San Geminiano (Venedig)
Ehemalige Kirche in Venedig
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Die Kirche San Geminiano in Venedig bestand von 1558 bis 1806, wenn auch ihre Vorgängerbauten sehr viel weiter zurückreichten. Sie befand sich an der Stelle der heutigen Ala Napoleonica („Napoleonsflügel“) an der Westseite des Markusplatzes.
- Fassade
- Grundriss
Geschichte


Die Kirche stand an der Westseite des Markusplatzes zwischen den Alten- und den Neuen Prokuratien. Allerdings soll zur Zeit der oströmischen Herrschaft unter General Narses im Jahr 554 eine Kirche unter den Namen San Geminiano e San Menna entstanden sein. Der Markusplatz war zu dieser Zeit noch sehr viel kleiner, er wurde erst unter dem Dogen Vitale Michiel II. vergrößert und die Kirche an dessen Westrand verlegt.[1] Da, wo heute das Café Quadri betrieben wird, kamen bei Grabungen im Jahr 2024 Überreste der Kirche aus dem Frühmittelalter zu Tage.[2]
Pläne für einen Neubau entstanden bereits durch Cristoforo da Legname ab 1505, tatsächlich gebaut wurde aber nach Plänen Jacopo Sansovinos von 1557 bis 1558.[3] Die dreigliedrige Renaissance-Fassade hatte beidseitig Rundbogenfenster und korinthische Säulen, die Bekrönung bildeten ein Giebel und zwei Zinnen. Im Inneren befand sich das Grab des Baumeisters Jacopo Sansovino.
Kaiser Napoleon verfügte nach der Einnahme Venedigs 1807 den Abbruch der Kirche, um den Westflügel in das Ensemble der Prokuratien einzugliedern. Dieser Westflügel heißt heute noch „Ala Napoleonica“. Im Januar 1807 war bereits der große Weizenspeicher beim Dogenpalast auf Geheiß Napoleons abgerissen worden, nachdem bereits am 19. Mai 1806 die Kirche San Geminiano zerstört worden war. Das Grab Sansovinos wurde in die Basilika Santa Maria della Salute überführt. Der Hochaltar befindet sich heute in der Kirche San Giovanni di Malta und einige weitere Elemente wurden für den Neubau der Chiesa del Nome di Gesù verwendet. Anderes, wie ein marmornes Kruzifix auf dem Altar der Sakristei, ist bis heute verschollen. Die Kirche soll auf einen Vorgängerbau aus dem 6. Jahrhundert zurückgehen, der bis ins frühe 13. Jahrhundert bestand und im Zuge einer Neugestaltung des Markusplatzes abgerissen wurde.[4] Auf hohes Alter deutet auch das Patrozinium des heiligen Geminianus.
Literatur
- Deborah Cisco: “Venezia scomparsa”. La chiesa di San Geminiano: un patrimonio perduto, tesi di laurea, Padua 2023. (online, PDF)
- Gabriele Sorrentino: San Geminiano, vescovo e protettore, Modena 2021.
- Ennio Concina: Storia dell’architettura di Venezia dal VII al XX secolo, Mailand 1995, S. 192 f.
- Alberto Giuliani: The Demolition of the Church of San Geminiano and the Perception of Piazza San Marco in Venice, in: Michele Emmer (Hrsg.): Imagine Math 3, Springer, 2015, S. 189–211.
- Kristin Love Huffman, Iara Dundas: San Geminiano: „a ruby among many pearls“, in: Journal of the Society of Architectural Historians 79 (2020) 6–16.
- Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 203 f. (Digitalisat)