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Régine Krochmal

Belgische Krankenschwester, Widerstandskämpferin und Holocaust-Überlebende From Wikipedia, the free encyclopedia

Régine Krochmal (geboren 28. Juli 1920 in Den Haag, Niederlande; gestorben 11. Mai 2012 in Ixelles/Elsene, Belgien) war eine von deutsch-österreichischen Juden abstammende belgische Krankenschwester und Widerstandskämpferin. Am 19. April 1943 gelang ihr die Flucht beim Überfall auf den 20. Deportationszug nach Auschwitz für belgische Juden.

Leben

Krochmal wurde in den Niederlanden in eine jüdische, aber nichtreligiöse Familie geboren. Als sie sechs Monate alt war, zogen ihre Eltern nach Brüssel.[1][2]

Nach Abschluss einer Ausbildung zur Krankenschwester begann sie ein Studium zur Hebamme, das sie jedoch kurz vor ihrem Abschluss aufgrund einer Verordnung der Militärverwaltung in Belgien und Nordfrankreich, wodurch Juden von medizinischen Berufen ausgeschlossen wurden, unterbrechen musste.[1]

Kurz nach dem Einmarsch der deutschen Armee in Belgien im Mai 1940 lernte sie Marianne Bradt kennen, eine deutsche Flüchtlingsfrau, die ihr erzählte, dass die Nazis ihren behinderten Bruder ermordet hatten. Krochmal wurde klar, dass ihre jüdische Herkunft sie in Lebensgefahr brachte, und sie beschloss, nicht tatenlos zu sterben. Zusammen mit Bradt, die in einer von der jüdischen Gemeinde Brüssel für jüdische Emigranten eingerichteten Suppenküche arbeitete, lernte sie junge Flüchtlinge aus Deutschland und Österreich kennen. 1942 schloss sie sich mit ihnen der Österreichischen Freiheitsfront an, die Teil der Front de l'indépendance war, einem Netzwerk der belgischen Résistance. Diese deutschsprachige Gruppe druckte die Untergrundzeitung „Die Wahrheit“, die sich an deutsche Soldaten richtete, um sie zur Desertion zu bewegen.[1]

Als am 20. Januar 1943 die Polizei aufgrund einer Anzeige an die Tür der Wohnung klopfte, in der sie gerade zusammen mit zwei Freunden die Zeitung vervielfältigte, war gerade noch Zeit, die Druckmaschine zu verstecken. Die Freunde konnten fliehen, während sie sich sofort als untergetauchte Jüdin stellte, um eine vollständige Durchsuchung der Wohnung und die Entdeckung des Materials zu verhindern. Sie wurde verhaftet und zum Hauptquartier der Gestapo in Brüssel, Avenue Louise 453, gebracht.[1][3][4]

Am 27. Januar 1943 wurde sie als Jüdin in das SS-Sammellager Mecheln überstellt, wo sie unter der Nummer 263 registriert wurde. Am 19. April 1943 wurde sie in den Deportationszug Nr. 20 für belgische Juden verladen, der etwa 1.600 Juden, Sinti und Roma nach Auschwitz bringen sollte. Es war der erste Zug, bei dem Viehwaggons eingesetzt wurden, deren Fenster zur Verhinderung von Fluchtversuchen mit Holzplatten verschlossen waren. Vor der Abfahrt gab ihr der jüdische Arzt des Lagers Mecheln, Dr. Bach, ein Messer, das sie in ihrer Kleidung versteckte, um ihr einen Fluchtversuch zu ermöglichen. Als Krankenschwester kam sie zusammen mit einem jungen jüdischen Arzt und zahlreichen Kranken, von denen die meisten im Sterben lagen, in den Sanitätswaggon. Sie machte sich von Anfang an daran, die Holzsprossen durchzusägen, und schaffte es schließlich, aus dem Waggon zu springen, als die Partisanen Youra Livchitz, Robert Maistriau und Jean Franklemon den Zug überfielen, zum Stehen brachten und insgesamt 236 Gefangene befreiten.[1][4][5]

Krochmal floh entlang der Bahnstrecke in Richtung Brüssel und konnte mit Hilfe einer jungen Schrankenwärterin den die Flüchtlinge suchenden Soldaten entkommen. Sie kehrte mit der Straßenbahn nach Brüssel zurück.[4] An der Straßenbahnhaltestelle in Haacht befanden sich weitere Flüchtlinge aus dem Transport Nr. 20. Niemand sprach, aber die anderen wartenden Fahrgäste umringten die Flüchtlinge spontan, um sie vor den neugierigen Blicken der Militärpolizei zu schützen.[1]

Ziemlich schnell nahm Krochmal ihre Tätigkeit im Widerstand wieder auf und begann erneut, „Die Wahrheit“ an deutsche Soldaten zu verteilen. Am 25. Mai 1944 wurde sie aufgrund einer Denunziation erneut von der Geheimen Feldpolizei festgenommen und ins Gefängnis von Saint-Gilles/Sint-Gillis überführt. Drei- bis viermal pro Woche wurde sie zum Verhör ins Hauptquartier der Gestapo gebracht. Die Gestapo verlegte sie anschließend nach Fort Breendonk, wo sie drei Tage lang zusammen mit Herta Wiesinger, einem Mitglied desselben Netzwerks, misshandelt und gefoltert wurde; doch sie gaben niemanden preis. Anschließend wurden sie in die Dossin-Kaserne gebracht, dort erneut gefoltert aber schließlich am 2. September 1944 von den Alliierten befreit.[3][6]

Nach ihrer Freilassung musste sich Krochmal aufgrund der Folgen der schweren Misshandlungen, denen sie ausgesetzt war und über die sie niemals Einzelheiten preisgab, einem langen Krankenhausaufenthalt unterziehen.[2]

Krochmal wanderte in die Vereinigten Staaten aus, wo sie eine Ausbildung zur Psychotherapeutin absolvierte. Während ihrer gesamten beruflichen Laufbahn kümmerte sich Krochmal um Menschen in Not, die unter Depressionen, Blockaden und Phobien litten.[3]

Sie heiratete und bekam einen Sohn, aber Mann und Sohn starben vor ihr.[7]

Sie war eine der Initiatorinnen der jährlichen Gedenkfeiern zum Überfall auf den 20. Deportationszug nach Auschwitz in Boortmeerbeek, die seit 1993 stattfinden. Noch kurz vor ihrem Tod sandte sie eine Grußbotschaft an die jährliche Feier:

Nous sommes tous nés les mains vides. Et nous reviendrons tous les mains vides […] Aussi bien ceux qui adhèrent à une religion ou à une philosophie de vie que ceux qui se sentent liés à la nature, à la faune et à la flore. Nous devrions tous chercher à nous découvrir et à nous comprendre comme des êtres égaux et complémentaires. Nous pouvons tous contribuer à faire à nouveau de ce monde un havre de paix, de joie et d'amour, ouvrant la voie à notre propre bonheur et à celui de nos semblables.

„Wir alle kommen mit leeren Händen auf die Welt. Und wir alle werden mit leeren Händen zurückkehren […] Sowohl diejenigen, die sich zu einer Religion oder einer Lebensphilosophie bekennen, als auch diejenigen, die sich der Natur, der Tier- und Pflanzenwelt verbunden fühlen. Wir sollten alle danach streben, uns selbst zu entdecken und als gleichberechtigte und sich ergänzende Wesen zu verstehen. Wir alle können dazu beitragen, diese Welt wieder zu einem Ort des Friedens, der Freude und der Liebe zu machen und damit den Weg für unser eigenes Glück und das unserer Mitmenschen zu ebnen.“

Régine Krochmal: Grusswort zur Gedenkfeier zum Überfall auf den 20. Deportationszug[8]

Krochmal starb in Ixelles/Elsene und wurde am 18. Mai 2012 auf dem dortigen Friedhof beigesetzt, mit einer Abschiedsfeier im Atelier von Marcel Hastir, in dem der Überfall auf den 20. Deportationszug organisiert worden war.[9]

Im Jahr 2014 brachte das Théâtre de la Galafronie das Stück Les Cheveux rouges auf die Bühne, eine Gemeinschaftsproduktion, an der unter anderem Caroline Bouchoms mitwirkte, die Krochmal in ihren letzten Lebensjahren sehr nahe stand. Das Stück basiert auf Erzählungen und Bildern aus dem Leben von Régine Krochmal, die von Johannes Blum zusammengestellt wurden.[10][11]

Bouchoms veröffentlichte 2019 unter dem gleichen Titel, Les Cheveux rouges, eine Bildergeschichte.[12]

Einzelnachweise

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