San Stin

Kirchengebäude in Italien From Wikipedia, the free encyclopedia

San Stin, selten Santo Stefano Confessore genannt, war eine Kirche im Westen des venezianischen Sestiere San Polo, unweit des Staatsarchivs. Das Bauwerk, das vielleicht bis ins 10. Jahrhundert zurückreichte, befand sich an der Südseite des Campo San Stin. Das Patrozinium verweist möglicherweise auf Stephanos den Jüngeren, daher gelegentlich San Stefanin genannt, doch setzte sich die kontrahierte Namensfassung wegen der Ähnlichkeit zu Santo Stefano durch. San Stin war bis 1810 Pfarrkirche und wurde wenig später abgerissen. Wie sich aus der Literatur entnehmen lässt, war die Kirche überaus reich ausgestattet; nur ein Teil der Werke ist erhalten geblieben.

Die Kirche im Plan des Jacopo de’ Barbari, um 1500 (Ausschnitt)
Bernardo Bellotto: Campo San Stin, Öl auf Leinwand, 62 × 99 cm, nach 1740, National Trust

Geschichte

Campo San Stin

San Stin, der legendären Überlieferung nach im 10. Jahrhundert erbaut und unmittelbar danach zur Pfarrkirche erhoben, wird erst 1295 als Werk von Giorgio Zancani nachweisbar, eines venezianischen Patriziers aus der venezianischen Kolonie Kreta. Die Chronik des Andrea Dandolo nennt den verheerenden Brand, der 1105 einen Teil der Stadt zerstörte, und auch Santo Stefano Confessore dürfte unter den dabei zerstörten Kirchen gewesen sein, wie schon Flaminio Corner 1758 in seinen Notizie storiche delle chiese e monasteri di Venezia annahm.[1] Nach ihm waren es wohl Händler im Osten, insbesondere in Konstantinopel, die den lokal verehrten Heiligen, der im Westen wenig bekannt war, verehrten. Diese Verehrung wollten sie in der Heimatstadt beibehalten. In die Kirche San Stin sollen auf diese Weise auch einige seiner Reliquien gelangt sein. Neben dem „piovano“ hatte die Kirche zwei „preti“, einen „diacono“ sowie einen „subdiacono“.

Mit dem Dekret Napoleons von 1807 und den Verfügungen ab 1810 wurde die Pfarrei San Stin aufgelöst und ihr Gebiet zusammen mit dem von Sant’Agostin in die neu gegründete Pfarrkirche Santa Maria Gloriosa dei Frari eingegliedert. Die für den Gottesdienst geschlossene Kirche wurde wenig später abgerissen.

Ausstattung

Jacopo Tintoretto: Assunzione della Vergine, Öl auf Leinwand, 240 × 136 cm, um 1550/1555, 1812 an die Gallerie dell’Accademia abgegeben

Marco Boschini erwähnt 1674 in seinem Opus Le ricche miniere della pittura veneziana drei Gemälde von Girolamo Pilotto († 1649) mit der Darstellung des Mannas in Wüste, der „Natività di Maria“ und „lo Sponsalizio di Maria, con S. Gioseffo“, also Mariä Geburt und die Verlobung Marias mit Josef. Außerdem nennt er von Jacopo Tintoretto Ascensione di Maria (Mariä Aufnahme in den Himmel), sowie mehrere Werke von Matteo Ingoli († 1631), darunter eine Darstellung des Heiligen, dem die Kirche ihren Namen verdankte. An der Decke nennt er eine „Santissima Trinità“ von Giacomo Petrelli,[2] Boschini merkt an, dass an der Außenfassade ein Bild der „Speranza“ und der „Carità“ dem Lauf der Zeit zum Opfer gefallen seien. Die Wand sei zwar erneut bemalt worden, doch habe dies nichts mit dem verblassten Werk gemein. Ähnlich sei es Bildern an der Fassade der benachbarten „Casa Zena“ ergangen.[3]

Die drei Pilotti-Werke nennt 1733 auch Antonio Maria Zanetti in seiner Descrizione di tutte le pubbliche pitture della citta' di Venezia e isole circonvicine, ebenso das Meisterwerk Tintorettos und Giacomo Petrellis Dreifaltigkeit über dem „Altar del Cristo“. Zusätzlich nennt er jüngere Werke, etwa in der Kapelle zur linken des Hauptaltars „il Transito di S. Gioseppe“ von „Gregorio Lazarini“. An der Seite des Altars „della Assunta“ erwähnt er ‚den Schlafenden Joseph und den Engel, der ihm erscheint‘ (Der Engel erscheint Joseph im Traum) von Antonio Molinari.[4]

Franceso Polazzo (1683–1753): Christus und der Zenturio, Öl auf Leinwand, um 1743, heute in der Kirche San Trovaso, ursprünglich in der Kirche San Stin

Literatur

  • Marco Boschini: Le ricche miniere della pittura veneziana, Francesco Nicolini, Venedig 1674, Sestier di S. Polo, S. 34 f. („Chiesa di S.Stefano Confessore, detto S.Stin, Preti“). (Digitalisat)
  • Antonio Maria Zanetti: Descrizione di tutte le pubbliche pitture della citta' di Venezia e isole circonvicine: o sia Rinnovazione delle Ricche minere di Marco Boschini, colla aggiunta di tutte le opere, che uscirono dal 1674. sino al presente 1733, Pietro Bassaglia al segno della Salamandra, Venedig 1733, S. 291. (Digitalisat)
  • Flaminio Corner: Notizie storiche delle chiese e monasteri di Venezia, e di Torcello, tratte dalle chiese veneziane, e torcellane, Giovanni Manfrè, Padua 1758, S. 346 f. (Digitalisat)
  • Elena Bassi: Tracce di chiese veneziane distrutte. Ricostruzioni dai disegni di Antonio Visentini, Venedig 1997, S. 66 f.
Commons: San Stin – Sammlung von Bildern

Anmerkungen

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