San Pedro de la Nave

Kirchengebäude in Spanien From Wikipedia, the free encyclopedia

San Pedro de la Nave ist eine westgotische Kirche in El Campillo, einem kleinen Ort in der Gemeinde San Pedro de la Nave-Almendra, knapp 20 km nordwestlich der Stadt Zamora, in der gleichnamigen Provinz der spanischen Autonomen Region Kastilien und León.

San Pedro de la Nave (Nordwestansicht)
Südostansicht
Grundriss der Kirche (auf Fensterhöhe)

Geschichte

San Pedro de la Nave gilt als spätes Beispiel westgotischer Architektur. Die Kirche wurde vermutlich kurz vor der maurischen Eroberung Spaniens, die im Jahre 711 einsetzte, errichtet. Der Baubeginn wird in die Regierungszeit des westgotischen Königs Egica (reg. 687–702), in das ausgehende 7. oder beginnende 8. Jahrhundert, datiert. Die eigentliche Bauzeit dürfte nicht mehr als ein Jahr betragen haben. Ursprünglich gehörte die Kirche zu einem Kloster im Tal des Río Esla, in der Nähe der Via de la Plata, der Römerstraße, die die Städte Emerita Augusta (Mérida) und Asturica Augusta (Astorga) miteinander verband. Wie lange das Kloster bestand, ist nicht belegt. Die Kirche wurde später als Pfarrkirche genutzt. Im Jahr 1912 wurde sie zum nationalen Kulturgut (Bien de Interés Cultural, RI-51-0000103) erklärt. Im Jahr 1931 musste die Kirche dem Ricobayo-Stausee weichen und wurde nur circa zwei Kilometer weiter südöstlich am heutigen Standort wieder aufgebaut. Die Erneuerung des Vierungsturms, die cámara oculta und der Türsturz über dem Hauptportal stammen aus dieser Zeit.[1] Anfang der 2010er Jahre wurde das Gebäude restauriert, mit einem Lichtsystem ausgestattet und 2014 wiedereröffnet.[2]

Ansicht von Norden
Blick in den Vierungsturm
Blick zur Apsis

Architektur

Trotz der Versetzung des Bauwerks 1930/31, der zum Verlust vieler möglicher Daten führte, konnte aufgrund des gewissenhaft dokumentierten Dekonstruktion und dessen identischem Wiederaufbau in den 1990er Jahren eine Stratigraphie des gesamten Mauerwerks gewinnbringend durchgeführt und kartiert werden.[3]

San Pedro de la Nave ist eine dreischiffige Basilika, mit rechteckig herausgestellten Querschiffen und fast quadratischer Chorapsis.[4] Auf einer Grundfläche von 17,7 × 21,10 m mit einer Dicke der zweischaligen Mauer von etwa 80 cm hat der Innenraum eine Tiefe von 19,60 m und in den Querarmen 16,10 m als größte Breite.[5] Das Gebäude ist aus rötlichen Sandsteinblöcken unterschiedlicher Größe errichtet, die ohne Mörtel aneinandergefügt sind und in fast allen Lagen mit vermauerten Holzklammern versehen sind, die bis zu drei Quadern fassen. Gelegentlich sind härtere Granitblöcke an besonders beanspruchten Stellen eingesetzt. Das Mauerwerk mit Quadern von bis zu 1,40 m oder sogar darüber ist „äußerst präzise“ ausgeführt, gegenüber liegende Quaderreihen sind auf gleicher Höhe gesetzt, selbst in den gekrümmten Wandteilen. Bausubstanz der ältesten Bauperiode sind über den gesamten Bau verteilt, am durchgängigsten zwischen Querschiff und Presbyterium und zum Boden des Mittelschiffs hin abnehmend; nur die Arkaden des Mittelschiffs weisen keine so frühen Spuren mehr auf. Die „Homogenität“ des Bauwerks wird als Beleg dafür gesehen, dass dessen heutige Gestalt mit dem ursprünglich umgesetzten Plan noch übereinstimmt.[6]

Auffallend sind die vergleichsweise großen Portale und auch die unterschiedlich gestalteten Lichtöffnungen. Die sechs quadratischen Oberlichter unterhalb des mit Ziegeln restaurierten Tonnengewölbes des Presbyteriums sind für frühmittelalterliche Bauten ungewöhnlich und sollen daher 1931 oder später hinzugefügt worden sein, was jedoch nicht dokumentiert ist.[7] Die äußerlich die Seitenschiffe hinter dem Querhaus verlängernden Räume längs des Presbyteriums sind durch eine Tür mit übergroßem Bogen und einem Triforium mit ihm verbunden. Die Fenster dieser Räume (je zwei längsseitg, eines in der Ostwand) und die drei Fenster der Apsis waren immer vergittert. Die Lichtschächte der Seitenschiffe (drei längs, je eines nach Westen) verbreitern sich nach innen konisch, um gleichzeitig Schutz und Lichteinfall zu maximieren. In der Ostwand des nördlichen Querschiffs öffnet sich ein durch eine Mittelsäule geteiltes Fenster (arab. ajimez). Das Kapitell der rudimentären, aus einem Stein gearbeiteten Säule ist mit dem Relief einer Weinrebe geschmückt, ein Motiv das die Dekoration im Innenraum dominiert.

Über der Vierung erhebt sich ein niedriger Turm mit flachem Zeltdach, der durch vier Fensteröffnungen den Innenraum beleuchtet. Die Vierungspfeiler sind zum Hauptschiff von Säulen flankiert, deren Kapitelle und Basen mit Reliefs geschmückt sind. Die auf sie überkragenden Kämpfer tragen einen Fries (siehe Skulpturenschmuck).

Die Seitenschiffe sind vom Haupt- und den Querschiffen durch Arkaden aus unterschiedlich stark geschlossenen Hufeisenbögen verbunden, zwei zum Hauptschiff und je zwei Fenster durch die westlichen Querschiffwände. Auch der Triumphbogen, der sich vom Presbyterium zur Apsis öffnet, ist als Hufeisenbogen gestaltet. Darüber liegt – wie in anderen präromanischen Kirchen (z. B. San Baudelio de Berlanga, San Salvador de Priesca oder Santiago de Peñalba) – eine sogenannte verborgene Kammer (cámara oculta), die nur von innen und über eine Leiter zugänglich ist. Sie wurde 1931 rekonstruiert.

Südwestliches Kapitell mit Paulus, der ein Kreuz und ein Buch (darauf: LIBER, lat. „Buch“) hält

Skulpturenschmuck

Reliefschmuck

Den Pfeilern des Vierungsquadrates sind Säulen mit längsrechteckigen Kapitellen vorgelagert, die mit figürlichen Reliefs geschmückt sind. Auf den chorseitigen Kapitellen sind Vögel dargestellt, die Trauben picken. An den kurzen Seiten befinden sich Gesichter. Auf den beiden westlichen Kapitellen sind biblische Szenen zu sehen. In der einen Szene führt Abraham ein Messer gegen seinen vor ihm auf einem Altar liegenden Sohn Isaak, den die Hand Gottes vor der Tötung bewahrt. Hinter Abraham steht ein Widder als Opfertier bereit. Auf dem oberen Rand des Kapitells ist eine lateinische Inschrift eingemeißelt, deren Übersetzung lautet: „Wo Abraham seinen Sohn Isaak dem Herrn als Opfer darbot“. Eine andere Szene zeigt den Propheten Daniel in der Löwengrube, darüber die Inschrift: „Wo er in die Löwengrube geschickt wurde“. An den Seiten dieser beiden Kapitelle sind die Apostel Petrus, Paulus, Thomas und Philippus dargestellt.

Auf den Kapitellen liegen die Kämpfer der Vierungsbögen etwas überkragend auf. Ihr Fries reicht um die Pfeiler herum und zeigt Weinranken, die Kreise bilden und Vögel, menschliche Köpfe oder Trauben umrahmen.[8]

Der Reliefschmuck des östlichen Bauteils mit Apsis, Triumphbogen und Presbyterium, sowie dem Querhaus, wird einem anderen Steinmetz, bzw. einer anderen Bildhauerwerkstatt zugeschrieben. Die Reliefs sind weniger plastisch und ganz grafisch gehalten. Auf den Längsseiten beider Kapitelle sind vier Blendbögen dargestellt, die das Himmlische Jerusalem repräsentieren. Auf den Kämpfern darüber ranken sich schlangenförmig Weinreben, von dort über die Wände der Apsis oberhalb der Fenster und im Presbyterium bis zur Vierung fortgesetzt geometrische Motive in Quadraten und in Taubänder gefasste Kreise wie Weinreben, Blütenblätter und Sonnenräder. Die Rahmung des Apsisfensters in Form eines Alfiz wiederholt die an das Jerusalem der Offenbarung gemahnenden Blendbögen und bekrönt das Fenster mit einer Fächerrosette. Nord- und Südfenster sind ebenso mit einem Alfiz geschmückt.[9] Auf den Längsseiten des Presbyteriums verläuft zusätzlich ein etwas schmalerer Fries auf Höhe der Apsisdecke. Auch die Kämpfer der Querschiffportale, die in den Laibungen auskragenden Kämpfer der Bogenöffnungen zwischen Quer- und Seitenschiffen, sowie die Säulenköpfe der gekuppelten Fenster sind ornamentiert. Kleine Bruchstücke der Friese sind anderweitig wiedereingesetzt worden.[10]

Siehe auch

Literatur

Commons: San Pedro de la Nave – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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