Ruth Leitman

US-amerikaische Fotografin, Filmemacherin und Professorin From Wikipedia, the free encyclopedia

Ruth Leitman (* 1961 in Philadelphia[1]) ist eine US-amerikanische, feministische Fotografin und Filmemacherin. Sie ist Professorin für Film- und Fernsehkunst am Columbia College in Chicago.

Leben und Wirken

Anfänge in Fotografie und Film

Leitman studierte sowohl Fotografie als auch Film an der University of the Arts Philadelphia.[2] Sie schloss 1984 mit dem Bachelor of Arts (BFA) ab.[1] Danach zog sie nach Atlanta.[3] Sie fotografierte zunächst im Musikbereich für Albumcover und machte Aufnahmen für Musikmagazine. Sie erstellte Musikvideos. In freien Arbeiten konzentrierte sie sich auf Sozialdokumentarische Straßenfotografie.[2] Sie schuf auch experimentelle Arbeiten wie Fotocollagen.[3] Als sie sich von der Fotografie abwandte und dem Bewegtbild zuwandte, verbrannte sie ihr Atelier und verarbeitete auch dieses Ereignis bildlich.[4] Einige ihrer fotografischen Arbeiten wurden in die Sammlung des High Museum of Art aufgenommen.[3]

Bei ihrem ersten abendfüllenden Dokumentarfilm auf Super 8, Wildwood, NJ aus dem Jahr 1994, arbeitete Leitman mit einer rein weiblichen Filmcrew. Protagonistinnen waren Teenager-Mädchen. Nach diesem Projekt beschoss sie, sich auf sozialdokumentarische Filme zu konzentrieren.[5]

Wildwood, NJ ging 2009 auf YouTube viral und wurde in der Popkultur aufgegriffen. Der Film wurde 2013 zum 15-jährigen Jubiläum des Hot Doc Festivals eingeladen und in der Liste „The Female Gaze: 100 Overlooked Films Directed by Women“ des British Film Institute aufgenommen.[6] Er wurde im Jahr 2015 in britischen Kinos aufgeführt.[7] Er läuft er in der Rubrik Retrospektive der Berlinale 2026.[5]

Lehre

Leitman unterrichtete seit Anfang der 2000er-Jahre in Chicago zunächst das Fach Musikvideoproduktion, später Dokumentarfilm. Sie entwickelte am Columbia College gemeinsam mit ihrem Kollegen Eric Scholl den dortigen interdisziplinären Studiengang mit den Studieninhalten (Dokumentar-)film, Fernsehen, Radio- und Audiodokumentation, Journalismus, Drehbuch und Fotografie. Ruth Leitman unterrichtet in den Bereichen Non-Fiction Writing, Vertrieb und Produktion.[2] Sie ist seit 2018 Associate Professor für Cinema and Television Arts (CTVA, Film- und Fernsehkunst) am Columbia College in Chicago.[8]

Filmemacherin

Mit ihrer Produktionsfirma Ruthless Films realisiert Ruth Leitman Dokumentarfilme, die sich mit sozialen Fragen auseinandersetzen.[9]

Ihr mit dem Jurypreis ausgezeichneter Film Alma wurde auf dem Hamptons Film Festival, dem International Documentary Film Festival Amsterdam (IDFA), South by Southwest, der Directors Guild of America und der Whitney Biennal gezeigt. Lipstick & Dynamite, Piss & Vinegar: The First Ladies of Wrestling, der auf dem Tribeca Film Festival und dem Hot Docs Canadian International Documentary Festival in Toronto Premiere feierte, gewann den Documentary Storytelling Prize beim Nantucket Film Festival.[9] Der feministische Film erzählt anhand von Frauen im Wrestling eine Geschichte über Gewalt gegen Frauen in Amerika sowie deren Widerstand.[2]

Ihr Film Tony & Janina’s American Wedding, der auf dem Chicago International Film Festival Premiere feierte, gewann einen Jurypreis sowie mehrere Auszeichnungen für soziale Gerechtigkeit.[9] Der Film beschäftigt sich mit dem Einwanderungssystem in den USA. Die Protagonistin Janina war abgeschoben worden, und Leitman dachte, der Film würde mit deren Rückkehr in die USA enden. Als das nicht passierte, wurde der Film als aktivistisches Instrument genutzt. Das stieß auf das Missfallen des US-Heimatschutzministerium. Die Dokumentation erreichte eine große Öffentlichkeit und The New York Times berichtete, als Tony und Janina vier Jahre nach Janinas Abschiebung in Chicago wiedervereint waren.[2]

2015 führte sie Regie bei der von Kartemquin Films produzierten Dokumentarfilmreihe Hard Earned für Al Jazeera America, die 2015 für einen Preis der International Documentary Association nominiert und 2016 mit dem Alfred I. duPont–Columbia University Award ausgezeichnet wurde. Die Serie begleitet fünf Familien in den USA, die mit acht bis fünfzehn Dollar pro Stunde über die Runden kommen müssen. Die Dokumentation No One Asked You begleitete die Komikerin Lizz Winstead und ihre Organisation Abortion Access Front (AFF), die sich mit Humor für das Recht auf Abtreibung einsetzen.[9][10]

Leitmans Ehemann, der Musiker Steve Dixon, komponierte die Filmmusik für mehrere ihrer Filme.[11]

Filmografie (Auswahl)

  • 1994: Wildwood, NJ (Drehbuch, Regie)
  • 1998: Alma (Regie)
  • 2004: Lipstick & Dynamite, Piss & Vinegar: The First Ladies of Wrestling (Drehbuch, Regie)
  • 2010: Tony & Janina’s American Wedding (Drehbuch, Regie)
  • 2011: Fordson: Faith, Fasting, Football (Drehbuch)
  • 2015: Hard Earned, Dokumentarfilmreihe (Drehbuch, Regie)
  • 2016: TIGERman (Regie)
  • 2018: Lady Parts Justice in the New World Order (Drehbuch, Regie)
  • 2023: No One Asked You (Drehbuch, Regie)

Auszeichnungen (Auswahl)

  • 2016 Aufnahme von Wildwood, NJ in die Liste „The Female Gaze: 100 Overlooked Films Directed by Women“, British Film Institute und Sight and Sound Magazine
  • 2020 Esteemed Artist in Film and Media, Auszeichnung der Stadt Chicago[12][13]

Ausstellungen (Auswahl)

Einzelnachweise

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