Synkope (Sprachwissenschaft)
Prozess des Ausfalls unbetonter Vokale im Inneren eines Wortes bzw. auch das Ergebnis dieses Prozesses
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Unter Synkope wird in der Sprachwissenschaft insbesondere der Prozess des Ausfalls unbetonter Vokale im Inneren eines Wortes bzw. auch das Ergebnis dieses Prozesses (zum Beispiel mittelhochdeutsch angest > neuhochdeutsch Angst), verstanden.
Etymologie
Das deutsche Wort Synkope stammt von
ab, von denen letzteres seinerseits zurückgeht[4] auf:
- συγκόπτω [sygkoptō][5].
Dieses Verb wiederum setzt sich zusammen[6] aus:
Letztgenanntes Wort wird u.a. mit abschneiden, abschlagen, abhauen ins Deutsche übersetzt[9]; συν [syn] bedeutet u.a. soviel wie mit[10]. Eine „Synkope“ ist also im wörtlichen Sinne ein Etwas, im linguistischen Sinne: ein Wort, ‚mit Abschneidung‘ / dem etwas abgeschnitten ist.
„Die S[ynkope] […] gehört allgemein zu den Möglichkeiten, ein als linear ausgedehnt verstandenes Phänomen (Haus, Strecke; Satzfolge, Satz, Wortteil) durch Wegnahme eines oder mehrerer Bestandteile (Steine; Silben, Buchstaben) zu ändern.“
Abgrenzungen
Während Synkope – wie gesagt – insbesondere den Lautausfall im Wortinnern bezeichnet, wird Ausfall am Ende des Wortes Apokope genannt; Lautausfall am Anfang des Wortes Prokope bzw. Aphärese – der Oberbegriff ist: Elision.[11] Bei einem Ausfall des zweiten Vokals in einem dreisilbigen Wort spricht man von Mittelsilbenschwund.
Neben diesen Abgrenzungen wird zum Teil auch ein weiter Begriff von Synkope vertreten, der jedenfalls die Apokope einschließt:
„Wegfall eines Vokals im Wortinnern, in der Regel zwischen zwei Konsonanten, […]; auch der Vokalwegfall allgemein, der die → Apokope im absoluten Auslaut einschließt.“
Beispiele
Lyrik
Die Synkope dient insbesondere in der Lyrik auch zur Wahrung des Versmaßes, zum Beispiel „goldnem“ statt „goldenem“.
„Nun schwebt von goldnem Haar umwallt / Dein schönes Köpfchen still mir vor …“ (Heinrich Seidel, Glockenspiel[13])
Lautwandel
Die Synkopierung von Vokalen ist in vielen Fällen mit weiteren Folgen verbunden und führt in den benachbarten Silben unter Umständen zu einem Lautwandel. So steht etwa das lange [oː] in Polen im Kontrast zum kurzen [ɔ] in polnisch; zur Synkope in den nordgermanischen Sprachen siehe den Abschnitt Urnordische Sprache#Synkope (im Artikel „Urnordische Sprache“).
Metrische Synkope
Die Auslassung metrischer Elemente im Vers wird im Gegensatz zu dieser Auslassung von Vokalen als metrische Synkope bezeichnet.
Siehe auch
Literatur
- Karl Otto Sauerbeck: Vokalismus der Nebensilben, I (= Grammatik des Frühneuhochdeutschen. Beiträge zur Laut- und Formenlehre. Hrsg. von Hugo Moser und Hugo Stopp, I, 1). Heidelberg 1970.
- Werner Beckmann: Zur Synkope und Kürzung des Stammvokals in der niederdeutschen Verbalflexion. In: Niederdeutsches Wort 33 (1993) S. 103–123.
- Hadumod Bußmann (Hg.): Lexikon der Sprachwissenschaft, Kröner, Stuttgart 20084, 157 - 158 (Elision), 708 (Synkope)[14].
- Michael P. Schmude: Synkope. In: Gert Ueding (Hg.), Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Bd. 9, Niemeyer, Tübingen 2009, Sp. 369 - 373.
- Michael Schulte: Urnordisch. Eine Einführung. Praesens Verlag, Wien 2018, 44 - 51 (Umlaut, Brechung und Synkope)[15], 152 (s.v. Synkope).
- Franco Montanari: GD – Wörterbuch Altgriechisch-Deutsch. Dt. Fassung hrsg. von Michael Meier-Brügger u.a., de Gruyter, Berlin/Boston 2023.
- Felicitas Kleber / Bernd Pompino-Marschall, Elision. In: Helmut Glück / Michael Rödel (Hg.): Metzler Lexikon Sprache. Metzler, Berlin 20246, S. 162.