Römergrab Köln-Zollstock
Römergrab an der südlichen Uferböschung des Kalscheurer Weiher
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Das Römergrab in Köln-Zollstock, liegt an der südlichen Uferböschung des Kalscheurer Weihers im Äußeren Grüngürtel der Stadt Köln im Stadtteil Zollstock. Die rudimentär erhaltene Anlage war eine unterirdische Grabkammer (Hypogäum) aus dem 3.–4. Jahrhundert.

Fundgeschichte
Das Gelände des Fundortes liegt auf dem ehemaligen Rayongebiet und wurde 1919 im Zuge des Friedensvertrags von Versailles nach Aufhebung des Rayon-Gesetzes dem Stadtteil Köln-Zollstock zugeordnet. Damit ergaben sich für Stadtplanungen neue Möglichkeiten, die auch in der Stadt Köln ergriffen wurden. Auf Betreiben des ehemaligen Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer fanden unter Kölns Gartendirektor Theodor Nußbaum in den 1920er Jahren Erdarbeiten zur Anlage eines äußeren Grüngürtels statt. Neben Nussbaum, der für die Landschaftsgestaltung zuständig war, war es für dieses Projekt – die Bodendenkmalpflege betreffend – der Archäologe Waldemar Haberey, der zu dieser Zeit für Ausgrabungen römischer Fundstellen zuständig war.[1]
Nach Ratsbeschluss der Stadt Köln begann man dieses Vorhaben mit Erdarbeiten im südwestlichen Viertel des vormaligen Festungsrings, zwischen der Bonner und der Dürener Straße. Dabei wurde 1928 – möglicherweise beim Aushub des Erdreichs zur Anlage eines Weihers oberhalb des Stadtviertels Zollstock – eine antike Grabkammer aus Großsteinquadern entdeckt.
Römische Bestattungsformen
Im Gegensatz zur einfachen Brandbestattung mit der Beisetzung in einer Urne, Aschenkiste oder in einem Sarkophag zeigt die Wahl zum Bau einer Grabkammer an, dass sie zur Aufnahme mehrerer Bestattungen dienen sollte. Dies war für die Römer in der Heimat und so auch in den Provinzen des Imperiums Tradition, wobei eine besonders hohe Häufigkeit dieser Bestattungsform in den Regionen Trier und Köln festgestellt werden konnte.[2]
Unter einigen Kölner Grabkammern der römischen Zeit war auch die Anlage Zollstock ein Hypogäum. Aufgefunden wurden derartige Grabkammern z. B. in den stadtnahen Gräberfeldern, aber auch im agrarisch geprägten Umland der Stadt. Dort, zumeist in der Nähe einer Fernstraße, die ab den Stadttoren radial gefächert ins Umland führten, ließen Gutsherren unweit ihres Landgutes für sich und ihre Angehörigen eine Grabkammer errichten. Form und Größe der Anlage bekundeten dabei auch den sozialen und gesellschaftlichen Rang des Erbauers und seiner Familie. Auch dürfte in der unterirdischen Bauform wohl eine Schutzmaßnahme vor Zerstörung und Plünderung gesehen worden sein. Der bis in spätrömischer Zeit praktizierte Brauch, Aschenbehälter und Beigaben in eigens für diese Dinge errichteten unterirdischen Räumen unterzubringen, ließ sich im engeren Kölner Raum an mehreren Fundstellen nachweisen.
Fundort

An der Uferböschung des auf dem Gebiet des am Anfang des 20. Jahrhunderts angelegten Kalscheurer Weihers befinden sich an dessen Südseite – wettergeschützt und eingefriedet – Reste einer römischen Grabkammer. Der Fundort war etwa 4,5 km von der ehemaligen römischen Stadtmauer der Colonia Claudia Ara Agrippinensium entfernt, und war Bestattungsort der Bewohner eines in der Nähe gelegenen römischen Landgutes, das nachweislich über einen längeren Zeitraum besiedelt war,[3] einer sogenannten Villa rustica, deren Bewohner – analog der in der Kernstadt extra muros stattfindenden Bestattungen – den römischen Bestattungsriten folgend, ihre Verstorbenen in gebührendem Abstand vom Wohnort bestatteten. Denn auch der Wohnort in Form spärlicher baulicher Reste konnte in etwa 200 bis 300 m Entfernung, nordöstlich des Grabmals lokalisiert werden.[4]
Befunde der Vor- und Nachkriegszeit
Die aufgefundenen Reste der römischen Grabkammer wurden „In situ“ entdeckt und konserviert. Die Anlage wurde durch Fachleute der damals zuständigen römisch-germanischen Abteilung des Wallraf-Richartz-Museums untersucht und möglicherweise auch unter Waldemar Haberey dokumentiert.
- Röm. Grabkammer Detail Bild A
- Bild B
- Bild C
- Bild D
Die Maße der rechteckigen Grabkammer wurden mit 3,92 × 3,02 m (obere lichte Weite) angegeben und der Boden erhielt ehemals einen Estrich, der ein Gemisch aus Ziegelkleinschlag enthielt. Das Mauerwerk aus Tuff hatte weder eine Mörtelbindung noch eine Verklammerung erhalten (jetzt sichtbare Verfugung sind Sicherungsmaßnahmen). In den ehemals von Erdreich umschlossenen Außenwänden zeigen sich keilförmige Lücken. Zu sehen war auch ein teilweise ungleichmäßiger Zuschnitt der Blöcke und ein unregelmäßiger Sitz der Wolfslöcher, sodass anzunehmen ist, dass teilweise Mauerwerk aus Spolien gefertigt wurde. Es gab keinen Hinweis auf eine Türanlage oder steinerne Treppe, sodass von einem oberen Zugang per hölzerner Leiter oder Stiege auszugehen ist. Da in der Grabkammer nur spärliche Reste an Beigaben aufzufinden waren, geht man von einer Beraubung der Bestattung(en) aus. Gefunden wurden nur noch kleinteilige Gefäßkeramik, Bronzebeschläge eines Kästchens sowie eine aus Gagat gefertigte Haarnadel, die wohl zu einer weiblichen Verstorbenen gehörte. Diesen Unterlagen zufolge war, nach Angaben Peter Noelkes, die zuletzt festgestellte Bausubstanz schon erheblich gemindert. So war der ehemals erkennbare Gewölbeansatz auf nur noch wenige Steine geschmolzen. Als Resümee aller Untersuchungen kann für die Grabanlage eine Datierung in das 3. oder 4. Jahrhundert in Frage kommen.[5]
Wenn auch die ehemalige Grabkammer als karg beschrieben wurde, so sind die von Renate Thomas beschriebenen Reste von Römischer Wandmalerei auf der wenig erkenntnisreichen Trümmerstelle der Villa rustica in Zollstock ein Zeichen des relativen Wohlstandes damaliger Ansiedler des Hofguts.[6]
Literatur
- Fritz Fremersdorf: Eine neugefundene römische Grabkammer in Köln. In: Germania. 13, 1929, S. 52–54 (Digitalisat).
- Peter Noelke: Grabkammer Köln-Zollstock. In: Heinz Günther Horn: Die Römer in Nordrhein-Westfalen. Theiss, Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0312-1, S. 512 f.