Ruth Knorr war die Tochter eines Schreib- und Papierwarenhändlers. Sie besuchte die Handelsschule, arbeitete in einer Gärtnerei und nach dem Tod ihres Vaters im elterlichen Laden. Nach Kriegsende absolvierte sie einen Neulehrerkurs und war von 1948 bis 1951 in Glauchau Grundschullehrerin für Biologie und Deutsch. Daneben beschäftigte sie sich mit Graphik und Malerei. Von 1951 bis 1957 studierte sie an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst Berlin-Weißensee, u. a. bei Arno Mohr und Werner Klemke. Nach dem Abschluss als Diplom-Grafikerin arbeitete sie als Illustratorin und Grafikerin in Berlin. Dabei wurde sie von dem Kunsthistoriker Wilhelm Fraenger gefördert, der ihr freundschaftlich zugetan war.
Knorr schuf Illustrationen zu 38 Büchern. Dabei kam sie mit ihrer Darstellungsweise den technischen Spezifika des polygrafischen Verfahrens soweit entgegen, dass die Abbildungen im hohen Auflagendruck einer Buchhandelsausgabe den Charakter autorisierter Originalgrafik tragen. Ihr Kollege Volker Pfüller bescheinigt „ihre große Energie beim Experimentieren mit der Drucktechnik. Sie hat immer versucht, den Reproduktionsapparat in ihre Arbeit einzubeziehen. Der fertige Druck war ihr Original. Deshalb haben ihre Arbeiten die Unmittelbarkeit von Originalgraphik, ja, sie sind Originalgraphiken im Buch.“ Damit ist sie für eine ganze Generation von Buchillustratoren maßgeblich geworden.[1] Der Illustrator Hans Ticha bezeichnete sie als eine der wichtigsten Personen der Buchgrafik nach 1945.
Ein künstlerischer Teilnachlass Ruth Knorrs befindet sich in der Kinder- und Jugendbuchabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin. Der Gebrauchsgrafiker Hans-Joachim Schauß schenkte dem Bilderbuchmuseum Burg Wissem in Troisdorf seine Ruth-Knorr-Sammlung.
Arnold Zweig: Der Spiegel des großen Kaisers. Verlag der Nation, Berlin 1964
Sergiu Farcasan: Arche Noah im Weltraum; Verlag Volk und Welt, Berlin 1964.
Joachim Kupsch: Das Buch Chons. Eulenspiegel Verlag, Berlin 1967. (Schönstes Buch des Jahres)
Ilse Schneider, Johannes Schneider: Gesta Romanorum. Unionsverlag, Berlin 1968.
Von Ruth Knorr illustriertes Buch.Fritz Böttger (Hrsg.): Hoffmanns Erzählungen. Aus dem Werk des Dichters E.T.A. Hoffmann. Verlag der Nation, Berlin 1969.
Hans-Jörg Rother: Poesiealbum 39. Verlag Neues Leben, Berlin 1970.
Jurij Brězan: Der Mäuseturm. Verlag Neues Leben, Berlin 1970.
Konrad Fialkowski: Die fünfte Dimension. Verlag Das Neue Berlin, 1971.
Karl A. Hall: Verrückte Strafrechtsfälle. Elwert-Verlag, Marburg.
Teilnahme an zentralen und wichtigen regionalen Ausstellungen in der DDR
1957: Berlin, Ausstellungspavillon Werderstraße („Junge Künstler der DDR“)
1967/1968, 1972/1973 und 1977/1978: Dresden, VI. Deutsche Kunstausstellung und VII. und VIII. Kunstausstellung der DDR
1979: Berlin, Ausstellungszentrum am Fernsehturm („Buchillustrationen in der DDR. 1949–1979“)
Literatur
Wilhelm Fraenger: Dickens – neu illustriert von Ruth Knorr. In: Bildende Kunst. Berlin 12/1961
Hans-Joachim Schauß; Halbtöne in Strichätzungen. In: Neue Werbung, 12/1964, Verlag Die Wirtschaft Berlin, S.36–37
Günter Hess: Die Illustratorin Ruth Knorr. In: Marginalien, Blätter der Pirckheimer-Gesellschaft. Berlin, Einundzwanzigstes Heft, Dezember 1965, S. 25–29
Hellmut Rademacher (Einführender Text): Gebrauchsgrafik in der DDR. Verlag der Kunst, Dresden, Herausgeber Verband Bildender Künstler der DDR, 1975, S. 336 und passim
Hans-Joachim Schauß: Zur Erinnerung an Ruth Knorr. In: Marginalien, Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie. Berlin, 79. Heft, 1980, S. 19–30 (mit Bibliographie)
Ekkehard Hellwich, Peter Röske (Hrsg.): Graphik von Ruth Knorr; Kleine Grafikbibliothek (Sonderheft), Pirckheimer-Gesellschaft, Berlin, 1987
Hans-Joachim Schauß (Hrsg.): Die Bilderwelt der Ruth Knorr. Mit Texten von Fritz Böttger, Manfred Butzmann, Wilhelm Fraenger, Werner Klemke, Konrad Knebel, Ruth Knorr, Volker Pfüller, Hans Ticha. Eulenspiegel Verlag, Berlin 1989