San Simeone Profeta

Kirchengebäude in Venedig, Italien From Wikipedia, the free encyclopedia

San Simeone Profeta (auch San Simeon Grando oder Grande genannt) ist eine Kirche im Westen des venezianischen Sestiere Santa Croce, die bis ins 10. Jahrhundert zurückreicht (Santa Croce, 919). Sie liegt unweit des Bahnhofs Venezia Santa Lucia, allerdings auf der anderen Seite des Canal Grande. Von dort erstreckt sich der Campiello S. Simeone Grande bis unmittelbar an die Kirche. Der kleine Platz, der sich westwärts vor dem Hauptportal erstreckt, ist der Campo Santo.

Die Fassade der Kirche nebst Glockenturm im Jahr 2012
Innenraum

Kirchenpatron ist der Prophet Simeon, der nur im Lukasevangelium (2,25 bis 2,35) erwähnt wird, sieht man von anderen Texten ab, wie den Apokryphen, die nicht in den Kanon der vier Evangelisten gelangten.

Geschichte

Der legendären Überlieferung nach geht die Kirche etwa auf das Jahr 967 zurück, als die Familien Ghisi, Adoldi (auch Aoldi) und Briosi das zunächst bescheidene Bauwerk gründeten. Die Adoldi sollen aus Griechenland stammen, wo sie etwa auf Andros begütert waren.

Nach einem verheerenden Brand im Oktober 1149, bei dem dreizehn Gemeinden betroffen waren, wurde der Sakralbau im folgenden Jahr als Pfarrkirche neu gebaut, also als Mittelpunkt einer Gemeinde für eine wachsende Bevölkerung auch am Westrand Venedigs. Im Laufe des Vierten Kreuzzugs kamen im Jahr 1205 aus Konstantinopel die Reliquien des Kirchenpatrons nach Venedig und wurden in die Kirche San Simeone Profeta verbracht, was schon der Doge Andrea Dandolo in seiner Chronik berichtet. Diese Reliquien waren demnach von den Popolanen Andrea Balduino und Angelo Drusiaco aus der byzantinischen Hauptstadt herbeigebracht worden.[1] Neben weiteren bedeutenden Reliquien erhielt die Kirche auch einige Dornen der Dornenkrone Christi und ein Fragment der Geißelsäule, an der Jesus gegeißelt worden sein soll. Zudem soll ein Tropfen vom Blut Christi, das der Doge Renier Zen besessen haben soll, durch seine Familie dorthin gelangt sein.

1733 wurde die Kirche entsprechend dem Zeitgeschmack umgebaut. Der Campanile wurde sogar mehrfach umgebaut und hatte Ende des 19. Jahrhunderts eine Höhe von 23 m.[2]

Mit den napoleonischen Reformen ab 1806 wurde die Kirche zwar nicht geschlossen, wie zahlreiche andere, jedoch bis 1810 zur Filialkirche der benachbarten Pfarrkirche San Simeone Piccolo, bevor sie wieder selbst Pfarrkirche wurde.

1995 konnte ein Streit mit Zara (Zadar) insofern beigelegt werden, als die venezianischen Reliquien des hl. Simeon die älteren waren. So konnte Paolo Chiesa anhand einer Schrift aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts (Translatio sancti Simeonis), die er in der Biblioteca Nazionale Braidense zu Mailand gefunden hatte, zeigen, dass die später erfolgte Translation nach Zara, nämlich von 1278 bis 1280, erst Jahrzehnte nach der venezianischen erfolgt sein musste. Der Translatio sancti Simeonis zufolge diskutierten zwei Pfarrer namens Andrea Balduino und Pietro Steno, ob es richtig sei, den angeblichen Befehl Kaiser Balduins auszuführen und die Reliquien aus Konstantinopel zu rauben. Darin verwickelt waren zehn Angehörige der Gemeinde San Simeon. Sie entdeckten nach einer längeren Suche die Reliquien ihres Patrons in der Kirche Maria Chalkoprateia.

Literatur

  • Ilenia Cusinato: I reliquiari di San Simeone Profeta: storia di un corpo santo conteso tra Venezia e Zara nel XIV secolo, tesi di dottorato, Padua 2024 (Streit um die Echtheit der Reliquien zwischen Zada und Venedig, ein Streit, den bereits Corner (zugunsten der venezianischen Reliquien) diskutiert hat). (online)
  • Herbert Rosendorfer: Kirchenführer Venedig, Leipzig 2008, 2. Aufl. Seemann, 2013, S. 48 f.
  • Marcello Brusegan: Guida insolita ai misteri, ai segreti, alle leggende e alle curiosità delle chiese di Venezia, Newton Compton, 2004, S. 311 f. („Chiesa di San Simeon Grande“)
  • Fabrizia Callegaro: Nuovi documenti per la chiesa di S. Simeone Grando a Venezia, in: Venezia Arti 1991, S. 144–146.
  • Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, n. 166, S. 103.
  • Giuseppe Cappelletti: La chiesa di S. Simeone Profeta, vulgo il Grande, Venedig 1860.
  • Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 384 f. (Digitalisat)
Commons: San Simeone Profeta – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

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