfgang Pfeifer et al.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, s. v. gotisch.
    • Hermann Reichert: Lexikon der altgermanischen Namen. Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien
      • 1. Teil: Text, 1987, darin u. a.
        • 218–222: Cimbr
        • 310: Gaut und Gautigoth
        • 363–388: Got
        • 415 und 416: Gut und Guto
        • 421: Harud
        • 629–635: Sueb
        • 799–843: Quellenverzeichnis.
      • 2. Teil Register (erstellt von Robert Nedoma und Hermann Reichert), 1990; darin:
        • VII: Vorwort
        • IX–XI: Einleitung
        • 1–12: Nachträge
        • 13–46: Korrektur-Liste [zum 1. Teil][205]
        • 47–445: Stellenregister[206]
        • 447–661: Etymologisches Register[207].

    [Dieses Wörterbuch verzeichnet – verglichen mit dem späteren von Sitzmann/Grünzweig – für die Gesamtmenge der „altgermanischen Namen“ v. a. die antiken Quellen, während Sitzmann/Grünzweig – ausschließlich für die Ethnonyme – vor allem Etymologien und die Literatur dazu bieten. Es empfiehlt sich vor Benutzung des Wörterbuchs die Einleitungen im 1. und 2. Teil zu lesen.]

    • Ludwig Rübekeil: Suebica. Völkername und Etnos, Institut für Sprachwissenschaft der Universität Innsbruck, Innsbruck 1992.
    • ders.: § 1. Der Name. In: ders. et al.: Sweben. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Dreißigster Band. de Gruyter, Berlin / New York 20052, S. 184–212 (184–188).
    • Alexander Sitzmann, Friedrich E. Grünzweig: Die altgermanischen Ethnonyme. Ein Handbuch zu ihrer Etymologie unter Benutzung einer Bibliographie von Robert Nedoma hrsg. von Hermann Reichert, Fassbaender, Wien 2008 (siehe dazu die Rezension von Andersson 2009), darin u. a.
      • 97–100: Cimbr (Grünzweig / Sitzmann)
      • 140–141: Gaut (Grünzweig)
      • 142–143: Gautigoth (Grünzweig)
      • 154– 156: Got (Grünzweig)
      • 161–162 und 162–165: Gut und Guto (Grünzweig)
      • 170–173: Harud (Grünzweig)
      • 254–255: Sueb (Sitzmann).

    [Dieses Wörterbuch verzeichnet – verglichen mit dem vorausgegangenen von Reichert – von der Gesamtmenge der „altgermanischen Namen“ ausschließlich für die Ethnonyme vor allem Etymologien und die Literatur; die Belegstellen werden dagegen nur teilweise wiederholt.]

    • J. V. Svensson: De nordiska folknammen hos Jordanes. In: Namn och Bygd 1917, 109–157; https://gustavadolfsakademien.bokorder.se/sv-SE/article/5465/namn-och-bygd-1917-hafte-4.
    • Josef Svennung: Jordanes und Scandia. Kritisch-exegetische Studien. Stockholm, 1967.
    • ders.: Zu Cassiodor und Jordanes. In: Eranos 1969, 71–80.
    • ders.: Jordanes und die gotische Stammsage. In: Ulf Erik Hagberg (Red.): Studia Gotica. Die eisenzeitliche Verbindung zwischen Schweden und Südosteuropa. Vorträge beim Gotensymposium im Statens Historika Museum Stockholm 1970. Almqvist & Wiksell, Stockholm 1972, 20–56.
    • Norbert Wagner: Getica. Untersuchungen zum Leben des Jordanes und zur frühen Geschichte der Goten. Berlin 1967; doi:10.1515/9783111381671.
    • ders.: Optila*, Accila*, Thraufstila* und die Gaut(h)igoth. Ein Beitrag zur Urheimat der Goten. In: Beiträge zur Namenforschung 1995/1996, 358–370.
    • Curt Weibull: Die Auswanderung der Goten aus Schweden. Wettergren & Kerber, Göteburg 1958.
    • Lauritz Weibull: Skandza und ihre Völker in der Darstellung des Jordanes. In: Archiv för Nordisk Filologi 1952, 213–246.
    • Herwig Wolfram: Die Goten und ihre Geschichte. Beck, München 2016 (ISBN 978-3-406-69282-6), 19–21 (Die Bedeutung des Gotennamens).
    Wiktionary: Urnordisch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

    Einzelnachweise

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