Samuel Wyss
Mediziner und Politiker in der alten Eidgenossenschaft
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Leben
Familie und Ausbildung
Samuel Wyss entstammte der Patrizierfamilie Wyss und wurde als der älteste Sohn des Fürsprechers und Notars Johann Rudolf Wyss und dessen Ehefrau Katharina (geb. Tribolet) geboren. Sein Bruder war der Geistliche Johann Rudolf Wyss (der Ältere).
Samuel Wyss war mit Elisabeth, der Tochter von Abraham Morell (1720–1794), Landschreiber in Wangen, verheiratet. Mit ihr hatte er zwei Söhne: Abraham Rudolf Wyss, Jurist und Politiker sowie Bernhard Karl Wyss, Theologe und Hochschullehrer.
Sein Medizinstudium absolvierte er zunächst an der Akademie Bern, setzte es dann an der Universität Göttingen fort und vervollständigte seine Ausbildung an der École de Santé in Montpellier. In Montpellier erwarb er seinen Doktorgrad in Medizin.
Medizinische Karriere
Bald nach seiner Rückkehr in die Schweiz im Jahr 1781 wurde Wyss zum Stadtphysikus von Bern und zum Arzt am Inselspital ernannt.
Medizinalreformen
Wyss nutzte seine politische Position intensiv für Reformen im Medizinalwesen. Ab 1795 war er Mitglied des Grossen Rates, des Sanitätsrates und verschiedener städtischer Behörden. 1797 liess er sich nach erfolgreichem Examen als Notar patentieren.
Im Burgerspital setzte er die Einrichtung von Krankenzimmern und eine zweckmässigere Krankenpflege durch.
Als Oberfeldarzt (seit 1791) reorganisierte er 1798 den vernachlässigten Feldlazarettdienst, konstruierte mathematisch berechnete Medizinalwagen und hob die Feldapotheke zu bisher unbekannter Brauchbarkeit.
Er trug massgeblich zur Gründung der Hebammenschule bei.
Wyss stiftete zwischen 1795 und 1798 die medizinische Bibliothek, der er lange Jahre als Bibliothekar vorstand. Die Bibliothek stiftete er später der Medizinischen Fakultät der Hochschule Bern.
Wissenschaftliche Tätigkeit und gesellschaftliches Wirken
Wyss setzte sich für die Weiterbildung seiner Fachkollegen ein. Im Auftrag der Regierung verfasste er verschiedene Druckschriften zur Anleitung der Landärzte, darunter eine Abhandlung über das Faulfieber. Seine umfangreiche, sorgfältig zusammengestellte private Büchersammlung stellte er zur freien Nutzung zur Verfügung. Seine intensive Arbeit auf dem Gebiet der medizinischen Organisation legte den Grundstein für die spätere Gründung der Medizinischen Fakultät der Universität Bern.
Er übte auch von 1802 bis 1808 das Kirchmeieramt[1] in Bern aus.
Mit bemerkenswerter Selbstkritik legte Wyss in seinem 60. Lebensjahr seine Ämter nieder, da er bemerkte, dass seine Kräfte, insbesondere sein Gedächtnis, nachliessen – er wollte kein Patientenleben gefährden.
Wyss zog sich auf seinen schön gelegenen Landsitz in Gerzensee zurück und beschäftigte sich mit Landwirtschaft. In seinen letzten Jahren führte ihn zunehmende körperliche Schwäche wieder in die Stadt Bern, wo er am 3. Februar 1834 starb.
Mitgliedschaften
- Seit 1825 war er Mitglied der Ökonomischen Gesellschaft.
Schriften (Auswahl)
- Die Heilungsart der herrschenden Faulfieber, für Landärzte und Landleute; auf Befehl und Unkosten einer hoh. Obrigkeit. Zug 1786 (Digitalisat).
Literatur
- Samuel Wyß. In: Todesfall. In: Allgemeine Schweizer Zeitung vom 8. Februar 1834. S. 3 und Beilage zur allgemeinen Schweizer Zeitung (Digitalisat).
- Samuel Wyß. In: Biographische Literatur enthaltend eine Sammlung gedruckter, biographischer Quellen aus dem Zeitraume von 1785 bis 1840 über das Leben und Wirken hervorragender, verstorbener Berner und Bernerinnen das alten deutschen Kantonstheils. In: Gottlieb Ludwig Lauterburg (Hrsg.): Berner Taschenbuch. Band 2, S. 313–314 (Digitalisat).
- Samuel Wyß. In: Sammlung bernischer Biographien. Band 1. Bern 1884, S. 300–301 (Digitalisat).
- Samuel Wyß. In: Yvonne Thurnheer: Die Stadtärzte und ihr Amt im alten Bern. Bern 1945, S. 98, 100, 104–105 (Digitalisat).
Weblinks
- Wyss, Samuel (1757–1834). In: République des Lettres.
