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Rwenzururu

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Das Königreich Rwenzururu (auch Obusinga bwa Rwenzururu) ist eine traditionelle Monarchie und Subregion im Westen von Uganda in der Region des Ruwenzori-Gebirges an der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo. Zentrum ist die Stadt Kasese. Das Königreich ging aus der Rwenzururu-Bewegung hervor, die Anfang der 1960er Jahre von den Bakonzo und Baamba gegen ihre politische und kulturelle Unterordnung im Königreich Toro getragen wurde.[1] Nach einer Phase bewaffneter Auseinandersetzungen und einer Vereinbarung mit der ugandischen Regierung im Jahr 1982 wurde Rwenzururu am 19. Oktober 2009 unter Charles Wesley Mumbere als Königreich anerkannt.[2] Politische Regierungsgewalt besitzt der Omusinga nach der ugandischen Verfassung nicht.[3]

Flagge des Königreichs Rwenzururu

Gebiet und Bevölkerung

Lage von Rwenzururu

Rwenzururu liegt im Gebiet des Rwenzori-Gebirges im Westen Ugandas und besteht aus den heutigen Distrikten Kasese, Bundibugyo und Ntoroko verbunden. Diese drei Distrikte hatten nach der Volkszählung von 2024 zusammen 1.233.467 Einwohner; davon entfielen 853.831 auf Kasese, 264.778 auf Bundibugyo und 114.858 auf Ntoroko.[4] Diese Verwaltungsgrenzen sind jedoch nicht mit einer politischen Herrschaftsgewalt des Königreichs gleichzusetzen, da traditionelle Herrscher in Uganda nur kulturelle und repräsentative Funktionen ausüben dürfen.[3]

Die wichtigste ethnische Gruppe des Königreichs sind die Bakonzo. Ihre Sprache, Konzo oder Lhukonzo, gehört zu den Niger-Kongo-Sprachen und wird in Uganda und in der Demokratischen Republik Kongo gesprochen.[5] Die frühe Rwenzururu-Bewegung wurde als gemeinsamer Protest von Bakonzo und Baamba gegen die Vorherrschaft der Batoro beschrieben, die gegen ihre Benachteiligung aufbegehrten.[1][6]

Geschichte

Entstehung aus dem Toro-Konflikt

Die Entstehung Rwenzururus ist eng mit der kolonialen und nachkolonialen Geschichte des Königreichs Toro verbunden. Die Bakonzo und Baamba wurden in der frühen Kolonialzeit in das von den Briten gestützte Toro-Königreich eingegliedert. In der Rwenzori-Region entwickelte sich daraus die Wahrnehmung, politisch unterrepräsentiert, wirtschaftlich benachteiligt und kulturell gegenüber den Batoro zurückgesetzt zu sein.[1] Die ersten Forderungen der Bewegung zielten nicht unmittelbar auf ein eigenes Königreich, sondern auf Gleichberechtigung innerhalb Toros und später auf eine eigene Verwaltungseinheit.[1][6]

Anfang der 1960er Jahre radikalisierte sich ein Teil der Bewegung. Eine Gruppierung erklärte Rwenzururu zu einem eigenständigen Gemeinwesen und errichtete eine einfache Gegenverwaltung in den Bergregionen. Isaya Mukirane, auch Isaya Mukirania genannt, trat zunächst als Präsident und später als König der Bewegung hervor.[1] Nach seinem Tod im Jahr 1966 wurde sein Sohn Charles Wesley Mumbere, damals noch ein Jugendlicher, als Nachfolger bestimmt.[1][2]

Bewaffnete Bewegung und Vereinbarung von 1982

Die ugandische Zentralregierung erkannte den Anspruch Rwenzururus auf staatliche Eigenständigkeit nicht an. Nach der Unabhängigkeit Ugandas blieb die Bewegung deshalb ein regionaler Konfliktfaktor. Als Präsident Milton Obote 1967 die traditionellen Königreiche Ugandas abschaffte, betraf dies auch Toro; Rwenzururu war zu diesem Zeitpunkt jedoch keine anerkannte traditionelle Monarchie, sondern eine politische und teilweise bewaffnete Bewegung.[1]

Unter Präsident Idi Amin erhielten die Bakonzo und Baamba eigene Distrikte, wodurch ein Teil der ursprünglichen Forderungen nach administrativer Selbstständigkeit erfüllt wurde.[1] In den frühen 1980er Jahren kam es schließlich zu einer Vereinbarung zwischen Charles Wesley Mumbere und der Regierung. Mumbere legte den bewaffneten Kampf nieder und verzichtete auf den Anspruch auf Sezession; im Gegenzug wurden unter anderem Entwicklungsmaßnahmen und die Integration von Anhängern der Bewegung in staatliche Strukturen zugesagt. Der Kampf um kulturelle Anerkennung ging allerdings weiter.[6][1]

Anerkennung als kulturelle Institution

Nach der Machtübernahme von Präsident Yoweri Museveni und der Wiederzulassung traditioneller Institutionen in den 1990er Jahren gewann die Forderung nach Anerkennung Rwenzururus erneut an Bedeutung. Die ugandische Verfassung erlaubt traditionelle und kulturelle Führungsinstitutionen, sofern sie den kulturellen Wünschen der betroffenen Gemeinschaft entsprechen; zugleich untersagt sie ihnen parteipolitische Betätigung sowie administrative, legislative oder exekutive Macht.[3]

Charles Wesley Mumbere, der zeitweise in den Vereinigten Staaten lebte, kehrte im Zuge der Anerkennungsbemühungen nach Uganda zurück. Am 19. Oktober 2009 wurde er in Kasese als Omusinga (König) des Königreichs Rwenzururu gekrönt.[2] Davor hatte die ugandische Regierung 2008 Rwenzururu als eigenes Königreich anerkannt.[7] Das Königstum hat jedoch lediglich eine Rolle als kulturelle Institution und verfügt über keine politische Macht.

Anhaltende Spannungen in der Region

Nach der Anerkennung blieb das Verhältnis zwischen dem Königreich, lokalen Gruppen und der Zentralregierung angespannt.[8] Im Juli 2014 kam es in der Region zu schweren Angriffen und Zusammenstößen, bei denen Berichten zufolge mehr als 150 Menschen starben.[9]

Im November 2016 stürmten ugandische Sicherheitskräfte Büros und den Palast des Omusinga in Kasese. Die Regierung warf Teilen der königlichen Garde militante Aktivitäten und separatistische Bestrebungen vor. Menschenrechtsorganisationen kritisierten das Vorgehen der Sicherheitskräfte und forderten eine unabhängige Untersuchung; Human Rights Watch berichtete von deutlich höheren Opferzahlen als die offiziellen Angaben der Behörden.[10] Mumbere wurde festgenommen und später unter anderem wegen Hochverrats, Terrorismus und Mordes angeklagt. Die ugandische Staatsanwaltschaft zog die Anklagen gegen ihn und zahlreiche Mitangeklagte im Juni 2023 zurück.[11] Im Oktober 2023 kehrte Mumbere nach mehreren Jahren Abwesenheit nach Kasese zurück.[12]

Liste der Omusinga von Rwenzururu

Die frühe Geschichte Rwenzururus unterscheidet sich von älteren Königreichen Ugandas, da die Institution zunächst nicht staatlich anerkannt war und aus einer Protest- und Autonomiebewegung hervorging.[6]

  • 1960er Jahre–1966 Isaya Mukirane, auch Isaya Mukirania, Gründer der Rwenzururu-Bewegung und später als König der Bewegung anerkannt.[1]
  • 1966–1982 Charles Wesley Mumbere Irema-Ngoma I., Nachfolger Mukiranes und Anführer der Rwenzururu-Bewegung bis zur Vereinbarung mit der ugandischen Regierung.[1]
  • seit 2009 Charles Wesley Mumbere Irema-Ngoma I., staatlich anerkannter Omusinga der kulturellen Institution Rwenzururu.[2]

Literatur

  • Martin Doornbos: The Rwenzururu Movement in Uganda. Struggling for Recognition. Routledge, London/New York 2017, ISBN 978-1-138-03902-5.
  • Arthur Syahuka-Muhindo; Kristof Titeca: The Rwenzururu movement and the struggle for the Rwenzururu kingdom in Uganda. IOB Discussion Paper 2016.01, University of Antwerp, Antwerpen 2016

Einzelnachweise

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