Samoa Expeditionary Force
neuseeländische Freiwilligentruppe zur Besetzung Deutsch-Samoas
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Die Samoa Expeditionary Force (SEF) war eine Freiwilligentruppe von etwa 1.400 Mann, die kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs in Neuseeland aufgestellt wurde, um die deutsche Funkstation in Deutsch-Samoa im Südwestpazifik zu erobern und zu zerstören. Großbritannien forderte die Zerstörung der deutschen Funkanlagen, da diese vom Ostasiengeschwader unter Vizeadmiral Maximilian von Spee der Kaiserlichen Marine genutzt wurden und die alliierte Handelsschifffahrt in der Region bedrohten. Nach der Einnahme der deutschen Besitzungen in der Region stellte die SEF für die Dauer des Krieges Besatzungstruppen. Australien stellte eine ähnliche Truppe für die alliierte Besetzung Deutsch-Neuguineas.

Geschichte
Hintergrund
Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs am 5. August 1914 autorisierte die neuseeländische Regierung die Aufstellung der New Zealand Expeditionary Force (NZEF) für den Kriegseinsatz. Die Mobilisierung für den Krieg hatte bereits begonnen, die Vorbereitungen waren einige Tage zuvor diskret angelaufen.[1] Einen Tag nach der Kriegserklärung forderte die britische Regierung Neuseeland auf, die Funkstation in Deutsch-Samoa, einer Kolonie des Deutschen Reiches, zu besetzen.[2] Sie bezeichnete dies als „große und dringende imperiale Aufgabe“.[3] Die Besetzung Deutsch-Samoas entsprach weiterhin auch den Plänen, die der Befehlshaber der neuseeländischen Streitkräfte, Generalmajor Alexander Godley, vor dem Krieg ausgearbeitet hatte.[4]
Aufstellung und Einsatz
Nach britischer Aufforderung begann die Aufstellung der Samoa Expeditionary Force (SEF).[3] Oberst Robert Logan, Mitglied des neuseeländischen Generalstabs und Kommandeur des Militärbezirks Auckland, wurde zum Befehlshaber der SEF ernannt.[5] Am 11. August 1914[6] umfasste die SEF über 1.400 Mann, darunter drei Infanteriekompanien und eine Pionierkompanie.[7] Am 15. August verließ die Expedition Neuseeland in einem Truppentransporterkonvoi, eskortiert von den Kreuzern Philomel, Pyramus und Psyche.[8] Nach einem Zwischenstopp in Nouméa in Neukaledonien, wo sich der Konvoi dem Schlachtkreuzer HMAS Australia, dem Kreuzer HMAS Melbourne und dem französischen Kreuzer Montcalm anschloss,[9] fuhr die gesamte Expedition unter dem Kommando von Konteradmiral George Edwin Patey[10] weiter nach Fidschi. Dort schlossen sich mehrere Angehörige der Legion of Frontiers und samoanische Häuptlinge der SEF an, die am 27. August Kurs auf Samoa nahm.[11]
Trotz der Befürchtung, dass Spees Ostasiengeschwader mit seinen zwei Panzerkreuzern Scharnhorst und Gneisenau sowie vier Kleinen Kreuzern SMS Nürnberg, Leipzig, Dresden und Emden die Operationen behindern könnte, erreichte die SEF am 29. August Apia, die Hauptstadt Samoas. Die Landung verlief ungehindert, gedeckt durch das Feuer der Begleitschiffe, und sicherte die Regierungsgebäude in der Stadt sowie die mehrere Kilometer entfernte Funkstation.[12] Logan, nun Militärverwalter von Samoa[13] und mit dem deutschen Gouverneur Erich Schultz-Ewerth als Kriegsgefangenem, überwachte am folgenden Tag die offizielle Hissung des Union Jack und erklärte damit formell die Besetzung Deutsch-Samoas.[12]
Die SEF blieb bis März 1915 in Samoa, bevor sie mit der Rückreise nach Neuseeland begann. Eine kleine Entsatzgruppe traf am 3. April 1915 in Apia ein, und das Truppentransportschiff, das sie nach Samoa gebracht hatte, transportierte die letzten Angehörigen der SEF zurück nach Neuseeland.[14] Logan blieb im Amt und verwaltete das Land im Auftrag der neuseeländischen Regierung bis 1919. Logan blieb im Amt und verwaltete das Land bis 1919 im Auftrag der neuseeländischen Regierung. Seine Amtszeit war umstritten, da er bei Ausbruch der Spanischen Grippe auf der Inselgruppe im November 1918 nicht umgehend und entschlossen reagierte, was über 7.500 Todesopfer forderte.[13]
Samoa Expeditionary Force
Zusammensetzung im August 1914[15]
- 3rd (Auckland) Regiment (1 Kompanie, 253 Mann)
- 5th (Wellington) Regiment (2 Kompanien, 559 Mann)
- D Battery, New Zealand Artillery (2 76,2-mm- und 2 57-mm-Fekdkanonen, 100 Mann)
- No.4 Company, New Zealand Engineers (2 Gruppen, 60 Mann)
- New Zealand Railway Engineers (1 Kompanie, 258 Mann)
- New Zealand Medical Corps (72 Mann und 6 Krankenschwestern)
- Divisional Signal Corps (26 Mann)
- 5th (Wellington) Regimental Band (26 Mann)
Galerie
- Die Hissung des Union Jack am 30. August 1914 in Apia, Samoa.
- Oberst Robert Logan verliest am 29. August 1914 in Apia, Samoa, eine Proklamation – dem Tag, an dem er die Verantwortung als Militärverwalter übernahm.
- Offiziere des 5th (Wellington) Regiment in Apia, ca. 1914–1915
- Neuseeländische Truppen zeigen eine erbeutete deutsche Flagge in Apia
Literatur
- Stephen John Smith: The Seizure and Occupation of Samoa. In: Lieut. H. T. B. Drew (Hrsg.): The War Effort of New Zealand. Official History of New Zealand's Effort in the Great War. Whitcombe and Tombs Limited. Auckland, New Zealand. 1923. OCLC 2778918.
- Stephen John Smith: The Samoa (N.Z.) Expeditionary Force 1914–1915. Ferguson & Osborn. Wellington, New Zealand. 1924. OCLC 8950668.
- Ian McGibbon: The Path to Gallipoli: Defending New Zealand 1840–1915. GP Books. New Zealand. 1991. ISBN 0-477-00026-6.