Sama Maani

österreichischer Schriftsteller, Psychiater und Psychoanalytiker From Wikipedia, the free encyclopedia

Sama Maani (geboren 1963 in Graz) ist ein österreichischer Schriftsteller, Psychiater und Psychoanalytiker.

Sama Maani

Leben

Sama Maani wurde als Sohn iranischer Baha'i in Graz geboren und wuchs in Österreich, Deutschland und im Iran auf. Er studierte Medizin in Wien sowie Philosophie in Zürich.[1][2]

Maani lebt und arbeitet in Wien[3] und ist als Psychoanalytiker unter anderem für den Verein Hemayat tätig, der Überlebende von Krieg und Folter unterstützt.[4]

Werk

Maani veröffentlichte in deutschsprachigen und iranischen Zeitschriften (u. a. in Kayhan London und Kaveh[5]) und Anthologien, u. a. in den Literaturzeitschriften kolik[6] und Wespennest.[7]

Über Maanis Text Der Heiligenscheinorgasmus, für den er 2004 ausgezeichnet wurde, befand der Schriftsteller Vladimir Vertlib: „Ein sprachlich virtuos gearbeiteter Text, der schonungslos Identitätszuschreibungen in Frage stellt. Im Spiel mit Klischees, deren Doppelbödigkeit durch groteske Überzeichnungen erst erkennbar wird, werden scheinbar die Abgründe der österreichischen, der Schweizer, aber auch der persischen ‚Seele‘ ausgelotet. Doch der aus Persien stammende Protagonist ist genauso ein typischer Österreicher, der die Ressentiments seiner Schweizer Nachbarn auf sich zieht, wie er ein typischer Zuwanderer oder typischer Perser ist, also letztlich überall untypisch und somit wieder sehr gewöhnlich für die heutige Zeit.“[8]

Es folgten erzählende und essayistische Texte, in denen Maani diese Themen vertiefte. Auch im 2014 erschienenen Briefroman Ungläubig dekonstruiert und ironisiert er kulturelle Zuschreibungen bis hinein ins Groteske. Unkommentiert erhalten seine Figuren Raum für ihre Schilderungen, die immer weiter auseinander driften.[9][10]

Seine 2015 veröffentlichte Essaysammlung Respektverweigerung nimmt Anleihen bei Sigmund Freud und Theodor W. Adorno und analysiert die Widersprüche der Aufklärung und die Gefahr ihres Umschlags anhand moderner Beispiele wie der islamischen Revolution im Iran. Er kritisiert das Konzept der kulturellen Identität und verteidigt den Universalismus gegen den Kulturrelativismus sowie die Psychoanalyse als Kulturkritik gegen die Psychotherapie.[11][12]

Seit 2024 betreibt er gemeinsam mit Aaron Wölfling den Podcast Religion, Sex, Israel, in dem die beiden über politische und philosophische Themen sprechen.[13]

Auszeichnungen

  • 2004: Preis des Literaturwettbewerbs Schreiben zwischen den Kulturen[14][15]
  • 2007: Österreichisches Staatsstipendium für das Romanprojekt Ungläubig[16]

Publikationen (Auswahl)

Monografien

Erzählungen

  • Der Heiligenscheinorgasmus. In: Christa Stippinger (Hrsg.): Sprachsprünge. Edition Exil, Wien 2004, ISBN 3-901899-24-3.
  • Zeitzeugenstunde. In: kolik. Nr. 29, 2005.
  • Wertes Zentralkomitee. In: kolik. Nr. 36, 2007.

Essays

Einzelnachweise

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