Ruppertenrod

Ortsteil von Mücke (Hessen) From Wikipedia, the free encyclopedia

Ruppertenrod ist ein Ortsteil der Gemeinde Mücke im mittelhessischen Vogelsbergkreis.

Schnelle Fakten Gemeinde Mücke ...
Ruppertenrod
Gemeinde Mücke
Koordinaten: 50° 37′ N,  5′ O
Höhe: 294 m ü. NHN
Fläche: 9,16 km²[1]
Einwohner: 787 (30. Juni 2022)[2]
Bevölkerungsdichte: 86 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Oktober 1971
Postleitzahl: 35325
Vorwahl: 06400
Evangelische Kirche Ruppertenrod
Schließen

Geographie

Das Straßendorf liegt am Fuße des Geiseberges an der Ohm. Im Ort treffen sich die Bundesstraße 49, die Landesstraße 3073 und die Kreisstraße 45.

Geschichte

Ortsgeschichte

Der auf das Suffix -rod endende Ortsname lässt auf eine Gründung in der mittelalterlichen Rodungszeit schließen. Die älteste schriftliche Erwähnung von Ruppertenrod erfolgte im Jahr 1151: „curtam unam in Rupretherode“ (einen Hof in Ruppertenrode). Die Ersterwähnung findet sich in einem Kopiar aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts.[3] In einer Urkunde aus dem Jahre 1330 heißt es: „Ruprachtirrode“,[4] schließlich in einem Kopialbuch 1498: „Rupertenrode“.[5] Der Ortsname leitet sich von dem Rufnamen „Ruoprecht, Ruppert“ ab.

Die Fachwerkkirche steht mitten im Dorf. Sie wurde 1710 eingeweiht. 1851 wurde eine Orgel eingebaut.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Ruppertenrod:

„Ruppertenrod (L. Bez. Grünberg) evangel. Filialdorf; liegt im Vogelsberg an der Ohm, 2 St. von Grünberg, so wie an der von Giessen nach Alsfeld ziehenden Chaussee, und gehört dem Freiherrn von Riedesel. Man findet 133 Häuser und 738 Einwohner, die außer 2 Katholiken evangelisch sind, so wie 1 Kirche, 3 Mahl- und 3 Oelmühlen und 1 Rathhaus, mit welchem die Schule verbunden ist. Unter den Handwerkern sind besonders die Leineweber und Brandeweinbrenner zu bemerken. Schon im Jahr 1151 wurde das Kloster Arnsburg mit Gütern zu Ruprecherode beschenkt.“[6]

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Zum 1. Oktober 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Ruppertenrod im Zuge der Gebietsreform in Hessen zeitgleich mit zwei weiteren Gemeinde auf freiwilliger Basis in die Gemeinde Mücke eingegliedert.[7][8] Für alle durch die Gebietsreform nach Mücke eingegliederten Gemeinden wurden Ortsbezirke gebildet.[9]

Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,[Anm. 1] denen Ruppertenrod angehört(e):[1][10][11]

Gerichte seit 1803

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Ruppertenrod das „Patrimonialgericht der Freiherren Riedesel zu Eisenbach“ in Ober-Ohmen zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. 1821 traten die Freiherren Riedesel zu Eisenbach ihre Recht am Gericht Ober-Ohmen an das Großherzogtum Hessen ab. „Landgericht Grünberg“ war daher von 1822 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht das für Ruppertenrod zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Grünberg“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.[15]

Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Grünberg, Ruppertenrod wurde dem Amtsgericht Alsfeld zugelegt.[16] In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Bevölkerung

Einwohnerentwicklung

 1800:620 Einwohner[17]
 1806:680 Einwohner, 124 Häuser[14]
 1829:738 Einwohner, 133 Häuser[6]
 1867:746 Einwohner, 137 bewohnte Gebäude[18]
 1875:743 Einwohner, 141 bewohnte Gebäude[19]
Ruppertenrod: Einwohnerzahlen von 1800 bis 2022
Jahr  Einwohner
1800
 
620
1806
 
680
1829
 
738
1834
 
764
1840
 
827
1846
 
863
1852
 
780
1858
 
745
1864
 
737
1871
 
770
1875
 
743
1885
 
774
1895
 
729
1905
 
726
1910
 
717
1925
 
677
1939
 
684
1946
 
992
1950
 
951
1956
 
816
1961
 
790
1967
 
779
1970
 
802
1980
 
?
1990
 
?
2000
 
?
2011
 
798
2015
 
761
2022
 
787
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS[1]; Gemeinde Mücke[2]; Zensus 2011[20]

Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Ruppertenrod 798 Einwohner. Darunter waren 15 (1,9 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 144 Einwohner unter 18 Jahren, 306 zwischen 18 und 49, 204 zwischen 50 und 64 und 144 Einwohner waren älter.[20] Die Einwohner lebten in 309 Haushalten. Davon waren 69 Singlehaushalte, 87 Paare ohne Kinder und 117 Paare mit Kindern, sowie 27 Alleinerziehende und 9 Wohngemeinschaften. In 51 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 204 Haushaltungen lebten keine Senioren.[20]

Religionszugehörigkeit

 1829:736 evangelische, 2 katholische Einwohner[6]
 1961:687 evangelische (= 86,96 %), 100 katholische (= 12,66 %) Einwohner[1]

Politik

Ortsbeirat

Für Ruppertenrod besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Ruppertenrod) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung.[9] Der Ortsbeirat besteht aus sieben Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 61,88 %. Es wurden gewählt: drei Mitglieder der „Bürgerliste Ruppertenrod“ (BLR) und vier Mitglieder der „Freien Wähler“ (FW).[21] Der Ortsbeirat wählte Loris Dominic Plate (FW) zum Ortsvorsteher.[22]

Wirtschaft und Infrastruktur

Den öffentlichen Personennahverkehr stellt die Buslinie VB-92 der Verkehrsgesellschaft Oberhessen her.

Literatur

Commons: Ruppertenrod – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI