Südzucker
deutscher Zuckerproduzent
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Die Südzucker AG mit Sitz in Mannheim ist ein börsennotierter Zuckerproduzent, der mehrheitlich von genossenschaftlich organisierten Rübenanbauern kontrolliert wird. Gegliedert ist Südzucker in die Unternehmenssegmente Zucker, Spezialitäten, CropEnergies (Bioethanol) und Frucht. Über Tochterunternehmen bewirtschaftete Südzucker 2022 in Deutschland rund 11.640 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche.
| Südzucker AG | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| ISIN | DE0007297004 |
| Gründung | 1926 |
| Sitz | Mannheim, |
| Leitung |
|
| Mitarbeiterzahl | 19.284 (2024/25) |
| Umsatz | 9,7 Mrd. Euro (2024/25)[1] |
| Branche | Nahrungsmittel |
| Website | www.suedzuckergroup.com |
| Stand: 28. Februar 2025 | |
Geschichte


Südzucker geht auf die Süddeutsche-Zucker-AG zurück, die 1926 aus einem Zusammenschluss von fünf regionalen Zuckerfabriken hervorging (Zuckerfabrik Frankenthal AG; Zuckerfabrik Heilbronn AG; Badische Gesellschaft für Zuckerfabrikation; Zuckerfabrik Offstein AG; Zuckerfabrik Stuttgart). Gesellschaftsrechtlicher Vorgänger der Süddeutschen-Zucker-AG ist die Zuckerfabrik Frankenthal AG.[2] 1837 erwarb die Badische Gesellschaft für Zuckerfabrikation das Schloss Eremitage in Waghäusel vom badischen Staat und errichtete auf dem 13 Hektar großen Gelände die bis 1995 bestehende Zuckerfabrik Waghäusel.[3][4]
Eine von Südzucker beauftragte Studie des Historikers Manfred Grieger kam im September 2024 zu dem Ergebnis, dass der Anteil von ausländischen Zwangsarbeitern im Unternehmen während der Wirtschaft im Nationalsozialismus mit etwa 60 % „extrem hoch“ gewesen sei. Grieger stellte in der Studie außerdem die besonderen körperlichen Belastungen heraus, die Südzucker den Zwangsarbeitern abverlangt habe. Weil die Produktion dezentralisiert gewesen sei, seien die Arbeitsbedingungen in den verschiedenen Werken allerdings unterschiedlich gewesen.[5]
Im Zweiten Weltkrieg wurden nahezu die gesamten Produktionskapazitäten zerstört, zudem verlor das Unternehmen nach Ende des Krieges die im Besatzungsgebiet der Sowjetunion gelegenen Standorte durch Enteignung. In den 1950er Jahren wurden die verbliebenen Werke wieder auf- und ausgebaut. 1988 kam es zur Fusion mit der Zuckerfabrik Franken GmbH aus Ochsenfurt und zur Umbenennung des Unternehmens in Südzucker Mannheim/Ochsenfurt mit Sitz in Mannheim und je einer Hauptverwaltung in Mannheim und Ochsenfurt.[6] Mit der Zusammenführung dieser Hauptverwaltungen im erweiterten Gebäude in der Maximilianstraße Mannheim zum Jahreswechsel 2014/15 wurde das Unternehmen in Südzucker AG umfirmiert. Das neu entstandene Unternehmen expandierte hauptsächlich durch Akquisitionen in ganz Europa:
- 1989 Raffinerie Tirlemontoise, Brüssel/Belgien[7]
- 1989 Agrana-Beteiligungs-AG, Wien/Österreich[8]
- 1990 Erwerb der ostdeutschen Zuckerfabriken von der Treuhandanstalt[9]
- 1995 Schöller-Holding (wurde 2001 an den schweizerischen Lebensmittelkonzern Nestlé weiterverkauft)[10]
- 1996 Freiberger Lebensmittel GmbH & Co. KG, Berlin (Produzent von Fertigpizzen und Pasta), Mehrheitsbeteiligung[11]
- 2001 Saint Louis Sucre Paris/Frankreich (zweitgrößter Zuckerproduzent Frankreichs)[12]
Durch den seit 1996 erfolgten Zukauf einzelner Zuckerfabriken in Europa, insbesondere in Frankreich und Polen, stieg Südzucker zum größten Zuckerproduzenten Europas auf. Im Jahr 2005 wurden 5,2 Millionen Tonnen Zucker produziert (das entspricht einem Anteil an der EU-25-Zuckerproduktion von 21,8 %).
Das Unternehmen erhielt 3.529.780,71 Euro an Agrarsubventionen im Rahmen der EU-Agrarpolitik.
Kartell
Im Februar 2014 wurde gegen das Unternehmen – zusammen mit den Unternehmen Nordzucker und Pfeifer & Langen – wegen wettbewerbsbeschränkender Absprachen eine gemeinschaftliche Geldbuße in Höhe von 280 Mio. Euro durch das Bundeskartellamt verhängt.[13][14] Vom LG Köln wurden 2020 vier Schadensersatzklagen gegen die Kartellanten über insgesamt circa 126 Millionen Euro abgewiesen, weil nicht festgestellt werden konnte, dass die kartellrechtswidrigen Absprachen zu erhöhten Preisen geführt haben.[15] Vom LG Mannheim wurden die Kartellanten 2023 in zwei Pilotverfahren verurteilt, wegen der Absprachen insgesamt 14,66 Millionen Euro an zwei Lebensmittelhersteller zu zahlen.[16] Gegen die Urteile wurde Berufung eingelegt.[17]
Im Januar 2024 wurde bekanntgegeben, dass die Südzucker AG in Österreich vom Kartellgericht rechtskräftig zu einer Strafe in Höhe von 4,2 Millionen Euro verurteilt wurde, nachdem festgestellt worden war, dass es zu illegalen Absprachen zur Aufteilung des österreichischen Zuckermarktes gekommen war.[18]
Standorte
Unter dem Namen Südzucker hat das Unternehmen in drei Ländern Europas Fabriken: in Deutschland, Polen und Moldau. In Polen und Moldau wurde jeweils eine Tochterfirma gegründet, Südzucker Polska und Südzucker Moldova. Nachdem der Standort Warburg 2020 geschlossen wurde, werden nur noch in Rain Zuckerrüben aus ökologischer Landwirtschaft zu Bio-Zucker verarbeitet (seit 2019). Das geschieht am Anfang der Kampagnen, bevor die Verarbeitung der Zuckerrüben aus konventioneller Landwirtschaft beginnt.[19]
Deutschland
| Bezeichnung | Standort | Bundesland | Gründung | Mitarbeiter | Status | Quelle |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Hauptverwaltung | Mannheim | 1988 | ca. 500 Mitarbeiter | aktiv | [20] | |
| Werk | Waghäusel | 1837 | - | geschlossen 1995 | [21] | |
| Werk | Straußfurt | 1871 | - | geschlossen 1996 | [22] | |
| Werk | Brottewitz | 1872/73 | - | geschlossen 2020 | [23] | |
| Werk | Wabern | 1880/81 | ca. 80 Mitarbeiter | aktiv | [24] | |
| Werk |
Warburg | 1882 | - | geschlossen 2020 | [25][26] | |
| Werk | Obrigheim-Neuoffstein | 1883 | ca. 300 Mitarbeiter | aktiv | [27] | |
| Werk | Groß-Gerau | 1883 | - | geschlossen 2008 | [28][29] | |
| Werk | Regensburg | 1899 | - | geschlossen 2008 | [28][29] | |
| Werk mit Verwaltung | Ochsenfurt | 1951 | ca. 330 Mitarbeiter | aktiv | [30] | |
| Werk | Rain | 1957 | ca. 240 Mitarbeiter | aktiv | [31] | |
| Werk | Zeil | 1959 | - | geschlossen 2001 | [32] | |
| Werk | Plattling | 1961 | ca. 230 Mitarbeiter | aktiv | [33] | |
| Werk | Offenau | 1971 | ca. 200 Mitarbeiter | aktiv | [34] | |
| Werk | Zeitz | 1858, Neubau 1993 | ca. 200 Mitarbeiter | aktiv | [35] | |
| Werk | Oldisleben | 1872 | seit 1990 Museumswerk | [36] | ||
| Werk | Frankenthal (Pfalz) | 1843 | - | geschlossen 1943 | [37] | |
| Werk | Kaiserslautern | 1819 | - | geschlossen 1843 Verlegung nach Frankenthal |
[37] |
Tochterunternehmen und Beteiligungen (Auszug)
Segment Zucker


- Geschäftsbereich Zucker Südzucker AG, Mannheim
- BGD Bodengesundheitsdienst GmbH, Ochsenfurt
- Raffinerie Tirlemontoise s. a., Brüssel, Belgien
- Saint Louis Sucre S. A., Paris, Frankreich[12]
- Agrana Beteiligungs AG, Wien, Österreich
- Südzucker Polska Sp. z o.o., Warschau/Breslau, Polen
Segment Spezialitäten
- BENEO GmbH, Mannheim
- Freiberger Lebensmittel GmbH & Co KG, Berlin
- PrimAS Tiefkühlprodukte GmbH, Oberhofen im Inntal, Österreich
- Stateside Foods Ltd., Westhoughton, Großbritannien
Segment CropEnergies
- CropEnergies AG, Mannheim (Bioethanolproduktion)
- vier Produktionsstandorte in Deutschland, Belgien, Frankreich und Großbritannien
Segment Frucht
- Fruchtzubereitungen
- Fruchtsaftkonzentrate
- 39 Produktionsstandorte
Aktie und Anteilseigner
Das Grundkapital der Gesellschaft ist aufgeteilt in rund 204 Millionen Stückaktien.[38] Die Aktien befinden sich mehrheitlich im Festbesitz durch die Süddeutsche Zuckerrübenverwertungs-Genossenschaft eG (SZVG) mit einem Anteil von 60,7 %[38] und die Agrana Zucker, Stärke und Frucht Holding AG aus Österreich mit einem Anteil von rund 10,3 %. Die übrigen rund 29 % gelten als Streubesitz.
Museum
Südzucker unterhält in Oldisleben im Norden Thüringens die Zuckerfabrik Oldisleben als Museum und als Technisches Denkmal. Die Fabrik wurde 1872 gegründet und war in nahezu unverändertem technischen Zustand bis 1989 in Betrieb. Das Museum kann nach Anmeldung besichtigt werden.[39][40]
Literatur
- Manfred Pohl: Die Geschichte der Südzucker AG. 1926–2001. Piper, München/Zürich 2001, ISBN 3-492-04330-5.
- Manfred Grieger: Die Süddeutsche Zucker-AG im Nationalsozialismus, Wallstein, Göttingen 2025, ISBN 978-3-8353-5819-5.
Weblinks
- www.suedzuckergroup.com (Unternehmensseite Südzucker-Gruppe)
- www.suedzucker.com (Südzucker AG, Geschäftsbereich Zucker)
- Frühe Dokumente und Zeitungsartikel zur Südzucker in den Historischen Pressearchiven der ZBW
