Sammlung Würth

Kunstsammlung von Reinhold Würth From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Sammlung Würth, die über 20.000 Kunstwerke vom späten Mittelalter bis zur Gegenwart umfasst, ist eine große bedeutende Privatsammlung des Unternehmers Reinhold Würth.[1][2] Ihre Schwerpunkte liegen insbesondere auf der Moderne und der zeitgenössischen Kunst.[3][4][5] Hinzu kommen Sammelgebiete zu den süddeutschen Meistern des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit[6] und der Kleinkunst des 17. und 18. Jahrhunderts in der Kunstkammer Würth.[7][8] Das Unternehmen Würth zeigt die Kunstwerke in Wechselausstellungen in 15 eigenen Häusern.[9]

Plastik von Niki de Saint Phalle, Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall (Foto: 2011)

Schwerpunkte der Sammlung

Alte Meister

Die Madonna des Bürgermeisters Jacob Meyer zum Hasen (auch Darmstädter Madonna) von Hans Holbein dem Jüngeren bildet seit 2011 den Höhepunkt der Alten Meister in der Sammlung Würth.[10][11] Der Grundstein dieser Sammlung wurde jedoch bereits 2003 mit dem Erwerb des Fürstlich Fürstenbergischen Bilderschatzes aus Donaueschingen gelegt.[12][13] Hierunter zählen verschiedene Tafelbilder des Meisters von Meßkirch wie der Falkensteiner Altar, der als nationales Kulturgut gilt, und Die Kreuzigung Christi, außerdem Werke aus der Malerwerkstatt Strüb[14]. Zudem sind das Antonius-Retabel des Zürcher Veilchenmeisters und das Porträt Bildnis eines Mannes mit rotem Barett von Andreas Haider vertreten.[15] Reinhold Würth wollte die Gemäldesammlung des 15./16. Jahrhunderts gesammelt in Baden-Württemberg und der Öffentlichkeit erhalten, deshalb werden die Werke seit 2008 in Schwäbisch Hall in der zu einem kleinen Museum umgebauten Johanniterkirche öffentlich gezeigt.[16]

Sowohl in der Tafelmalerei als auch der Skulptur wird dieser Bestand immer wieder erweitert.[17] Von Lucas Cranach d. Ä.[18] fanden mehrere Gemälde, darunter Christus segnet die Kinder von 1546 und Die Heilige Barbara von 1530, Eingang in die Sammlung Würth.[17] Zudem wurden Werke von Tilman Riemenschneider[19], Daniel Mauch und aus dem näheren Umkreis von Hans Multscher ergänzt.[20][21] Eine seltene Bronzefigur, die Madonna mit Kind von Hubert Gerhard, die zu den bedeutendsten Skulpturen aus der Zeit um 1600 nördlich der Alpen zählt, ist seit 2026 in der Johanniterkirche zu sehen.[22]

„Darmstädter Madonna“ (Madonna des Bürgermeisters Jacob Meyer zum Hasen) von Hans Holbein dem Jüngeren

Moderne

Die Sammlung enthält Werke des französischen und des deutschen Impressionismus, insbesondere aber des deutschen Expressionismus, etwa von Emil Nolde, Ernst Ludwig Kirchner und Max Beckmann.[23][24] Als Grundstein der Sammlung gilt ein Aquarell von Emil Nolde, Wolkenspiegelung in der Marsch, 1935, das Reinhold Würth 1972 erwarb.[25][26] Auch weitere Stilrichtungen der Moderne sind stark vertreten, wie der Surrealismus mit René Magritte oder André Masson.[27]

Der über 700 Werke umfassende Block zu Max Ernst in der Sammlung Würth, darunter das komplette grafische Werk[28], fußt auf der ehemaligen Sammlung Lufthansa, die Reinhold Würth 1996 übernahm[29][30]. Über die Jahre wurde dieser Bestand durch Ölgemälde, Skulpturen, Mauerfragmente, Papierarbeiten, Originalcollagen, Collageromane, Künstlerbücher und weitere Zeichnungen und Frottagen und Skulpturen vervollständigt.

Gegenwartskunst

Zur Sammlung gehören umfangreiche Werkblöcke von Hans Arp, Horst Antes, Georg Baselitz, Max Bill und Anselm Kiefer und eines der weltweit größten Konvolute von Christo und Jeanne-Claude, die 1995 das Museum Würth in Künzelsau verhüllten.[31][32][33]

Ein großer Schwerpunkt liegt auf internationaler Bildhauerei von Künstlern wie Stephan Balkenhol, Eduardo Chillida, Alfred Hrdlicka, Robert Jacobsen, Tony Cragg, Antony Gormley, Anish Kapoor oder Henry Moore.[34] Auch die Installation „The Last Judgement Sculpture (1995–99)“, ein Hauptwerk Anthony Caros, gehört zur Sammlung.[35]

Zu Weihnachten wird in einzelnen Museen Würth regelmäßig eine Weihnachtskrippen-Sammlung gezeigt.[36][37]

Museen und Ausstellungsorte

Die fünf Ausstellungshäuser in Deutschland werden von der Adolf Würth GmbH und Co. KG getragen: die Kunsthalle Würth und die Johanniterkirche in Schwäbisch Hall sowie das Museum Würth,[38] das Museum Würth 2[39] und die Hirschwirtscheuer[40] in Künzelsau.

Darüber hinaus haben in Europa seit 1999 zehn Kunstdependancen in Auslandsgesellschaften der Würth-Gruppe eröffnet, darunter in der Schweiz das Forum Würth Arlesheim,[41] das Forum Würth Chur und das Forum Würth Rorschach;[42] in Österreich in Böheimkirchen der Art Room Würth Austria.[43] Die erste umfassende Präsentation der Sammlung Würth innerhalb Österreichs fand von April bis September 2023 im Wiener Leopold Museum unter dem Titel „Amazing – The Würth Collection“ statt.[44] Am 27. Januar 2008 wurde in Frankreich im Industriegebiet von Erstein das Musée Würth France Erstein eröffnet: Es zeigt auf zwei Etagen Wechselausstellungen[45] bildnerischer und plastischer Arbeiten aus der Sammlung Würth. Weitere Kunstdependancen finden sich in Dänemark, Italien, den Niederlanden und Spanien.[46]

Daneben enthält die Sammlung die „Kunstkammer Würth“ mit Kleinskulpturen des 17. und 18. Jahrhunderts (seit 2006 im Bode-Museum in Berlin ausgestellt,[47] 2018 war eine Auswahl im Domquartier in Salzburg zu sehen[48]). 2015/2016 präsentierte sich die Kollektion im Martin-Gropius-Bau in Berlin mit der Schau „Von Hockney bis Holbein – Die Sammlung Würth in Berlin“.[49]

Filme

  • Museen Würth, Künzelsau und Schwäbisch Hall (= Museums-Check. Folge 81). Reportage, 30 Min., Moderation: Markus Brock, Produktion: 3sat. Erstausstrahlung: 11. Juni 2023.[50]

Literatur

  • Carmen Sylvia Weber (Hrsg.): Alte Meister in der Sammlung Würth. Swiridoff, Künzelsau 2004.
  • Karin von Maur: Von Spitzweg bis Baselitz. Streifzüge durch die Sammlung Würth. Swiridoff, Künzelsau 2005, ISBN 3-89929-046-1.
  • Werner Spies: Liebe auf den ersten Blick. Hundert Neuerwerbungen der Sammlung Würth. Swiridoff, Künzelsau 2007, ISBN 978-3-89929-111-7.
  • Carmen Sylvia Weber (Hrsg.): Neuerwerbungen. Alte Meister in der Sammlung Würth. Künzelsau 2008.
  • Beate Elsen-Schwedler, Michael Eissenhauer, C. Sylvia Weber (Hrsg.): Von Hockney bis Holbein. Die Sammlung Würth in Berlin, Swiridoff, Künzelsau 2015 (Katalog zur Ausstellung im Martin-Gropius-Bau).
  • Hans-Peter Wipplinger, Rainer Metzger, Carmen Sylvia Weber (Hrsg.): Amazing – The Würth Collection. Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König, Köln 2023, ISBN 978-3-7533-0412-0 (Katalog zur Ausstellung im Leopold Museum).
Commons: Sammlung Würth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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